Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

TV-Kritik Anne Will „Wenn was stinkt, dann ist es faul“

Mehr Kamingespräch als hitzige Diskussion war die Talkrunde bei Anne Will zur Krim-Krise. Auch wenn lange im Nebel gestochert und eine heimliche Expertin verschenkt wurde: Die Show regte zum Weiterdenken an.
14 Kommentare
Moderatorin Anne Will und Russland-Kenner John Kornblum: Talk zum Thema Krim-Krise. Kornblum war US-Botschafter in Deutschland während des Kalten Krieges. Quelle: ARD Pressestelle

Moderatorin Anne Will und Russland-Kenner John Kornblum: Talk zum Thema Krim-Krise. Kornblum war US-Botschafter in Deutschland während des Kalten Krieges.

(Foto: ARD Pressestelle)

DüsseldorfMit einer Gegenfrage begann Anne Wills Talkshow am Mittwochabend und damit reichlich undankbar für eine Moderatorin. Als der einleitende Beitrag über die russischen Muskelspiele verklungen war, wollte Will wissen, wie düster das Bild der westlichen Staaten wirklich ist. „Ist das Bild düster?“, entgegnete Anna Rose, Deutschlandkorrespondentin einer russischen Zeitung. Es ist die Kernfrage, die in der Talk-Runde der ARD mit dem Titel „Putins Kampf um die Krim – Wie hilflos ist der Westen?“ letztlich unbeantwortet blieb, aber trotzdem zu einem erkenntnisreichen Meinungsaustausch führte.

Im ersten Teil der Sendung versuchten die Gäste einzuordnen, was da eigentlich in den vergangenen Tagen auf der Halbinsel im Schwarzen Meer genau passiert ist. Da würden Ukrainer in selbst gekauften Uniformen stecken und versuchen ihre Ländereien zu verteidigen, meinte Rose. Das seien ganz klar russische Truppen, sagte Fritz Pleitgen. „Und alles andere ist eine Beleidigung unserer Intelligenz“, fügte der langjährige ARD-Auslandskorrespondent hinzu. Der Russland-Experte Alexander Rahr, der mehrere Bücher über Putin geschrieben hat, konnte dies nur als Halbwahrheiten abtun und verwies auf die unklare Faktenlage.

Mehr Licht ins Dunkle der Krimfrage konnte zwar auch nicht Elmar Brok (CDU) bringen. Aber der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Europäischen Parlaments versuchte immer wieder durch seine Augenzeugenberichte von den Demonstrationen auf dem Maidan-Platz in Kiew mitzureißen. „Das war wie in einem Hollywoodfilm. Da wurden wehrlose Demonstranten von Snipern erschossen“, erzählte Brok. Die emotionalen Bilder der selbsternannten ukrainischen Stimme am Talk-Show-Tisch regten die Diskussion immer wieder an, störten wegen ihrer Häufung und Nachdrücklichkeit aber auch interessante Gedankengänge. Der CDU-Politiker wurde so zum kleinen Störenfried des Abends.

Wie also die Diskussion auf hohes Niveau katapultieren? Anne Will versuchte es mit einem echten Hochkaräter unter den Russland-Kennern: John Kornblum, US-Botschafter in Deutschland während des Kalten Krieges, hatte in der ersten Hälfte der Sendung zwar außerordentlich wenig Redeanteil. Doch wenn er etwas zu sagen hatte, hörten die Gäste bei den pointierten Formulierungen genau hin.

Dann vielleicht mit ein wenig mehr Pepp

„Wenn was stinkt, dann ist es faul“, verkündete Kornblum und fügt hinzu: „Und diese Sache stinkt!“ Das Muskelspiel Putins auf der Krim sei auch Ausdruck für den Hass, den es in Russland gegenüber dem Westen gibt. Die Ziele der EU und der Nato seien durchweg freundschaftlicher Natur und das werde von dem größten Land der Welt mit Füßen getreten.

Nachdem Will nun mit ihren Fragen brav einmal reihumgegangen war, hielt sie den Talk-Fluss durch Nachhaken und Zwischengrätschen im Gang. Die zwei Einspieler der Redaktion verpufften allerdings. Im ersten wurden die Hauptnachrichten des deutschen und russischen Fernsehens vom Vortrag miteinander verglichen. Der Überraschungseffekt blieb aus: Ausgewogene Berichterstattung hierzulande, Putins Propaganda im Osten. Der zweite eingeblendete Beitrag blickte auf die militärischen Einsätze unter dem Russland-Chef und die mahnenden Worte des Westens zurück. Ein schöner Rahmen zum Thema der Sendung, der aber ohne Reaktionen der Gäste blieb.

