TV-Kritik Maybrit Illner Altmaier appelliert an Güte und Einsicht

Maybrit Illners Energiewende-Diskussion trug nicht gerade zur Komplexitätsreduktion bei, machte aber genau die Kompliziertheit deutlich, die vermutlich auch beim Energiegipfel im Kanzleramt geherrscht hat.
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Bundesumweltminister Peter Altmaier strahlte bei Maybrit Illner nicht die Gelassenheit aus, die man sonst von Inhabern wichtiger Ministerämter gewohnt ist. Quelle: dpa

Bundesumweltminister Peter Altmaier strahlte bei Maybrit Illner nicht die Gelassenheit aus, die man sonst von Inhabern wichtiger Ministerämter gewohnt ist.

(Foto: dpa)

DüsseldorfVor potenziellen Gründen für „böses Erwachen“ wimmelt es in der Medien- und ganz besonders in der Talkshowlandschaft geradezu. Selbst wie die Menschen nach dem Höhepunkt der Zypern-Krise, die am Mittwochabend bei Anne Will diskutiert worden war, erwachen werden, ist ja noch unklar. Insofern eine ambitionierte Idee von Maybrit Illners ZDF-Redaktion, am Donnerstag mit „Albtraum Energiewende - böses Erwachen für Verbraucher?“ ein mittel- bis langfristiges und nachweislich schwer darstellbares Feld zum Thema zu machen.

Dafür hatte Illner einen hochrangigen Gast: Bundesumweltminister Peter Altmaier, der im Laufe des Tages beim Energiegipfel im Kanzleramt eine Hauptrolle inne hatte. Oder war er bloß „ausgebremst“ worden, wie Illner zum Start fragte? Der CDU-Politiker dementierte derart engagiert, dass an dieser Ansicht wohl etwas dran sein muss. Altmaier strahlte nicht die Gelassenheit aus, die man sonst von Inhabern wichtiger Ministerämter gewohnt ist, sondern beteuerte erfrischend wenig abgebrüht, alles „in den Griff bekommen“ zu wollen.

Zu seinen Widerparts zählten einer seiner Amtsvorgänger, der Grünen-Spitzenkandidat Jürgen Trittin, der 23 Stunden zuvor noch in Wills Zypern-Talkrunde zu sehen gewesen war, und Roland Tichy, Chefredakteur der „Wirtschaftswoche“ (aus der Verlagsgruppe Handelsblatt). Tichy hatte eine Menge einprägsamer Bilder für verheerende Auswirkungen parat, die die Energiewende seiner Meinung nach habe (“größte Kapitalvernichtung seit dem Zweiten Weltkrieg„, „abenteuerlicher Totentanz“). Trittin hatte eine Detailfragen dabei, über die sich die Grünen mit Altmaier schon lange streiten.

Die Runde komplettierten Claudia Kemfert aus der Energieabteilung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, die die These vertrat, die deutsche Energiewende sei schon jetzt eine Erfolgsgeschichte, und Werner Brinker, der Vorstandsvorsitzende der EWE AG aus Oldenburg. Der Chef des größten deutschen Energieversorgers hinter den großen vier bestritt selbstverständlich Kemferts Ansicht, die Energiewende werde als "Sündenbock" für Preiserhöhungen missbraucht. Für eine Menge gegensätzlicher Positionen war also gesorgt. Illner behielt die Schärfe vom Anfang bei und war selbst beim Versuch, mit mehreren Gästen das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) zu erklären, leidlich erfolgreich.

Altmaier buk da metaphorisch kleinere Brötchen
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31 Kommentare zu "TV-Kritik Maybrit Illner: Altmaier appelliert an Güte und Einsicht"

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  • Altmeiers Billion ist untertrieben.

    Von wegen komplexes Thema. Komplexität ist nur Ablenkung.
    Einfach: Was brauchen wir, und was haben wir schon?
    Eine Bierdeckelrechnung.

    Windräder kosten pro kW ca 1000 Euro. PV pro kW etwa 3000 Euro. Power to Gas kostet optimistisch 1000 Euro pro kW. Speicher im ERdgasnetz. Rückverstromung im GuD Kraftwerken. Das sind die Zutaten.
    Strombedarf: 50 GW in Schnitt. Bei 50% Speicherverlusten und 15% Verfügbarkeit von WKA und PV ergibt sich ein Bedarf an Nennleistung von 600 GW zu grob 900Milliarden. Power to Gas mit Leistung von 300 GW, um die Spitzen auch einspeichern zu können macht 300 Milliarden. Die GuD Kraftwerke zu 80 GW kosten nur 80.000.000 Milliarden.
    Das alles muss alle 20 Jahre erneuert werden. Macht 60 Milliarden im Jahr, 800 Euro pro Kopf. Damit dürfte die EEG- Umlage nicht unter 1 Euro zu haben sein.

