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Umfrage Vermögende befürworten Vermögensteuer – fühlen sich aber nicht verstanden

Wohlhabende finden, Deutschland sei eine Neidgesellschaft. Sie meinen aber, dass sie nicht mehr leisten als andere – und finden, sie könnten höhere Steuern zahlen.
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Wohlhabende befürworten Vermögensteuer Quelle: dpa
Vermögende (Symbolbild)

Die überragende Mehrheit der gut Betuchten findet, sie werde von der Gesellschaft völlig falsch eingeschätzt.

(Foto: dpa)

Berlin Vermögende haben es derzeit nicht leicht in Deutschland. Besonders die SPD hat sich in ihrer Verzweiflung auf die besser Betuchten eingeschossen: Sie will die Vermögensteuer wieder einführen, den Spitzensteuersatz anheben und stellt Gutverdiener in sozialen Netzwerken als Faulenzer im Liegestuhl da, bei denen das Geld ohne eigenes Zutun vom Fließband geliefert wird.

Wie sehr sich die Leistungsträger der Gesellschaft missverstanden fühlen, zeigt eine Yougov-Umfrage der digitalen Vermögensverwaltung Liqid, die dem Handelsblatt vorliegt. Die große Mehrheit der Wohlhabenden findet demnach, Deutschland sei eine „Neidgesellschaft“.

Die Umfrage zeigt aber auch: Vermögende sind nicht abgehoben. Sie haben sehr wohl ein Gefühl dafür, dass nicht sie allein die Leistungsträger der Gesellschaft sind, sondern wertschätzen die Arbeit einer Krankenschwester oder der alleinerziehende Mutter genau so hoch wie die des Managers.

Besonders interessant: Viele Vermögende glauben, dass sie bei der Steuerlast glimpflich wegkommen – und sind mit großer Mehrheit für eine Vermögensteuer. „Das zeigt, dass eine grundsätzliche Bereitschaft für höhere Abgaben durchaus vorhanden ist“, sagt Christian Schneider-Sickert, Gründer und CEO von Liqid. „Diese sollten aber so aufgesetzt sein, dass sie nicht demotivierend wirken oder die Falschen treffen.“

So findet jeder zweite Vermögende mit mindestens 100.000 Euro auf dem Konto, er werde steuerlich „eher geschont“. Lediglich 28 Prozent der Wohlhabenden finden, sie zahlen schon heute mehr als genug Steuern.

Nur wenige Reiche würden vor hohen Steuern fliehen

Die Gefahr, dass Leistungsträger abwandern, wenn die Steuerlast weiter steigt, ist deshalb verhältnismäßig gering, wenn auch nicht klein. 28 Prozent würden erwägen Deutschland zu verlassen, wenn die Steuern weiter steigen. Für 56 Prozent hingegen käme das auch bei steigenden Abgaben an den Fiskus nicht in Frage.

Grafik

Viele Vermögende sind vielmehr bereit, selbst höhere Steuern zu zahlen. Zwar sehen sie eine Vermögensteuer kritischer als der Durchschnitt der Bevölkerung: Während jeder zehnte Deutsche eine Extraabgabe für gut Betuchte ablehnt, ist es unter den Vermögenden mehr als jeder Fünfte.

Jedoch sind auch 76 Prozent der Vermögenden für eine Vermögensteuer, 27 Prozent wollen eine Sonderabgabe sogar schon ab einem Vermögen von einer Million Euro erheben, was nicht einmal die SPD fordert. Diese Position passt zur Gesamtstimmung unter Wohlhabenden: Die Hälfte sagt, Vermögende müssten von ihrem Profit etwas an die Gesellschaft zurückgeben.

„Ich finde es bemerkenswert, dass die Hälfte der Vermögenden sich klar in der Pflicht sieht, entsprechend ihrer Mittel einen Beitrag für Ärmere zu leisten“, sagt Schneider-Sickert. „Das ist nicht selbstverständlich und zeigt, dass der Solidaritätsgedanke in Deutschland nicht tot ist.“

So finden Leistungsträger, dass sie nicht mehr leisten als andere. Für 73 Prozent ist die Krankenschwester oder die alleinerziehende Mutter genauso ein Leistungsträger der Gesellschaft wie der Manager.

Vermögen entsteht durch Leistung

Deutlich wird aber auch: Vermögende schätzen, wer ein Risiko eingeht und Unternehmer wird oder wer viel – mehr als 40 Stunden die Woche – arbeitet. 46 Prozent denken, Vermögen entsteht durch Leistung, nur 14 Prozent sehen das nicht so. 37 Prozent finden deshalb auch, Vermögende leisten schon mehr als der Durchschnitt der Beschäftigten, während 27 Prozent dies nicht so sehen. Dies widerspricht der Auffassung der SPD, wonach Vermögen in Deutschland vor allem vererbt wird – und damit „leistungslos“ ist.

Die überragende Mehrheit der Vermögenden findet, sie werde von der Gesellschaft völlig falsch eingeschätzt: Jeder Zweite moniert, die Bevölkerung habe eine falsche Vorstellung von Vermögenden. Nur 17 Prozent denken, ihr Image decke sich mit der Realität.

Noch eindeutiger ist die Einschätzung, ob Deutschland eine „Neidgesellschaft“ sei: 72 Prozent der Vermögenden bejahen diese Frage, 17 Prozent sagen „teils teils“. Lediglich neun Prozent finden, es gebe in Deutschland keinen Neid gegenüber Reichtum. Aus diesem Grund findet auch jeder Zweite, Leistungsträger und Zahler des Spitzensteuersatzes seien die „Abgehängten in diesem Land“.

