TV-Kritik „Anne Will“ Sarrazin lässt Flüchtlinge auflaufen

Tausende illegaler Einwanderer rütteln an Europas Toren - ein guter Grund, mal wieder Thilo Sarrazin einzuladen. Doch der Profi-Provokateur dominierte die Sendung - und die Frage „Wen wollen wir reinlassen?“ ging unter.
  • Gabriela M. Keller
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Auch Thilo Sarrazin gehörte zu den Talkgästen. Quelle: dapd

Auch Thilo Sarrazin gehörte zu den Talkgästen.

(Foto: dapd)

Berlin Am Ende ging es dann doch wieder nur um Thilo Sarrazin und sein Buch. Das Stichwort gab 15 Minuten vor Sendungsschluss der Migrationsforscher Klaus J. Bade, der in einem Einspieler feststellte, dass in den vergangenen Jahren eine halbe Million mehr Menschen aus Deutschland weg- als zugezogen sind. Und daran, so urteilte der Fachmann, sei eben Sarrazin mit Schuld, der mit seinem Bestseller "bei der Stimmung unter den Einwanderern größten Flurschaden" angerichtet habe.

Er hatte den letzten Satz kaum gesprochen, da brach ein Sturm der Empörung über Anne Wills Studio herein, und man fühlte sich zurückversetzt in den Spätsommer 2010, als der Ex-Politiker erstmals als Hobbygenetiker unter den Sozialphilosophen verhaltensauffällig wurde und mit seinen Thesen Aufregung stiftete.

Der konkrete Anlass der Diskussion, das aktuelle Flüchtlingsdrama an der Italiens Küste, geriet darüber in Vergessenheit. Statt dessen gingen alle Anwesenden auf den üblichen ideologischen Allgemeinplätzen in Kampfstellung. "Flüchtlinge vor unseren Grenzen - wen wollen wir reinlassen?" - so versuchte Anne Will, die Migrationsdebatte wieder zu beleben, nachdem in den vergangenen Wochen 26.000 illegale Einwanderer aus Nordafrika an den Stränden Europas angespült wurden.

Doch die ambitionierte Re-Animierung des Massenaufregers scheiterte auf ganzer Linie. Die Diskussion schleppte sich als blasser Wiederaufguss über 60 Minuten Sendezeit. Interessant war dennoch, dass die versammelte Talkrunde nach wie vor in helle Aufregung gerät, sobald jemand "Deutschland schafft sich ab" sagt.

"Sie sind ein Hetzer, das ist ja unerträglich", griff Elias Bierdel, Vorsitzender der Menschenrechtsorganisation Borderline Europe, Sarrazin an. Karin Göring-Eckardt von den Grünen orakelte, der Zuspruch zu diesem Buch zeige, "dass die Frage von Rechtsextremismus, von Fremdenfeindlichkeit in unserem Land nach wie vor eine große Rolle spielt", und dann konnte man nichts mehr verstehen, weil alle wild durcheinander redeten. Auch Thilo Sarrazin sorgte nicht für Klarheit, sondern sagte sibyllinisch: "Ich rede nie von den Ausländern, ich rede nur von einzelnen Gruppen von Migranten."

Zurück also zu der Gruppe von Migranten, über die an diesem Abend gesprochen werden sollte. Nun zeigt sich, dass die Demokratisierung des Nahen Ostens für Europa einige Unannehmlichkeiten mit sich bringt: Vor allem die Tunesier nutzen ihre neue Freiheit dazu, in Scharen ihr Land zu verlassen. Sarrazin spielte erwartungsgemäß die Rolle als Polit-Provokateur: "Wir sind am Beginn einer Welle, die sich in den nächsten Jahren fortsetzen wird", stammelte er, "auf jeden, der zu uns kommt, werden Schlepper weitere sieben oder acht zu uns bringen."

