Umweltminister Röttgens grünste Stunde

Umweltminister Norbert Röttgen hält die Atomenergie für ein Auslaufmodell. Damit macht sich Röttgen zum obersten Akw-Abwickler der Republik - und geht damit voll ins Risiko.
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Umweltminister Norbert Röttgen. Quelle: dapd

Umweltminister Norbert Röttgen.

(Foto: dapd)

BerlinEs ist ein bemerkenswerter Satz, den Norbert Röttgen spricht. Als sei er zu den Grünen gewechselt. „Erstens bedeutet die Erfahrung von Japan, dass die Verlängerung der Laufzeiten eine Verlängerung von Restrisiko ist“, sagt der CDU-Umweltminister am Montagabend. „Und Restrisiko ist seit Japan nicht mehr nur eine statistische Größe, sondern eine schreckliche Lebenserfahrung.“

Kurz zuvor hatte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) eine dreimonatige Aussetzung der Regelung für längeren Laufzeiten verkündet. Röttgen muss nun die Mammutaufgabe stemmen, die Sicherheit der deutschen Anlagen zu garantieren und den Ausbau der Öko-Energien zu forcieren.

Reaktortypen im Vergleich
Atomenergie nur begrenzt verfügbar
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Reaktortypen 

Das Grundprinzip eines Kernreaktors ist nicht anders als das von Kohle-, Gas- oder Ölkraftwerken: Es wird Wärmeenergie erzeugt, die durch Turbinen in elektrische Energie umgewandelt wird. Anders als bei den fossilen Brennstoffen wird dazu allerdings das Ausgangsmaterial nicht verbrannt, sondern die Wärme durch die Spaltung von Uran oder Plutonium erzeugt.

Kernreaktoren lassen sich nach verschiedenen Kriterien unterteilen – zum Beispiel danach, wie diese gekühlt werden oder welcher Stoff als Moderator eingesetzt wird, um die durch die Brennelemente freiwerdenden energiereiche Neutronen abzubremsen. Im Folgenden die wichtigsten Reaktortypen und was sich hinter der Bezeichnung verbirgt.

AKW Lingen abgeschaltet
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Druckwasserreaktor 

Bei einem Druckwasserreaktor wird Wasser in einem Primärkreislauf durch die Brennelemente erhitzt. Dabei bleibt es durch den hohen Druck in flüssiger Form. Dieses durch die Brennelemente aufgeheizte Wasser erhitzt über einen ebenfalls mit Wasser gefüllten Dampferzeuger einen sekundären Wasserkreislauf, der die Turbinen antreibt. Der Wasserkreislauf, der dabei die Turbinen antreibt, ist dadurch frei von radioaktiven Partikeln, was die Wartung der Dampfturbinen erleichtert.

Druckwasserreaktoren unterteilen sich wiederum in Leichtwasser- und Schwerwasserreaktoren. Zumeist wird normales Wasser (H2O) (Leichtwassserreaktoren) eingesetzt. Bei Schwerwasserreaktoren kommt schweres Wasser (D2O) zum Einsatz. Der Vorteil von Schwerwasser-Reaktoren: Sie können mit natürlichem, nicht angereichertem Uran betrieben werden. Der Nachteil ist der hohe Preis von schwerem Wasser, das in großen Mengen benötigt wird. Beispiele für Druckwasserreaktoren in Deutschland sind die AKW Isar 2, Emsland (Foto) und Neckarwestheim 2, die allesamt von Siemens errichtet wurden. Alle genannten Anlagen werden mit Leichtwasser betrieben. Rund zwei Drittel aller Kernkraftwerke weltweit arbeiten mit Druckwasserreaktoren.

Atomstreit beschäftigt Politik und Energiekonzerne
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Siedewasserreaktor 

Siedewasserreaktoren sind ähnlich wie der Druckwasserreaktor aufgebaut, kommen aber mit nur einem Wasserkreislauf aus. Anders als beim Druckwasserreaktor wird das von den Brennstäben erhitzt Wasser direkt in Wasserdampf umgewandelt, der die Turbinen antreibt. Der Wirkungsgrad – also die Grad an Energie, der von Wärme in elektrische Energie umgewandelt wird – ist durch die fehlenden Zwischenkreisläufe etwas besser als beim Druckwasserreaktor.

