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TV-Ansprache zur Coronakrise Merkel appelliert an die Bundesbürger: „Es ist ernst. Nehmen Sie es auch ernst!“

Die Kanzlerin fordert die Bürger auf, sich solidarisch zu verhalten, und warnt vor den Folgen bei Missachtung der Coronakrise-Regeln. Eine Ausgangssperre gibt es nicht – vorerst.
18.03.2020 - 18:30 Uhr Kommentieren

„Es wird darauf ankommen, wie diszipliniert jeder und jede die Regeln befolgt“

Berlin Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich im Kampf gegen das Coronavirus mit einem eindringlichen Appell an die Bevölkerung gewandt. „Es ist ernst. Nehmen Sie es auch ernst. Seit der Deutschen Einheit, nein, seit dem Zweiten Weltkrieg gab es keine Herausforderung an unser Land mehr, bei der es so sehr auf unser gemeinsames solidarisches Handeln ankommt“, sagte Merkel in ihrer Rede (hier im Wortlaut nachzulesen), die schon am Mittwochnachmittag aufgezeichnet worden war und deren Inhalt vor der Ausstrahlung am Abend veröffentlicht wurde.

Merkel warnte vor den weitreichenden Folgen, sollte die Bevölkerung sich nicht an die Regeln halten. „Deutschland hat ein exzellentes Gesundheitssystem, vielleicht eines der besten der Welt. Das kann uns Zuversicht geben“, sagte sie. Aber auch die Krankenhäuser wären völlig überfordert, „wenn in kürzester Zeit zu viele Patienten eingeliefert würden, die einen schweren Verlauf der Coronainfektion erleiden“.

Die Kanzlerin sicherte der Wirtschaft umfassende Unterstützung zu. „Für die Wirtschaft, die großen Unternehmen genau wie die kleinen Betriebe, für Geschäfte, Restaurants, Freiberufler ist es jetzt schon sehr schwer. Die nächsten Wochen werden noch schwerer“, sagte Merkel.

Sie versicherte deshalb: „Die Bundesregierung tut alles, was sie kann, um die wirtschaftlichen Auswirkungen abzufedern – und vor allem um Arbeitsplätze zu bewahren.“ Merkel gab das Versprechen ab: „Wir können und werden alles einsetzen, was es braucht, um unseren Unternehmern und Arbeitnehmern durch diese schwere Prüfung zu helfen.“

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    Mehrere Staats- und Regierungschefs hatten in den vergangenen Tagen Reden im Fernsehen gehalten. Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz ist fast jeden Tag im TV zu sehen.

    Frankreichs Präsident Emmanuel Macron wandte sich schon zweimal per TV an die Bürger, zuletzt am Montagabend, als er sagte: „Meine lieben Landsleute, ich bin mir der Auswirkungen all dieser Entscheidungen auf Ihr Leben bewusst.“ Es sei sehr schwierig, seine täglichen Gewohnheiten aufzugeben. Aber: „Wir sind im Krieg.“ Der Feind sei da — unsichtbar und auf dem Vormarsch. Deshalb müssten jetzt alle zusammenstehen.

    Tausende sind in Frankreich an Covid-19 erkrankt — und die Zahlen steigen. Das heißt konkret: zu Hause bleiben. Ausgangssperre.

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    So weit geht die Kanzlerin noch nicht. Aber sie appelliert in aller Schärfe. „Halten Sie sich an die Regeln, die nun für die nächste Zeit gelten. Wir werden als Regierung stets neu prüfen, was sich wieder korrigieren lässt, aber auch: was womöglich noch nötig ist.“

    Laut Merkel sei dies eine dynamische Situation, in der man lernfähig bleibe, um jederzeit umdenken und mit anderen Instrumenten reagieren zu können. „Auch das werden wir dann erklären“, sagte Merkel.

    Ihre Rede war nicht leidenschaftlich wie die von Macron. Die Kanzlerin bezog sich sachlich vor allem auf wissenschaftliche Erkenntnisse.

    Sie wies gleich zu Beginn auf die Erkenntnisse des Robert Koch-Instituts und anderer Virologen hin und stellte fest: „Es wird weltweit unter Hochdruck geforscht, aber noch gibt es weder eine Therapie gegen das Coronavirus noch einen Impfstoff.“

    Wie lange Merkel diese Linie durchhalten kann, ist nicht ausgemacht. Aus einzelnen Bundesländern soll es nach Informationen des Handelsblatts bereits Druck geben, auch eine Ausgangssperre wie in anderen Ländern Europas einzuführen.

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    Obwohl Merkel selbst von der schwersten Krise seit 70 Jahren gesprochen und sowohl am Montag als auch am Dienstagabend Pressekonferenzen gegeben hatte, blieb sie im Kontext der Coronakrise lange im Hintergrund.

