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Umfrage zur digitalen Souveränität Unternehmen fordern sichere digitale Infrastrukturen

Immer mehr deutsche Unternehmen nutzen die Cloud. Europäische Anbieter fehlen allerdings. Dabei ist der Bedarf in der Wirtschaft an sicheren digitalen Infrastrukturen hierzulande groß, wie eine Umfrage zeigt.
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Speichern im Netz: Deutsche Firmen nutzen die Cloud - vor allem bei großen US-Anbietern. Quelle: dpa
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Speichern im Netz: Deutsche Firmen nutzen die Cloud - vor allem bei großen US-Anbietern.

(Foto: dpa)

Berlin Viele Unternehmen in Deutschland nutzen inzwischen statt eigener Rechenzentren Angebote aus der Cloud - Tendenz steigend. Vor allem werden die Dienste amerikanischer Konzerne wie Amazon und Microsoft genutzt, um große Datenmengen zu speichern. Den hiesigen Unternehmen bleibt auch nichts anderes übrig. Denn andere Cloud-Lösungen, insbesondere europäische, sind nicht verfügbar.

Technikexperten halten das schon länger für problematisch. So warnte kürzlich der Präsident der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften Acatech, Karl-Heinz Streibich, angesichts der Abhängigkeit im Cloud-Bereich vor einem „Klumpenrisiko“ für Deutschland und Europa. Momentan würden wirtschaftliche und technologische Abhängigkeiten als Druckmittel verwendet, sagte Streibich der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. „Ich halte es für zumindest denkbar, dass unsere Abhängigkeit von wenigen Cloud-Anbietern politisch als Druckmittel gegenüber Deutschland und Europa eingesetzt werden könnte.“

Streibich betont denn auch die Wichtigkeit digitaler Souveränität und somit echter europäischer Alternativen zu den globalen Internetkonzernen. „Es geht um unsere Eigenständigkeit als Wirtschaftsraum und als selbstbestimmte Demokratie.“ Denn Daten-Infrastrukturen würden für Staaten und Unternehmen so wichtig wie Straßen, Schienen, Stromleitungen oder auch eine sichere Versorgung mit Rohstoffen und Lebensmitteln.

Die deutsche Wirtschaft sieht das mehrheitlich auch so, wie jetzt eine YouGov-Umfrage im Auftrag des Verbands der Internetwirtschaft Eco zeigt, die dem Handelsblatt vorliegt. Demnach sind 80 Prozent der 500 befragten Unternehmensentscheider in verschiedenen Branchen der Ansicht, dass digitale Souveränität in Form von leistungsfähigen und sicheren digitalen Infrastrukturen ein wichtiger Standortfaktor für Unternehmen ist.

„Datensouveränität und Datenzugang sind wesentliche Erfolgsfaktoren für eine datengetriebene Wirtschaft, insbesondere für Entwicklungen im Bereich der künstlichen Intelligenz“, sagte Eco-Vorstandschef Oliver Süme dem Handelsblatt. Leistungsfähige Rechenzentren seien überdies „der Schlüssel für diese digitale Souveränität in Deutschland für ein agiles digitales Ökosystem, in dem Daten vertrauensvoll geteilt sowie innovative Anwendungen entwickelt und auf den Markt gebracht werden“.

Acatech-Präsident fordert „konzertierte europäische Aktion“

Die Internetwirtschaft unterstützt vor diesem Hintergrund Pläne der Bundesregierung zum Aufbau einer europäischen Cloud-Infrastruktur. Das Projekt „Gaia-X“ wird maßgeblich vom Bundeswirtschaftsministerium vorangetrieben. Dabei sollen sich insbesondere kleinere Cloud-Anbieter über ein offenes Netzwerk miteinander verknüpfen und so Europa mit Rechenkraft versorgen. Konkreter will das Wirtschaftsministerium sein Vorhaben am Dienstagnachmittag bei einem netzpolitischen Forum des Eco-Verbands in Berlin skizzieren.

Altmaier verspricht sich von dem Projekt große Vorteile für die Wirtschaft. Die europäische Wirtschaft benötige dringend verlässliche Datensouveränität und breite Datenverfügbarkeit, erklärte jüngst eine Ministeriumssprecherin. Daher arbeite das Ministerium am Thema einer europäische Dateninfrastruktur, die unter anderem auch als Grundlage für einen Datenpool für Künstliche Intelligenz dienen könne.

Für das Projekt soll laut Medienberichten eine neue Organisation gegründet werden, die Technik und Regelwerk der Cloud steuert. Technisch erwäge man einen „virtuellen Hyperscaler“. In dieser Cloud-Variante werden vernetzte Computer zur Verfügung gestellt, die je nach Bedarf auf Zuruf extrem viel Rechen- und Speicherkraft anbieten. Dieser Markt wird bislang von US-Anbietern (Amazon AWS, Microsoft Azure und Google Cloud) dominiert.

Der Acatech-Präsident Streibich plädierte für eine „konzertierte europäische Aktion“. Zwar könnten wohl die europäischen Telekommunikations-Unternehmen eine entsprechende Cloud-Infrastruktur stemmen. „Das würde aber viel Geld und Zeit kosten“, sagte Streibich. Zudem sei man für eine Kopie von Microsoft Azure oder AWS zehn Jahre zu spät. Ein europäischer Cloud-Ansatz müsse sich daher auf die nächste, disruptive Generation fokussieren. „Wenn Sie so wollen, eine Basis für ein europäisches Industrial Extranet“, erläuterte der Experte - also virtuell, dezentral, transparent, sicher und offen. „Das wäre ein entscheidender Pfeiler der europäischen digitalen Souveränität“, so Streibich.

Der Acatech-Präsident zeigte sich überzeugt: „Eine föderale, verteilte Cloud-Infrastruktur, aufbauend auf vorhandene Rechenzentrumsstrukturen in Europa, könnte eine Lösung sein.“ Zwar müsse man hier noch forschen und entwickeln, „aber darin sind wir gut“, betonte Streibich. Im Geschäft mit Konsumentendaten-Plattformen habe man das Rennen zwar verloren. „Im Geschäft mit Maschinendaten, auf Basis von Cloud-Diensten für die Industrie, ist es noch offen.“

Eco-Vorstandschef Süme riet denn auch der Politik dazu, Betreiber digitaler Infrastrukturen und die Marktbedingungen, die sie in Deutschland vorfänden, stärker in digitalpolitische Strategien einzubeziehen. Das sei auch ein Ergebnis der Umfrage seines Verbands. Demnach fordern 61 Prozent der befragten Unternehmensentscheider eine stärkere Förderung digitaler Souveränität seitens der Bundesregierung.

Mehr: Bundeswirtschaftsminister Altmaier will mit Gaia X nicht Amazon und Google Konkurrenz machen, sondern ein Experimentierfeld für KI-Anwendungen schaffen.

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