TV-Kritik Anne Will „Das kann man einfach nicht tolerieren“

Intime Runde bei Anne Will: Mit Peter Altmaier und dem türkische Sportminister Akif Cagatay Kilic analysierten nur zwei Minister das angespannte Verhältnis beider Länder – zeitweise in drei verschiedenen Sprachen.
Update: 13.03.2017 - 09:16 Uhr 22 Kommentare
Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU, l) und der türkische Sportminister Akif Cagatay Kilic in der Talkshow von Anne Will. Quelle: dpa
Anne Will

Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU, l) und der türkische Sportminister Akif Cagatay Kilic in der Talkshow von Anne Will.

(Foto: dpa)

BerlinDrohungen, Provokationen, Schimpftiraden: Das europäische Verhältnis zur Türkei wird immer angespannter. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan wirft Deutschland und den Niederlanden offen Nazi-Praktiken vor, nachdem Wahlkampfauftritte türkischer Minister dort verboten wurden. Bei „Anne Will“ diskutierten am Sonntagabend Kanzleramtsminister Peter Altmaier und der türkische Sportminister Akif Cagatay Kilic über die Frage: „Welcher Weg führt aus der Krise mit der Türkei?“

Der Ansatz der Will-Redaktion, erstmals Mitglieder der streitenden Regierungen öffentlich miteinander debattieren zu lassen, zahlte sich durchaus aus. 4,18 Millionen Zuschauer verfolgten die Sendung, der Marktanteil lag mit 14,9 Prozent über dem Jahresdurchschnitt des Ersten. Inhaltlich entwickelte sich der selbst ernannte „Minister-Gipfel“ ohne weitere Gäste keinesfalls zu einem Schlagabtausch, sondern verlief diplomatisch und ruhig. Schon bei seinem Wahlkampfauftritt in Köln am Freitag hatte der AKP-Politiker Kilic vergleichsweise versöhnliche Töne angeschlagen.

Die Nazi-Vorwürfe der türkischen Regierung nahm er allerdings nicht zurück. „Was gesagt worden ist, ist ein Vergleich der Methoden“, sagte der Minister. „Dass Deutschland ein Nazi-Regime ist, ist nicht gesagt worden.“ Altmaier wies die Aussagen entschieden zurück. Sie relativierten die Untaten der Nazis. „Diese Vergleiche müssen aufhören.“

Dabei überraschte der Saarländer gleich zu Beginn mit seinen Sprachkenntnissen, als er einige Sätze in fließendem Niederländisch sprach. Der in Siegen (Nordrhein-Westfalen) geborene Kilic wechselte immer wieder zwischen der deutschen und türkischen Sprache. Beide Minister machten ihre Standpunkte, die zu der Krise geführt hatten, nochmals deutlich. Annäherungen gab es erwartungsgemäß nicht.

Kilic beschwerte sich darüber, dass am Wochenende der türkischen Familienministerin Fatma Betül Sayan Kaya der Zutritt zum türkischen Konsulat in Rotterdam verweigert worden war. „Hier wurde ihr Recht auf Versammlungsfreiheit aus nicht verständlichen Gründen mit Polizeigewalt und aggressiven Methoden gestoppt. Das kann man einfach nicht tolerieren“, echauffierte sich Kilic.

Immer wieder die Nazikeule
Silvio Berlusconi
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Auf scharfe Fragen des damaligen Europaabgeordneten und heutigen SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz antwortet Italiens damaliger Ministerpräsident Silvio Berlusconi im Juli 2003: „Herr Schulz, ich weiß, dass ein Produzent in Italien gerade einen Film über die Konzentrationslager der Nazis dreht. Ich werde Sie für die Rolle des Kapo vorschlagen. Sie wären perfekt.“ Kapos waren Häftlinge in NS-Konzentrationslagern, die zur Aufsicht über andere Gefangene eingesetzt wurden.

Hugo Chávez
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Für Venezuelas ehemaligen Präsident Hugo Chávez gehört Bundeskanzlerin Angela Merkel der politischen Rechten an. „Derselben Rechten, die (Adolf) Hitler, die den Faschismus unterstützt hat“, sagte er im Mai 2008. Die Kanzlerin hatte zuvor gesagt, Chávez vertrete mit seinen Äußerungen nicht die Meinung von ganz Lateinamerika.

Das polnische Magazin „Wprost“
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Wegen des Streits um ein Vertriebenenzentrum zeigte das polnische Magazin „Wprost“ auf seinem Titel im September 2003 die umstrittene Präsidentin des Vertriebenen-Bundes, Erika Steinbach (CDU), in Nazi-Uniform auf dem Rücken von Kanzler Gerhard Schröder (SPD).

Die griechische Partei „Syriza“
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Mit Anspielungen auf deutsche Verbrechen während des Holocaust legt die Parteizeitung der griechischen Regierungspartei „Syriza“ Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) im Februar 2015 in einer Karikatur, auf der er eine Wehrmachtsuniform trägt, die Worte in den Mund: „Wir bestehen darauf, Seife aus Eurem Fett zu machen.“ Und: „Wir diskutieren nur über Düngemittel aus Eurer Asche.“ Wegen deutscher Forderungen in der griechischen Schuldenkrise druckten mehrere Zeitungen Nazi-Vergleiche mit deutschen Politikern.

