Umfrage Deutsche wollen Röslers Steuersenkungen nicht

Wer hätte das gedacht: Der neue FDP-Chef Rösler will alles richtig machen und macht mit seinen Steuersenkungen doch alles falsch. Die Bürger machen sein Spiel nicht mit. Selbst FDP-Anhänger wenden sich ab.
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Philipp Rösler. Quelle: dapd

Philipp Rösler.

(Foto: dapd)

BerlinDie von Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) ins Spiel gebrachte Steuerentlastung wird von den Bundesbürgern mehrheitlich abgelehnt. In einer von Forsa durchgeführten „Stern“-Umfrage sprachen sich lediglich 19 Prozent der Befragten dafür aus.

40 Prozent der Bürger fänden es besser, wenn der Staat die zusätzlichen Einnahmen nützte, um Schulden abzubauen. Ebenfalls 40 Prozent plädieren dafür, dieses Geld in Investitionen etwa in Infrastruktur oder die Bildung zu stecken.

Forsa-Chef Manfred Güllner erklärte die Ablehnung damit, dass die Deutschen bei Steuersenkungen Einschränkungen bei staatlichen Leistungen befürchteten. Sie wollten aber, dass Kommunen, Länder und der Bund ihre Aufgaben erfüllen können. Zudem würden die Bürger sehen, welche Lasten sich Deutschland angesichts der Milliarden-Zusagen für Griechenland aufbürdet. Dies löse Ängste um die Zahlungsfähigkeit der Kommunen aus.

Nach Ansicht des Wahlforschers kann die FDP mit ihrem Ruf nach geringeren Steuern beim Wähler kaum punkten. Selbst von den verbliebenen FDP-Wählern hielten derzeit nur 28 Prozent Steuersenkungen für richtig. Die Mehrheit der FDP-Anhänger wolle nicht Steuersenkungen, sondern dass Bürokratie abgebaut und das Steuersystem vereinfacht wird. Güllner: „Das kostet den Staat nicht viel, entlastet jedoch den Mittelstand, weil er weniger Zeit und Geld für Papierkram und Steuerberater aufwenden müsste.“

Der Steuerstreit in der schwarz-gelben Koalition geht derweil in eine neue Runde. Nach Angaben aus der Union soll die Entscheidung über die angepeilten Steuersenkungen auf Herbst verschoben werden. Ein bis zur Sommerpause angesetztes Spitzentreffen der Koalition wäre damit hinfällig. Die FDP dagegen beharrte am Dienstag in Berlin auf einem Spitzentreffen noch vor der Sommerpause.

Kaum Chancen haben die Pläne von Ex-Verfassungsrichter Paul Kirchhof für eine radikale Steuervereinfachung. Sie sehen einen einheitlichen Steuersatz von 25 Prozent und das Ende aller Abschreibungen vor. Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) lehnt die Vorschläge als nicht umsetzbar ab. Kirchhof selbst hält die Reform für finanzierbar. Angeheizt wird die Steuerdebatte durch Berichte, wonach Schäuble weniger Schulden macht.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte Anfang Juni bei einem Besuch der FDP-Fraktion angekündigt, dass die Partei- und Fraktionschefs rasch zusammenkommen wollten, um über strittige Themen zu beraten. Aus der FDP-Spitze verlautete am Dienstag: „Es bleibt bei den Vereinbarungen für ein Arbeitstreffen.“ Es gebe keinen Grund, von diesem Fahrplan abzuweichen. Ein Termin sei aber noch nicht festgelegt worden.

10-Milliarden-Entlastung im Gespräch
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27 Kommentare zu "Umfrage: Deutsche wollen Röslers Steuersenkungen nicht"

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  • Genau!

  • Der deutsche Staatshaushalt lässt sich nicht über die Einnahmeseite konsolidieren, sondern nur über die Ausgaben. Die traurige Erfahrung der letzten Jahrzehnte lautet, daß Politikern immer noch etwas einfällt, wofür sie (gern) Geld ausgeben, wenn die Konjunktur die Steuerquellen sprudeln lässt. Zu einer Steuersenkung kommt es dann nie!
    Und der Rat der Volkswirte, Steuersenkungen in Konjunkturkrisen vorzunehmen, ist zwar theoretisch richtig, aber politisch blauäugig: welcher Politiker senkt denn die Steuern, wenn die Staatseinnahmen ohnehin sinken und gleichzeitig die Sozialausgaben nach oben gehen?

