Trotz Plagiatsaffäre Solidaritätswelle für Annette Schavan

Eine Plagiatsaffäre katapultierte sie ins Kreuzfeuer der Kritik, doch die Delegierten der CDU wählten Annette Schavan dennoch mit einem überwältigenden Ergebnis zur Bundestagskandidatin.
Update: 26.01.2013 - 10:55 Uhr 36 Kommentare
„Ich habe nicht abgeschrieben und schon gar nicht getäuscht“, sagte Schavan vor den Delegierten. Quelle: dapd

„Ich habe nicht abgeschrieben und schon gar nicht getäuscht“, sagte Schavan vor den Delegierten.

(Foto: dapd)

Ulm/MünchenDie wegen Plagiatsvorwürfen unter Druck stehende Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) tritt mit voller Rückendeckung in Ulm als Direktkandidatin für die Bundestagswahl an. Am Freitagabend stimmten 96 Prozent der Delegierten des CDU-Kreisverbands Alb-Donau/Ulm für die 57-Jährige. Das waren 294 der gültigen 307 Stimmen. „Ich danke sehr für das große Vertrauen und bin darüber ganz einfach glücklich“, sagte die bewegte Schavan.

Die Ministerin hatte zuvor in ihrer 30-minütigen Rede um das Vertrauen ihres Wahlkreises gebeten. Die große Solidaritätswelle der Delegierten zeigte sich in den Ovationen danach. Schavan stellte sich auf einen Stuhl und jubelte ebenfalls ihren Parteimitgliedern zu. „Ich habe nicht abgeschrieben und schon gar nicht getäuscht“, sagte sie vor der Nominierung.

Schavan bedankte sich für die „überwältigende Unterstützung“ nach den Plagiatsvorwürfen in den vergangenen Wochen und Monaten. „Bis hin zum heutigen Tag bewegt mich das menschlich ungemein“, so Schavan. Kritikern entgegnete sie: „Ich lasse mich nicht jeden Tag von jedem provozieren, der meint, mich provozieren zu können.“

In der Plagiatsaffäre setze sie auf ein faires Verfahren der Universität Düsseldorf. Dorthin habe sie zu ihrer Verteidigung bereits eine schriftliche Erklärung geschickt, sagte die 57-Jährige. Die Universität Düsseldorf hatte am Dienstag ein Verfahren zur Aberkennung von Schavans Doktortitel eingeleitet.

Zahlreiche Medienvertreter verfolgten die Veranstaltung. Schavans Wahlkreis stellte sich in der Plagiatsaffäre bisher geschlossen hinter sie. Von allen Seiten gab es unterstützende Worte für die Ministerin. „Sie hat eine hervorragende Arbeit geleistet. Wir sind froh, dass wir sie als Abgeordnete haben“, sagte die Landtagsabgeordnete und frühere Sozialministerin in Baden-Württemberg, Monika Stolz. Der große Zuspruch hänge aber auch mit der Plagiatsaffäre zusammen. „Ich glaube, die Mitglieder spüren, dass hier etwas abläuft, was nicht in Ordnung ist.“

Ulms Finanzbürgermeister Gunter Czisch sagte, dass sich Schavan bisher integer für ihren Wahlkreis eingesetzt habe und er sich sicher sei, dass sie auch integer in ihrer Doktorarbeit gewesen sei. „Wir wünschen Dir weiterhin Standhaftigkeit und Kraft“, sagte Czisch.

Was aber, wenn Schavan tatsächlich ihren Doktortitel verlieren sollte? 62 Prozent der Bundesbürger sprechen sich für einen Rücktritt der Bundesbildungsministerin aus. Das ergab eine repräsentative Emnid-Umfrage für das Nachrichtenmagazin „Focus“, die am Samstag veröffentlicht wurde. 34 Prozent der Befragten sind demnach der Meinung, die CDU-Politikerin kann auch dann im Amt bleiben, wenn sich die Vorwürfe gegen ihre Doktorarbeit bestätigen sollten.

  • dpa
  • dapd
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36 Kommentare zu "Trotz Plagiatsaffäre: Solidaritätswelle für Annette Schavan"

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  • Manieren wie Feudalherren!

    Man muss ihnen zugute halten, dass sie sich an sonst nichts halten können. Es ist lediglich eine Stilblüte des Systems, zu dem sich unsere Abgeordneten durch gerungen haben und sich aufopferungsvoll einsetzen.

    Es muss doch schon pervers anmuten, für welche "Leistungen" wir Abgeordneten Diäten und Pensionen vergüten, während andere Familien, Rentner nicht wissen, wie sie den nächsten Monatsersten erreichen sollen.

  • verwerflich ist, dass Frau Schavan als Forschungsministerin nicht die Qualitätsstandards von Promotionen verteidigt, sondern sich durch durchsichtige
    Solidaritätsbekundungen von CDU Mitgliedern im Amt halten will. Minister sind ersetzbar, die Qualität von Promotionen nicht

  • "Dort ist eine Fülle von Mängeln zu entdecken, die
    gültigen Promotionsordnungen in Deutschland wider-
    sprechen."
    ------------------
    Maßgeblich ist die Promotionsordnung von 1980, nicht die von heute!!!

