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Umfrage Fast jeder zweite Groß- und Außenhändler sieht sich von Coronakrise „existenziell betroffen“

Die Coronakrise wirkt sich bereits deutlich auf den Groß- und Außenhandel aus. Um den Schaden zu begrenzen, kommt es laut Branche vor allem auf eines an: Tempo.
30.03.2020 - 15:31 Uhr Kommentieren
Der Groß- und Außenhandel erzielt mit fast zwei Millionen Beschäftigten in 148.000 überwiegend kleinen und mittleren Unternehmen einen Jahresumsatz von 1,3 Billionen Euro. Quelle: METRO Deutschland
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Der Groß- und Außenhandel erzielt mit fast zwei Millionen Beschäftigten in 148.000 überwiegend kleinen und mittleren Unternehmen einen Jahresumsatz von 1,3 Billionen Euro.

(Foto: METRO Deutschland )

Berlin Die Coronakrise trifft den Groß- und Außenhandel mit voller Wucht. 45 Prozent der Unternehmen der Branche sehen sich durch die Entwicklung „existenziell betroffen“, weitere 51 Prozent „teilweise betroffen“.

Das ist das Ergebnis einer dem Handelsblatt vorliegenden Umfrage des Bundesverbands Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), an der sich in der vergangenen Woche 671 BGA-Mitgliedsunternehmen beteiligt haben.

„Die Umfrage macht deutlich, dass wir bislang nur die Spitze des Eisbergs sehen und die wirtschaftlichen Schäden in den kommenden Wochen noch kräftig ansteigen werden, wenn Industrie, Handel und Dienstleistungen in den kommenden Wochen weitgehend zum Erliegen kommen“, sagte BGA-Präsident Holger Bingmann dem Handelsblatt.

Bei der Begrenzung des Schadens komme es darauf an, „dass die beschlossenen finanziellen Hilfspakte die Unternehmen auch schnellstens erreichen, insbesondere den breiten Mittelstand, aber auch, dass die Lieferketten nicht reißen“, sagte Bingmann.

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    Schon jetzt spüren die Unternehmen des Groß- und Außenhandels die Auswirkungen der Krise sehr deutlich. 46 Prozent der Befragten geben an, ihre Versorgung durch Lieferanten sei bereits beeinträchtigt und werde zunehmend schwieriger. Sieben Prozent sagen sogar, ihre Versorgung sei bereits heute nicht mehr gesichert.

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    In 79 Prozent der Unternehmen bleiben der Umfrage zufolge neue Aufträge aus. 58 Prozent der Unternehmen geben an, Kunden stornierten Aufträge. 29 Prozent sehen sich mit dem Wunsch ihrer Kunden konfrontiert, Zahlungsziele zu verlängern. 69 Prozent der befragten Unternehmen wollen staatliche Hilfsangebote wie Kurzarbeit und Steuerstundungen in Anspruch nehmen.

    Knapp 30 Prozent wollen auf externe Finanzierungen zurückgreifen. 45 Prozent der Unternehmen sagen, die staatlichen Hilfsinstrumente seien zu bürokratisch und wirkten zu langsam.

    Der Groß- und Außenhandel erzielt mit fast zwei Millionen Beschäftigten in 148.000 überwiegend kleinen und mittleren Unternehmen einen Jahresumsatz von 1,3 Billionen Euro. Die Branche sieht sich selbst als Drehscheibe für die Verteilung von Waren an Kunden in Industrie, Handwerk, Gastronomie und Einzelhandel.

    Die Unternehmen des Groß- und Außenhandels übernehmen zusätzlich eine wichtige Scharnierfunktion zwischen Real- und Finanzwirtschaft, indem sie, etwa durch lange Zahlungsziele, die Finanzierung ihrer Kunden sicherstellen. Nach Analysen der Bundesbank hat der Großhandel Forderungen von über 270 Milliarden Euro in seinen Büchern.

    Wenn die Kunden des Großhandels straucheln, könnte das ohne weitere Maßnahmen auf die Unternehmen der eigenen Branche durchschlagen, so die Befürchtung des Groß- und Außenhandelsverbands.

    „Wenn die Unternehmensfinanzierung zum Erliegen kommt, führt dies unweigerlich zu Unternehmenszusammenbrüchen und in der Folge zu einer grundlegenden Gefährdung der Versorgung von Betrieben und Bürgern. Massive Verwerfungen im Groß- und Außenhandel durch Forderungsausfälle bei den Kunden müssen daher vermieden werden“, heißt es in einem Positionspapier des BGA.

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    Verbandspräsident Bingmann fordert daher, die Bankenregulierung nach den Vorgaben von Basel III müsse „mit sofortiger Wirkung außer Kraft gesetzt, zumindest aber deutlich in ihrer krisenverschärfenden Wirkung abgeschwächt“ werden.

    Ende vergangener Woche hatte die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) zwar mitgeteilt, die komplette Umsetzung der Basel-III-Vorgaben wegen der Coronakrise verschieben zu wollen. Die bereits geltende Regulierung besteht aber fort.

    Bingmann fordert die Bundesregierung zum Gegensteuern auf. Wichtig bei einer Aussetzung der Regulierung sei eine ausreichend lange Frist, die den Unternehmen die benötigte Zeit auch nach der akuten Krisenphase gebe. „Dies muss auch für Zins- und Tilgungsaussetzungen Anwendung finden“, sagte Bingmann.

    Sollte sich erweisen, dass die Banken trotz des nun reduzierten Kreditrisikos die Unternehmen nicht hinreichend oder zu viel zu hohen Zinsen mit den erforderlichen Liquiditätshilfen versorgen, „muss zügig nachgesteuert werden“, sagte der BGA-Präsident.

    Er halte es außerdem für erforderlich, die von der Bundesregierung beschlossenen Finanzierungshilfen schnell und wirksam zu ergänzen. „Der Sicherung der Liquidität über die schnelle und unbürokratische Finanzierung und Absicherung von Forderungen ist dabei zentrale Bedeutung beizumessen“, sagte er.

    Mehr: Der Sachverständigenrat Wirtschaft geht von einem deutlichen Rückgang des BIP in Deutschland aus. Die Prognose ist allerdings weniger pessimistisch als die des Ifo-Instituts.

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