Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Trio für die SPD Die heimliche Führungsreserve der SPD – und Schäfer-Gümbel

Malu Dreyer, Manuela Schwesig und Thorsten Schäfer-Gümbel übernehmen kommissarisch die Leitung der SPD. Die beiden Frauen gelten als Hoffnungsträger, TSG war schon abgeschrieben.
Kommentieren

Dieses Trio soll den SPD-Vorsitz kommissarisch übernehmen

BerlinGibt es in der SPD eigentlich noch Wahlsieger? Ja, es gibt sie. Malu Dreyer, die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, hat in einem damals schon für die SPD sehr ungünstigen Umfeld bei den letzten Landtagswahlen in ihrem Bundesland gepunktet. Das ist zwar schon gut drei Jahre her, aber die Genossen erinnern sich gerne an diesen Sonntag im März 2016, als ihre Partei mit 36 Prozent der Stimmen sogar noch leicht über dem vorherigen Landtagswahlergebnis lag. Dreyer schmiedete eine Koalition aus SPD, FDP und Grünen und führt sie seitdem weitgehend geräuschlos.

Jetzt soll Dreyer gemeinsam mit dem hessischen SPD-Politiker Torsten Schäfer-Gümbel und Manuela Schwesig, Ministerpräsidentin in Mecklenburg-Vorpommern, die SPD übergangsweise führen. Am Montagmorgen war die bisherige Parteichefin Andrea Nahles zurücktreten.

Dreyer und Schwesig gehören schon länger zur heimlichen Führungsreserve der SPD. Dreyer ist in der Partei bundesweit überaus beliebt. Auf dem SPD-Parteitag im Dezember 2017 wurde sie zu einer der stellvertretenden Bundesvorsitzenden gewählt und erzielte das beste Ergebnis. 97,5 Prozent der Delegierten stimmten für sie.

Die anderen fünf Kandidatinnen und Kandidaten blieben weit dahinter zurück, auch Manuela Schwesig und Thorsten Schäfer-Gümbel. Insofern hat Dreyer unter den Vize-Vorsitzenden ihrer Partei eine herausgehobene Position. Schon 2017 gab es Parteimitglieder, die sich gewünscht hätten, dass Dreyer statt Nahles für den Parteivorsitz kandidiert.

Dreyer, Jahrgang 1961, ist eine Frau des Ausgleichs, freundlich und zugewandt, in ihrem Bundesland überaus angesehen. Der Versuchung, auch auf Bundesebene ein wichtigere Rolle anzustreben, hat sie bislang widerstanden. Dabei mag ihre Erkrankung eine Rolle spielen: 1995 wurde bei ihr Multiple Sklerose diagnostiziert, für längere Strecken ist sie auf den Rollstuhl angewiesen. Der extreme Stress von politischen Spitzenämtern in Berlin wirkt unter diesem Aspekt nicht besonders attraktiv.

In der an Führungskrisen reichen jüngeren Vergangenheit der SPD fiel bei der Suche nach geeigneten Kandidaten zuletzt auch immer wieder Name Manuela Schwesig. Dass sie nun dem Führungstrio für den Übergang angehört, überrascht daher nicht. Seit Juli 2017 ist Schwesig Ministerpräsidentin in Schwerin. Sie trat damals die Nachfolge von Erwin Sellering an, der aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten war.

Parteichef nach der Rückzugsankündigung

Dass auch Schäfer-Gümbel dem Übergangs-Führungstrio angehört, verblüfft schon. Der Hesse hatte erst im März seinen Rückzug aus der Politik erklärt. Thorsten Schäfer-Gümbel, von Freund und Feind oft nur „TSG“ genannt, wird im Oktober Vorstandsmitglied der staatlichen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Dort wird er den Posten des Arbeitsdirektors übernehmen.

Im Gegensatz zu Dreyer blieb TSG in den vergangenen Jahren als Wahlkämpfer erfolglos, so auch 2018. Nach der hessischen Landtagswahl im Oktober attestierten ihm die Genossen, eigentlich alles richtig gemacht zu haben. Konsequent hatte Schäfer-Gümbel die Themen Wohnen, Bildung und Mobilität in den Mittelpunkt seines Wahlkampfs gerückt.

Doch das Ziel, seine Partei wieder zu alter Stärke zu führen, verfehlte der hessische SPD-Spitzenkandidat krachend. Die SPD wurde nach CDU und Grünen nur drittstärkste Kraft in Hessen. Das schwarz-grüne Regierungsbündnis wurde erneuert, die SPD blieb außen vor.

Für TSG war es nach 2009 und 2013 bereits die dritte Niederlage als Spitzenkandidat der Hessen-SPD. Die anhaltende Erfolglosigkeit nagte zusehends an Schäfer-Gümbel. In Berlin hatte es im März geheißen, TSG werde auch beim nächsten SPD-Bundesparteitag nicht mehr für das Amt eines stellvertretenden Bundesvorsitzenden kandidieren. Nun soll er zusammen mit Dreyer und Schwesig die Partei während einer schweren Krise führen.

Mehr: Lesen Sie alle Entwicklungen zur Krise der SPD und der Zukunft der Großen Koalition in unserem Newsblog.

Startseite

Mehr zu: Trio für die SPD - Die heimliche Führungsreserve der SPD – und Schäfer-Gümbel

0 Kommentare zu "Trio für die SPD: Die heimliche Führungsreserve der SPD – und Schäfer-Gümbel"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote