TV-Kritik Guttenberg-Film Hoppla, deutsches Fernsehen kann ja doch Satire

Der Privatsender Sat1 wagte sich an einen Film über Aufstieg und Fall von Karl-Theodor zu Guttenberg. „Der Minister“ bot viel Diskussionsstoff auf unterschiedlichen Niveaus – und funktionerte als flottes TV-Ereignis.
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Der Schauspieler Kai Schumann in der Rolle des Karl-Theodor zu Guttenberg und Katharina Thalbach als Kanzlerin Murkel. Quelle: dpa

Der Schauspieler Kai Schumann in der Rolle des Karl-Theodor zu Guttenberg und Katharina Thalbach als Kanzlerin Murkel.

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BerlinAm Dienstagabend mussten viele Fernsehzuschauer vermutlich zunächst suchen, wo auf ihrer Fernbedienung Sat.1 noch mal gespeichert war: Um 20.15 Uhr zeigte der Privatsender, der seit dem Verlust der Fußball-Champions League-Rechte kaum noch Fernseh-Ereignisse bietet, die Filmsatire „Der Minister“. Die getreue Nachinszenierung der Aufstiegs- und Fall-Story des ehemaligen Wirtschafts- und Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) bot eine Menge Anknüpfungspunkte an den Hype, dem von 2009 bis 2011 kaum ein deutscher Medienkonsument entgangen war – und funktionierte zumindest so flott, wie man das von heimischen Komödien kaum gewohnt ist.

Um die Guttenberg-Story in Spielfilmform zu bringen, gestatteten sich Regisseur Uwe Janson und Drehbuchautorin Dorothee Schön die Einführung eines Ich-Erzählers neben dem in Franz Ferdinand von und zu Donnersberg umbenannten Aufsteiger (gespielt von Kai Schumann) als fiktionalen Kniff: Sein ältester Freund Max Drexel (Johann von Bülow) schrieb im Filmplot schon als Schulkind in „Donnis“ Namen und wurde später sein Wahlkampfstratege und Büroleiter; mit seinem Ausstieg begann Donnersbergs Abstieg. Auch die ominöse Doktorarbeit hat, der Filmhandlung zufolge, dieser Drexel zusammenkopiert – und am Ende dadurch, dass er den Blick der Öffentlichkeit darauf lenkte, Donnersbergs Absturz ausgelöst.

Dass Drexel am Rande des Films mit seiner Frau eine gefühlige Liebesgeschichte erlebt, ohne die bei Sat.1 kaum ein Film auskommt (wie die Programmtrailer in den Werbepausen ausgiebig bewies), war allerdings herzlich überflüssig.



Die eigentliche Story begann damit, dass der sehr unbedarfte junge Donnersberg die Idee seines Vaters, ihn „in irgendeinem Aufsichtsrat unterzubringen“, langweilig fand, daher in die Politik strebte und im Bundestag landete. Auf einer Party in Berlin lernte er über die Ähnlichkeit ihrer gegelte Frisuren und sonstigen Erscheinungen – inklusive begleitender Gattinnen – den Chefredakteur Breitmann des „Blitz-Kuriers“ kennen. In dieser Rolle anverwandelte sich Thomas Heinze großartig die jovial-schleimige Gefährlichkeit, die Kritiker der „Bild“-Zeitung mit dem Vorbild dieser Figur, Chefredakteur Kai Diekmann, verbinden. Auf Empfehlung des aus seinem Eisenbahnkeller heraus telefonierenden bayrischen Parteichefs (Donnersberg habe „von Wirtschaft definitiv keine Ahnung, aber gute Manieren“), ernannte die Bundeskanzlerin Donnersberg bald darauf zum Wirtschaftsminister.

Die Kanzlerin des Films hieß Murkel, der Autokonzern, dessen staatlicher Rettung sich Donnersberg verweigert, hieß Forpel statt Opel. Und der Fernsehmoderator, der mit dem zum Verteidigungsminister beförderten Donnersberg nach Afghanistan flog, um ihn dort zu interviewen – was mit dem echten Guttenberg bekanntlich der damalige Sat.1-Moderator Johannes B. Kerner tat –, hieß Hannes C. Kernmann. Solche schlichten Namenswitze konnten am Sat.1-Film durchaus nerven.

