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Abgasuntersuchung für Dieselmotoren: In Städten kommen dem Umweltbundesamt zufolge 60 Prozent der Stickoxide vom Verkehr.

(Foto: dpa)

Umweltbundesamt warnt Streit um mögliche Fahrverbote – was Stickoxide gefährlich macht

Städte diskutieren Fahrverbote, um die Gesundheit ihrer Bürger zu schützen. Das Umweltbundesamt versucht aufzuzeigen, wie schädlich die Abgase sind.
Update: 08.03.2018 - 11:28 Uhr 28 Kommentare

Im Zentrum der Debatte um den Diesel steht ein Gas: Stickstoffdioxid. Weil Bewohner vieler deutscher Städte davon zu viel einatmen, hat die Bundesregierung Ärger mit der EU, mit Umweltschützern, mit Autofahrern, die Fahrverbote fürchten – und mit Bürgern, die sich um ihre Gesundheit sorgen. Zu Recht? Das Umweltbundesamt (UBA), die Umweltbehörde der Bundesregierung, hat sich verschiedene Studien dazu angeschaut.

Zu welchem Ergebnis kommt das Umweltbundesamt?

Die Stickoxid-Belastung in Deutschland ist der Untersuchung des Umweltbundesamts die Ursache für Krankheiten von Millionen Menschen und für Tausende vorzeitige Tode. 2014 starben demnach 6000 Menschen vorzeitig an Herz-Kreislauf-Krankheiten, die auf die Langzeitbelastung mit Stickstoffdioxid zurückzuführen seien. Wie UBA-Präsidentin Maria Krautzberger am Donnerstag mitteilte, war das NO2 abgekürzte Gas in dem Jahr für acht Prozent der Typ-2-Diabetes- und 14 Prozent der Asthma-Erkrankungen verantwortlich. Insgesamt seien in Deutschland rund eine Million Krankheitsfälle auf Stickoxid in der Außenluft zurückführen.

Aus Sicht des UBA ist die Sterblichkeit aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen für NO2 durch viele Studien mit übereinstimmenden Ergebnissen belegt. Im Rahmen epidemiologischer Studien werden Personen mit einer hohen NO2-Belastung mit Personen verglichen, die einer niedrigeren Konzentration ausgesetzt sind.

Stickoxide, Stickstoffdioxid, NOx – was ist eigentlich was?

Stickstoffoxide, oder kürzer Stickoxide, ist eine Sammelbezeichnung für die Oxide des Stickstoffs, also Verbindungen von Stickstoff (chemisch N) mit Sauerstoff (chemisch O2). Abgekürzt werden sie NOx. Meistens geht es in der Diesel-Debatte um das Gas Stickstoffdioxid, abgekürzt NO2. Stickstoffmonoxid (NO) ist weniger schädlich als NO2, allerdings in höherer Konzentration auch nicht harmlos.

Wo kommt NOx her?

Die Gase entstehen überall, wo Kohle, Öl, Gas oder Holz verbrannt werden. In Städten kommen dem UBA zufolge 60 Prozent der Stickoxide vom Verkehr. Benziner haben damit so gut wie kein Problem, Stickoxid-Emissionen sind ein Diesel-Thema.

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Warum ist Stickstoffdioxid gesundheitsschädlich?

Es ist ein ätzendes Reizgas, das als Oxidationsmittel im Körper chemische Reaktionen an verschiedenen Stellen auslöst, etwa in den Augen und den Atemwegen. Gesunde Menschen merken davon meistens nichts. Ein akutes Problem ist NO2 aber für vorgeschädigte Menschen, etwa Asthmatiker oder Herz-Kreislauf-Kranke. Als Risikogruppe gelten auch Kinder, deren Atemwege sich ja noch entwickeln.

Welche Auswirkungen hat NO2 im Körper?

Es ist nicht einfach, die Wirkungen verschiedener Schadstoffe exakt voneinander abzugrenzen. NO2 gelang hauptsächlich beim Atmen in den Körper und dringt bis zur Lunge vor, da es kaum wasserlöslich ist. In der Lunge kann es Zellen angreifen und Entzündungsprozesse auslösen. NO2 kann die Bronchien überempfindlich machen und das Risiko für Allergien und chronische Krankheiten erhöhen. Belegt ist, dass mehr Menschen wegen chronischer Bronchitis, Asthma und Herz-Kreislauf-Krankheiten ins Krankenhaus müssen, wenn die Belastung hoch ist.

