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TV-Kritik Heißer Daten-Brei bei Maybrit Illner

Big Data ist keine Atombombe. Aber Geheimdienste und ihre digitalen Aktivitäten sind ein spannendes Thema: großes, dennoch sehenswertes Durcheinander in der ZDF-Talkshow.
12.07.2013 - 07:48 Uhr 12 Kommentare
Maybrit Illner (Rechts) diskutiert mit ihrem amerikanischen Gast Jacob Appelbaum (Links).

Maybrit Illner (Rechts) diskutiert mit ihrem amerikanischen Gast Jacob Appelbaum (Links).

Berlin Was am späten Donnerstagabend nach dem Frauenfußball in Maybrit Illners ZDF-Talkshow diskutiert wurde, lässt sich in einem Text kaum zusammenfassen. Einerseits deswegen, weil selbst für deutsche Talkshows überdurchschnittlich häufig durcheinander geredet wurde, andererseits auch wegen der nicht rundum gelungenen Simultanübersetzung des amerikanischen Gastes Jacob Appelbaum.

Zeitverschwendung war es dennoch nicht, die Sendung anzusehen. Wie nur sehr selten ließ sich spüren, dass das einkreisende Drumherumreden engagierter Gäste einem heißen Thema galt. "US Allmächtig: Kalter Krieg um unsere Daten?", lautete der Titel der Sendung. Es ging also wieder um Edward Snowdens Enthüllungen und die "Prism"-Ausspäh-Aktivitäten des amerikanischen Geheimdienstes.

Appelbaum, der zum Wikileaks-Umfeld zählt und kürzlich ein E-Mail-Interview mit Snowden geführt hat, konnte zwar weder sagen, wie es diesem gerade geht, noch welche Enthüllungen folgen werden. Jedoch nannte er Behauptung, Snowdens Gastländer China und Russland hätten seine Daten kopiert, eine Propaganda des amerikanischen Geheimdienstes, und stellte immer wieder kluge Fragen. In der letzten Fragerunde kurz vor Mitternacht legte er richtig los, lobte einerseits Deutschland für seine Verfassung, die Pressefreiheit und die intensiven Diskussionen über die NSA-Aktivitäten, wies andererseits auf die obskure Rolle deutscher Geheimdienste bei den NSU-Morden hin sowie darauf, dass auch die Drohnen, mit denen amerikanische Dienste Tötungsaktionen ausführen, digital gesteuert werden. Das führte dazu, dass der bedauernswerte Simultandolmetscher kaum hinterherkam (etwa die Gamma Group, einen umstrittenen britisch-deutschen Softwarehersteller, mit der GEMA verwechselte). Andererseits bewies es, dass die kurzweilige Sendung ruhig noch weiter gehen können.

Für deutsche Geheimdienste stellen sich zurzeit bekanntlich zwei brisante Fragen: ob sie von den NSA-Aktivitäten in Deutschland wussten oder (wie ihre Vertreter behaupten) nicht, und welche Antwort eigentlich schlimmer wäre. Für die Dienste hatte Illners Redaktion als kompetenten Vertreter Bernd Schmidbauer gewonnen - zu Helmut Kohls Bundeskanzlerzeiten der Geheimdienstkoordinator. Mit "Das können Sie nicht als Zusammenarbeit bezeichnen" neigte Schmidbauer zur Ansicht, die deutsche Dienste hätten wenig gewusst. Allerdings vermochte er die Rolle des distanzierten Grandsigneurs aus der "kaltschnäuzigen" Welt der Geheimdienste in der Hitze der Wortgefechte vor allem mit dem Blogger Sascha Lobo nicht durchgängig auszufüllen. "Wenn die handfesten Beweise da liegen", dann müsste das Verhältnis zum US-Geheimdienst neu bestimmt werden, verzettelte sich Schmidbauer etwa - so als seien "handfeste Beweise" im Geheimdienstbereich alltäglich. Oder als das CDU-Mitglied ausgerechnet dafür plädierte, Snowden als Zeugen Asyl in Deutschland zu gewähren.