  • Herr Rösler, sehen Sie es bitte ein: SIE SIND GESCHEITERT
    Verschwinden Sie von der Bildfläche. Eine Bitte noch zu Ihrem Abgang: Nehmen Sie Ihre Kanzlerin mit. Damit können Sie noch punkten. Wir wollen sie Beide nicht mehr.

  • Schade um die FDP (und CDU). Sie haben nicht verstanden, dass es ncht die Steuerhöhe ist, die quält, sondern die Kompliziertheit des Systems und die Ungerechtigkeit. Schade, dass die Ideen eines Kirchhoff in Deutschland keine Chance haben

  • Um die Aussagekraft dieser Forsa-Umfragen zu beurteilen, muss man wissen, wie sie entsteht: Die Hauptumfrage wird am Tag gemacht, wenn die Steuerzahler arbeiten und in der Regel also nicht erreichbar sind. Erreichbar sind in großen Mengen die, die selbst keine Steuern zahlen, aber von den Steuerzahlern profitieren. Und die sind natürlich gegen eine Senkung der Steuern. Zudem sind die meisten Fragen Suggestivfragen, und entsprechend gesteuert sind die Ergebnisse. Zudem sollte man bei derartigen Befragungen nur Steuerzahler berücksichtigen, denn wie kann man andere über etwas abstimmen lassen, für das sie nicht geradestehen - das Ergebnis wäre dann mit Sicherheit ein anderes. Und schließlich muss man, wie viele auf diesem Forum sehr richtig betonen, sich anschauen, was mit unseren Steuergeldern geschieht. Zum Schuldenabbau ist es schon lange nicht mehr verwendet worden. Dafür für einen massiven weiteren Ausbau der Hilfen für Arbeitsunwillige (Alte und Kranke sind damit ganz sicher nicht gemeint), für die Aufrechterhaltung des Korruptionsstandards schuldenfreudiger Staaten, für üppige Gehälter unfähiger Politiker, die meist noch nie in ihrem Leben ein Unternehmen von innen gesehen haben, aber über sein Schicksal bestimmen, für irrwitzige, vom Bundesrechnungshof jedes Jahr neu monierte Geldverbrennungsorgien usw. Nein, runter mit den Steuern, damit sich die Arbeit der mittelständischen Leistungsträger einschließlich der Handwerker und Kleinselbständigen in diesem Schnorrerstaat endlich wieder lohnt, und konsequente Besteuererung und Einbeziehung in die Sozialabgaben auch von Politikern und nur selten arbeitenden Superreichen.

  • Von der FDP wollen wir nur, daß diese im NICHTS verschwindet!
    Klientelbedienung
    Krankenversicherte Ausnehmen
    und Verbrecherschutz Gestze, dazu braucht man keine FDP

  • @Margrit11...
    Noch mehr Verwaltung und Kommisioneren? Möchten Sie italienische Verhältnisse?
    Die Staaten müssen runter von Schulden, die letztlich durch Subventionen verursacht sind - meist über den Umweg EU. Die sind Ursache des Übels.


    Der Rösler wird sein Fett bekommen. Klug wäre er beraten, wenn er endlich anfange würde das Steuersystem zu reformieren. Schritt für Schritt zum transparenteren System. Dafür würde er gelobt werden. Aber die FDP fördert den sozialismus für Besserverdienende statt Marktwirschaft einzufordern.

    Allen, die immer wieder den Euro als Ursache der aktuellen Kriesen sehen - sorry - haben wirklich keine Ahnung. Ohne den Euro wäre alles vermutlich viel schlimmer.

