Türkei EU-Beitritt Oettinger-Äußerung sorgt für Wirbel

Das Thema EU-Beitritt der Türkei ist ein heißes Eisen. Seit Jahren stocken die Gespräche. EU-Kommissar Oettinger kritisiert dies - und sorgt für Aufregung. Am Sonntag reist Kanzlerin Merkel in die Türkei.
13 Kommentare
„Ich möchte wetten, dass einmal ein deutscher Kanzler oder eine Kanzlerin im nächsten Jahrzehnt mit dem Kollegen aus Paris auf Knien nach Ankara robben wird, um die Türken zu bitten, Freunde, kommt zu uns.“ Quelle: dapd

„Ich möchte wetten, dass einmal ein deutscher Kanzler oder eine Kanzlerin im nächsten Jahrzehnt mit dem Kollegen aus Paris auf Knien nach Ankara robben wird, um die Türken zu bitten, Freunde, kommt zu uns.“

(Foto: dapd)

BrüsselMit Kritik am zögerlichen Umgang mit dem EU-Beitrittskandidaten Türkei hat EU-Kommissar Günther Oettinger (59) für Wirbel gesorgt. Die „Bild“-Zeitung zitierte den deutschen EU-Kommissar am Mittwoch von einer Veranstaltung der Konrad-Adenauer-Stiftung in Brüssel. Dort habe der CDU-Politiker mit Blick auf die deutsche und europäische Außenpolitik gesagt: „Ich möchte wetten, dass einmal ein deutscher Kanzler oder eine Kanzlerin im nächsten Jahrzehnt mit dem Kollegen aus Paris auf Knien nach Ankara robben wird, um die Türken zu bitten, Freunde, kommt zu uns.“

Seit Jahren kommt der geplante EU-Beitritt der Türkei nicht mehr voran. An diesem Sonntag reist Bundeskanzlerin Angela Merkel (ebenfalls CDU) für zwei Tage nach Ankara, wo sie auch Staatspräsident Abdullah Gül und Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan trifft. Die EU-Kommission distanzierte sich von Oettingers Äußerung. Ein Sprecher von EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso sagte auf Anfrage, man habe seine Anmerkungen „zur Kenntnis“ genommen: „Das ist seine persönliche Meinung und nicht die der EU-Kommission.“

Innerhalb der EU-Kommission ist Oettinger für das Ressort Energie zuständig. Seine Sprecherin erklärte auf Anfrage, Oettinger habe sich nicht für den Beitritt der Türkei ausgesprochen: „Der EU-Kommissar hat vielmehr auf das Interesse der Türkei an einem EU-Beitritt hingewiesen und gleichzeitig unterstrichen, dass die EU und die Regierungen der EU-Mitgliedsländer ein Interesse an einer engen Beziehung zur Türkei haben müssten.“ Schon 1987 hat die Türkei den Beitritt beantragt, doch erst 2005 wurde der Beginn von Beitrittsverhandlungen vereinbart. Sie stocken seit 2010. Hauptgrund ist die Forderung, dass die Türkei ein Assoziierungsabkommen mit der EU auch auf das EU-Mitglied Zypern anwenden muss. Die Türkei lehnt die Öffnung ihrer Grenzen gegenüber der griechisch-zyprischen Regierung jedoch ab, da sie noch immer rund 30 000 Soldaten im Norden Zyperns stationiert hat.

Bereits im September 2011 hatte der deutsche EU-Kommissar für öffentliches Aufsehen und Empörung im Europaparlament gesorgt. Damals sprach Oettinger in einem Interview mit der „Bild“-Zeitung von einem Pranger für Euro-Staaten, die dauerhaft zu hohe Schulden machen. Oettinger sagte damals: „Es gibt ja auch den Vorschlag, die Flaggen von Schuldensündern vor den EU-Gebäuden auf Halbmast zu setzen. Das wäre zwar nur ein Symbol, hätte aber einen hohen Abschreckungseffekt.“ Insbesondere Schuldensünder wie Griechenland oder Irland fühlten sich angegriffen. Nachdem das Europaparlament seinen Rücktritt gefordert hatte, entschuldigte Oettinger sich.

Die „Bild“-Zeitung zitierte Oettinger am Mittwoch aus seiner Rede auch mit weiterer Kritik an der EU. Brüssel mische sich zu sehr in alle Bereiche ein: „Wir sollten einmal ein Nichtaktionsprogramm vorlegen“, sagte Oettinger nach Angaben des Blattes bei der Veranstaltung in Brüssel. Zudem schaffe die EU es nicht, das Wirtschaftswachstum anzukurbeln. „Außer unseren Redetexten wächst gar nichts“, zitierte das Blatt den deutschen EU-Kommissar. Oettinger hatte am Montag (18.2.) beim Jahresempfang des Europabüros der Konrad-Adenauer-Stiftung in Brüssel gesprochen.

