Türkei reagiert auf BND-Spionage „Das verzeihen wir nicht“

Die Türkei ist sauer über die mögliche Spionage des BND, bemüht sich aber um eine gemäßigte Reaktion. Dabei muss es nicht bleiben. Denn noch hat sich Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan nicht geäußert.
Update: 18.08.2014 - 17:05 Uhr 25 Kommentare

BND-Affäre: Warum die Aufregung?

AthenAusspähen unter Verbündeten – das geht gar nicht. Was sich anhört wie ein Zitat von Bundeskanzlerin Angela Merkel, ist in Wirklichkeit die Reaktion des türkischen Energieministers Taner Yildiz auf Berichte vom Wochenende, wonach der Bundesnachrichtendienst (BND) seit Jahren die Türkei ausspioniert. Wenn man Informationsbedarf habe, könne man sich an die Türkei wenden und Fragen stellen, sagte der Minister mit Blick auf Deutschland. „Aber Abhöraktionen verzeihen wir nicht.“ Man stehe vor einer „inakzeptablen Situation“.

Merkel reagierte am Montagnachmittag, jedoch nicht auf den Spionage-Vorwurf, sondern nur auf das Zitat: Ihr Satz sei „in einem erkennbaren Kontext“ gefallen, sagte sie bei einer Pressekonferenz mit Lettlands Ministerpräsidentin Laimdota Straujuma in Riga. „Es ging um die Vereinigten Staaten von Amerika.“ Zu Medienberichten, dass der BND seit Jahren den Nato-Partner Türkei überwache, äußerte sich die Kanzlerin nicht.

Energieminister Taner war am Montag das erste Kabinettsmitglied, das sich zu der Affäre äußerte. Zuvor hatte am Sonntag Mehmet Ali Sahin, einer der stellvertretenden Vorsitzenden der regierenden islamisch-konservativen Gerechtigkeits- und Entwicklungspartei (AKP), erklärt, man müsse die Hinweise „ernst nehmen“. Sahin: „Unsere Regierung und das Außenministerium werden die notwendigen Nachforschungen anstellen.“

Prompt bekam am Montagmorgen der deutsche Botschafter in Ankara, Eberhard Pohl, einen Anruf aus dem türkischen Außenministerium. Staatssekretär Erdogan Iscan bat den deutschen Diplomaten zu einem Gespräch. In der Unterhaltung habe die türkische Seite ihre Besorgnis über die berichtete Spionagetätigkeit des BND vorgetragen, hieß es inoffiziell in Ankara. In Berlin unterstrich ein Sprecher des Auswärtigen Amtes, der deutsche Botschafter sei ausdrücklich nicht „einbestellt“ worden – was im diplomatischen Umgang ein scharfes Signal des Missfallens wäre. Das Gespräch sei in „freundschaftlicher Atmosphäre“ verlaufen.

In einer hiernach herausgegebenen Erklärung des türkischen Außenministeriums heißt es, die Berichte über die angebliche Ausspähung durch den BND seien „besorgniserregend“. Selbst wenn sich nur ein kleiner Teil der Behauptungen bestätigten sollte, stehe man vor einer „ernsten Situation“, die von deutscher Seite einer Erklärung bedürfe. Solche Praktiken seien „unvereinbar mit der Freundschaft und Partnerschaft zwischen der Türkei und Deutschland“, heißt es in der Erklärung. Man erwarte nun von der deutschen Seite „offizielle und befriedigende Erklärungen“. Sollten sich die Behauptungen als wahr herausstellen, müssten die Geheimdienstaktionen unverzüglich abgestellt werden.

Bisher scheint sich die türkische Seite um eine gemäßigte Reaktion zu bemühen. Dabei muss es aber nicht bleiben. Denn noch hat sich Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan nicht geäußert. Der Premier scheut klare Ansagen nicht und nimmt auf die Gepflogenheiten diplomatischer Höflichkeit wenig Rücksicht. Das erfuhr schon Bundespräsident Joachim Gauck während seines Türkei-Besuchs Ende April. Als Gauck sich besorgt zur Wahrung der Gewaltenteilung und der Meinungsfreiheit in der Türkei äußerte, wies Erdogan den deutschen Gast schroff zurecht: Gauck rede „wie ein Pastor“, seine Ratschläge möge der Bundespräsident gefälligst „für sich behalten“.