Yougov befragte in den vergangenen Wochen in zwei repräsentativen Umfragen normale Bürger (2006 Teilnehmer) und Bürger ab 100.000 Euro Vermögen (423 Teilnehmer) nach ihrer Gefühlslage zum Image von Vermögenden, zur Entstehung von Vermögen, zur Neiddebatte und zur Steuerbelastung. Der Auftraggeber Liqid ist ein Fintech, an dem HQ Trust beteiligt ist, das Multi-Family-Office der Familie Harald Quandt.

Mehr: Trotz Niedrigzinsen erlebt die Gruppe der „Privatiers“ ein erstaunliches Comeback. Das ist Wasser auf die Mühlen der SPD und deren Forderung nach einer Vermögensteuer.

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5 Kommentare zu "Umfrage: Vermögende befürworten Vermögensteuer – fühlen sich aber nicht verstanden"

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  • Steuern sollten vom Einkommen erhoben werden und nicht vom Bestand. Eine Vermögenssteuer ist eine Bestandssteuer und hier ist die Bewertung ja gar nicht möglich, da es keine objektive Bewertung geben kann. Wie wollen Sie denn eine vermietete Immobilie bewerten? Nach der Kaltmiete oder den Kosten für Kauf und Renovierung?, dann revovieren Sie mal, was allein die lokalen Bausatzungen manchmal für Forderungen erheben - Sie werden staunen! Und wenn Sie keinen guten Draht zum Bürgermeister haben, müssen Sie den Unsinn mancher Bausatzung ausbaden. Na, dann prost.

  • Ist man mit € 100.000,-- auf der hohen Kante reich? - Das ist wohl ein Witz! Auch die deutsche Erbschaftssteuer z.B. für Unternehmen braucht sich international keinesfalls zu verstecken. Auch die Einkommenssteuer mit maximal 45% dürfte nicht zu hoch sein. Man kann vielleicht darüber diskutieren, ab wann die Höchstsätze greifen sollen. Reiche Sportler werden sicherlich immer Monaco bevorzugen - das sollte kein Maßstab sein! Wirklich Reiche, z.B. Frau Klatten uvm. werden immer da leben, wo sie wollen!

  • Was die Vermögensteuer betrifft richtet sich diese Umfrage an die falschen Leute - Personen mit einem Vermögen ab 100.000 Euro. Bekanntlich will die SPD diese Steuer für „Multi-Millionäre“ einführen. Die Mehrheit der hier befragten Personen glaubt also - wie die Mehrheit der Bevölkerung - von dieser Steuer garnicht betroffen zu sein und ist somit für eine höhere Besteuerung anderer Leute. Auch nicht ungewöhnlich. Somit werden aus dieser Umfrage falsche Schlüsse gezogen: sogenannte Reiche wünschten sich für selbst höhere Steuern oder gar Vermögensabgaben. Würde man ihnen auch nicht glauben. Hätte man von derartigen
    Steuern ggf. tatsächlich Betroffene befragt - sagen wir Personen mit einem Vermögen von über 10 Millionen Euro - wäre wohl ein ganz anderes Ergebnis zu erwarten gewesen. Die gezogenen Schlussfolgerungen sind somit voreilig.

  • @ Herr M. Müller

    Vorsicht,
    Timeo Danaos et dona ferentes.
    Fürchte Deinen Feind, der Dir Geschenke macht.
    Alte Volksweisheit

  • Deutschland ist zwischenzeitlich das Land mit der höchsten Steuer- und Abgabenlast. In keinem Land dieser Erde sind die Steuern und Abgaben höher als in Deutschland. ALLE anderen Staaten dieser Erde haben geringere Steuern und Abgaben.

    Zusätzlich werden Wohlhabende über eine welt- und europaweit nahezu einzigartige "Erbschafts- und Schenkungsteuer" zur Kasse gebeten. Dies ist auch der Grund, warum viele wohlhabende Familien, Unternehmen, Sportler und Politiker Deutschland den Rücken kehren - denn die sind ja nicht blöd!

    Durch die geplante CO2-Abgabe wird die Steuer- und Abgabenlast noch (!) größer! Werden diese Steuereinnahmen auch zum Wohl des Klimas eingesetzt oder dienen sie eher der Sanierung des Bundeshaushalts?

    Wenn irgendwelche Vermögende eine Vermögensteuer befürworten, können sie gerne spenden. Es hindert sie niemand daran!

    Eine pauschale Vermögensteuer ist volkswirtschaftlich kontraproduktiv (siehe auch Laffer-Theorem) und treibt wohlhabende Familien, Unternehmer, Sportler und Politiker ins Ausland. Unternehmen wandern ab und sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze gehen für immer verloren. Wie bereits oben gesagt: ALLE Länder Europas und der gesamten Erde haben eine freundlichere Steuer- und Abgabenpolitik als Deutschland, und es gibt sehr viele schöne Plätze auf dieser Erde ohne Neid und Gier der Mitmenschen! Warum wohl verbringen neben Unternehmern und wohlhabenden Familien auch viele Politiker ihren Lebensabend im Ausland? Viele sparen sich so die neidgetriebene deutsche Erbschaftsteuer! Kommt nun noch eine Vermögensteuer dürfte der Exodus weiter zunehmen!