Umstrittene Rentenpläne Große Koalition zettelt Krieg der Generationen an

Arbeitsministerin Nahles nennt ihre Rentenpläne „generationengerecht“. Das Gegenteil sei der Fall, sagen Junge in Politik und Wirtschaft. Für sie ist klar: Die Bundesregierung hat den Generationenvertrag aufgekündigt.
20 Kommentare

Union hat Angst vor der Frühverrentungswelle

BerlinDer Streit um das Rentenpaket der Bundesregierung gerät zunehmend zu einer Auseinandersetzung zwischen Jung und Alt. Zahlreiche junge Politiker und Wirtschaftsvertreter proben den Aufstand – in der Hoffnung, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihre Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) ihre Pläne noch einmal überdenken.

Danach sieht es derzeit jedoch nicht aus. Union und SPD lobten heute bei der ersten Lesung des Gesetzentwurfs die milliardenschweren Verbesserungen für langjährig Versicherte, ältere Mütter und Erwerbsgeminderte als Beitrag zu mehr Gerechtigkeit. Linke und Grüne widersprachen dieser Sichtweise im Bundestag zwar heftig. Sie werden aber wohl nicht verhindern können, dass Rentenpaket noch vor der Sommerpause verabschiedet wird. Es sei denn, Koalitionsabweichler stellen sich gegen Nahles & Co.

Darauf hofft der Vorsitzende des Jungen Wirtschaftsrates der CDU, Nils-Oliver Freimuth. Er rief die jungen Abgeordneten im Bundestag auf, sich gegen die Rentenpolitik der Großen Koalition zur Wehr zu setzen. Nahles stelle ein Rentenpaket vor, das trotz aller „kosmetischen Flexibilisierungsmaßnahmen“ im Kern ungerecht bleibe. „Die neuen Vorschläge von SPD und Union, eine Frühverrentung mit 61 Jahren weitgehend auszuschließen, sind nur ein Ablenkungsmanöver. Sie machen das Rentenpaket nicht besser“, kritisierte Freimuth und fügte hinzu: „Wir fordern die jungen Abgeordneten auf, das Paket als Ganzes aufzuschnüren und die Abstimmung über die Rente mit 63 abzukoppeln.“

Nahles verwahrte sich gegen jede Kritik an ihrem Rentenpaket: „Es ist nicht geschenkt, es ist verdient.“ Mit den Verbesserungen erkenne die Regierung „die Lebensleistung von Menschen in unserem Land an.“ Dazu zähle die neue Mütterrente. Zur Rente mit 63 sagte die Ministerin: „Wer 45 Jahre gearbeitet hat, hat 45 Jahre lang Beiträge bezahlt - und damit seine Pflicht im Generationenvertrag erfüllt.“ Nahles bekräftigte, angesichts des Fachkräftemangels habe sie „keinerlei Interesse“ an einer Frühverrentungswelle durch die Rente ab 63. Wie dies zu verhindern sei, darüber werde noch gesprochen.

Der Junge Wirtschaftsrat glaubt Nahles kein Wort. Auch Jungpolitiker der Piratenpartei und der FDP gehen auf die Barrikaden. Sie halten der Bundesregierung vor, mit ihrer „fehlgeleiteten“ Politik einen Krieg der Generationen billigend in Kauf zu nehmen. „Kurzfristige Entscheidungen wie das jetzige Rentenpaket stören den Frieden zwischen den Generationen“, sagte Thorsten Wirth, Bundesvorsitzender der Piratenpartei Deutschland. Es sei enttäuschend, dass Union und SPD lieber Wahlgeschenke verteilten, statt eine anständige Rentenreform anzustoßen. „Wir werden in einigen Jahren vor der Frage stehen, ob wir weniger Rente auszahlen oder die Arbeitnehmer und die Wirtschaft stärker zur Kasse bitten wollen.“

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
„Massive Lastenverschiebung von Alt zu Jung“
Seite 1234Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Umstrittene Rentenpläne - Große Koalition zettelt Krieg der Generationen an

20 Kommentare zu "Umstrittene Rentenpläne: Große Koalition zettelt Krieg der Generationen an"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Die Zahlen, welche genannt werden, welche die Rentenreform kosten soll sind völliger Schwachsinn und Angstmache. Es entstehen weitaus weniger Kosten, nur der Jahrgang 1954 kommt in den Genuß ab 63 die abschlagsfreie Rente zu beziehen. Für jedes weitere Jahr später gibt es steigende Abzüge. Das Arbeitgeberlager befürchtet steigenden Beitragszahlungen. Die wahren Kosten sind bei der EU und etc. zu suchen.

  • @ Hartfried_Hartmann,
    die Parteienfarbe ist doch völlig wurscht.
    Es geht Besitzstandsbewahrer gegen die Zahler für ihre spätere Sozialhilfe als Rente.
    Warum wird nicht die Pension als Alterssicherung für alle Bürger, mit identischer Berechnungsgrundlage eingeführt?
    Mathematisch zwar unmöglich, aber unmöglich auch für einen Teil der heute begünstigten Bürger und damit gegenüber sehr vieler Bürger schlicht und ergreifender Betrug.
    Eigenverantwortung wurde immer schon politisch gefordert und genau diejenigen werden heute politisch gewollt ausgeplündert und völlig legal bestohlen.