Was bleibt ist ein Talk-Abend, der mehr einem Kamingespräch als einer hitzigen Debatte ähnelte. Eine gewisse Spannung lag während der 75 Minuten Sendezeit immer in der Luft, doch meist zeigten die Gäste nicht mehr Reaktion als ein Schmunzeln oder Kopfschütteln. Die Diskussion hielt durchaus Denkanstöße bereit – hatte aber mehr Potenzial. Vor allem Anna Rose, die als einzige Russin der Runde oft wie ein Fremdkörper wirkte, zeigte eine interessante Perspektive auf. Sie vertrat als Journalistin einer staatlich finanzierten Zeitung eine Meinung gegen den westlichen Mainstream. Wäre sie mehr zu Wort gekommen, hätte das sicher weiter zum Verständnis des Konflikts beitragen können.

So blieb es bei wagen Prognosen der Russland-Experten über den weiteren Verlauf der Krim-Krise. Sie waren sich weitgehend einig, dass es nicht zu einem Krieg zwischen Russland und der Ukraine kommen wird. Stattdessen rechneten die Talk-Gäste mit einem Friedensabkommen, das wohl auch den mahnenden Worten des Westens gerecht werden könnte. Vielleicht bringt der Sondergipfel der EU-Regierungschefs am Donnerstag Aufklärung – und damit auch neuen Input für weitere Gesprächsrunden. Denn auch die Talker Maybrit Illner und Beckmann werden über das Thema diskutieren. Dann vielleicht mit ein wenig mehr Pepp.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

14 Kommentare zu "TV-Kritik Anne Will: „Wenn was stinkt, dann ist es faul“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • @M.E.H.T.: Krebsgeschwür? Sie haben eine sehr eigenwillige Ansichtsweise über die größte Freihandelszone der Welt. Die EU ist nicht entstanden weil wir alle so nett sind und Hand in Hand über die Wiese hüpfen wollen. Sondern weil ein Großteil unseres Handels innereuropäisch abläuft und sich daraus schlichtweg die Notwendigkeit einer Zusammenarbeit ergibt. Außerdem ist es ja nichts so, dass die EU der Ukraine das Handelsabkomme aufgezwungen hätte. Was auch immer Russland jetzt nun als Provokation empfindet, rechtfertigt nicht im Geringsten eine de facto Invasion der Krim. Und "einfach" ist die Lage bzw. die Herleitung dieser Situation sicher nicht.

  • Wahlen ändern nichts, sonst wären sie lange schon verboten worden.

    Beispiel: SPD wurde nicht gewählt, regiert trotzdem.
    Beispiel: Mc Allister wurde abgewählt, taucht in "Europa" wieder auf.
    Beispiel: AFD erhielt fast 5%, fallen unter den Tisch.
    Beispiel: Grüne abgewählt, regieren aber über den Bundesrat immer noch mit.

    Nein, Nein: Das Volk muß seinen Willen schon anderweitig kundtun.

  • Zitat : „Wenn was stinkt, dann ist es faul“

    - da ist was dran ! Der Zerfall der UdSSR nach dem Mauerfall verlief in stinkenden Bahnen....ausgelöst zum Teil von selten nüchternen Protagonisten der damaligen Zeit ( Jeltzin, Kravtschuk, etc. ) !

    Niemals hätte man die 3 Slawischen Staaten Russland, Ukraine und Weißrussland in 3 unabhängige Staaten aufspalten dürfen.....den 2 von diesen Staaten, Ukraine und Weißrussland, sind nicht lebens - und überlebensfähig !

    Die 3 Slawischen Staaten hätte man in einem Staatenbund belassen müssen.....und sich eher von ethnisch nicht dazugehörigen Staaten im Kaukasus trennen sollen ! Und über den Verbleib von muslimischen Staaten wie Tatarstan, Baschkortastan, etc. hätte man gründlicher nachdenken sollen !

    Der Zerfall der UdssR rein nach dem Prinzip der Auflösung der früheren Spvjetrepubliken war mehr als dilettantisch und wird in Zukunft den Europäern noch sehr viele Kopfschmerzen bereiten.
    Und wenn in diesem sensiblen Gebilde solche Leute im Namen der EUtopia agieren wie Elmar Brock, verheißt es für den Frieden in Europa nichts Gutes !

    Denn ahnungslose und verlogene Dilettanten können dabei nur als Kriegshetzer fungieren !

  • @DarkLordCthulhu: Das ist im Prinzip ganz einfach. Sie müssen sich nur einmal die Frage stellen, warum sich die EU wie ein Krebsgeschwür auf dem europäischen Kontinent ausbreitet. Wenn Sie darauf eine Antwort finden, dann wissen Sie auch warum die EU mit als Hauptverantwortlicher für diese Krise gilt.