    Offenbar ist die Lage aus ihrer Sicht aber jetzt so ernst, dass sie dieses Format nicht mehr wählt. Einige politische Beobachter glauben, dass sie mit ihrer Fernsehansprache auch Vorwürfen wie in der Flüchtlingskrise entgegentreten wollte, sie würde ihre Politik nicht umfassend genug erklären.

    Forsa-Chef Manfred Güllner hält das alles für zu weit hergeholt und bezeichnet Merkel als „lebenden Rettungsschirm“. Bei den Terroranschlägen vom 11. September seien die Menschen fassungslos gewesen. Die Corona-Bedrohung stelle nun aber ein ganz persönliche Bedrohung dar, sagte Güllner dem Handelsblatt.

    Die Menschen fühlten sich hilflos und suchten Führung. Merkel traue sich offenbar zu, diese Sorgen zu bündeln und fühle sich berufen, den Menschen ihre Botschaft in einer Fernsehansprache zu sagen. Merkel wandte damit eine Form der Kommunikation an, die auch von ihren Amtsvorgängern insgesamt nur fünfmal eingesetzt wurde.

    In einer Ansprache des früheren Bundeskanzlers Gerhard Schröder 2005 forderte dieser die Freilassung der im Irak verschleppten Deutschen Susanne Osthoff. Quelle: dpa
    Schröder-Appell an Osthoff-Entführer

    In einer Ansprache des früheren Bundeskanzlers Gerhard Schröder 2005 forderte dieser die Freilassung der im Irak verschleppten Deutschen Susanne Osthoff.

    (Foto: dpa)

    Ihr Vorgänger Gerhard Schröder hielt zwei TV-Ansprachen, die erste zu Beginn des Kosovokrieges mit deutscher Beteiligung am 24. März 1999, als er die Luftschläge der Nato mit dem Satz verteidigte: „Wir führen keinen Krieg, aber wir sind aufgerufen, eine friedliche Lösung im Kosovo auch mit militärischen Mitteln durchzusetzen.“

    Seine zweite Fernsehansprache hielt Schröder zu Beginn des von der Bundesregierung damals abgelehnten Irakkrieges am 20. März 2003. Das Ausmaß der Bedrohung durch den irakischen Diktator Saddam Hussein rechtfertige keinen Krieg, sagte Schröder damals in der an „Mitbürgerinnen und Mitbürger“ adressierten Rede. Er versicherte zudem, die Bundesregierung werde alles tun, „jedes erdenkliche Maß an Sicherheit in unserem Land zu gewährleisten“.

    Der ehemalige Kanzler Helmut Kohl sprach am Vorabend der Wiedervereinigung am 2. Oktober 1990 im Fernsehen. Quelle: imago images/imagebroker
    Bundeskanzler Helmut Kohl während einer Rede zum Fall der Berliner Mauer

    Der ehemalige Kanzler Helmut Kohl sprach am Vorabend der Wiedervereinigung am 2. Oktober 1990 im Fernsehen.

    (Foto: imago images/imagebroker)

    Helmut Kohl sprach zum Inkrafttreten der gesamtdeutschen Währungsunion am 1. Juli 1990 sowie am Vorabend der Wiedervereinigung am 2. Oktober 1990 im Fernsehen. Er begann letztere mit den Worten: „Liebe Landsleute, in wenigen Stunden wird ein Traum Wirklichkeit. Nach über 40 bitteren Jahren der Teilung ist Deutschland, unser Vaterland, wieder vereint.“

    Helmut Schmidt wandte sich im Oktober 1977 im Zusammenhang mit der Entführung von Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer an die Bürgerinnen und Bürger. Schmidt nannte die Attentäter „blindwütige Terroristen, die noch nicht am Ende ihrer kriminellen Energie sind (...). Sie wollen den demokratischen Staat und das Vertrauen der Bürger in unseren Staat aushöhlen (...). Der Staat muss darauf mit aller notwendigen Härte antworten.“

    Merkel bedankte sich vor allem bei den Ärzten oder Ärztinnen, bei den Menschen im Pflegedienst oder in einer sonstigen Funktion in den Krankenhäusern und überhaupt im Gesundheitswesen. „Sie stehen für uns in diesem Kampf in der vordersten Linie. Sie sehen als erste die Kranken und wie schwer manche Verläufe der Infektion sind.“

    Und jeden Tag gingen sie aufs Neue an ihre Arbeit und seien für die Menschen da. „Was Sie leisten, ist gewaltig, und ich danke Ihnen von ganzem Herzen dafür“, sagte die Bundeskanzlerin.

    Mehr: Die Krisenkanzlerin ist zurück und fährt auf Sicht – Während Macron vom Krieg spricht und Trump orientierungslos agiert, regiert Merkel unaufgeregt das Land. Ob das in der Krise reicht?

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