Transrapid Mit 500 Stundenkilometern um den Vulkan

Verkehrsminister Ramsauer will weiter Geld in den Transrapid stecken. Angeblich gibt es einen neuen Interessenten - die Insel Teneriffa. Womöglich bewahrt ihn die Atlantik-Insel davor, das Ende des einst als Innovation gefeierten Schwebezugs verkünden zu müssen.
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Hochgeschwindigkeitszug Transrapid: Peter Ramsauer hofft auf einen Zuschlag aus Teneriffa. Quelle: ap

Hochgeschwindigkeitszug Transrapid: Peter Ramsauer hofft auf einen Zuschlag aus Teneriffa.

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BERLIN. Wenn Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) das Wort Teneriffa hört, denkt der Bayer nicht an Urlaub - sondern an den Transrapid. Verkehrsminister Ramsauer will weiter Geld in den Schwebezug stecken. Angeblich gibt es einen neuen Interessenten - die Insel Teneriffa. Womöglich, so sein Gedanke, bewahrt ihn die Atlantik-Insel davor, bald das Ende des einst als Innovation gefeierten Schwebezugs verkünden zu müssen.

Denn Ramsauer will nicht der Totengräber des Transrapids sein. Ohne Teststrecke im eigenen Land, so das Argument, kauft niemand in der Welt die Technik. Die Strecke im Emsland aber steht auf der Kippe - zu viel hat der Bund schon investiert, seit 1980 mehr als 800 Mio. Euro, auch wenn bislang nur China den Zug kaufte - mit großzügigen Zuschüssen aus Deutschland. Irgendwann, sagen die Berliner Haushaltspolitiker, muss Schluss sein.

Jetzt setzt Ramsauer auf Teneriffas Inselpräsidenten Ricardo Navarro - und dessen Verbindungsmann in Berlin, einen illustren Mann namens Mario Hempel. In der DDR verdingte sich Hempel als Bassist der Rockband "Report", heute organisiert er Festivals in Berlin. Wenn er sich erholen will, fährt er gerne nach Teneriffa. Dort stiftet er auch mal einen Preis für eine Spendentombola und kommt so in Kontakt mit der lokalen Prominenz.

Inzwischen bezeichnet sich Hempel als "Interessenvertreter des Präsidenten in Berlin"; eine Art Konsul in Diensten Teneriffas also. In Regierungskreisen wird bestätigt, Hempel sei "eine Art Mittler". Und offenbar hat er dem Präsidenten Navarro den Floh ins Ohr gesetzt, den Transrapid nach Teneriffa zu holen. "In Bezug auf Ihren Vorschlag einer Machbarkeitsstudie zum Aufbau des Transrapids als Transportmittel auf der Insel, habe ich die Freude Ihnen unser Einverständnis mit dem Inhalt und den Bedingungen mitzuteilen", schreibt Navarro in einem Brief, der dem Handelsblatt vorliegt. "Wir werden uns in Kürze mit Ihnen in Verbindung setzen."

Vage Aussagen kursieren in Berlin

Der Brief, mit seinen vagen Aussagen, kursiert nun innerhalb der Bundesregierung und soll der schlagende Beleg für einen neuen Interessenten sein. Also verhandelt Ramsauer mit dem Finanzministerium. "Wir wollen die Anlage mindestens zwei Jahre weiter finanzieren um die Vermarktungschancen im Ausland zu erhöhen", erklärte eine Sprecherin des Ministeriums.

Das alles erinnert an die Beratungen zum Haushalt 2010, als Ramsauer persönlich dafür kämpfte, die Teststrecke im Emsland entgegen der Pläne zu erhalten. In der abschließenden Nachtsitzung rang er den Haushältern noch einmal 5,2 Mio. für den Betrieb ab. Das Argument damals: Es bestünde die Chance, dass Brasilien den Transrapid kauft. In Brasilien ist seitdem nichts passiert.