Das polnische Wochenblatt „Najwyzszy Czas!“
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Während der deutschen EU-Ratspräsidentschaft druckte das polnische Wochenblatt „Najwyzszy Czas!“ Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im März 2007 mit Hitler-Bärtchen.

Die türkische Zeitung „Sözcü“
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Nach der Völkermord-Resolution zu den Massakern an den Armeniern im Bundestag druckte die türkische Zeitung „Sözcü“ im Juni 2016 ein Bild von Merkel mit Hitlerbart und Nazi-Uniform vor einer Hakenkreuzfahne.

Die türkische Zeitung „Günes“
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Nach ihrer Kritik am Nazi-Vergleich des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan zeigte sich das Boulevardblatt „Günes“ besonders kreativ – und zeigte Kanzlerin Merkel erneut mit Hitlerbart und -gruß. Die Nazi-Uniform blieb ihr diesmal allerdings erspart.

Altmaier verwies auf das Recht der niederländischen Regierung. „Jeder souveräne Staat darf darüber entscheiden, ob ausländische Vertreter willkommen sind.“ Der CDU-Politiker konnte sich auch nicht verkneifen, Kilic die Grundzüge der Pressefreiheit zu erklären, als der sich über eine angeblich zu negative Berichterstattung über die Türkei in deutschen Medien aufregte. „Die Presse schreibt das, was sie möchte, und nicht das, was ihr die Regierung vorschreibt.“

Das türkische Vorgehen gegen Beamte und Journalisten und die Inhaftierung des deutsch-türkischen „Welt“-Reporters Deniz Yücel begründete Kilic mit der Unabhängigkeit der Justiz. „Wir sind ein Rechtsstaat.“ Altmaier sprach von Fragezeichen, die es in dem Bereich gebe. „Ich kenne kein anderes Land in Europa, in dem derzeit so viele Journalisten im Gefängnis sitzen.“ Der Chef des Kanzleramtes pochte in der Causa Yücel erneut auf konsularischen Zugang und einen fairen Prozess.

Am Ende der sachlichen Diskussion, in der Kilic nochmal ausführlich für den Plan eines Präsidialsystems in der Türkei werben konnte, schlugen beide Politiker versöhnliche Töne an. Altmaier machte aber deutlich: „Es muss noch viel Porzellan, das zerbrochen ist, aus dem Weg geräumt werden.“

  • dpa
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22 Kommentare zu "TV-Kritik Anne Will: „Das kann man einfach nicht tolerieren“"

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  • Überschrieben ist der Artikel mit TV-Kritik. Davon ist nichts zu lesen. Geboten wird eine reine Nacherzählung.

    Warum sagt man in einer TV-Kritik nicht, dass die beiden Diskutanten ein unsinniges Thema diskutiert haben. Wenn es um die Entfremdung zwischen Deutschland und der Türkei geht, sind sicherlich Wahlkampfauftritte und Nazi-Vergleiche nicht der Hauptgrund.


    Warum sagt man nicht, dass Erdogan auf dem Wege aus der Türkei eine Diktatur zu machen, schon sehr weit fortgeschritten ist. Dass Pressefreiheit und Unabhängigkeit der Justiz bereits abgeschafft sind. Dass es den Rechtsstaat schon längst nicht mehr gibt, dass unschuldige Bürger mit haltlosen Verdächtigungen ins Gefägnis geworfen und gefoltert werden. Dass Erdogan einen Bürgerkrieg gegen Kurden und Anhänger der Gülen-Bewegung führt. Und so weiter. Und so weiter.

    Fragen wir dich einmal ganz anders. Was, bitte schön, verbindet uns mit dem nordkoreanischen Diktator Kim? Sind Diktatoren mit blutigen Händen unsere Freunde?

  • Als Kilic von Altmaier vorgeworfen bekam , dass die Türkei Hunderttausend Menschen entlassen hat nach dem Putsch, konterte er oder wie es sehe ,setzte er einen neuen Zug und warf Deutschland vor, nach der Wiedervereinigung Zigtausende Menschen entlassen zu haben, weil man ihnen nicht traute.

    Nicht schlecht. man sieht, dass die Türken sehr gut vorbereitet in Diskussionen gehen und selbst Altmaier konnte nur verlegen reagieren und sprach von weltweiten Institutionen die alle Länder beobachten auch Deutschland.

    Aber wie auch immer, Türken wollen eine starke Regierung und keine unterwürfige
    Verwaltungsgesellschaft wie in Deutschland.

    Darum ist der dümmste Ansage Deutscher Angsthasen Politik die, man sollte alle Türken hier reden lassen und zu Hetzen um zu zeigen wie schön schwach Demokratie ist. Das wollen die Türke nicht , darum wird die Regierung bei uns mehr oder weniger Verachtet. Zumal Türken auch noch Türken in 500 Jahren bleiben .