Das wird mit dem Nachteil erkauft, dass beim Siedewasserreaktor die radioaktive Verseuchung auf viel größere Teile des Reaktors bis hin zur Turbine ausbreitet. Wenn beispielsweise Teil der Turbine ausgetauscht werden, müssen die Altteile vor der Verschrottung dekontaminiert werden. Beispiele Siedewasserreaktor sind die deutschen AKWs Brunsbüttel, Isar 1 (Foto), Phillippsburg 1, Krümmel und die Blocks C und B des AKW Grundremmingen.

MONJU
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Brutreaktoren

Die sogenannten Schnellen Brüter wandeln nicht nur Wärme in elektrische Energie um, sondern gleichzeitig nichtspaltbares Material in spaltbares Material. Das ist zwar auch bei anderen Kernreaktoren der Fall – ein Brutreaktor erzeugt im Gegensatz zu anderen Reaktoren aber mehr spaltbares Material, als er gleichzeitig verbraucht.

In Schnellen Brütern kommen Brennstäbe mit einer Uran-Plutonium-Mischung zum Einsatz. Brutreaktoren erfordern besondere Sicherheitsvorkehrungen: Das zur Kühlung eingesetzt Natrium ist an der Luft brennbar und reagiert heftig beim Kontakt mit Wasser. Plutonium ist nicht nur radioaktiv, sondern auch hochgiftig. Es wird allerdings nicht ausschließlich bei Brutreaktoren eingesetzt, auch der havarierte Reaktor 3 im japanischem Atomkraftwerk Fukushima wurde mit Uran-Plutonium-Mischoxid betrieben.

Im nordrhein-westfälischen Kalkar wurde in den achtziger Jahren der Bau eines Schnellen Brüters begonnen, der aus Sicherheitsbedenken wieder gestoppt wurde. In Japan ist der Schnelle Brüter Monju (Foto) in Betrieb, der 1995 durch einen schweren Störfall in die Kritik geriet. Damals hatte die Regierung versucht, den Störfall zu verheimlichen.

Kernkraftwerk Tschernobyl
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Graphitreaktor 

Bei diesem Reaktortyp wird das Mineral Graphit als Moderator verwendet, das die freiwerdenden Neutronen der Brennstäbe abbremst. Die ersten kommerziell genutzt Reaktoren waren Graphitreaktoren, ebenso der Unfallreaktor von Tschernobyl. Nachteilig daran ist, dass Graphit im Gegensatz zum Moderator Wasser brennbar ist. Im Falle der Tschernobyl-Katastrophe

Oberste Priorität hat nun die Nachrüstung der Meiler, die noch weiter Atomstrom produzieren dürfen. Zwar kann auf die nun wohl rasch vom Netz gehenden Meiler Isar 1 und Neckarwestheim 1 verzichtet werden, ohne eine Stromlücke zu riskieren, aber ganz ohne Atomkraft geht es noch lange nicht. Und hier ergeben sich Ungereimtheiten.

Es war der 29. September 2010, als Röttgen im Bundestag wieder und wieder von der Opposition gefragt wurde, wie er es mit den Nachrüstungen bei den Atomkraftwerken halte. Es gebe keine Abstriche bei der Sicherheit, so lassen sich die Antworten des CDU-Umweltministers zusammenfassen. Die Auflagen für die Betreiber würden sogar noch erhöht, so der 45-Jährige. Wie, das sagte er nicht. Vorwürfe, über das reformierte Atomgesetz würde das Klagerecht von Bürgern auf Nachrüstungen ausgehöhlt, wies Röttgen zurück.

Der Minister stemmte sich nicht dagegen, dass Meiler wie Biblis A und Neckarwestheim 1, die sich nur mit Drosselung und Stillstand in die Laufzeitverlängerung retteten, ohne Nachrüstung weiterlaufen durften. Eigentlich hätten sie spätestens Anfang 2011 abgeschaltet werden müssen. Dabei hatte Rot-Grün schon mit den Betreibern beim Atomausstieg vor zehn Jahren vereinbart, dass wegen der spätestens binnen 20 Jahren erfolgenden Abschaltung bei den Meilern nur noch das Nötigste nachzurüsten sei.

