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TV Kritik „Das ist eine kranke Entwicklung”

Die Zinsen liegen unterhalb der Inflationsrate, Sparen verbrennt Geld. Die Altersvorsorge wird zum Albtraum. Bei „Hart aber fair” ging es um die Frage: „Sind die Deutschen blöd?” – und es gab eine dicke Überraschung.
61 Kommentare

Die Zinsen fallen nahe Null – ein Albtraum für Sparer. Aber auch für Versicherer, Banken und den Mittelstand. Die „Zinsschmelze“ hat viele Folgen, bei „Hart aber fair” wollte Moderator Frank Plasberg in 75 Minuten Sendezeit alle diese Konsequenzen diskutieren. Von der Inflation über die Europäische Zentralbank, zum Leitzins und zur Altersvorsorge: Alles wurde angeschnitten - aber nicht abgeschlossen.

Dabei war die Besetzung unter anderem mit Linken-Fraktionsvize Sahra Wagenknecht, der Finanzexpertin der Verbraucherzentrale Hamburg, Edda Castelló, und dem Wirtschaftsprofessor Max Otte sehr gut gewählt. Nur kamen die wichtigen Themen zu kurz. Ein Beispiel: die private Altersvorsorge. Egal ob Alt-Kanzler Schröder (SPD), Angela Merkel (CDU) oder Horst Seehofer (CSU) – sie alle forderten die Bürger auf, privat für das Alter vorzusorgen.

Dieses Thema hätte allein eine ganze Sendung füllen können, denn mittlerweile wird klar: Die damaligen Versprechen der Versicherer lassen sich angesichts der niedrigen Zinsen heute nicht mehr erfüllen. „Die Prognosen, die noch vor 20 oder 30 Jahren gegeben wurden, waren aus der Luft gegriffen”, sagt Edda Castelló von der Verbraucherzentrale Hamburg. Selbst das Geld auf dem Sparbuch wäre mittlerweile mehr als das, was zum Beispiel Lebensversicherer zahlen, so Castelló.

In einem konkreten Fall, der in der Sendung gezeigt wird, erhält ein Rentner gegenüber der damaligen Prognose der Lebensversicherung heute 20 Prozent weniger als veranschlagt. Der Fall des Rentners ist bundesweit keine Seltenheit: „Der Großteil der Verträge ist grauenhaft”, sagt Wirtschaftsprofessor Max Otte. Der Finanz- und Wirtschaftsexperte wurde vor allem durch die Voraussage der Finanzkrise bekannt. So müsse man manchmal bis zum 90. Lebensjahr warten, bis sich einer der Verträge lohne, so der Ökonom weiter. „Da ist massiv abkassiert worden.”

Moderator Frank Plasberg fragt daraufhin in die Runde, ob Sparer ihre Pläne für den Ruhestand nun revidieren müssten: „Jetzt also Balkon statt Urlaub im Süden?” Markus Söder (CSU), bayerischer Finanzminister, sieht auch im Alter noch Vorsorge-Möglichkeiten. So könne man bei der Riester-Rente auch mit 60 Jahren in der Tat noch einiges machen. Ein lautes Raunen des Publikums quittiert seine Aussage, während die Finanzexpertin der Verbraucherzentrale ungläubig zu Söder blickt.

„Die Mittelschicht wird enteignet“

Doch auch wer nicht privat für das Alter vorsorgt verbrennt beim Sparen Geld. Der Grund: Die Zinsen liegen unterhalb der Inflationsrate – das gesparte Geld von heute ist morgen weniger wert. Es scheint, als würden die Deutschen für ihre Tugend zu sparen nun bestraft. „Kann das sein, dass die Deutschen blöd sind, weil sie sich an Politiker gehalten haben?”, fragt Plasberg. Einem Zeitungsbericht zufolge gebe es bereits Banken, die ihre Computerprogramme sogar auf Negativzinsen vorbereiten, da dies in deren Programmierung eigentlich nie vorgesehen war, so der Moderator.

„Nun wird die Mittelschicht enteignet”, sagt Sahra Wagenknecht daraufhin in die Runde. Den Reichen gehe es immer besser, da sie ihre Ersparnisse am boomenden Aktienmarkt anlegen, sagt die Vize-Fraktionschefin der Linken. „Das ist eine kranke Entwicklung.” Ähnlich sieht das auch Wirtschaftsprofessor Otte: „Die, die gespart haben sind die Dummen.” Sollte es wirklich zu negativen Zinsen kommen, gliche dies einer Enteignung. „Das ist eine Anti-Mittelstandspolitik”, so Otte.