  • Unsere Politiker lassen sich von der Türkei missbrauchen und reichen ihr danach noch verständnisvoll ein Taschentuch, um Spuren wegzuwischen. Es ist eine Schande wie unsere feigen Politiker Deutschland zum Gespött der ganzen Welt machen.

  • Schlechte Verträge mit türkischen Fremdarbeitern in den 70ern und 80ern, die nicht verpflichtet wurden, nach ihrem Job wieder in ihre Heimat zurück zu kehren, wie die Italiener und Spanier das von selber taten, Ausbreitung der Moscheen in Deutschland, Doppelpass für Türken und jetzt die Flüchtlingskrise zwingen unsere Politiker wie Merkel oder den sehr "flexiblen" Altmeier Kreide zu fressen bevor sie mit Türken sprechen.

  • Teil 2 meines Kommentars:

    Institutionen zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung, auf die sich der Aufbau und die Weiterentwicklung einer zeitgemäßen Demokratie stützen ließe, haben wir schließlich schon mehr als genug.

    Weil nichts und niemand die ganzen „losen Fäden“ mit konstruktiven Lösungen mal zu einem sinnvollen Ganzen zusammenfügt.

  • Auch wenn ich mich wiederhole: Wir brauchen heute keine Berufspolitiker mehr, sondern nur noch demokratisch kontrollierte Institutionen.

    Politiker jeder Art im heutigen Sinne sind die falschen Ansprechpartner: Die Alles-und-alle-gegeneinander-Ausspieler, Aufstachler, Zündler, Bombenwerfer und -leger.

    Ausgerechnet im „Dialog“ mit diesem Personenkreis sollen sich Lösungen für die Probleme der Bevölkerungen finden lassen??!

    Und überhaupt, „im Dialog“ mit Politikern vom Schlage Putins, Assads, Erdogans, um nur die „prominentesten“ aktuellen Beispiele zu nennen (und es kommen gerade immer noch mehr dazu, siehe Trump und Gesinnungsgenossen) sind wir jetzt seit vielen Jahren.

    Und, haben diese „Dialoge“ irgendetwas gebracht? Ich meine, etwas Positives? Nichts, nada, niente.

    Solcherart „politischen Austausch“ brauchen wir heute nicht mehr, wir könnten alles selber UND besser untereinander ausmachen.

    Unter Nutzung des Internets und vieler sonstiger neuer Errungenschaften, versteht sich.

    Warum machen wir es dann nicht, sondern glauben immer noch steif und fest, dass es ohne Politiker nicht gehe? Aus lieber alter Gewohnheit? Weil wir ein bisschen träge im Kopf sind?

    Ist doch so:

    In der Welt der Kultur und der Wirtschaft funktioniert die internationale und –kulturelle Zusammenarbeit seit ewigen Zeiten geräuschlos. Aber immer dann, wenn „Politik“ ins Spiel kommt, ist – na, ich will hier nicht unfein werden.

    Wenn die Menschheit endlich wirklich weiterkommen will, sollte sie zusehen, dass sie schleunigst selbst die (von Politikern nie wirklich übernommene!) Verantwortung für ihre Angelegenheiten übernehmen kann (nicht „darf“!). Via Internet und transparent-demokratisch zusammengestellter Expertengremien.

    Nur ein Beispiel dafür, was in deren Ermangelung einer effizienten Koordination herauskommt wäre hierzulande die Energiewende: Die Energie kosten steigen unaufhaltsam, die CO²-Emissionen auch, und der Unmut in der Bevölkerung sowieso.
    (Kurzer Teil 2 folgt!)

  • Das machen wir.
    Im Sommer Wahlkampfauftritte von Merkel, Schulz und Co in der Türkei.
    Wie wärs mit Antalya? Oder ein Battle auf Mallorca. Mensch, da kann ich glatt Urlaub mit Dienst am Vaterland verbinden. Wir machen das sogar besser als Erdogan. Wir packen alle Lufthansa und Air Berlin Flieger mit Deutschen voll und bringen gleich unsere Wähler selbst mit. Dann wirkt auch ne Demo durch Istanbul viel authentischer.
    Ja manchmal bleibt einem nur Sarkasmus und Humor. (Warum hat den nur kein Politiker....)

  • Sehr geehrter Herr Fink, vielen Dank für ihren Vorauseilenden Gehorsam, welchen Sie dem System entgegenbringen.
    Anscheinend sind Sie ja kein Deutschlehrer, aber Oberlehrer darf sich ja jeder nennen, der z.Z. das Fähnlein der Links/ Grün/innen Gutmenschen hochhält.
    Wenn Sie Ihre Weltanschauung bzw. Gesinnungspolitik am Leben erhalten wollen,
    dann sollten Sie Ihren Kommentaren schon etwas mehr Substanz mitgeben.

  • Eine solche Sendung schaltet man jetzt und in Zukunft einfach ab.

    Es lässt sich nämlich ohne ARD und ZDF garantiert schöner leben.

  • Gleiches Recht für alle!

    Wir können nun erwarten, dass die Politker aus
    Griechenland
    Spanien
    Portugal
    Polen
    Tschechien
    ...

    bei uns Ihr Recht auf einen Wahlkampf durchsetzen.

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