Es gilt als sicher, dass Erdogan sich zu dem Spionagethema früher oder später äußern wird. Er steht diese Woche ohnehin in Ankara im Fokus des Interesses: Am Donnerstag will Erdogan seinen Nachfolger als Premierminister nominieren, bevor er selbst am 28. August das Amt des Staatspräsidenten übernimmt.

Die türkische Aufregung ist etwas künstlich
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25 Kommentare zu "Türkei reagiert auf BND-Spionage: „Das verzeihen wir nicht“"

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  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • (...)

    Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • @Herr Andreas Maehler

    Ich gehe mit Ihnen d'ac­cord!

  • Wer "Wir" ist weiss der Geier.
    Wer ich bin weiss ich indes recht genau:

    Erdogan als Edelpetze macht grad mal wieder auf ganz dicke Welle.

    Und wenn mir der Türke a la turka irgendwas erklären möchte habe ich von ihm gelernt: nachzufragen.


  • Deutschland kommt nicht um hin, Türkei und andere Staaten im EU Gebilde, einschließlich Beitrittkandidaten. massiv aufzuklären. Dicke im Drogengeschäft, Menschenhandel Raum gesamtes Mittelmeer, Subventionsbetrügerei, Geldwäsche, und vor allem in Fall Türkei: Unterstützung islamistischer Terrorgruppen in Syrien.

    Hinzu kommen radikalen Gruppierungen in der Türkei/Deutschland selbst, von "Wölfen bis zur PKK" . Es reicht , schliesslich verläßt die Türkei derzeit Atatürks Erbe und geht neue, bedenkliche Wege in Nahmittelost. Siehe Kampf ums Wasser..

  • @ redaktion----
    --------------- Darüber hinaus bitten wir Sie, sich nicht hinter einem Pseudonym zu verstecken. Beteiligen Sie sich mit Ihrem richtigen Vor- und Nachnamen an der Diskussion – so wie auch wir Redakteure mit unseren Namen für das einstehen, was wir veröffentlichen. ----------------

    Nja, wenn man seit dem einstellungsgespräch schon weiss was der chef will, so schreibt man eben das. Da kann ja auch nix schief gehen.

    Aber wir Michels wissen doch inzwischen, dass die meisten schreiberlinge eine ganz andere meinung haben als sie schreiben.

    Also, nutten sind ehrlichxx.....

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Natürlich sind die Türken auch nur Heuchler, die wissen genau Deutschland bezahlt zwar für den BND aber Deutschland bestimmt nicht was der BND so alles treibt und machen darf. Die parlamentarischen Kontrollgremien sind die Statisten im Theater für das zahlende Publikum. Der BND ist ein gemeinschaftliches Subunternehmen von CIA und NSA und alle Erkenntnisse des BND wurden im Auftrag beschafft und landen beim Auftraggeber in Washington. Hätten die Türken Rückgrat würden sie dem tatsächlichen Verursacher die Meinung geigen, so schlägt man nur den Sack obwohl der Esel gemeint ist!
    Als Deutscher fühle ich mich jedenfalls nicht für die Sauereien des BND verantwortlich und wasche meine Hände in Unschuld, zumal ich zwar immer zu Wahlen gehe, aber keine von den etablierten Verräterparteien, auch nicht die AFD, gewählt habe. Soll auch keiner mehr wagen mich für seine Schweinereien oder Versagen in Haftung nehmen zu wollen, meine Solidarität mit deutschen Vollpfosten existiert schon lange nicht mehr!

  • Herr net shadow

    Gibt auch erst was zu verzeihen, wenn der "Spiegel" nun bitte auch berichtet was die Türkei alles in D abhört.
    Wie plump muß Politik eigentlich noch werden?
    ------------------------------------------------------
    Deshalb reagieren die Türken auch so verhalten moderat!

  • „Das verzeihen wir nicht“
    Kein Problem, bei einem derart harten Zerwürfnis ist ein Beitritt zur EU hoffentlich nicht mehr möglich.

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