Der Finanzminister aus dem Süden Markus Söder (CSU) sieht die Schuld dabei vor allem bei der Europäischen Zentralbank (EZB). Die habe sich von einer Europäischen Bundesbank zu einer Geldausgabeanstalt entwickelt, sagt Söder und lehnt sich in seinem Stuhl zurück. „Diese Leitzinspolitik kann bestenfalls vorübergehend sein.”

Michael Kemmer, der rechts von Söder Platz genommen hat, blickt den Finanzminister an und versucht zu beruhigen: Er glaube nicht, dass die EZB einen negativen Zins ausgebe. „Das ist ein Gerücht, wir sollten abwarten”, sagt der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken. Doch Edda Castelló möchte nicht abwarten. Sie möchte noch schnell zu einem weiteren Thema: Dispozinsen. Die seien ihrer Ansicht nach viel zu hoch. Das Wort geht an den Geschäftsführer des Bankenverbandes Kemmer, der dann sagt, Dispozinsen seien ein schwieriges Thema. Plasberg und das Publikum müssen laut lachen.

Später fragt Plasberg Michael Kemmer, wem er aus der Runde sein Geld anvertrauen würde. Der antwortet nach kurzem zögern: Die eine Hälfte würde er Sahra Wagenknecht geben, die andere der Verbraucherzentrale. Auch wenn die meisten Themen nur oberflächlich behandelt wurden, tiefgründig ist: Der Hauptgeschäftsführer des großen und einflussreichen deutschen Bankenverbandes vertraut in Geld-Angelegenheiten also den Linken.

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61 Kommentare zu "TV Kritik: „Das ist eine kranke Entwicklung”"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Die Mittelschicht ist wie eine Schafherde. Ohne zu beißen, lässt sie zu, dass sie Schritt für Schritt, Tag für Tag enteignet wird durch den Niedrigzins, der unter der Inflationsrate liegt. Alterssicherung ade. Die tiefere Schicht wehrt sich zumindest mit roten Fahnen und Trillerpfeifen, und hat auch Erfolg damit. Sie profitiert vom Gerechtigkeitsgefühl der Mittelschicht, die sich nicht nachsagen lassen will, sie sei 'sozial ungerecht'.
    cono

  • Sparkassenversicherung war gemeint.
    Die LBS hat sich so etwas ähnliches geleistet.

    Der Hals ist Dick, die Wut ist groß.

  • Der gute Ton sollte auch im Netz nicht fehlen. Eine Diskussion lebt natürlich auch von verschiedenen Ansichten – kein Grund, die gute Kinderstube zu vergessen. Achten Sie daher auf den Umgangston, bleiben Sie in kritischen Situationen sachlich und ignorieren Sie eventuelle Provokationen anderer Nutzer und so genannter „Trolls“, also Personen, die die Kommunikation mit ihren Aussagen stören wollen.

    Wie soll ich meinem Ärger Luft machen wenn über 30 Jahre in die Lebensversicherung eingezahlt wurde ca.90 000,00 €, um nach 35 Jahren ca 90 000,00 € zu bekommen. Versprochen wurde eine Verdreifachung, mindest jedoch eine Verdoppelung bei ungünstigem Verlauf.LBS lässt grüßen.
    Ist das nicht alles Krank ?.
    Un da wird von mir eine Netiquette erwartet.

  • Der Hinweis auf Silvio Gesell und ein Buch, das dieser vor über hundert Jahren veröffentlich hat, scheint so "gefährlich" zu sein, dass sich der Moderator bemüßigt sah, hier editierend einzugreifen.

    Man es auch übertreiben, werte Redaktion. Es ist zudem zweifelhaft ob dieses Buch, dessen Name ich nicht nenne, überhaupt im Buchhandel erhältlich ist und möglicherweise nur antiquarisch zu bekommen ist.

    Wer moderiert, sollte auch wissen, was er/sie moderiert. Sonst setzt er/sie sich in eine Lage, die von einer gewissen Lächerlichkeit nicht weit entfernt ist.

    Das sollte ein Moderator von Verstand vermeiden. lol

  • Sind die Deutschen blöd ?

    "Die einfachen Bürger liegen falsch, wenn sie sich beklagen, daß die Bürokraten sich Macht angemaßt hätten; sie selbst und ihre Vertreter haben ihre Oberherrschaft aufgegeben. Ihre Unkenntnis grundlegender Probleme der Nationalökonomie begründete die Vorherrschaft der berufsmäßigen Spezialisten.

