Umweltschutz Umweltministerin Schulze drängt die Industrie, mehr Recyclingmaterial einzusetzen

Beim Sammeln und Trennen von Abfällen sind die Deutschen Spitzenreiter. Doch für das recycelte Material fehlen bislang Absatzmärkte.
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Viele Branchen kommen für den Einsatz von Recyclaten infrage. Quelle: mauritius images
Mülltrennung

Viele Branchen kommen für den Einsatz von Recyclaten infrage.

(Foto: mauritius images)

BerlinDie Deutschen gelten als Weltmeister beim Sammeln und Trennen von Abfällen. Für die steigende Menge an recyceltem Material, kurz Recyclate genannt, fehlen aber Absatzmärkte. Bundesumweltministerin Svenja Schulze will das ändern, auch mit Hilfe der Industrie.

„Wir schaffen es in Deutschland mittlerweile, sehr hochwertige Recyclate herzustellen, die in vielen Bereichen einsetzbar wären“, sagte die SPD-Politikerin dem Handelsblatt. „Tatsächlich bleibt ihr Einsatz aber weit hinter unseren Erwartungen zurück.“

Schulze zufolge soll der öffentliche Sektor eine Vorreiterrolle übernehmen. „Wir können bei unseren eigenen Beschaffungen auf Bundesebene dafür sorgen, dass vermehrt Recyclate zum Einsatz kommen.“ Gleichzeitig will sie die Industrie dafür gewinnen, Recyclate einzusetzen – anordnen will sie es nicht. „Es gibt noch immer Vorbehalte“, sagte die Ministerin. „Da existiert in vielen Köpfen die Vorstellung, Recyclate seien keine sauberen, einwandfreien Produkte.“

Grundsätzlich kommen alle Branchen für den Einsatz von Recyclaten infrage. Interessant sei „ganz sicher die Bauindustrie, aber natürlich auch die Fahrzeugindustrie oder die Hersteller von Elektrogeräten“, sagte Schulze, die am Donnerstag zu ihrer ersten Sommerreise als Umweltministerin aufbricht. Standen für die 49-Jährige seit ihrer Amtsübernahme im März bislang Kohleausstieg, Klimaziele und Fahrverbote im Fokus, geht sie jetzt das Thema Recycling an.

Erste Station ihrer Tour: die Hubert Eing Kunststoffverwertung GmbH im Münsterland. Hier werden Abfälle sortiert, gereinigt und aufgearbeitet – ein Prozess, der bundesweit ausgebaut werden muss. Anfang 2019 tritt das Verpackungsgesetz in Kraft, das einen Anstieg der Recyclingquoten von heute 36 Prozent auf zunächst 58,5, später 63 Prozent vorschreibt.

Die Branche ist aufgeschreckt. „Wir brauchen Regelungen, die den Einsatz von Recyclaten in Produkten sicherstellt“, mahnte unlängst Peter Kurth, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft (BDE).

Eric Rehbock, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Sekundärrohstoffe und Entsorgung (bvse), fordert Bund und Länder auf, ihre enorme Nachfragemacht zu nutzen und stärker als bisher auf Recyclingprodukte zu setzen. „Da fehlt die notwendige Entschlossenheit“, sagt er.

In Deutschland werden jährlich 400 Millionen Tonnen Abfälle gesammelt, transportiert, aufbereitet oder auch beseitigt. Den größten Anteil daran haben Bau- und Abbruchabfälle. Die Abfälle, die private Haushalte erzeugen und überwiegend in den grauen, gelben, braunen und gelben Tonnen und Containern sammeln, summieren sich auf 38 Millionen Tonnen jährlich.

Abfälle sind kein wertloser Müll

Die Erkenntnis, dass diese Abfälle kein wertloser Müll sind, sondern voller Wertstoffe stecken, die in einer Art Kreislaufwirtschaft weiterverwendet werden können, setzt sich zunehmend durch. Doch der Nachholbedarf ist auch in Deutschland immens. Plastikverpackungen beispielsweise werden hierzulande nur zur Hälfte recycelt, der Rest wird verbrannt.

Fachleute klagen, dass die komplexer werdende Zusammensetzung von Verpackungen den technologischen Aufwand für das Recycling enorm erhöht. Kunststoffverpackungen etwa für Nahrungsmittel bestehen mitunter aus vielen Schichten, die nicht voneinander gelöst werden können und damit für die Wiederverwertung verloren sind.

Auch die Abfallqualität wird derzeit eher schlechter, weil es vor allem in großen Städten zu einer Vermischung von Restabfällen mit Kunststoffen aus der gelben Tonne kommt. Aufgrund schwankender Qualitäten und von Vorbehalten der Industrie geht die Masse der gewonnenen Kunststoffrecyclate deswegen in einfache Anwendungen wie Parkbänke oder Lärmschutzwände.

Das Verpackungsgesetz, das die weniger strenge Verpackungsverordnung ablöst, ist darum überfällig. Es schreibt nicht nur steigende Recyclingquoten vor, es erhöht auch den Druck auf die Unternehmen, bereits bei der Konzeption der Verpackung spätere Umweltauswirkungen zu bedenken.

Künftig werden die Lizenzgebühren, die Unternehmen schon heute über die dualen Systeme für das Recycling ihrer Verpackungen zahlen müssen, an ökologischen Kriterien ausgerichtet. „Wer eine Verpackung herstellt, die sich schlecht recyceln lässt, wird ab 2019 stärker zur Kasse gebeten“, kündigte Umweltministerin Schulze an. „Wenn klar ist, dass es etwas kostet, wenn ein Produkt nicht gut recycelbar ist, entsteht Innovationsdruck.“

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