TV-Kritik „Hart aber fair“ „Schwarzer tut sich keinen Gefallen“

Ist Alice Schwarzer eine gefallene Moralinstanz? Oder das Opfer sensationslüsterner Medien? Diese Fragen wurden bei „Hart aber fair“ besprochen – und nicht beantwortet. Einig war man sich: Sie kommuniziert ungeschickt.
Update: 04.02.2014 - 08:17 Uhr 18 Kommentare

Deutschland, deine Steuersünder

KölnGisela Marx  ist enttäuscht von Theo Sommer, dem ehemaligen Verleger der „Zeit“, weil der Steuern hinterzogen hat. Das sagte sie am Montagabend bei „Hart aber fair“. Ob sie dann nicht auch enttäuscht sein müsste von ihrer langjährigen Freundin Alice Schwarzer, fragte Moderator Frank Plasberg, verwundert über die unvorsichtige Aussage. Marx druckste herum. „Ich bin enttäuscht von ihrer Argumentation“, sagte sie. „Aber ich habe auch Verständnis dafür.“ Obwohl diese Antwort reichlich Spielraum um Nachhaken böte, beließ es Plasberg dabei. Vielleicht wollte er Marx diesen Disput nicht zumuten – denn sie hatte wahrlich genug zu tun in dieser Sendung

Ihre Aufgabe war es, Alice Schwarzer zu verteidigen, ihre Weggefährtin und Freundin. Am Sonntag war bekannt geworden, dass Schwarzer Steuern hinterzogen hatte, sich schließlich selbst angezeigt hat und ihre Steuerschuld – das, was nicht verjährt ist – beglichen ist. Eine enorme öffentliche Diskussion brach los, Schwarzer wurde scharf kritisiert, worauf sie wiederum mit Kritik an der Kritik reagierte. Plasberg fragte am Montag in seiner Sendung: „Was, die auch –  kein Recht auf Steuergeheimnis für Alice Schwarzer?“

Man müsse „an den Menschen, die Frau Alice Schwarzer“ denken, „wie sie sich gefühlt hat, als sie den Artikel gelesen hat“, sagte Marx. Da sei ihre Reaktion doch wohl verständlich. Und damals, in den 80er Jahren, da war das Unrechtsbewusstsein ja auch noch ein anderes. Mit Verve verteidigte Marx die Ehre ihrer Freundin. Und dennoch: Nur Minuten später nannte sie Theo Sommers Verfehlung enttäuschend und fragte sich, wie Karl-Heinz Rummenigge nur so dumm sein könne, zwei Uhren zu schmuggeln. Besser hätte Marx nicht zeigen können, wie emotional – und mitunter irrational – die Diskussion um Steuermoral geführt wird. Zumal wenn sie mit polarisierenden Personen verknüpft ist, wie einer Feministin oder Fußball-Funktionären.

Entsprechend verfahren war die Debatte bei „Hart aber fair“ an manchen Stellen: Vom Steuergeheimnis über das Verhalten der Medien zu Schwarzers Lebenswerk und zurück zur generellen Praxis der Selbstanzeige schaffte es die Diskussion innerhalb weniger Minuten.  Für jede der unterschiedlichen Ebenen des Themas hatte die Runde einen Gast parat.

FDP-Vizechef Wolfgang Kubicki war in dieser „Hart aber fair“-Ausgabe – anders als gewohnt – eher der Mann der nüchternen Analyse. Er trat vor allem in seiner Funktion als Strafverteidiger auf. „Steuerhinterziehung ist eine Straftat“, sagte er. Aber nach der Selbstanzeige verzichte der Staat auf Verfolgung, wiederholte er immer wieder. Also: „Der Fall ist abgeschlossen.“ Gleichzeitig sei die Berichterstattung über den Fall aber keineswegs Rufmord, denn es sei ja nur die Wahrheit berichtet worden. Verwerflich sei nur, dass die Information überhaupt an die Medien gelangt sei.

Führt die Selbstanzeige zur Verharmlosung von Steuerbetrug?
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18 Kommentare zu "TV-Kritik „Hart aber fair“: „Schwarzer tut sich keinen Gefallen“"

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  • Andere Leute vorverurteilen, Moralapostel spielen, aber
    dann doch fleißig Steuer hinterziehen!

    Und dann erbost kommentieren, daß es nun alle erfahren
    haben.
    So eine Heuchlerin!

  • Mein persönliches Rechtsempfinden hierzu habe ich in einem Kommentar zu heutigen Beitrag Wolfgang Kubikis dargelegt. Wir sind nicht so weit auseinander, wie Sie vielleicht annehmen. Allerdings würde ich nicht so weit gehen, zu unterstellen, das in der Schweiz angelegte Geld sei ebenfalls unversteuert. Das nichtversteuern der Einkünfte aus dieser Anlage ist jedoch unbestreitbar.