    Alle technischen und juristischen Einzelheiten der Gesetzgebung können und müsssen den Fachleuten überlassen werden. Aber die Demokratie wird undurchführbar, wenn die herausragenden Bürger, die geistigen Führer der Gemeinschaft, nicht in der Lage sind, sich ihre eigene Meinung über gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Grundsätze der Politik zu bilden. Wenn sich die Bürger unter der geistigen Herrschaft der bürokratisch Gesinnten unter den berufsmäßigen Meinungsbildnern befinden, bricht die Gesellschaft in zwei Kasten auseinander: die herrschenden berufsmäßigen Meinungsbildner, die Brahmanen, und die einfältige Bürgerschaft. Dann entsteht Despotismus, wie immer der Wortlaut von Verfassungen und Gesetzen sein mag." Ludwig von Mises

  • Herr Söder sind Sie das?

    Sie haben ihren Horrortext ja schön auswendig gelernt. Wer sagt denn, dass eine Überschuldung Griechenlands zwangsläufig zu einem Gesamtausfall von europäischen Ersparnissen führen muss?

    Alles nur Angstmacherei und sonst garnichts, um so den Kurs der Regierung zu rechtfertigen!

    In Wirklichkeit zahlen jetzt die Sparer dafür, um Europa zu retten (wäre anders auch gegangen und wesentlich eleganter!)
    Aber Dumm Merkel kann man alles erzählen und einige andere sind auch nicht viel schlauer.

  • Den Bruch einer Solidargemeinschaft haben Kohl und Genscher zwar eingeläutet aber die SPD und die Grünen haben ihn vollzogen. Und nun sind wir auf einer neuen Ebene, das ist die Schächtung des Mittelstands. Der sogenannte Mittelstand hat seinerzeit keinerlei solidarität zu den Opfern von SPD und Grünen aufgezeigt. Sie haben geschwiegen, wie das in Deutschland immer so war und ist, wenn eine gesellschaftliche Gruppe geopfert wird. Das war für mich damals schon ganz klar, das die Nächsten, diejenigen sein werden, die auch von den kleinen Leuten leben. Und so kam es. Jetzt wird die Mittelschicht dem internbationalen Kapital zum Fraß vorgeworfen. Am Ende, in spätestens 10 Jahren, haben wir eine Armut, die mit Mittelamerika standhalten kann. Unsere Kapitalgesellschaften, sind längst beinahe vollständig in der Hand von ausländischen Großinvestoren, die sich längst in die Firmenpolitik eingemischt haben. (Daimler und Chrysler Wahn, Adtranz-Wahn u.s.w.) Deutsche Unternehmen zahlen die Dividende nicht mehr wie früher an die heimischen Aktionäre, sondern transferieren den Gewinn, gleich ins Ausland. hier bleibt nichts mehr. Und nun, werden die mittelständischen Unternehmen aufgekauft. Das schmutzige Geld muss untergebracht werden. Aus Raub, Drogenhandel oder frisch von der FED. Wenn wir nicht zusammnehalten und den Ereignissen endlich einen Riegel vorschieben, werden wir alle zu Sklaven.

  • Niedrigzinsen sind für Sparer keine schöne Sache, aber die Probleme, die hier bejammert wurden, sind Peanuts im Vergleich zu dem, was auf die Sparer zukommen wird, wenn das europäische Schuldenkartenhaus zusammenbrechen wird, die Banken auf riesigen Bergen wertloser Staatsanleihen (oder nicht, die haben ja per Definition kein Ausfallrisiko) sitzen (Portugal, Spanien, Irland, Griechenland...), und man nicht nur in Zypern erfahren wird, was es bedeutet, Geld auf dem Konto zu haben, man aber überhaupt nicht herankommt. Das Mitgefühl der deutschen Sparer für die Menschen in Zypern hielt sich auch in Grenzen, wieso sollte ich Krokodilstränen vergießen, weil jemand nur 42000€ statt erhoffter 53000€ auf seinem Konto gutgeschrieben bekommt. Wer den Banken, Versicherungen und Politikern in Sache Geldanlage vertraut, muß schon ziemlich naiv sein.

  • Zitat : „Das ist eine kranke Entwicklung”

    - Das stimmt !
    Und diese KRANKE ENTWICKLUNG haben die CDU/CSU mit zunicken der SPD eingeläutet und 20 Mio. Wähler für gut geheißen !

    Und jetzt wird diese Entwicklung von der SED ===> Sozialistische Einheitsdiktatur Deutschlands ( CDU/CSU/SPD ) verstärkt !!!

    Schade, dass neben der 30 Mio. Kälber auch der Rest der Bevölkerung darunter leiden muss !!!!

  • Nicht nur bei Phoenix, auch auf anderen Kanälen. Aber immer späht (ab 22:15) und das ist wirklich böse Absicht. Wenn diese Sendungen um 20:15 laufen würden könnte der dumme Michel ja wach werden und das geht ja mal gar nicht.

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