Umstrittene Äußerungen zu Linksextremismus Historiker wirft Gysi totalitäres Denken vor

Fraktionschef Gregor Gysi hält linksextremistische Strömungen in der Linkspartei für eine Mär. Dass er aber linksextremistische Gewalt in einem Interview indirekt relativiert, geht einem renommierten Historiker zu weit.
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Wegen umstrittenem Interview unter Beschuss: Gregor Gysi. Quelle: dpa
Gregor Gysi.

Wegen umstrittenem Interview unter Beschuss: Gregor Gysi.

(Foto: dpa)

BerlinDer Direktor der Stasi-Opfer-Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, Hubertus Knabe, hat Äußerungen des Vorsitzenden der Linksfraktion im Bundestag, Gregor Gysi, zum Linksextremismus scharf zurückgewiesen. „Herr Gysi unterscheidet offenbar zwischen guter und schlechter Gewalt. Das ist totalitäres Denken, wie wir es aus der DDR noch zur Genüge kennen“, sagte Knabe dem Handelsblatt (Online-Ausgabe). „Angesichts der Tatsache, dass insbesondere Polizisten von Linksextremisten attackiert werden, ist es unverantwortlich und zynisch, diesem Vorgehen auch nur einen Schein von Rechtfertigung zu verleihen.“

Knabe  reagierte auf Aussagen Gysis in einem Interview mit der „Huffington Post“ vom Samstag. Darin hatte der Linke-Politiker erklärt: „Der Rechtsextremismus wendet sich immer gegen Schwache, der Linksextremismus gegen Starke. Ich verurteile Gewalt. Aber ich mache da einen Unterschied. Es ist eine ganz andere Herausforderung, Starke anzugehen.“

Aus Gysis Sicht wird dem Thema Linksextremismus „eher zu viel“ Aufmerksamkeit geschenkt. Er erinnerte an den „Nationalsozialistischen Untergrund“ (NSU), der zehn Morde verübt habe, ohne es bemerkt worden sei. „Das funktioniert nur beim Rechtsextremismus. Linke Gruppen werden viel genauer überwacht“, sagte er.

Für „Quatsch“ hält Gysi auch die Behauptung des Verfassungsschutzes, in der Linkspartei existierten offen linksextremistische Strömungen. „Das sind zum Teil die harmlosesten Leute, die ich kenne. Das hat mit der Realität wenig zu tun“, sagte Gysi. „Extremisten wollen übrigens gar nicht zu uns, die sind mit uns höchst unzufrieden“, fügte der Linkspartei-Politiker hinzu. „Gemessen an denen sind ja die Konservativen eher nett zu mir.“

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6 Kommentare zu "Umstrittene Äußerungen zu Linksextremismus: Historiker wirft Gysi totalitäres Denken vor"

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  • Gysi ist und bleibt ein unverbesserlicher Ideologe. Jeder Ideologe ist ein Mensch und wie fast jeder Mensch, da machen die näher zur Mitte hin tendierenden oder die politisch rechts von der Mitte stehen keine Ausnahme, glorifiziert auch der Mensch Gysi den eigenen Dreck und er verabscheut um so mehr den Schmutz von anderen. Die Heuchler hier Forum sind nur konsequent und halten es genauso, jeder belügt sich und andere so gut wie er kann. Heuchelei ist der neue Volkssport, auf geht’s Ihr könnt das noch viel besser!!!

  • Nicht nur die Linkspartei, auch die Grünen, die Nachfahren der kommunist. 68er Bewegung und viele SPD-Linke sehen im Kommunismus und MultiKulti-Islam ein alternatives Modell zum ihnen verhaßten marktwirtschaftlichen Nationalstaat.

  • Herr Daniel Mayr@
    Das ist doch in der EU Standard, wer braucht den Gysi. Extrem ist doch die EU.

  • die Linkspartei ist voll mit Leuten, die am liebsten eine kommunistische Diktatur einführen würden. Dies steht sogar im Parteiprogramm, z.B. dass privates Eigentum sehr kritisch gesehen wird, oder dass Urteile des Bundesverfassungsgerichts durch das Parlament aufgehoben werden können sollen und damit die Gewaltenteilung abgeschafft wird. Herr Gysi und seine linksextremistische Partei werden viel zu wenig überwacht und kommen in der Öffentlichkeit als viel zu harmlos rüber als sie es wirklich sind.

  • Herr Gysi ist ein medial hellstrahlender und stets brillant taktierender Garant dafür, dass um die gesamte Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit ein großer, weiträumiger Bogen gemacht wird. – Spätestens, wenn Herr Gysi einmal die Bühne nicht mehr betritt, wird deutlich werden, wie sehr wir geblendet wurden.

  • In einer laut Derrida stets multidimensionalen Welt steht die Vielfalt der unterschiedlichen Ausdehnungen bereits von Natur aus durch einander in Beziehung. Es gibt auf Erden daher nichts Einfältigeres, als die Absolutheit des dadurch unumstößlich manifesten Sozialen dazwischen von Menschenhand zu relativieren. Zumindest weite Teile der hiesigen Bevölkerung pflegen geradezu mit Hingabe solch ungeheuerliche Anflüge eines zutiefst umnachteten Geistes. Herr Gysi bleibt deshalb dazu angehalten, den Nachweis dafür zu führen, dass innerhalb der Linkspartei der besagte Extremismus gleich welcher Couleur keine Anhänger findet. Ohne dementsprechenden Beleg in Händen kann ihm ansonsten ein Historiker ohne weiteres Federlesen jederzeit totalitäres Denken zuschreiben.

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