Hat das auch was mit Feinstaub zu tun?

Ja, denn NO2 ist eine Vorläufersubstanz von Feinstaub. Der entsteht einerseits bei Verbrennungsprozessen oder durch Abrieb etwa von Reifen oder Bremsbelägen, aber eben auch durch andere Substanzen - etwa Schwefel- und Stickoxide und Ammoniak. Man spricht dann von sekundärem Feinstaub. NO2 ist im Sommer auch für die Bildung von Ozon am Boden verantwortlich, das wiederum den Atemwegen schadet.

Schaden Stickoxide auch der Natur?

Ja. Allerdings treten unmittelbare Schäden an Pflanzen nur in direkter Nähe von Stickstoffdioxid-Quellen auf. Das Gas kann Zellen von Pflanzen schaden, so dass Blätter sich gelb färben, das Wachstum behindern oder Pflanzen vorzeitig altern lassen. Zudem trägt Stickstoffdioxid zur Überdüngung und Versauerung von Böden und in geringem Maße auch von Gewässern bei, wie das UBA schreibt.

Aber ist die Luft nicht heute viel sauberer als früher?

Das ist richtig. Insgesamt sind die NOx-Emissionen laut UBA von 1990 bis 2016 von rund 2,9 Millionen Tonnen pro Jahr auf knapp 1,2 Millionen Tonnen zurückgegangen, der Verkehr hat dazu am meisten beigetragen.

Er stößt heute deutschlandweit um 67 Prozent weniger NOx aus als 1990. An den Gesundheitsgefahren der Gase ändert das aber nichts. Die Grenzwerte – ein 1-Stunden-Grenzwert von 200 Mikrogramm pro Kubikmeter, der höchstens 18 mal im Jahr überschritten werden darf, und ein Jahresmittelwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter – gelten in der EU seit 2010.

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  • dpa
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28 Kommentare zu "Umweltbundesamt warnt : Streit um mögliche Fahrverbote – was Stickoxide gefährlich macht"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Es fällt auf, daß bei der Diesel-Fahrverbot Idee immer nur von PKW die Rede ist. Was ist mit LKW und Lieferwagen, die fast alle Diesel-Motoren haben? Gibt es Pläne, diese auf Benzin umzustellen? Wohl kaum. Die Fokussierung auf PKW läßt vermuten, daß das ganze nur der "Fuß in der Tür" ist, um Fahrverbote für alle möglichen Fahrzeuge durchzusetzen, und der Diesel kam gerade gelegen, da er mit dem VW-Skandal schon schlechtgeredet war.

  • @ Old Harold

    <<Aber ich glaube seit vielen Jahren nicht mehr an Weihnachtsmann und Osterhase!>>

    Die Badener und Württemberger aber schon! Die Vorstellung des Projektes fand 1994 statt, der Volksentscheid fand dann 2011 statt. Bis dahin war eigentlich Zeit genug, um sich über die Seriosität der genannten Baukosten (und den Beteuerungen der DB) klar zu werden.
    Ich kann mich jetzt noch genau daran erinnern wie komplett fassungslos mich das Ergebnis des Volksentscheids gemacht hat.
    Wie würde wohl ein Entscheid heute über den Diesel ausfallen? Ich befürchte schlimmes.


  • @ Enrico Caruso

    Sie vergessen die Preissteigerung für Stuttgart 21, die in den Planungen offenbar nicht berücksichtigt wurde.

    Wenn die Mehrkosten nur von den Badensern und Württembergern bezahlt werden, einverstanden. (Aber ich glaube seit vielen Jahren nicht mehr an Weihnachtsmann und Osterhase!)

  • Nur um noch einmal was zur Methodik der Studie zu sagen, einfach mal schnell gegoogelt, die Uni Bielefeld sagt folgendes zur Thematik:

    Für Anhaltspunkte gedacht, für Politshow genutzt!