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    12 Kommentare zu "TV-Kritik : Heißer Daten-Brei bei Maybrit Illner"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Diese Sendung war anders als die Anderen.
      Hier wurde mehr Tacheles gesprochen.
      Besonders beeindruckend waren die Wortbeiträge von Herrn Lobo und Herrn Mascolo. Klar struckturiert, mit Fakten untermauert, der ungesetzmäßige Status und auch die Folgen darstellend.
      Ergebnis war: unrechtmäßig und verstoßend gegen deutsches GG und Datenschutz auf deutschem Boden.

      Schönen Tag noch.

    • das terrorargument der pro-überwacher für D ist immer wieder die sauerlandgruppe und irgendwelche natürlich nicht öffentlich zu machende vorfälle - da geheim -.

      da sollte man doch mal ganz genau hinguggen, was dieser einzige öffentliche fall in D war! . wer zeit zum lesen hat, hier : kein "verschwörer", sondern von der deutschen welle:

      http://www.dradio.de/download/104169/

      und wer keine zeit hat, mein fazit:
      man ahnt, dass der geheimdienst erst die täter unterstützt und dann dazu bringt straftaten zu begehen.


    • es nervt wahnsinnig,wenn frau illner jede frage grinsend stellt. egal wie ernst das thema ist,sie grinst. man hat den eindruck,daß sie sich darùber freut,was ihr fùr eine tolle frage eingefallen
      ist. einfach,wie ein guter moderator,fragen und die antwort abwarten.

    • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

    • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

    • @günther schemutat
      ....."Deutschlands Weg zur Demokratie zu überwachen"...

      Das heisst aber nicht, dass 80 Millionen Bürger rund um die Uhr überwacht werden müssen. Sondern, nur die Handlungen und Gesetzgebungen der Regierung. Schon absurd genug.

    • Ihr wisst ja schon, dass negative Kommentare auf diesen Plattformen Richtung NSA, USA, Politik, deutsche Regierung... mitgelesen werden?

      Übrigens: Jährlich sterben 15.000 Menschen in deutschen Krankenhäusern durch Infizierung mit dem Norovirus. Nicht einmal das bekommen wir in den Griff.

      Der mündige Bürger geht wählen. Nur wen?

    • Zitat : Heißer Daten-Brei bei Maybrit Illner

      - habe eine verkehrte Welt wahrgenommen....der Ami verdammte die Abhörerei, sowohl in Europa als auch in USA,

      die Politoffiziellen Deutschen versuchten die Abhörerei zu verteidigen und ins rechte Licht zu rücken........??????

      Die Märchen von Terroranschlägen ( irgendwelche Sauerland-Terroristen, bei denen man 2 Säcke mit Düngemittel gefunden hat ) sollen jetzt die globale Abhörpraktiken rechtfertigen....??????

      Wo haben sich den die Abhörangriffe nützlich bei Bekämpfung von Döner-Morden gezeigt ? Oder waren es doch keine Terroranschläge...???

      Man versucht ganz einfach das Volk wieder für dumm zu verkaufen !

      Abwahl der Lügenkoalition NOMENKLATURA im September !

    • Eins wurde durch die Sendung aber klar: das einzige Argument, dass der rechtskonservative Block hat, um permanent Demokratie und Rechtstaat zu beschneiden, ist die angebliche Terrorgefahr. Die knapp 4.000 Toten des 11. Septembers rechtfertigen ihnen jegliche Grundrechtsverletzung an denen, die angeblich keinen Schutz verdienen, weil sie ja zu Tätern werden KÖNNTEN.

      Nun sterben aber auch knapp 4.000 Menschen durch Verkehrsunfälle - alleine in Deutschland, jedes Jahr! Wer weiß wie lange sich die Safety-first-Apostel mit Zugang zu den big data das noch ansehen, bevor sie den Datenkraken auf uns loslassen, natürlich zum Schutze aller, und wer nichts zu verbergen hat, der hat auch nichts zu befürchten. Statt "freie Fahrt für freie Bürger" heißt es dann "sichere Fahrt für sichere Untertanen". Und eines Tages stehen sie am Hauptbahnhof zufällig zwei Minuten neben einem polizeibekannten Dealer, und ihr GPS-Handy verpetzt sie ...

    • Ganz schlimm war das ständige, dümmliche Grinsen von Frau Illner!

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