Anne Will ersparte es ihm leider, ihn nach dem Beleg für solche Behauptungen zu fragen - zumal man diesem menschlichen Tsunami im Laufe der Sendung förmlich beim Entstehen zusehen konnte. Sarrazin, der als Mann der knallharten Statistiken gilt, verhedderte sich in seinen Zahlen: "Für jeden, der kommt, kommen zehn weitere", verkündete er wenig später. "Jetzt sind es schon zehn", sagte Will kühl. "Es sind irgendwann fünf, dann sind es zehn, dann zwanzig", glaubt Sarrazin, "es ist eine Welle."

Interessante Gedanken gingen im Geschepper von Worthülsen unter
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32 Kommentare zu "TV-Kritik „Anne Will“: Sarrazin lässt Flüchtlinge auflaufen"

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  • Camino, gehen Sie doch wieder zurück zu Ihren Gutmenschen. Leuten wie Ihnen verdanken wir doch diese Sauerei. Also ab jetzt: Klappe halten!

  • Camino, wenn wir einen Rechtsstaat hätten, hätten wir doch kein Afrikanerproblem. Die halten sich ja völlig rechtswidrig in Deutschland auf. Das deutsche Volk hat leider kein Anrecht auf Ausübung demokratischer Rechte. Hätten wir eine Demokratie, müssten wir nur 1 Mal abstimmen und die Afrikaner wären wieder in Afrika.

  • Camino
    Dummschule.Deutschland
    --------------------------
    estens verbiete ich mir von Ihnen als rechts hingestellt zu werden, weil ich nicht auf Ihrem linken Mainstream mit fahre.
    Und zweitens scheinen Sie offenbar Bildzeitung zu lesen.
    Aber offenbar auch nicht richtig.
    Ich habe gerade mal online nachgesehen, ich kann über die Sendung gestern Abend nichts finden.
    Also lassen Sie es sein, uns als Bildleser zu beschimpfen.
    Aber Sie können doch gerne ein paar Flüchtlinge aus Tunesien bei sich aufnehmen, es hindert Sie doch niemand daran.
    Und wie dämlich ist denn der Vergleich mit den deutschen Auswanderern die nach Amerika gingen und deutschen Wohnvierteln? Übrigens gibt es das auch in Polen
    Diese Leute haben sich nicht in irgendwelche Sozialsysteme gesetzt, die haben hart gearbeitet und sind -im Gegensatz zu einer großen Einwanderergruppe bei uns- zu Amerikanern geworden.
    Und ja, es wird noch Deutsch gesprochen, allerdings nicht mehr perfekt. In erster Linie wird logischerweise amerikan. gesprochen und diese Leute sind Amerikaner.
    Das mit den Unwilligen Sozialschmarotzern bei uns zu vergleichen ist schon abenteuerlich.
    Hören Sie also auf mit Ihrer linken Hetzte.
    Und schalten Sie mal Ihren Verstand ein. Nicht jeder der nicht stramm links ist, ist deswegen rechts.
    Zwischen rechts und bürgerlich-konservativ liegen Lichtjahre. Aber ich weiß, für solche Leute wie Sie ist konservativ ja schon rechts
    Aber das werden solche wie Sie nicht begreifen
    Die Tunesier sollen ihr Land aufbauen nachdem sie ihren Diktator forg gejagt haben.
    Jetzt dort abzuhauen, zeigt, dass sie daran gar kein Interesse haben
    Und so was müssen wir nicht unterstützen.
    Im übrigen kann Deutschland nicht das Sozialamt der gesamten Welt sein

  • Ihr Beitrag ist absolut gut getroffen. Genau so war es nämlich gestern Abend. Diese schräge linke Will ließ Sarrazin teilweise nicht mal ausreden.
    Und den Fußballer der ja aus Ghana stammt, ebenfalls nicht, wenn er immer wieder sagte, er sei gut behandelt worden.Er hätte keine Probleme gehabt. Das wurde geflissentlich überhört.

