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Tübinger Oberbürgermeister Grünen-Politiker Palmer profiliert sich als Retter der Rentner

Tübingens Oberbürgermeister eckt mit seinen Äußerungen regelmäßig an. In der Corona-Pandemie prescht er mit einem eigenen Konzept vor.
14.12.2020 - 14:37 Uhr 2 Kommentare
Tübingens Oberbürgermeister provoziert oft und gern, auch die eigene Partei. Quelle: dpa
Boris Palmer

Tübingens Oberbürgermeister provoziert oft und gern, auch die eigene Partei.

(Foto: dpa)

Berlin Wenn das Oberhaupt einer mittelgroßen deutschen Stadt in der Debatte über die richtige Strategie im Umgang mit der Corona-Pandemie bundesweit von sich reden macht, dann muss es sich schon ordentlich gegen den Mainstream wenden.

Boris Palmer fällt das leicht. Der Grünen-Politiker, 48 Jahre alt und 2006 zum ersten Mal zum Oberbürgermeister in Tübingen gewählt, provoziert oft und gern, auch die eigene Partei. Zuletzt fiel Palmer im Frühjahr in Ungnade, als er sagte, die Bundesregierung rette in der Coronakrise „alte Menschen, die womöglich sowieso bald tot wären“. Worauf ihm der Austritt aus der Partei nahegelegt wurde.

Jetzt profiliert sich Palmer als Retter der Rentner. Statt vorrangig auf Kontaktverbote zu setzen, schützt er in seiner 90.000-Einwohner-Stadt Risikogruppen und über 60-Jährige. Gefährdete Menschen sollten Sammeltaxen statt den Bus nutzen – zum normalen Tarif des öffentlichen Nahverkehrs. Für ein solches System hat Tübingen gesorgt.

Für Menschen mit kleinem Geldbeutel, die ein erhöhtes Risiko haben, bei einer Ansteckung mit dem Coronavirus schwer zu erkranken, stellt die Stadt kostenlos FFP2-Masken zur Verfügung. Wer einen Besuch bei Verwandten plant, die ebenfalls besonders gefährdet sind, kann sich in Tübingen kostenlos per Antigen-Schnelltest auf eine Infektion checken lassen. Etwas, das andere Städte und Landkreise noch längst nicht hinbekommen, noch nicht mal gegen Bezahlung.

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    Palmer, in Waiblingen geboren, ist ein Provokateur. Jedoch einer, der sich für seine Stadt einsetzt und auch Abbitte leistet, wenn er weiß, dass er übers Ziel hinausgeschossen ist. Für seinen Satz über die Lebenserwartung von älteren Corona-Infizierten hat er sich mittlerweile entschuldigt, es hat ein wenig gedauert, aber nun wünscht er sich sogar eine Versöhnung mit den Grünen.

    Sich selbst treu bleiben

    Auf die Frage, was er besser nicht von seinem Vater gelernt hätte, sagte er jüngst der Wochenzeitung „Die Zeit“: „Wie man mit dem Kopf durch die Wand läuft.“ Palmers Vater Helmut, der „Remstal-Rebell“, kandidierte erfolglos bei mehr als 250 Wahlen in Baden-Württemberg.

    Trotzdem: Seinen Überzeugungen will Boris Palmer auch künftig treu bleiben. In seiner Partei, so sieht er es, hätte er vielleicht mehr erreichen können, wenn er ein wenig konventioneller wäre, „für meine Stadt nicht“.

    Kontaktbeschränkungen sind allerdings auch dem Tübinger Regenten wichtig. Schon am vergangenen Freitag ordnete Palmer für die Wochenenden und die bevorstehenden Weihnachtstage ein Verbot von Alkoholausschank in der Tübinger Altstadt an. Glühwein gibt’s hier auch nicht zum Mitnehmen. So gut ist die Corona-Bilanz nämlich auch bei ihm nicht.

