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UN-Versammlung Deutschland tritt Allianz der Kohleausstiegsländer bei und will mehr Geld in den Schutz der Wälder stecken

Für den internationalen Waldschutz will Deutschland mit der Weltbank ein dreistelliges Millionenprogramm bereitstellen. Ziel ist der Kampf gegen CO2-Emissionen.
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Alleine der Amazonas in Brasilien produziert 20 Prozent des Sauerstoffs. Die Regenwälder müssen deswegen besonders geschützt werden. Quelle: obs/Accor Hotellerie Deutschland GmbH
Wald

Alleine der Amazonas in Brasilien produziert 20 Prozent des Sauerstoffs. Die Regenwälder müssen deswegen besonders geschützt werden.

(Foto: obs/Accor Hotellerie Deutschland GmbH)

Berlin Deutschland tritt an diesem Sonntag der internationalen Allianz für den Kohleausstieg bei. „Der Kohleausstieg ist ein zentraler Baustein für den weltweiten Klimaschutz“, sagte Bundesumweltministerin Svenja Schulze anlässlich der am Rande des UN-Klimagipfels in New York geplanten Verkündung den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. „Mit den Beschlüssen des Klimakabinetts bekennt sich die Bundesregierung offiziell zum Kohleausstieg. Damit können wir endlich auch der Allianz der Kohleausstiegsländer beitreten.“

Die Allianz zeige, dass die Kohleverstromung in den verschiedenen Teilen der Welt zum Auslaufmodell werde. „Wenn ein großes Industrieland wie Deutschland sich von Atom und Kohle verabschiedet und seine Energieversorgung schrittweise vollständig auf erneuerbare Energien umstellt, ist das auch ein starkes Signal für andere Teile der Welt“, erklärte Schulze.

In Deutschland sollen bis spätestens 2038 schrittweise alle Kraftwerke mit einer Gesamtleistung von 42,5 Gigawatt vom Netz genommen werden, nach Möglichkeit schon bis 2035. Bis 2030 soll die Kraftwerksleistung auf 17 Gigawatt reduziert werden.

Die 2017 gegründete sogenannte „Powering Past Coal Alliance“ umfasste bislang 30 nationale Regierungen sowie zudem Regionen und Unternehmen. Sie bekennen sich dazu, den Bau neuer Kohlekraftwerke zu stoppen, die internationale Kohlefinanzierung zu beenden, ein Datum für den Kohleausstieg festzulegen und ihre nationalen Klimaschutzmaßnahmen auf die Ziele des Pariser Klimaabkommens auszurichten. Deutschland hat mit den Beschlüssen des Klimakabinetts am Freitag dafür die Weichen gestellt.

Das Thema Waldschutz hat sich Entwicklungsminister Gerd Müller für seine New-York-Reise vorgenommen. Zum Schutz des Klimas und der natürlichen Ressourcen will der CSU-Politiker die deutsche Hilfe für den Wald deutlich verstärken.

Nötig sei ein internationales Waldschutzprogramm, sagte Müller der Deutschen Presse-Agentur. Er werde bei der UN-Generalversammlung mit der Weltbank über ein dreistelliges Millionenprogramm sprechen.

„Allein die Zerstörung der Regenwälder des Planeten durch Brandrodung im Amazonas, im Kongo-Becken und in Indonesien macht elf Prozent der weltweiten CO2-Emissionen aus. Wir müssen also Klimaschutz international denken und handeln“, sagte Müller. Klimaschutz und nachhaltige Entwicklung stehen im Mittelpunkt der 74. UN-Generalversammlung in der kommenden Woche.

Warum jetzt auch die Wirtschaft für den Klimaschutz demonstriert

Müller und Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) sind mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) von Sonntag bis Dienstagabend in New York. Er treffe sich mit Weltbank-Präsident David Malpass, um Waldschutz- und Aufforstungsprogramme weltweit zu einem Schwerpunkt zu machen, sagte Müller.

„Wir müssen verstehen: Es geht um die drastische Reduzierung von CO2-Ausstoß weltweit. Das heißt sofortiger Stopp der Brandrodung. Stärkung der Absorptionsfähigkeit des Planeten. Diese beiden Seiten muss man zusammenbringen, denn der Wald, die Mangroven, binden einen unglaublichen Anteil an CO2.“

Der Regenwald sei „die grüne Lunge des Planeten“, sagte Müller. Allein der Amazonas-Regenwald produziere 20 Prozent des für den Menschen so notwendigen Sauerstoffs. Eine internationale Gebergemeinschaft müsse Wälder in Brasilien, in Indonesien und dem Kongo-Becken als globale Güter erhalten.

Bei der Nutzung von Wäldern müsse Brandrodung und Abholzung grundsätzlich verhindert werden. „Nachhaltigkeit heißt Schützen und Nutzen. Heißt, aus den Wäldern nicht mehr zu entnehmen als nachwächst“, sagte der Minister. Die laufende Zerstörung von Waldgebieten betreffe nicht nur die Regenwälder, sondern auch große Gebiete Afrikas, wo das tägliche Brennholz durch Rodung gewonnen werde.

Als Teil einer globalen Energiewende müssten Entwicklungsländern Alternativen angeboten werden. Deutschland investiere in die Einführung erneuerbarer Energien in Afrika, in saubere Kochmöglichkeiten und energieautarke Dörfer. Müller sprach sich dagegen aus, wegen der brennenden Regenwälder in Brasilien das Freihandelsabkommen der EU mit dem südamerikanischen Staatenbund Mercosur zu stoppen.

Dies nütze weder dem Wald, noch dem Klima und auch nicht den Indigenen. „Die brasilianische Regierung hat sich im Mercosur-Abkommen verpflichtet, das Paris-Abkommen einzuhalten mit dem Ziel, die Rodung der Waldflächen auf Null zu führen. Daran müssen wir gemeinsam arbeiten und die brasilianische Regierung auch in die Pflicht nehmen“, sagte Müller.

In New York werde er den brasilianischen Umweltminister Ricardo de Aquino Salles treffen. Im Mercosur-Abkommen müsse die Zertifizierung der Soja-Einfuhr und die Umsetzung von entwaldungsfreien Lieferketten geregelt werden. Er wolle auch erreichen, dass der von Norwegen und Deutschland finanzierte Amazonas-Fonds seine Arbeit fortsetzen kann.

Der rechtsgerichtete brasilianische Präsident Jair Bolsonaro, der Anfang 2019 ins Amt kam, will in der Amazonasregion keine weiteren Schutzgebiete ausweisen und mehr Rodungen zulassen. In Brasilien wüteten zuletzt die schwersten Brände seit Jahren. Seit Anfang des Jahres bis August wurden in dem südamerikanischen Land über 87.000 Feuer registriert – 76 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Trotzdem liegt die Zahl der Brände nach Angaben der US-Weltraumbehörde Nasa noch immer etwa im Durchschnitt der vergangenen 15 Jahre. Zwischen 2002 und 2007 sowie 2010 gab es deutlich mehr Feuer. Die größte Entwaldungsrate in dem Land gab es aber 2005 unter dem linksgerichteten Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva.

Mehr: Vom Bürger bis zur Kanzlerin: Jeder will der Umwelt helfen. Heraus kommt jedoch eine unnötig teure Klimapolitik, die auf Emotionen statt Fakten setzt.

  • dpa
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