  • @ Seismograph

    Ich gebe Ihnen völlig recht. Wie die Politiker im Westen und mit ihnen die deutschen Medien mit der Krise in der Ukraine umgehen, zeigt wieder einmal, dass abgesehen von wenigen Ausnahmen beide unfähig sind, komplexe Vorgänge nüchtern, unvoreingenommen und differenziert zu bewerten. Was aber für mich viel schlimmer ist, ist die Tatsache, dass es offenkundig niemanden der doch so "vorbildlichen" Demokraten kümmert, dass nach Ägypten nun auch in der Ukraine demokratisch mit Mehrheit gewählte Präsidenten in dem einen Falle durch das Militär, im anderen durch die Straße ihres Amtes enthoben worden sind. Dass die betroffenen Potentaten es möglicherweise verdient hatten, spielt dabei zunächst einmal keine Rolle. Essentielles Merkmal einer Demokratie ist es nach unserem Verständnis immer noch, dass Wahlen oder wie in Deutschland konstruktive Misstrauensvoten das einzige legitime Instrument sind, einen unliebsamen oder unfähigen Regierungschef, respektive Staatschef, seiner Macht zu entheben. Diese fundamentalen Prinzipien scheinen den westlichen Politikern immer dann ein Muster ohne Wert zu sein, wenn das Ergebnis ihnen machtpolitisch in den Kram passt und den Medien ist das offenbar nicht einmal aufgefallen. Wenigstens hob sich Ulrich Pleitgen in der Talkrunde bei Anne Will mit seiner differenzierten Beurteilung der Rolle Russlands in diesem Konflikt wohltuend von den Herren Kornblum und Brok ab. Aber auch er schien mit der Art und Weise des Sturzes eines von der Mehrheit des ukrainischen Volkes gewählten Präsidenten kein Problem zu haben. Jedenfalls stimme ich seiner Einschätzung zu, dass es wünschenswert wäre, wenn sich die EU und Russland auf ein gemeinsames Unterstützungs- und Kooperationskonzept für die Ukraine verständigen würden. Abschließend erlaube ich mir noch die Bemerkung, dass Herr Brok mit seinen Diskussionsbeiträgen das Bild von Selbstdarstellern auf dem politischen Parkett nicht ins Wanken bringen konnte.

  • LÜG STIFTUNG

    In Frankfurt provozieren sie “absichtlich die Interntcafes in deren Schaufenster Schilder mit “hier können Sie kostenlos $die_Bibel lesen” gegendemos

    http://lies-foundation.urlto.name (oder)
    http://sch-einesystem.tumblr.com/post/53678513367/

    Denen wurden mehrfach Schaufenster eingeschlagen, das kann auch am schlechten englisch liegen – hier ist die EZB daher internationaleres Publikum und Leute die lesen müssen “THE QURAN LIES = der Koran Lügt”
    werden möglicherweise aggerssiv.

    http://lies.urlto.name (oder)
    http://sch-einesystem.tumblr.com/post/55414088957/

    Die Jehoviten lesen diese Blog anscheinend.

    http://lies-jehova.urlto.name (oder)
    http://sch-einesystem.tumblr.com/post/67565970452/

  • Bei der Diskussion kam zum Ausdruck wie kontrovers und kompliziert die Sachlage in der Ukraine ist.
    Unangenehm aufgefallen in dieser Gesprächsrunde ist der EU-Vertreter Brok. Es gehört schon eine Menge Phantasie dazu, sich Menschen dieses Schlages als Wort -u. Verhandlungsführer in Sachen Ukraine vorzustellen. Keinerlei Einfühlungsvermögen für die Interessenslage des Gegenübers, arrogant und selbstherrlich. Der hinterlassene Scherbenhaufen „Ukraine“ incl. der kritischen Sicherheitslage ist das Ergebnis dieser „Frieden-stiftenden“ EU-Mißgeburt.

  • Selbst, wenn das so stimmen sollte:

    Der Ukrainer hat in machtvollen Demonstrationen in der Hauptstadt und in der Westukraine ausgedrückt, was Wille des Volkes ist.

    Und das müssen auch hiesige Kommunisten mal zur Kenntnis nehmen!

    Europa wird mittelfristig wieder so geordnet, wie vor 1914. Und das ist sehr gut so!

  • Wer jetzt nicht langsam merk und aufwacht, was ihm da fast unisono vom deutschen Fernsehen vorgespielt wird, dem kann man in der Tat nicht mehr helfen.Das gilt aber nicht nur fuer das Fernsehen, sondern fuer die Mehrheit der Medien insgesamt!
    Was noch schlimmer ist, dass es unzaehlige Moeglichkeiten gibt, sich zu informieren, diese aber nur von einigen wenigen genutzt wird!
    Dieses Land ist einfach ein Land der Lemminge!
    Traurig, aber leider die Wahrheit!

  • Die Amis sollten sich generell raushalten, insbesondere auch wenn es um Europa geht. Was ist das doch für ein anmaßendes, aufdringliches, arrogantes Volk. Was bilden die sich eigentlich ein?? Diese moralischen wie finanziellen Bakroteure sollte man mal gehörig in den Hintern treten und denen klar machen, daß sie erstmal in ihrem eigenen Land für humane wie wirtschaftliche Ordnung sorgen sollten.
    Gerade diese Amis sind und müssen doch für Putin die Provokation schlechthin sein !!

Alle Kommentare lesen