  • dpa
Startseite

13 Kommentare zu "Türkei EU-Beitritt: Oettinger-Äußerung sorgt für Wirbel"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Der gute Günther, so sieht er doch in erster Linie seinen
    Job, mit dem Ende der Animal Farm in Brüssel aus dem Mangel
    an Masse der EU-Länder in Gefahr, welchen er auch mit
    dem Beitritt der Türkei, als neuen Geldgeber, bestimmt
    nicht mehr retten kann!

  • Geografisch liegt Zyper samt griechischem Teil in Asien. Und ihre Kulturchauvinistische Argumentation ist in Anbetracht, dass Europa Fundament auf die Aufklärung gebaut ist und nicht auf Religion. Somit ist und bleibt das Mär von christlichen Abendland, eine Geschichte ohne Substanz.

    Es ist auch belegt. Die christlichen Religionskriege (z.B. 30-jährige Krieg), waren im Vergleich mit dem osmanischen Expanisionsdrang, weit aus zerstörischer und blutiger für Europa gewesen.

    Erst durch die osmansiche Expansion gen Europa, konnte sich die Protestantische Glauben sich vom Katholischen Diktatur emanzipieren.

  • EUxitus: selten so gelacht!

    Nou hie is ounlie consernd abaut se futscha.

  • Uns Günni ist doch sonst immer hävy on wire aber sis taim it siems hi häd sam kaind of short-close or wot?

  • Keine Angst meine lieben deutschen Freunde!

    Erdogan und die türkische Bevölkerung haben die EU schon längst abgeschrieben. Die EU ist in deren Augen nur noch ein Rentnerclub der Pleite ist. Die asiatische Wirtschaftunion hat für die Türkei momentan höhere Priorität. Erdogans Aussagen letzte Woche zur "Shanghai Five" verdeutlicht dies. Der Grund für den Antrag zur EU-Mitgliedschaft ist ganz einfach: Man bekommt während der Kandidatur Geld zur Anpassung des eigenen Systems an die EU-Regularien. Warum soll man das Geld nicht mitnehmen, auch wenn man weiss, dass man eh nicht Mitglied wird? In meinen Augen völlig legitim.
    Ich denke, der Grund für Öttingers Aussagen wird vermutlich der sein, dass Germany mit Abstand der größte Investor am Bosporus ist. Annähernd 5000 deutsche Unternehmen sind im Land. Diese Firmen wollen natürlich Ihre Investionen, mit der türkischen EU-Mitgliedschaft, vergolden lassen. Mit Erdogans Aussagen zur "Shanghai Five" und dem damit quasi Umorientierung des Landes vom Westen nach Osten, sieht er die "Felle" jetzt davonschwimmen.

  • Türkei-Experte wieder fleißig am Kommentieren. :-)

    Bleibt ruhig! Die Mehrheit der Türken wollen nicht in die EU. Viel Spass Euch mit Bulgarien und Rumänien. Also, mit christlichen hoch entwickelten Ländern.

    Viele Grüße aus Kalrsruhe

  • CDU ? Öttinger ?

    Was ist das ?!

    Wir werden euch in die Wüste schicken, und die Grünen auch.

  • Zypern gehört, was den griechischen Teil der Insel betrifft, durchaus in die EU. Dieser Teil der Mittelmeerinsel ist, wie gesagt, griechisch und christlich.
    Kleinasien ist weder das Eine noch das Andere. Wehe dem christlichen Abendland wenn die Islamische Republik Türkei, Mitgliedsstaat einer Europäischen Union werden sollte. Es ist nicht das Türkentum das bedrohlich ist, es ist der Islam, der eine Weltanschauung darstellt und eben nicht nur eine Religion ist. Die Völker Ost-Europas haben mit dem Expansionsdrang der Türkei, in einigen, furchtbaren Jahrhunderten üble, aber ganz üble Erfahrungen machen müssen.

  • Da können noch so viele deutsche KanzlerInnen nach Ankara pilgern und dort den Arschkriecher machen. Die Franzosen werden noch in 100 Jahren nichts von einem Türkenbeitritt wissen wollen - dort steht nämlich ein Referendum auf der Tagesordnung. Und die Franzosen werden nicht so bescheuert sein und zweimal wählen, bis das Ergebnis "stimmig" ist - wie man es mit den Iren praktiziert hat. Also: Keine Sorgen, die Türken werden niemals Mitglied sein! Außerdem: Die kommen ja nicht einmal mit Zypern klar - wie wollen die dann Mitglied werden?

  • Nach ihrer Geografie Logik gehört auch Zypern nicht in die EU. Aber seien wir mal ehrlich, welcher Türke möchte schon beim kranken Mann in Brüssel Mitglied werden?

    Die Antwort erhalten sie aus den türkischen Umfrage Ergebnissen.

    Die Türken sind clever, sie werden Brüssel warmhalten und somit ihre Institutionen modernisieren und gleicheitig gen Asien die Beziehungen weiter vertiefen.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%