    Einfach

  • @HofmannM

    In keinem der von Ihnen benannten Verweise sind Kosten, die EON, RWE und Co. für ASSE II zahlen mussten oder müssten ausgewiesen.

    Das hat auch einen Grund, Sie können dies nicht glaubhaft belegen, weil der Steuerzahler für die Kosten aufkommen muss und nicht wie immer behauptet wird die EVU beteiligt werden!

  • @HofmannM
    Zur Freude mancher schwimmen Fettaugen immer an der Oberfläche. Ob schwarzer Mappus oder grüner Trittin, der Steuerzahler hat, sobald ein Politiker ein Geschäft "einfädelt", wenig zu lachen.

  • @heinz
    Rot-Grün in NRW hat über diesen Deal gejubelt! Schon vergessen!?

  • Ist Ihnen evtl entgangen daß Schwarzgelb bei 1,1 Cent EEG-Umlage übernommen hat?! nun sind wir schon beim 5fachen!!
    Und das nur innerhalb weniger Jahre! Auch unter schwarzrot hatte man die Umlage noch locker im Griff.

    Kein Wunder, wenn man Voraussetzungen erleichtert um sich von der Umlage zu befreien müssen die anderen eben mehr bezahlen.
    So müssen nun 200.000 Unternehmen u. 40 Mio Haushalte für die Befreiung (ganz o. teilweise) von 1500 Unternehmen bezahlen!
    Dank Merkel, Röttgen, Altmaier!

    Gut daß Trittin darauf hingewiesen hat daß früher PV mit 46 Cent vergütet wurde u. aktuell mit 11 cent bis 15,9 Cent/kwh.
    So merkt aber auch jeder daß das EEG ein einzigartiges Erfolgsmodell ist. Jedenfalls bis Schwarzgelb kam...


  • Vattenfall wie Pumpspeicher für einige Jahre stilllegen weil sie aktuell nicht mehr gebraucht werden. Gerade PV übernimmt aktuell zu Zeiten früher Pumpstrom erzeugt wurde, nämlich mittags.
    Kennen Sie die Speicherstudie von VDE (das ist kein Ökoverein!).
    http://www.vde.com/de/Verband/Pressecenter/Pressemappen/documents/2012-06-11/etg-speicherstudie_bpk_2012-06-11-v5_handout.pdf
    Bis 40% Ökostrom braucht man keine zus. Stromspeicher, bis 80% nur das Doppelte. Und das erreicht man schon mit einer etwas besseren Anbindung nach Norwegen u. Alpen.

    Ansonsten sehe ich daß wir uns in Vielem einig sind.

  • Fraunhofer hat in einer Studie (Aktuelle Fakten zur PV in D) aufgeführt daß von den 5,3 Ct tats. nur 2,3 Ct/kwh die reinen EE-Förderkosten sind.
    Es ist schon bekannt daß die massiven Subventionen u. Vergünstigungen für Offshore WK ausschl. deshalb zustande kam weil die 4G für den Atomausstieg von Schwarzgelb entschädigt werden wollten. Sie wollten ein Zukunftsmodell um weiter im Markt bleiben zu können.

    PV u. Windkraft onshore zahlen ihre Netzanschlußkosten selbst, auch wenn die mal 30km Leitungen zum nächsten Einspeisepunkt auf eigene Kosten legen müssen.

    WKA werden meist nur deshalb abgeschaltet weil Kohlekraftwerke u. AKWs nicht ausreichend gedrosselt werden können. Das ist leider das Problem u. nicht eine Überproduktion bei EE.

    EE-Anlagen erhalten nur Vergütungen wenn sie tats. einspeisen. Für Offshore haben die 4G bei schwarzgelb natürlich was Besseres ausgehandelt.

    Während Holland den meisten dt. Exportstrom abnehmen kann, dank flexibler Gaskraftwerke (kommt für diese auch billiger) haben Polen u. Tschechei wie wir viele Kohlekraftwerke die nicht ausreichend gedrosselt werden können.
    Innerdt. Trassen wären bis heute nicht nötig wenn es im Norden nicht auch viele Kohlekraftwerke geben würden die gleichzeit ihren Strom einspeisen wenn viel Windstrom da ist.