  • Es wird wohl stimmen, dass die Mehrheit Rösslers Pläne ablehnt.
    1. weil jeder weiß, dass die F.D.P. dabei nur auf das eigene Klientel schielt, siehe Hotelsteuer.
    2. Jeder hat die Erfahrung, dass bei einer Senkung fast nichts ankommt, weil es i. d. R. durch steigende Sozialabgaben wieder abgefischt wird.
    3. Der deutsche Michel hat sich daran gewöhnt, dass der Steuer-Staat ein Fass ohne Boden ist. Und er versucht sich, ähnlich wie die Griechen, durch Schwarzarbeit, Betrug und Steuerhinterziehung, zu rächen.
    4. Die gerade beschlossenen üppigen Diätenerhöhungen müssen ja auch finanziert werden, damit die Abgeordneten weiterhin motiviert sind, diesen Staat und vor allem seine Sozialsysteme an die Wand zu fahren. Wohlweislich sich dabei regelmäßig auszunehmen, wie die Nichtumsetzung der sog. Rentenreform auf die Beamtenpensionen sehr deutlich zeigt.

    Dabei wäre Geld zum Verteilen an die Bürger ausreichend vorhanden, wie ein Blick in das "Schwarzbuch des Bunds der Steuerzahler" sehr gut dokumentiert.

    Prognose: nach der nächsten Bundestagswahl wird sich die Klientelpartei F.D.P. auflösen. Aber die uns regelmäßig blamierenden und isolierenden kamera- und mikrofongeilen
    Politclowns fallen ja weich und müssen ihr Geld dann nicht
    in der freien Wirtschaft verdienen.

    Es ist schon bemerkenswert, wie gut Deutschland trotz der politischen Rahmenbedingungen wirtschaftlich dasteht. Politisch sind wir längst auf dem Stand von sog. Bananenrepubliken angelangt!


    PRhodan Es ist schon bemerkenswert, wie gut Deutschland trotz der politischen Rahmenbedingungen wirtschaftlich dasteht. Politisch sind wir längst auf dem Stand von sog. Bananenrepubliken angelangt!


    PRhodan

  • Als erstes sollte mal geklärt werden, wen Forsa befragt hat und vor allem wie die Fragestellung war, d. h., war sie mal wieder manipulativ?
    Die Mehrheit der Bürger hat ohnehin nicht begriffen, was Rösler will, denn es hat doch jeder in Bezug auf die Steuersenkung durcheinander geschrien. Wie soll denn da ein einfach gestrickter Mensch begreifen was für eine Senkung da gemeint ist. Nämlich mal in erster Linie die Abschaffung des sogg. Mittelstandsbauches und dies wäre auch dringend nötig.
    Ich kann gut auf Gehaltserhöhungen verzichten, denn ich habe leider danach meist weniger Geld in der Tasche.
    Aber nun ist Rösler auch nicht der Typ der ankommt, der gehört wird. Er ist ein Bubi.
    Die FDP muß mal wieder kernige Typen haben mit Charisma und Verstand.
    Hinzu kommt natürlich, dass man der FDP gar nichts mehr zutraut.
    Wir haben z. B. jährlich einige Mrd. Schaden in der Krankenvers. durch Abrechnungsbetrug vorrangig der Krankenhäuser die privatisiert wurden. Herrn Bahr interessiert dies nicht, er bezweifelt das sogar. Die Zeche zahlen durch höhere Beiträge muß dann mal wieder der Beitragszahler.
    Aber die Privatmafia der Krankenhäuser sind ja FDP-Freunde.
    Solange die FDP so agiert, glaubt niemand mehr auch nur irgend etwas

  • Sehr richtig.
    Seit Einführung des Euro wird unserem Land. also dem Binnemarkt Geld entzogen in einer Höhe wie wir uns das gar nicht vorstellen können.
    Und dieses Geplapper von Haushaltskonsolidierung hören wir nun seit mehr als 10 Jahren. Und es ist die größte Lüge. Denn immer neue Schulden werden gemacht, da können die Steuern noch so sprudeln.
    Man sollte endlich den Politikern den Zugriff auf alle öffentlichen Gelder entziehen, nur so kommen wir wieder ins Gleichgewicht.
    Alle Steuergelder und Abgaben müssen von einer unabhänigigen Kommission verwaltet wrden, die ncihts mit der Politik zu tun hat, also von Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern. Und zwar aus Hintertupfing, um sicher zu gehen, dass keienr davon die Politiker kentn

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