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Umstrittene Videokonferenz-App Politiker von CDU und FDP fürchten Chinas Zugriff auf Zoom-Daten

Das Auswärtige Amt schränkt wegen Sicherheitsbedenken die Nutzung des Videodienstes Zoom bereits ein. Andere Ministerien sollten dem Beispiel folgen, fordern Politiker von CDU und FDP.
15.04.2020 - 04:00 Uhr Kommentieren
Wegen Datenschutzproblemen in der Kritik: US-Videodienst-App Zoom. Quelle: AFP
Zoom

Wegen Datenschutzproblemen in der Kritik: US-Videodienst-App Zoom.

(Foto: AFP)

Berlin Politiker von CDU und FDP sehen den Videodienstanbieter Zoom als mögliches Ziel chinesischer Geheimdienste und raten daher Ministerien und Behörden von der Nutzung der Anwendung ab. „Bei der Programmierung der App scheint man sehr leichtfertig vorgegangen zu sein, und der Zugriff durch chinesische Behörden kann nach den Vorfällen im Februar nicht ausgeschlossen werden“, sagte der CDU-Sicherheitspolitiker Patrick Sensburg dem Handelsblatt. „Es gibt viele alternative Anbieter, so dass von der Nutzung von Zoom derzeit abzuraten ist.“ Sensburg ist Mitglied im Geheimdienstgremium des Bundestags.

Zoom hatte im Februar die Daten einiger Konferenzen über Server in China geleitet. Dieses Problem sei inzwischen behoben, erklärte das Unternehmen auf Nachfrage. Zoom verfügt nach eigenen Angaben über 17 eigene Rechenzentren weltweit, eines davon in China. Künftig sollen zahlende Nutzer über die genutzten Server mitentscheiden können. Zoom erlaubt demnach ab dem 18. April die Aus- und Abwahl bestimmter Rechenzentren.

Aktuell weist das Unternehmen seine Rechenzentren den Regionen USA, Kanada, Europa, Indien, Australien, China, Lateinamerika und Japan/Hongkong zu. User, die Zoom kostenlos nutzen, werden nur über ihre Heimatregionen geroutet. Das Unternehmen betonte zugleich, „niemals einen Mechanismus geschaffen“ zu haben, „um Live-Meetings für das rechtmäßige Abschöpfen von Daten zu entschlüsseln“. Außerdem würden alle Video-, Audio- und Chat-Inhalte „während der gesamten Zeit, in der sie das Zoom-System durchlaufen“ verschlüsselt.

Auch der FDP-Innenpolitiker Konstantin Kuhle verwies auf „die Möglichkeit, dass Zoom-Kommunikation für chinesische Nachrichtendienste offen zugänglich war“. „Zoom ist zum jetzigen Zeitpunkt aufgrund massiver Sicherheitsbedenken für die sichere Kommunikation von Behörden und Ministerien nicht geeignet“, sagte Kuhle dem Handelsblatt. Bei der Verwendung von Zoom gebe es „erhebliche datenschutzrechtliche Schwierigkeiten auf allen Betriebssystemen“. Auch seien Daten bei Zoom „augenscheinlich nicht Ende-zu-Ende verschlüsselt“. „Das alleine disqualifiziert den Dienst schon für vertrauliche Gespräche zwischen staatlichen Stellen“, so Kuhle.

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    Die Videokonferenz-App ist der große Aufsteiger in der Coronakrise: Binnen weniger Wochen schnellte die Zahl der Nutzer von 10 auf 200 Millionen pro Tag hoch. Und genauso schnell geriet die Firma aus San Francisco wegen Datenschutzproblemen in die Kritik. Kaum ein Tag verging, ohne dass neue Sicherheitslücken oder zweifelhafte Entscheidungen zur Privatsphäre bekanntwurden.

    Kunden wie der Elektroautobauer Tesla und die Raumfahrtfirma SpaceX sprangen ab. Google blockierte die Zoom-Software auf den Computern seiner Mitarbeiter, New York wies Schulen an, schnell auf Microsofts Konkurrenzdienst Teams umzusteigen. Und auch Behörden in Taiwan sollen Zoom wegen Sicherheitsbedenken nicht mehr nutzen. In Deutschland schränkte das Auswärtige Amt die Nutzung der App ein.

    IT-Sicherheit „im besten Fall schlampig und im schlimmsten Fall bösartig“

    In den USA sieht sich das Unternehmen inzwischen mit einer Sammelklage konfrontiert, weil Zoom vorgeworfen wird, die Qualität des Datenschutzes als zu hoch angegeben sowie nicht öffentlich gemacht zu haben, dass der Dienst nicht durchgehend verschlüsselt ist.

    Zoom betonte indes, nur die Daten zu sammeln, die für die Bereitstellung des Dienstes erforderlich seien. „Zoom muss grundlegende technische Informationen wie die IP-Adresse des Benutzers, Angaben zum Betriebssystem und zu den Geräten erfassen, damit der Dienst ordnungsgemäß funktionieren kann“, erläuterte ein Unternehmenssprecher.

    Sofern ein Meeting nicht vom Gastgeber aufgezeichnet werde, würden die Video-, Audio- und Chat-Inhalte des Meetings nicht gespeichert. „Für jedes Meeting“, so der Sprecher weiter, „wird ein eindeutiger Verschlüsselungsschlüssel generiert, der im Systemspeicher gehalten und am Ende des Meetings sofort vernichtet wird.“

    Andererseits hält der Kryptografie-Experte Bruce Schneier die IT-Sicherheit bei Zoom für „im besten Fall schlampig und im schlimmsten Fall bösartig“. Das Unternehmen nutzt nach einer Analyse des Citizen Lab der Universität Toronto eine veraltete Verschlüsselungsmethode. Laut den Experten birgt das Senden von Verschlüsselungsschlüssel über Server in China das Risiko, dass diese bei Anfragen von chinesischen Behörden offengelegt werden müssen. Jedoch sagen die Forscher auch: „Obwohl dieses Szenario plausibel ist, haben wir keine Belege dafür, dass Behörden in China oder einem anderen Staat tatsächlich Verschlüsselungsschlüssel erhalten haben.“

    Dessen ungeachtet hält es der FDP-Politiker Kuhle für richtig, dass das Auswärtige Amt (AA) Zoom nur noch „mit äußerster Vorsicht“ verwenden wolle. Das Ministerium hatte die Nutzung der Videokonferenz-App wegen Sicherheitsrisiken massiv eingeschränkt.

    „Medienberichten und eigenen Erkenntnissen zufolge hat die Software von Zoom kritische Schwachstellen und weiterhin erhebliche Sicherheits- und Datenschutzprobleme“, heißt in einem Rundschreiben des AA an die Mitarbeiter, das dem Handelsblatt in Auszügen vorliegt. „Wegen der damit verbundenen Risiken für unser IT-System als Ganzes haben wir wie schon andere Ressorts und Industrieunternehmen auch für das AA entschieden, die Nutzung von Zoom auf den dienstlich ausgegebenen Geräten nicht zuzulassen.“

    Krisenbedingt können allerdings Ausnahmen gemacht werden. Nicht betroffen sei zudem die Nutzung des Videodienstes über Festnetzleitungen. Allerdings wird darauf verwiesen, dass keine vertraulichen Gespräche über die Zoom-Plattform geführt werden sollten, weil solche Videoschalten nicht durchgängig verschlüsselt seien.

    Mehr: Lesen Sie hier, was Datenschützer zur Videochat-Software Zoom sagen.

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