    2 Mio Stromwechsler sind natürlich etwas wenig bei insg 40 Mio.
    Ein günstiger Ökostromtarif ist aber immer billiger als jeglicher Standardtarif von einem Atomstromversorger. Z.B. www.atomausstieg-selber-machen.de

  • Zitat : Als erste schnelle Hilfsmaßnahme gegen die noch vor uns liegenden Strompreis-Explosionen wären Steuersenkungen tatsächlich recht und billig. Es ist ein Skandal, dass der Staat an der Ökostrom-Umlage auch noch mal extra verdient. Allein durch die Erhöhung ab Januar ist das eine Milliarde Euro zusätzlich an Mehrwertsteuer!

    Das Volk ist nicht dumm. Nie haben wir geglaubt, der Abschied von der Atomenergie würde günstig. Die Kanzlerin und auch der Grüne Jürgen Trittin („nur unwesentlich“ erhöhte Stromrechnung) haben das zwar behauptet, ernst genommen hat sie damit niemand.

    Den Grundstein für den ganzen Ärger legte das zwölf Jahre alte Gesetz für den Vorrang erneuerbarer Energien, kurz EEG. Ersonnen hat es die rot-grüne Bundesregierung unter dem Kanzler Gerhard Schröder und seinem Umweltminister Trittin.

    Sie installierten ein Stück sozialistische Planwirtschaft inmitten einer freien Marktwirtschaft, wo Angebot und Nachfrage die Preise bestimmen:

    Förderprogramme und vor allem ein auf Jahrzehnte garantierter Abnahmepreis für Strom stellen nun den Wettbewerb auf den Kopf. Scheint die Sonne und weht der Wind, wird inzwischen so viel Energie produziert, dass die Preise an der Strombörse fallen. Das nutzt aber nichts, der Strom wurde zuvor ja zu festgelegten Tarifen eingekauft. Die Differenz muss durch eine höhere Umlage ausgeglichen werden.

    Auf Betreiben des damaligen Umweltministers Trittin wurden die Prämien für die Solar- und Windstromerzeugung 2004 sogar nochmals erhöht, was ihm heute offenbar peinlich ist. Ziemlich laut trommelt er deshalb gegen die aktuelle Bundesregierung. Sie verschont energieintensive Betriebe in weiten Teilen von der Öko-Umlage. Aus Wettbewerbsgründen und zum Schutz von Arbeitsplätzen. Warum davon aber auch örtliche Molkereien und Nahverkehrsbetriebe profitieren, weiß der Himmel.

  • @HofmannM
    "Gesetz zur Revitalisierung der Marktwirtschaft". KÖSTLICH!
    Wir beide kennen doch das wirtschaftliche Verständnis unserer deutschen Politiker. Evonik hat sich ins Fäustchen gelacht, für ein marodes Unternehmen wie die Steag 650 Millionen Euro aus Steuermitteln erhalten zu haben. Wir müssen jetzt eine neue Frage formulieren: wer hat sonst noch von diesem "Deal" profitiert? Da solltest Du Dich schlau machen. Bis dann!

  • @ Hoffmann

    8. Tricksereien
    Konzerne gründen die Energieversorgung in Töchter aus, um sich von der EEG-Umlage befreien zu lassen. Die Töchter sind plötzlich energieintensive Unternehmen. Andere vergeuden absichtlich Strom, um den gesetzlichen Grenzwert zu überschreiten, ab dem sie sich von der Umlage befreien lassen können.
    9. Kundenflucht
    740 Stromanbieter haben in diesem Jahr schon ihre Preise erhöht, 74 weitere Energieunternehmen ziehen im Februar und März nach. Zwei Millionen Verbraucher haben zwischen November 2012 und Januar 2013 den Stromanbieter gewechselt, mehr als jemals zuvor. Meist flüchten sie zu Billiganbietern mit geringem Ökostromanteil.
    10. CO2-Zertifikate
    30 Gaskraftwerke legt E.On jetzt still. Denn zurzeit können alte Dreckschleudern wie Öl- und Kohlekraftwerke am billigsten produzieren. Grund ist der Preisverfall bei CO2-Zertifikaten.
    11. Pumpspeicher
    Für die Energiewende eigentlich dringend notwendige Pumpspeicherwerke müssen EEG-Umlage zahlen. So sind sie nicht mehr rentabel. Vattenfall droht, Pumpspeicher zu schließen.

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