  • Schavan wird der Union weiter wie ein Klotz am Bein hängen. Viele Wähler werden der Union den Rücken kehren. Noch bemerken sie es nicht, aber im September 2013! Meine Stimme ist weg.

  • Fall Dr. Schavan : Faktencheck liefert Belege !

    ...wer Belege für die Redlichkeit der ehemaligen
    Doktorantin A. Schavan sehen will, der kann viele
    viele der Fakten, die zur Kritik an Doktorarbeit
    der Frau Dr. Schavan geführt haben, selbst ohne
    Probleme im Internet nachlesen.

    Dort ist eine Fülle von Mängeln zu entdecken, die
    gültigen Promotionsordnungen in Deutschland wider-
    sprechen. Somit ist die unvermeidliche Aberkennung
    des " Dr. " der Frau Schavan eigentlich nur noch
    eine reine Formsache, die von der UNI in Düsseldorf
    verwaltungstechnisch korrekt abzuwickeln ist. Allein
    dagegen könnte Frau Schavan klagen . Jürgen Kalähne

  • @Knuddel
    Die gefährlichsten Bürger Deutschlands sind die, die immer sagen: "Aber uns geht es doch gut."

  • @Wolfsfreund

    Ja, so war es in der Tat. Frau Dr. Schavan war damals eine Doktorandin unter vielen. Der Doktorvater hatte keine Veranlassung, ihr was zu schenken und seinen guten Ruf dadurch zu beschädigen.

    Man fragt sich, ob die offensichtlich ziemlich unbedarften Kritiker und Vorverurteiler überhaupt jemals eine Universität von innen gesehen haben.

  • 26.01.2013, 10:51 Uhr @Knuddel

    Ganz offensichtlich gehören sie mit zum deutschen Problem, zur Dreckspolitik!
    Ihr Kommentar ist widerwärtig!

    Alles hat ein ENDE …
    Muammar al-Gaddafi
    Saddam Hussein

    Es wird weitergehen …

  • Oh mein Gott!
    Recht & Ordnung in Deutschland!?

    Eine Supermarktangestellte findet in ihrem Supermarkt einen Leergut-Bon für ca. 1 € und behält ihn.
    Dafür wird ihr gekündigt!

    Ein Hoch auf das deutsche Rechtsverständnis!

    Unsere großartige Justiz bestätigt diese Kündigung auch noch!
    Ein Hoch auf die deutsche Justiz!


    Ulm/München: Die wegen Plagiatsvorwürfen unter Druck stehende Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) tritt mit voller Rückendeckung in Ulm als Direktkandidatin für die Bundestagswahl an. Am Freitagabend stimmten 96 Prozent der Delegierten des CDU-Kreisverbands Alb-Donau/Ulm für die 57-Jährige. Das waren 294 der gültigen 307 Stimmen. „Ich danke sehr für das große Vertrauen und bin darüber ganz einfach glücklich“, sagte die bewegte Schavan.

    Ein Hoch auf das deutsche Rechtsverständnis?
    Ein Hoch auf die deutsche Justiz?

    Und diese großartige deutsche JUSTIZ ist im „Dauerurlaub“!?

    Die deutsche Polit-Mafia steht außerhalb des deutschen RECHTS!?

    Wofür brauchen wir dann eigentlich eine deutsche Justiz,
    wenn die größten Verbrechen grundsätzlich straffrei agieren?

    Ist dann nicht auch die deutsche Justiz eine kriminelle Vereinigung?


    Nun weiß ich, warum der CIA eine Gefahren-Studie veröffentlicht u. seit 2008 vor Bürgerkrieg in Deutschland warnt!

    http://www.webdesign-luene.de/aktuelles/2009/11/29/burgerkrieg-in-deutschland/

    http://www.readers-edition.de/2010/10/22/cia-prophezeit-buergerkrieg-in-deutschland/

    http://www.kopp-exklusiv.de/index.php

  • An dieser Kandidatenkür wird wieder in aller Deutlichkeit klar, wie undemokratisch die Wahlen sind. Die Kandidaten werden parteiintern ausgekungelt. Selbst in den, dem Wähler vorgestzten Listen kann man keine Prioritäten setzen.
    Unabhängig davon, ob die Uni Düsseldorf Schavan als Betrügerin verurteilt: Die Frau hat in einem produktiven Beruf nichts geleistet. In einer Gesellschaft, in der (fast) alle von den Leistungen der wissenschaftlich-technischen Kultur profitieren und dank deren Förderung auch in Zukunft profitieren wollen, ist eine Frau mit dieser Vita als Bildungsministerin schlechterdings ungeeignet.
    Da sie sich - laut Thema ihrer Uniarbeit - wenigstens theoretisch mit dem Thema "Gewissen" auszukennen vorgibt, könnte sie stattdessen ihre Abgeordentenkollegen entsprechend seelsorgerisch betreuen.

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