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7 Kommentare zu "Umweltminister: Röttgens grünste Stunde"

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  • Was füer eine Arsch in meinen Augen?

    Alle 2 Minuten was anderes erzählen?!

    Wie schnell kann er seine Meinung ändern?

    Schneller als Seehofer.

  • Nichts dagegen ! Fragen Sie mal die Japaner, wie günstig die Atomkraft nun wirklich ist. Abgesehen davon zahlen auch wir (und unsere Kinder, Enkel, Ur-Enkel...) den "günstigen" Atomstrom schon lange hintenrum über die Steuergelder, mit denen die Asse saniert, Gorleben erkundet und der Atommüll verklappt wird. Die Geschichte vom billigen und umweltfreundlichen Strom sollte endlich mal in den Geschichtsbüchern verschwinden.

  • Schutz für Meiler gegen Abstürze von Passagierflugzeugen

    Die fehlende dicke Haube wollte Minister Schäuble durch das Gesetz des erlaubten Abschusses von Jumbo Jets oder 380 mit 300 bis 400 Menschen an Bord ersetzen.
    Im Klartext: Die CDU Regierung hat begründete Angst vor den deutschen Atomkraftwerken, oder warum will sie sonst ein Gesetz zur Tötung von Zivilisten in Passagierflugzeugen?
    Anstelle die Besitzer in Haftung zu nehmen und zum Bau der dicken Haube zu zwingen sollen gegebenfalls Unschuldige geopfert werden.
    Ist das nicht richtig nett von unseren Politikern: Den Geldbeutel von Vattenfall und Co. schonen und zum Dank auf einen schönen Job bei den Atom-Konzernen nach der politischen Karriere hoffen...

  • ich bin dafür das die, die die Atomkraftwerke sofort abschalten wollen die Mehrkosten übernehmem um die dann ansteigenden Strompreise zu stützen.
    Namentlich per Wahl!!

  • ich bin dafür das die, die die Atomkraftwerke sofort abschalten wollen die Mehrkosten übernehmem um die dann ansteigenden Strompreise zu stützen.
    Namentlich per Wahl!!

  • Es ist paradox: Auf der einen Seite müsste man Norbert Röttgen extrem ankreiden, dass er sich beim "Atomkompromiss" wider die eigene Überzeugung und wider besseren Wissens und trotz seiner Position als verantwortlicher Minister von Merkel und der Atomlobby hat unterbuttern lassen. Auf der anderen Seite - und das überwiegt in diesem Moment - ist er die einzige Hoffnung, die "Chance" (so absurd diese Bezeichnung in diesem Zusammenhang ist) zu nutzen und die Mitglieder seiner Koalition in eine Richtung zu buxieren und durch verbindliche Aussagen so festzunageln, dass diese hinterher nicht wieder mit faulen Kompromissen und einem Scheck der Kraftwerksbetreiber davon kommen. Er ist deswegen die einzige Hoffnung, weil diese Wendung nun seiner glaubhaften Überzeugung entspricht. Mappus, Söder und Konsorten kann man an dieser wie auch an den meisten anderen Stellen in der Pfeife rauchen - die sagen das, was der Wähler ihrer Meinung nach gerade hören will und geben keinen Cent auf ihr Geschwätz von gestern ! Und gerade Söder geht es ja vermutlich vor allem darum, dass in Bayern die Landschaft viel zu schön für einen GAU ist.

  • Wenigstens einer aus dem Regierungsteam, der den Mut hat, die Unwägbarkeiten der Technik zugunsten des Volkes zu beurteilen. Frau Merkel sagte dagegen gestern mehrfach: "Nach Allem, was wir wissen, ist die Sicherheit unserer Kernkraftwerke gegeben." Hier möchte ich Ihnen, Frau Merkel, entgegnen, dass uns genau aber das, was wir nicht wissen, solche Sorgen machen muss, dass wir uns eine solch Tot-bringende Technik nicht leisten können und wir Bürger auch nicht wollen. Wir haben die Erde nur von unseren Kindern geborgt und wollen sie ihnen heil übergeben!
    http://faszinationmensch.wordpress.com/2011/03/13/kernkraftwerke-und-warum-es-ein-wiegen-in-sicherheit-nicht-geben-kann

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