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Transformation Klimaschutz bedroht energieintensive Industrien – WWF fordert Hilfe der Politik

Der Klimaschutz stellt energieintensive Branchen vor Herausforderungen. Schützenhilfe bekommen sie ausgerechnet von der Umweltorganisation WWF.
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Die Stahlindustrie setzt auf den Einsatz von grünem Wasserstoff im Hochofenprozess. Quelle: dpa
Hochofen

Die Stahlindustrie setzt auf den Einsatz von grünem Wasserstoff im Hochofenprozess.

(Foto: dpa)

Berlin Die Umweltschutzorganisation World Wide Fund for Nature (WWF) macht Druck auf die Bundesregierung und fordert klare Vorgaben für die Transformation zu einer klimaneutralen Industrie. „Wenn die Politik jetzt nicht den richtigen Rahmen setzt, drohen klimaschädliche Fehlentwicklungen. Damit steigt das Risiko von Wertverlusten, die Zukunftsfähigkeit betroffener Unternehmen ist gefährdet“, sagte Michael Schäfer, Leiter Klimaschutz beim WWF Deutschland, dem Handelsblatt.

Die Industrie steht in Deutschland für 23 Prozent der Treibhausgasemissionen. Laut Klimaschutzplan soll sie ihre Emissionen bis 2030 im Vergleich zu 1990 halbieren. Bis Mitte 2050 soll sie klimaneutral agieren. Die Hälfte der Emissionen dieses Sektors geht auf das Konto energieintensiver Branchen wie Stahl, Zement und Grundstoffchemie.

Ihr Problem: Sie können die Emissionen zwar bis zu einem gewissen Grad beispielsweise durch Effizienzsteigerungen oder durch den vermehrten Einsatz erneuerbarer Energien verringern. Am Ende bleiben aber prozessbedingte Emissionen, die sich mit heutigen Methoden nicht weiter reduzieren lassen.

Auf mittlere Sicht gehe daher „kein Weg an neuen klimafreundlichen Produktionsverfahren und einer verbesserten Kreislaufwirtschaft vorbei“, sagte Schäfer. Die Stahlindustrie beispielsweise setzt auf den Einsatz von grünem Wasserstoff im Hochofenprozess. Die Projekte sind von der Wettbewerbsfähigkeit allerdings noch weit entfernt.

Aber auch damit stößt man an Grenzen. Für Emissionen, die sich nicht vermeiden lassen, komme es daher auf das Auffangen und Verwerten (Carbon Capture and Utilization, kurz CCU) oder auf das Auffangen und Speichern (Carbon Capture and Storage, kurz CCS) von CO2 an, heißt es in einem noch unveröffentlichten Papier des WWF zum Klimaschutz in der Industrie, das dem Handelsblatt vorliegt.

CCS ist in Deutschland aktuell nicht möglich

Der WWF greift damit ein heißes Eisen auf. Umweltschutzorganisationen sehen gerade CCS sehr kritisch. Der WWF zeigt sich nun deutlich offener, fordert aber auch für CCS einen regulatorischen Rahmen. In der Debatte um CCS für die Industrie müsse klar benannt werden, wofür genau diese Technologie verwendet werden soll, heißt es in dem Papier der Organisation. CCS müsse eindeutig auf die Fälle beschränkt werden, „für die es keine anderen Vermeidungsoptionen gibt“.

CCS ist in Deutschland de facto nicht möglich. Ein Gesetz erlaubt es seit 2012 den Bundesländern, auf ihrem Territorium die CO2-Speicherung auszuschließen. Damit lässt sich CCS-Projekten in Deutschland ein Riegel vorschieben. Die amtierende Bundesregierung hat bislang keine Initiative ergriffen, das Thema CCS anzupacken. In Regierungskreisen heißt es dazu, man wolle sich an der umstrittenen Frage nicht die Finger verbrennen.

Aus Sicht des WWF braucht die Industrie für die anstehende Transformation „klare Rahmensetzungen und Vorgaben seitens der Politik“. Die Bundesregierung müsse „im Sinne einer integrierten Klimaschutz- und Industriepolitik zügig vorangehen“, mahnt WWF-Experte Schäfer.

„Wichtig sind dafür auch ein Klimaschutzrahmengesetz und eine ambitionierte EU-Klimapolitik mit entsprechender Langfriststrategie“, fordert Schäfer. Das mache den Pfad für die Industrie besser plan- und gestaltbar. In dem WWF-Papier heißt es, es wäre „ein großer Verlust für den Standort Deutschland, wenn aufgrund der Unentschlossenheit der deutschen Politik“ verlässliche Rahmenbedingungen fehlten und „die Unternehmen deshalb außerhalb Deutschlands investieren“.

Das Kapitel „Industrie“ im Klimaschutzprogramm, das die Bundesregierung am Freitag vorgestellt hat, gibt indes wenig Anlass zu der Hoffnung, dass die betroffenen Unternehmen rasch mit einer verlässlichen Ansage der Politik rechnen können. Es sind dort verschiedene Förderprogramme erwähnt, die fortgeschrieben oder aufgestockt werden sollen. Eine grundsätzliche Neuausrichtung der Rahmenbedingungen ist dagegen nicht erkennbar.

Mehr: Die große Koalition lobt sich für ihre Handlungsfähigkeit, doch die Kritik am Klimapaket ist massiv. Das 2030er-Klimaziel steht auf der Kippe.

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