  • Tja, so sind sie halt die einstigen 68-iger-Kreischer

  • Hallo Rechtslinksabbieger !!
    Wenn Frau Schwarzer Geld in der Schweiz hatte , war das SchwarzGeld ? Zur fraglichen Zeit , wurden in der Schweiz
    fast keine , teilweise sogar NegativZinsen gezahlt . Also muss der angelegte Betrag enorm hoch gewesen sein .
    Wie ist das Geld aus dem Verlag geflossen ?
    Eine spannende Frage die noch zu klären ist .
    Selbstanzeige - Nachzahlung = Alles ist Gut ?
    Die Aufklärung fängt erst an .

  • Es gibt zwar kein Recht im Unrecht...
    Aber wer sein Badezimmer schwarz machen lässt, hat mit dieser Rechtssprechung eigentlich gar nichts zu befürchten.
    Und es hat den Vorteil, das man - zu recht - das Gefühl hat es den "Großen" gleich tun zu können, im eigenen Rahmen.
    Warum soll Steuerhinterziehung nur den Reichen vorbehalten sein, die dann auch noch straffrei bleiben???

    Die deutsche Steuergesetzgebung - mit ihren vielen Ausnahmen wegen der angeblichen "Gerechtigkeit" - ist das wahre Desaster.
    Deshalb der Vorschlag - der aber in Berlin nur milde belächelt wird - : Ein EINFACHES Steuerrecht verhindert Schwarzarbeit und Steuerhinterziehung.
    Die Politik weiß es, will es aber nicht wahr haben!

    Was das Steuergeheimnis betrifft... schaut mal nach Schweden und sagt mir dann, verehrte Politiker, wo das Problem liegt.

  • Offen gesagt, ich mag Frau Schwarzer nicht, mochte sie noch nie. Ich streite auch ab, dass sie sich um Frauen in Deutschland verdient gemacht hat. Und UNEIGENNÜTZIG war Ihre Tätigkeit wohl auch nicht ganz... Wer einen Geldbetrag in der Schweiz vergisst, der in 10 Jahren eine Steuerschuld von 200.000€ produziert, also im Schnitt pro Jahr 20.000€, muss bei dem Zinsniveau der letzten 10 Jahre also 80.000€ allein an Zinsen pro Jahr bekommen haben. Wie hoch der "vergessene" angelegte Betrag dann sein muss, mag sich jeder selbst ausrechnen. Offenbar lohnt es sich in Deutschland, Feministin zu sein.

    Ich bin mit einer Russin verheiratet. Sie ist definitiv ohne den Einfluss einer Frau Schwarzer aufgewachsen. Unterdrückt und devot erscheint sie mir nicht; im Gegenteil, sie setzt ihr "Frausein" so gezielt, geschickt und manchmal rücksichtslos ein, dass ich ab und zu Schwierigkeiten habe, mit ihr auf Augenhöhe zu bleiben.

    Sie wollte wissen, wer diese Alice Schwarzer sei, von der jetzt alle reden, und ich fasste es kurz zusammen. Nach einigen Internetrecherchen gab sie mir das folgende Statement zu dieser Frau ab.
    "Lasst doch diese alte, frustrierte Frau in Ruhe, die das Pech hatte, so unattraktiv geboren zu sein, dass sie keinen Mann abbekam und das auf ein gesellschaftliches Problem, nicht auf ihr Spiegelbild zurück führte. Ihr seid verrückt, in einem so offensichtlichen Fall so einer Person in der Öffentlichkeit eine Stimme zu geben und sie ernst zu nehmen. Ansonsten ist die nicht besser oder schlechter als alle Deutschen, nur bemitleidenswerter."

    Dem ist, glaube ich, nichts hinzuzufügen...

  • Steuerhinterziehung ist eine Straftat. Straftäter müssen sich üblicherweise öffentlichen Gerichtsverfahren stellen.

    Ein Steuerzahler sollte sicherlich das Recht auf Steuergeheimnis haben, bei einem steuerhinterziehenden Straftäter ist das fragwürdig. Trotz der Möglichkeit sich durch Selbstanzeige reinzuwaschen.

  • ..von Frau Schwarzer ist besonders Ihre Inteligenz im Zusammengang mit Ihrer Ausrede warum Sie das Geld in die Schweiz gebracht hat zu sehen...

  • "Man müsse „an den Menschen, die Frau Alice Schwarzer“ denken, „wie sie sich gefühlt hat, als sie den Artikel gelesen hat“, sagte Marx."

    Wie muss sich Herr Kachelmann gefühlt haben, als Schwarzer über die BILD-Zeitung an ein Millionenpublikum ihre hasserfüllten Vorverurteilungen losgelassen hat !

  • "....Und da muss ja Frauenfreude aufkommen, wenn eine zurückschlägt. Endlich!" - Emma Nr. 2/1994, S. 34f; gemeint ist die US-Amerikanerin Lorena Bobbit, die ihrem schlafenden Mann John den Penis abgetrennt hatte.
    (quelle http://de.wikiquote.org/wiki/Alice_Schwarzer )


    vor diesem hintergrund sehe ich nun diesen vorfall.


    ich bin gespannt ob am ende wieder die männer an allem schuld sind.....

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