    Zitat:
    ...
    Dabei ist es notwendig, die „Umwelt“ nicht nur als Quelle für „Expositionen“ oder das Zusammenwirken verschiedener umweltbedingter Risikofaktoren zu betrachten, sondern z. B. auch menschliches Verhalten, Lebensstilfaktoren oder die Arbeits- und Wohnumwelt mit in die Analysen einzubeziehen, um „Expositionen“ verlässlich modellieren zu können. Diesem Anspruch werden die derzeit verfügbaren Methoden noch nicht in vollem Umfang gerecht. Darüber hinaus ist das Verfahren zur Abbildung der YLD in der Fachöffentlichkeit nicht unumstritten, da hier aus methodischer und ethischer Sicht diskussionswürdige Gewichtungsfaktoren (so genannte „disability weights“) zum Vergleich unterschiedlicher Einschränkungen und Erkrankungsstadien Verwendung finden. Eine entsprechende Weiterentwicklung der EBD-Methodik wird deshalb heutzutage – inzwischen auch in Deutschland – vielfach gefordert.

    Bei der Betrachtung der Belastbarkeit des EBD-Ansatzes ist es wichtig, zwischen zwei Schwierigkeitsbereichen zu trennen: 1.) den fachspezifischen Problemen der Bestimmung des Einflusses von Umweltfaktoren auf die Gesundheit (z. B. Expositionsabschätzung, Risikogruppenbestimmung) sowie 2.) den methodischen Schwierigkeiten der multikausalen Berechnung des attributablen umweltbezogenen Gesundheitsrisikos. Bereits die valide Bestimmung von Expositions-Wirkungs-Beziehungen, ohne die der umweltbezogene Anteil der Krankheitslast nicht verlässlich auf spezifische Umweltexpositionen zurückgeführt werden kann, ist aufwändig. Trotzdem sind alle Untersuchungen, die auf die Ermittlung der umweltbezogenen Krankheitslast abzielen, wichtig, um Politik und Rechtsprechung Anhaltspunkte zu bieten, Maßnahmen im umweltbezogenen Gesundheitsschutz zu initiieren und den Erfolg von Interventionsmaßnahmen zu messen.

  • @ Old Harold

    Stuttgart 21 passt nicht in die Aufzählung. Der ist durch einen Volksentscheid bestätigt worden. Das heißt, die Badener und Württemberger möchten gerne - und bedanken sich dafür - dass sie von der Politik so behandelt werden.

  • Das ist beeindruckend, Herr Narrog!

    Hoffentlich finden Sie aber auch noch etwas Zeit für folgenden Selbsttest: In einem geöffneten Cabrio hinter einem Diesel herfahren. Ungefähr zehn Minuten lang. Und dann zehn Minuten hinter einem Benziner mit Dreiwegekatalysator. Sie werden staunen!


  • Alle Bemühungen sind sinnlos, solange die CSU das Bundesverkehrsministerium besetzt und ihre abgetakelten Politiker dorthin abschiebt (Ramsauer, Dobrindt, Scheuer).

    Was soll dabei herauskommen, wenn Leute, die für München untauglich sind, in Berlin ihre "Kompetenz" unter Beweis stellen?

    Richtig:

    Pkw-Maut, Flughafen BER, Stuttgart 21, Abgas-Betrug, ...

  • Hallo Herr Caruso...ich lese täglich etwa 1 1/2 Stunden Qualitätsmedien (fallend), 1 Stunde alternative Medien (zunehmend) und 1 Stunde angelsächsiche Finanzmedien zzgl. Unternehmensberichte, naturwissenschaftlich/technische Zeitschriften, Studien und Bücher. Kommentare helfen mir ähnlich eigener Analysen Gedanken zu ordnen.

  • Herr Narrog, na los! Einmal geht noch!

  • Es ist nicht zu fassen! Herr Narrog postet hier seinen Müll von 10:52 Uhr noch ein weiteres Mal auf dieser Seite. Wie oft war das jetzt insgesamt in den letzten Wochen?
    Vielleicht erklärt er uns einmal, in wessen Auftrag er hier so fleißig arbeitet!

    Um die Ungefährlichkeit ihrer Diesel-Abgase zu beweisen, hat VW, zusammen mit BMW und Mercedes, die bekanntgewordenen Tests mit den Affen durchgeführt. (Meiner Meinung nach wären besser die Vorstandsvorsitzenden der genannten drei Unternehmen selbst in den Käfig gekrochen.) Die Ergebnisse fielen dann so aus, dass man sie nicht veröffentlichen wollte.

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