  • Deutschland braucht in den kommenden Jahren aus demographischen Gründen viele Zuwanderer, aber bitte nicht aus afrikanischen, arabischen und anatolischen Kulturkreisen.
    Und das heißt: Wirtschaftsflüchtlinge aus Tunesien sollen draußen bleiben und lieber ihr eigenes Land aufbauen.

  • Nun wenn die Gleichung demokratisch = gut lautet, dann hätten die Tunesier auf Lampedusa keinen Grund wegzulaufen. D.h. sie sind Wirtschaftsflüchtlinge. Wenn es Wirtschaftsflüchtlinge sind, gibt es keinen Grund, dass sie mehr Zeit auf Lampedusa verbringen als nötig, um sie auf das nächste Schiff zu laden und zurück nach Tunesien zu bringen.
    Aber Politiker können bekanntlich nicht so gut rechnen und dafür besser reden.

  • meinen sie den rechtsstaat der nur die Gutmenschen beschützt?

  • Nein,
    nach deren Gusto dürfen nur solche flüchten, die politisch verfolgt sind. Wer hungert hat natürlich keinen moralischen Anspruch darauf.

    Natürlich galt das nicht für die damalig hungernden Iren und Deutschen (heutige Amerikaner), die die Einheimischen ausrotteden, schwarze vesklavten und heute so pfleglich mit der Menschheit umgehen und den geliebten american way of life weltweit verbreiten.

    Ihr seid einfach nur Krank.

  • Hier trifft sich scheinbar die Bild-Leserschaft.. Es sind genug während und nach dem Krieg abgehauen, nicht selten haben sie zB in USA und Südamerika eigene Viertel und Dörfer gegründet, nach deutschem Vorbild. Da wird bis heute deutsch gesprochen, die Häuser sehen aus wie irgendwo in Deutschland etc. Hier würde man "Parallelgesellschaft" dazu sagen. Aber vermutlich sind es in den Augen der Rechten (Margrit und Co dürfen sich angesprochen fühlen, oder woher kommt die Angst vor allem nicht-Rechtem aka Linkem?) "Kulturbereicherer" für die unzivilisierte ungebildete lokale Bevölkerung.

    Man kehrt halt gern vor andren Haustüren.

  • Zum Glück gibt es einen Rechtsstaat, der uns vor Leuten wie Ihnen schützt.

    Ich wünsche Ihnen noch viel Spaß beim selber herbeireden von diversen Stammtisch-Argumenten à la "Grüne wohnen ja alle in Schicki-Micki-Häusern" und "Ultra-Linxlinke Gutmenschen, die links sind, lieben Ausländer und hassen Deutsche / Österreicher / ..". Ich kann mir vorstellen, daß es einem damit leichter fällt. Nur ja immer alle andren die Schuld geben, man selber ist ja fleissig und braucht sich eben von niemandem etwas sagen lassen, man hat ja Hausverstand. Aber kräftig Produkte einkaufen, die auf Ausbeutung in Schwellenländern basieren, und Politker wählen, die das unterstützen, das ist natürlich intelligent. Was kümmert uns das (klar, sollte mal eine kurze Doku darüber im Fernsehen laufen, dann sind wir kurz mal bestürzt und finden das alles ganz schrecklich, und morgen gehts weiter wie üblich. Fairtrade kaufen? Bin ich blöd?? Wenns die Bananen auch um die Hälfte gibt!).

    Aber ich weiß, der westliche Aufschwung der letzten Hundert Jahre basiert natürlich ausschließlich auf dem Fleiß der westlichen Bevölkerung. Billige Rohstoffe und Arbeitskräfte haben damit gar nix zu tun, im Gegenteil, wären wir nicht soo gütig hätten die da unten gar nix.

    Kleiner Tipp am Rande: Die Welt besteht nicht nur aus Schwarz-Weiß!

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