  • Krieg der Generationen? Es sind doch die Jungen, die total, mit Vorsatz auf Grund Ihrer Uni-Ausbildung versagen.Man sehe nur die Banker, Manager usw., die nur noch abzocken und menschenfeindlich handeln. Warum sind die Jungen nicht mehr gewillt, Vorgaben, Pläne, Kosten usw. einzuhalten?

  • Die Beamtenpensionen stehen mal wieder in der Kritik. Ihre
    Pensionen sind oft nicht so hoch. Ich möchte denen gerne
    einen Tipp geben, die sich um ihre Zukunft sorgen: Selber
    Beamter werden. Dazu sollte gehören: Abitur und ein guter Hochschulabschluss. Das reicht nun leider noch nicht, um Beamter auf Lebenszeit zu werden, so dass man später als ein froher Pensionsanwärter leben kann. Nun ist auch noch Eigeninitiative gefordert.

  • Da Frau Nahles der SPD angehört und solche Massnahmen, die erst
    viele Generationen später bezahlt werden müssen, die Wiederwahl sichern ...

    würde ich mal vermuten das dass dann wohl die Hauptmotivation dazu ist.

  • AN die Deutsche .... nein nein ist schon richtig. Über 5,4 Billionen sind es. Es werden NUR 2 BIllionen erwähnt weil dafür Zinsen zu zahlen sind. Der Rest sind Zahlungsversprechen wie z.B. Pensionen für Beamte und auch die Wulff`s, Edathy`s und andere aber auch Spendengelder für Herr Karsai bei dem noch immer 20 Milliarden nicht gefunden wurden .... ach der Ärmste aber auch !Kurz gesagt : Sie sind leider nicht gut informiert und Zahlungsversprechen müssen bilanziert werden. Das ist wie bei gebräuchlichen Akkreditiven auch.

  • Groko und der Krieg der Generationen. Da will ich mal was erzählen : Deutschland hat über 5,4 Billionen Staatsschulden verursacht .... und nur wir , das Volk haben die an der Backe. Und jetzt zu den Generationen : Mit diesen Schulden haben wir 1200 Jahre Tilgungszeit und die nächsten 16 Generationen sind damit bereits verschuldet. Wer glaubt den da das sich die Politik um Generationen kümmert ? Die reden sogar NUR allein davon das sie die Schulden unseren Enkeln nicht antun könnten.Wie gesagt die nächsten 16 Enkel sind bereits verschuldet. Und wer macht diese Schulden ? Ausnahmlos die sogenannten Politiker und ihre Helfer in Amtsstuben und Behörden. Nur mit dem Rechnen haben die ihre Probleme.

  • Ordnung i8n der Rentenversicherung bekommen wir erst, wenn wir klaen und per Gericht den Politikern verboten wird, ihre dreckigen Finger ständig in die Renenvers. zu stecken.
    Die Rntenvers. ist keine Sozialleistung, sondern eine Vers. in die der Brüger der rbeitt, fleißig Beiträge einzahlt.
    Aber der Staat tätigt aus der Rentenvers. versicherungsfremde Leistungen und zwar eine ganze Menge.
    Hinzu kommt, dass seit der Deutschen Einheit Mio Leute Rente erhalten, die nie eingezahlt haben.

  • http://www.t-online.de/wirtschaft/altersvorsorge/id_42596044/ueberblick-rentenalter-in-den-27-eu-staaten.html



    Einfach mal klicken

  • "Wer 45 Jahre gearbeitet hat, hat 45 Jahre lang Beiträge gezahlt - und damit seine Pflicht im Generationsvertrag erfüllt."

    Frau Nahles, dann müsste der Streitpunkt von Anrechnungszeiten doch bereits ausgeräumt sein! Und was soll aus freiwilligen Zahlungen bis zu 45 Jahre lang werden?

    Es wird rumgedoktert, wie es gerade mal passt. Das bisherige Zugeständnis für langjährig Versicherte wird bisher wieder einkassiert, wenn dieser - wie es jeder andere auch kann - unter Abzügen vorzeitig in Rente geht. Der Petitionsausschuss hat zwar eine Abänderungsempfehlung ausgesprochen, passiert ist aber nichts! Und nach dem bisherigen Vorhaben läuft es auf eine "Zwangsverrentung" auch derjenigen hinaus, die noch arbeiten können und wollen. Wer auf einem kommenden Anspruch ohne Ausgleichsansatz verzichten würde, müsste doch vom Amtsarzt vorgeladen werden. Zumindest hier wird sich dann ein Ansatz für eine verfassungsrechtliche Überprüfung ergeben. Gegenüber der bereits bestehenden Regelung für einen Rentenverzicht beim Regelalter würde eine Ungleichbehandlung von Rentenverzichten eintreten!

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%