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14 Kommentare zu "TV-Kritik Guttenberg-Film: Hoppla, deutsches Fernsehen kann ja doch Satire"

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  • Ich finde auch, dass die Blöcke viel zu lang sind und dass man in der Zeit natürlich was anderes macht... Das haben wir aber einer EU Direktive zu verdanken, die besagt, dass Spielfilme maximal 4x unterbrochen werden dürfen, entsprechend vollgepackt sind die Blöcke dann. Mit kürzeren Unterbechungen von 2 Min. wäre allen gedient. Lang genug, um noch aufs Klo zu gehen, Kurz genug, um sie sich auch mal anzuschauen...Und man kann sie dramaturgisch besser platzieren, sie würden nicht alles zerreißen.

  • Klar, Sat1 lebt von ehrlicher Werbung. Aber mal ehrlich: Tun Sie sich die Werbung denn wirklich an? Ich nicht. Ich zappe weiter, ich schalte in den Videotext um (ohne Ton!) und lese mir dort den neuesten Klatsch & Tratsch durch, ich gehe zur Toilette (aber nur einmal), ich hole mir ein Bier, ich lüfte die Wohnung, ich surfe im Internet (per Tablet), ich füttere meine Goldfische, ich gieße meine Blumen, ich kraule meinen Hund, ich mache Gymnastik, ich telefoniere mit meinen Fans und und und...

  • Werbeunterbrechungen: Es gibt eben noch Sender, die sich auf ehrliche Weise ihr Geld verdienen müssen...

  • war doch recht lustig

  • Am meisten genervt haben mich ja die endlos langen Werbeunterbrechungen. Ich werde mich wohl nie daran gewöhnen. Aber ich habe entgegen meinen sonstigen Gepflogenheiten dennoch bis zum Schluss an dem Film festgehalten und es auch nicht bereut. Natürlich hatte der echte "von und zu Donnersberg" ein erheblich beeindruckendes Auftreten als sein Film-Double, was die anschließende Dokumentation doch sehr klar veranschaulichte. (Wenn Guttenberg zurückkäme, hätte er sicher immer noch große Chancen, die Herzen der Bürger wieder im Sturm zu erobern.) Aber gut, der Film sollte ja auch keine feinsinnige Charakterstudie sein, sondern nur eine eher grobkörnige Satire, die sich ausschließlich an den allgemein bekannten Details der atemberaubenden Guttenberg-Saga entlang hangelte. Dabei kam doch einiges Witzige zum Vorschein. Ich habe auf die Schnelle auch nicht alle Gags mitgekommen und konnte auch nicht sofort jeden Schauspieler seinem Original zuordnen. Aber der Film wird ja sicher noch des öfteren wiederholt. Hat Herr zu Guttenberg bei seiner Abdankungsrede eigentlich wirklich Captain Kirk plagiiert oder war das nur so eine kleine satirische Zugabe zur Realsatire?

  • Endlich mal wieder eine gelungene Satire, wobei die "Wirklichkeit" nicht weit entfernt war. Kompliment!!

  • Ich fand's super !

  • Gar nicht so lustig: Eine Satire über eine Plagiatsaffäre ist selbst ein Plagiat!
    Die TV-Machen haben sich nämlich schamlos an einer Titianic-Ausgabe von 2011 bedient.

    Die Details auf www.titanic-magazin.de.

    Das ist dann schon echte Realsatire :(

  • mehr als die Note III kann ich nicht geben, teilweise recht
    unterhaltsamm, aber : so etwas wie KIR ROYAL ist nicht zu toppen und wird (leider) wohl auch einmaliog bleiben,schade !

  • So ein richtiger Knaller war der Film wirklich nicht. Allerdings waren immer wieder kleine, feine Spitzen eingebaut, die den Film dann doch sehenswert gemacht haben. Köstlich war Frau Thalbach als Kanzlerin.

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