Tröglitz und die Reaktionen Wie Nazis einen Bürgermeister aus dem Amt jagten

Wochenlang hielt er den Anfeindungen durch Rechtsextreme stand. Doch als sie vor seinem Haus aufmarschieren wollten, gab Tröglitz' Bürgermeister Markus Nierth sein Amt auf. Der Fall schlägt nun in Berlin hohe Wellen.
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Rund 150 rechtsextreme Demonstranten haben hier keine acht Wochen gebraucht, um ihren Bürgermeister aus dem Amt zu jagen: die 2800-Seelen-Gemeinde Tröglitz im Burgenlandkreis. Quelle: dpa
Tröglitz

Rund 150 rechtsextreme Demonstranten haben hier keine acht Wochen gebraucht, um ihren Bürgermeister aus dem Amt zu jagen: die 2800-Seelen-Gemeinde Tröglitz im Burgenlandkreis.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDa waren‘s nur noch 2000: Als bei der allmontäglichen Pegida-Demonstration Anfang Februar in Dresden statt vormals 25.000 Teilnehmern nur noch ein harter Kern von „Patrioten“ gegen eine vermeintliche Islamisierung des Abendlandes spazierte, war die Hoffnung groß, der ganze Spuk sei jetzt vorbei.

In der kleinen Ortschaft Tröglitz im sachsen-anhaltinischen Burgenlandkreis lief es anders: 50 bis 150 Demonstranten haben in der 2800-Seelen-Gemeinde innerhalb weniger Wochen geschafft, woran sich in Dresden tausende Wutbürger seit Monaten die Zähne ausbeißen. Sie haben „die Mächtigen“ endgültig zum Teufel gejagt. Oder zumindest den Mächtigsten im Dorf: ihren ehrenamtlichen Bürgermeister Markus Nierth.

„Es ist eine Tragödie für unsere Demokratie, wenn ein gewählter Bürgermeister wegen Anfeindungen von Neonazis zurücktreten muss“, sagte Justizminister Heiko Maas zum Fall Tröglitz. Die mittlerweile im Hinterland Sachsen-Anhalts eingeschmolzene Pegida in Dresden könnte nur die Spitze eines Eisbergs gewesen sein.

Die Geschichte von Tröglitz beginnt im Dezember, als Nierth im örtlichen Gemeindeblatt „Blickpunkt“, das zu diesem Zeitpunkt bereits umhergehende Gerücht bestätigt, der Kreistag plane, Asylbewerber in Tröglitz unterzubringen. Freimütig räumt der Parteilose damals ein: „Tröglitz könnte damit überfordert sein.“

Der Beitrag liest sich wie eine Blaupause für verständnisvolle Bürgervermittlung. Vorausschauend nimmt der Bürgermeister darin mögliche Ängste seiner Bevölkerung ernst und macht sie zu seinen eigenen: Kriminalität, Überfremdung, Sozialmissbrauch.

Er wolle nicht von „heile heile Multikulti“ reden und erwarte durchaus harte Kritik dafür, dass sein Beitrag nicht unbedingt den Ansprüchen der politischen Korrektheit genüge. Doch Kritik kommt nicht von links. Nierth wird in der rechten Ecke zum Sündenbock gemacht.

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  • Die jüngsten Ereigniss zeigen es: Bei der Campierung wurde die Gewalt nicht durch Neos ausgelöst, sondern durch Linksautonome (ein Freund von mir hat die Demo miterlebt). Wenn es zu Gewalt durch Linksautonomen kommt, dann wird nichts berichtet!!! Anonsten wird immer alles den Neonazis in die Schuhe geschoben!!!

  • Die Frage die sich stellt ist, ob es überhaupt Neonazis waren. ICh glaube seit geraumer Zeit nicht mehr an die Mainstream berichterstattung. Mit großer Wahrscheinlichkeit waren es Bürger, die gegen eine Unterbringung waren. Die jüngsten Er

  • Hr. Blome Dietmar!!! Lesen Sie die Kommentare richtig! Zivilcourage haben nicht die Rechten, sondern Politiker zu zeigen!! Warum machen Sie dies nicht!!!?????? Nur noch unfähige Feiglinge, die sich weigern für Deutsche zu sein? Bei Diätenerhöhungen brauchen Sie auch keine Zivulcourage, sondern nehmen sich ungefragt das Geld der Büger und schädigen nur noch die Bürger. Z.B. Maut, Kindergeld usw.!!!!!!!!!!!!