Ähnlich sieht es auch auf Teneriffa aus. Zum einen verwundert, weshalb sich Musikfreund Hempel zum Cheflobbyisten des Transrapids aufschwingt. Zum anderen erklärt er, Teneriffa-Oberhaupt Navarro habe kein Interesse, das Thema in den Medien zu lesen. "Der Präsident ist im Wahlkampf." Da störe so etwas. Vielleicht müsste Navarro dann beantworten, wie er das Milliardenprojekt für seine 900 000 Einwohner finanzieren will. Oder, welchen Sinn es macht, einen Zug mit 500 Stundenkilometern über eine gerade einmal 80 Kilometer lange Insel sausen zu lassen.Die Haushälter im Bundestags jedenfalls sind alarmiert. "Wir lassen den Transrapid auf der Teststrecke nicht weiterlaufen", kündigte Claudia Winterstein (FDP) an. Die Nachfrage aus Teneriffa sei nicht realistisch. Und: "Die Vermarktung hängt nicht an der Teststrecke." Schließlich fahre der Zug in Shanghai. Immerhin.

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5 Kommentare zu "Transrapid: Mit 500 Stundenkilometern um den Vulkan"

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  • Der inselpräsident von Teneriffa heißt Ricardo Melchior. Der hat in Deutschland studiert und spricht hervorragend deutsch. Der braucht niemanden, der ihn vertritt er ist grundsätzlich am Transrapid interessiert und hat selbst schon die Firmen um den Transrapid herum besucht. Ausserdem ist er nicht im Wahlkampf. Er tritt sein Amt nicht mehr an, was sehr bedauerlich ist. Nur soviel dazu.

  • @Jonas
    Rumpelzug? ich bin ihn selber mehrmals in Shanghai gefahren. Da fuhr er einwandfrei mit 430 km/h.

  • ich bin mit dem ersten Transrapid gefahren und mit dem in Shanghai, und kann nur sagen, daß der Kram noch nicht marktreif ist.

    Die technischen Probleme, also das Thema Grundlagenforschung, scheint dank der kompletten Finanzierung durch die bundesregierung erledigt, aber die Serienreife, für die Geld und Entwicklungsarbeit von Siemens/Thyssen nötig wäre, wurde komplett verschlafen weil von den Firmen keinerlei Geld zur Verfügung gestellt wurde: Man wollte sich alles (und noch mehr) vom Staat bezahlen lassen.
    Dafür will das korrupte Unternehmen aber sicherlich alle Gewinne selbst behalten.

    Der aktuelle Zug ist ein Rumpelzug der die Fahrzeit zum Flughafen Shanghai im Vergleich zur U-bahn verlängert weil er für diesen Job eine komplette Fehlkonstruktion ist.

    Ausserdem wurde nicht daran gearbeitet, die Trasse deutlich preiswerter fertigen zu können, so preiswert, daß sie konkurrenzfähig wäre.

    Kein Wunder, daß man Shanghai den Zug nur schenken konnte.

    Eines Tages wird es eine serienreife funktionierende Magnetschwebebahn geben, aber die wird nicht von Siemens/Thyssen gebaut, sondern von fähigen Firmen die auch ein unternehmerisches Risiko eingehen und wissen, wann etwas marktreif ist.

    SPERRT SiE ALLE EiN ! (und fordert die Staatsknete zurück).

  • Nur "mit großzügigen Zuschüssen" der deutschen Regierung "exportierte" man den Transrapid mit Ach und Krach einzig und allein nach China, die den Transrapid jetzt in großem Stil kopieren. Die "Exporte" nach Griechenland wurden mit deutschen Anleihen finanziert, die inzwischen ebenfalls vom deutschen Steuerzahler beglichen wurden. Es waren also gar keine Exporte, sondern Geschenke. Vielleicht sollte man auch bei uns mal versuchen, irgend etwas ohne Subvention der Steuerzahler zu exportieren, wie es andere Länder machen.

  • Ja reicht denen denn Stuttgart nicht? So langsam beschleicht mich der Verdacht, dass die ganze Riege, als se noch Steppkes waren, bücher über das große Eisenbahnabenteuer gelesen hat. Und jetzt wollense endlich spielen...

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