    Nach aktuellen Daten des Robert Koch-Instituts weist der Landkreis Tübingen am Montag eine Sieben-Tage-Inzidenz von 171,0 auf. Deutschlands Durchschnitt liegt bei 176,1. Und wie im Rest der Republik ist auch in Tübingen mehrheitlich die Altersgruppe der 35-59-Jährigen infiziert. Die ersten Fälle in einem Tübinger Pflegeheim gab es ebenfalls, allerdings keinen Großausbruch.

    Ein Aufregerthema ist für Palmer die Corona-Warn-App. „Wir müssen runter von diesem Datenschutz-Kult“, sagte er noch am Sonntagabend in einem Live-Talk der „Bild“-Zeitung. Es gehe darum, die App „scharf zu schalten“ und die Wirksamkeit deutlich zu erhöhen. „Sonst werden wir nicht herauskommen aus diesem Winterschlaf.“

    Mehr: So bereiten sich die Einzelhändler auf den Lockdown vor

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    2 Kommentare zu "Tübinger Oberbürgermeister: Grünen-Politiker Palmer profiliert sich als Retter der Rentner"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Marianne, Sie haben es sehr gut und prägnant auf den Punkt gebracht.
      Vor allem, sein Konzept versucht man uns seitens der Corona-Politik bundesweit als neuen Plan zu verkaufen, Verteilung von FFP2 Masken und den vordringlichen Schutz von Alters- und Pflegeheimen sowie den älteren und gefährdeten Menschen ein menschenwürdiges Umgehen mit Freunden und Verwandten zu ermöglichen.
      Ich bin kein Grünen-Sympathisant und schon gar kein Wähler, aber er labert nicht, schaltet seinen gesunden Menschenverstand ein und macht, nicht als Mainstream-Grüner sondern als OB von Tübingen.
      Es ist immer dasselbe - politische - Spiel. Jemand überlegt sich eine Problemlösung, macht es und ist mal grundsätzlich erfolgreich. Neid bei den Parteifreunden, eine Kleinigkeit klappt nicht - wie hier das Malheur der nach CPR positiv-Getesteten in diesem Altenheim in Tübingen - und schon versucht in die Meute zu kippen und fokussiert sich auf diesen "einen Fehler oder diese eine unglückliche Äußerung" und schon holt die Gemeinschaft von Partei-Freunden ihn wieder zurück in die Gruppe von Laberköppen:innen und dann ist die Welt der Gruppe wieder hergestellt - jedenfalls versucht man es.
      Nichts ist in Deutschland so gefährlich wie erfolgreich zu sein - der Neid mit allem was dazu gehört ist einem sicher - kein Beistand, keine Reflektion, kein "komm wir schaffen es trotz der Kritik" u.ä.
      Das ist der Grund, warum Menschen sich dies nicht antun wollen und es so wenige Leute mit Qualifikation und mentaler Stärke in den Reihen der Politiker gibt.

      Ich bin sicher, Herr Palmer hat diese Stärke und würde ihn - wenn ich in Tübingen wohnen würde - auch als Parteilosen wählen, einfach weil er so ist wie er ist, immer das Beste versuchend für seine Stadt.

      Die anderen können es doch in anderen Städten, Bundesländern und als Bundesregierung besser machen - aber hier hat man ja noch nicht mal einen Plan und einen angemessenen Umgang mit den Zahlen und Daten und Fachbegriffen, sondern einfach nur Angst schüren.

    • Zumindest hat Herr Palmer ein Konzept! Bei unserer Regierung und Herrn Spahn sehe ich dies nicht. Es wird vor sich hin gemurkst. Wahrscheinlich dürfen wir bis März oder April warten bis wieder etwas Normalität für die Menschen einkehrt. Ich bin es so satt und dann noch diese wunderbare Presse, die alle, die das politische Gebaren hinterfragen in die Idioten oder rechte Ecke stellt.

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