  • @ Michael Müller,
    Sorry, aber gibt es einen Unterscheid im Schmerz zwischen einem Tritt mit dem rechten oder dem linken Stiefel?
    Allerdings ist festzuhalten, dass in Deutschland ein "Verbrecherschutzprogramm" (auch unabhängig von Links, Rechts) längst installiert ist.

  • Sollten sich die Menschen nur daran stören, dass es bis vor das Haus des Bürgermeisters ging: Die linken Einschüchterungsmärsche, bei denen tatsächlich Gewalt angewendet wird, endet doch auch dort, wo die Pegida demonstriert. Hier schert sich doch auch keiner drum, wenn Menschen eingeschüchtert werden und mit Steinen beworfen. Da bleiben unsere Gutmenschen entspannt!

  • Demokratische Menschen haben friedlich Demonstriert soweit es hier zu lesen ist. Wo genau liegt denn jetzt das Problem? Kann mir einer sagen, woran festgemacht wird, dass es sich um Neonazis gehandelt hat und nicht um besorgte Eltern mit Kinder? Gab es denn Straftaten? Ermittelt die Staatsanwalt gegen diese Domonstranten wegen Androhung von Gewalt? Oder waren es tatsächlich nur friedliche besorte Bürger?

  • Nun, da erfährt man wenigstens mal, wo dieses Dörfchen liegt und was für eine bewegte Vergangenheit es hatte (KZ-Verwaltung ansässig!). Sicher hat der Opa seine Ideen von "undeutsch" an die Kinder und Enkel weiter gereicht. Diese paar (...) wohnen schön zwischen Leipzig, Gera und Erfurt - und dort soll es keine Arbeit für gut ausgebildete und leistungsbereite Menschen geben? So dass man vor 60 Zuwanderern Angst haben muss, die noch dazu gar keine Arbeitserlaubnis haben? Kann ich nicht glauben. Ich vermute, es ist wie bei den Griechen: lieber auf anderen rum hacken, als selbst mal was leisten. Sehr sympatische Mitbürger, wirklich Supersachsen und -anhälter!

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Die sogenannten Rechtsextremen haben nur ihr Recht auf freie Meinungsäußerung ausgeübt. Man muß nicht gehirngewaschen nur das nachplappern, was der Mainstream vorgibt. Wenn der Großteil der Bevölkerung von Tröglitz nicht möchte, daß die Überfremdung überhand nimmt, so hat man das zu respektieren, auch ein Bürgermeister, der nur "kein Problem, wir machen das schon, herein mit den Bedürftigen" nachplappern kann. Wir sollten froh sein, daß Bürger auch mal nein sagen können. Auch unsere Regierung muß das scheinbar neu lernen, nein zu sagen, denn den Spagat wird die BRD nicht mehr lange hinbekommen, wenn alle Bedürftigen, nicht nur europaweit, sich versammeln sollen. Da müssen unsere Volksanführer Farbe bekennen, den Karren nicht weiter schleifen lassen und die Dinge anpacken, auch wenn damit viel Gejaule entsteht. Nichts tun kann jeder Dummkopf.

  • Das zeigt doch wieder nur das es drunter und drüber geht in der Bunten Republik.
    Die Fachkräfte kommen in solchen Massen das man gar nicht mehr weiß wohin damit
    die Gemeinden werden samt der Bürger damit alleine gelassen.
    Jeder der Gutmenschen sollte sich doch hier endlich mal einbringen und ehrenamtlich mithelfen.

  • 150 Neonazis - davon noch ein Großteil aus anderen Gemeinden - und von den 2800 Einwohnern? 1400 wahrscheinlich im demonstrationsfähigen Alter - ist keiner aufgestanden?

    Hat keiner gesagt "Neonazis raus" ?

    sorry - das IST ein braunes Nest!

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