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Unesco Weltbildungsbericht 2019 Trotz internationalem Lob – Deutschland muss mehr für Integration tun

Der Weltbildungsbericht der Unesco hebt vor, wie gut der Bildungszugang gerade für Flüchtlinge in Deutschland funktioniert. Doch es gibt auch Kritik.
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Vor allem Sprachförderung wird als Grundlage für gelungene Integration gesehen. Quelle: dpa
Flüchtlingskinder in einer Grundschule

Vor allem Sprachförderung wird als Grundlage für gelungene Integration gesehen.

(Foto: dpa)

Berlin „Bildung ist die wichtigste Ressource der Gesellschaft“, sagt die zierliche Dame mit blondem kurzen Haar, als sie an das Rednerpult tritt. Den sogenannten Weltsaal des Auswärtigen Amtes hat Maria Böhmer, die Präsidentin der Deutschen Unesco-Kommission, am heutigen Dienstag zu ihrer Bühne gemacht. Neben ihr sprachen sich noch viele weitere Vertreter aus In- und Ausland für Bedeutung der Bildung aus.

Dieses Mal ging es vor allem um Menschen, die ihre Heimatländer verlassen müssen. Unter dem Motto „Migration, Flucht und Bildung: Brücken bauen statt Mauern“ hat die Unesco den Weltbildungsbericht 2019 vorgestellt.

Seit 2015 sind über eine Million Menschen nach Deutschland geflüchtet, viele dieser Menschen sind Kinder und Jugendliche. Staatssekretär Martin Jäger vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung erklärt, dass aktuell weltweit 70 Millionen Menschen auf der Flucht sind. Über die Hälfte dieser Geflüchteten sind unter 18 Jahre alt.

Zwar macht die Anzahl der Flüchtlinge in Deutschland im weltweiten Vergleich nur einen Bruchteil aus. Aber die Bemühungen der deutschen Bildungseinrichtungen, um Flüchtlinge und Migranten zu integrieren, bekommen im aktuellen Weltbildungsbericht viel Lob ab.

Deutschland hängt andere Länder dabei ab, die beruflichen Qualifikationen von Flüchtlingen und Migranten anzuerkennen. Nach dem Anerkennungsgesetz aus dem Jahr 2012 können die ausländischen Berufsqualifikationen der Zuwanderer unabhängig von ihrem Aufenthaltsstatus oder ihrer Staatsangehörigkeit in Deutschland ganz oder zum Teil anerkannt werden. Dem Weltbildungsbericht 2019 zufolge erhöht dieses Gesetz die Wahrscheinlichkeit, dass Zuwanderer eine Arbeit in Deutschland finden, um 45 Prozent.

Für Böhmer scheint das Lob für Deutschland offenbar gerechtfertigt: „Die großen Investitionen in die Sprachförderung zahlen sich aus“, sagt sie, „denn Sprache ist der Schlüssel für unser Bildungssystem und unsere Gesellschaft.“ Auch der Präsident des Deutschen Lehrerverbands Heinz-Peter Meidinger nimmt die Anerkennung der Unesco dankend an. 

Der duale Bildungsweg in Deutschland helfe laut Meidinger Flüchtlingskindern dabei, den Weg ins Erwerbsleben zu ebnen.

Allerdings sollten Flüchtlingskinder in gesonderten Kursen und Sonderprogrammen zunächst die deutsche Sprache lernen, bevor sie Regelklassen besuchen: „Ohne vorgeschaltete intensive Sprachförderung in Willkommensklassen oder auch an Berufsschulen fehlt die Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Schullaufbahn“, erklärt der Verbandspräsident Meidinger weiter.

Das sieht die bildungspolitische Sprecherin Margit Stumpp (Bündnis 90/Die Grünen) ganz anders: „Das Unterrichten in Sonderklassen muss beendet, die Anerkennung ausländischer Bildungs- und Berufsabschlüsse muss verbessert und dem Fachkräftemangel in allen pädagogischen Berufen muss auf allen Ebene entschieden begegnet werden.“ Auch das Autorenteam des Berichts sieht noch Verbesserungsbedarf, was die Chancengerechtigkeit im deutschen Bildungssystem angeht.

Staatssekretär Jäger hat in seiner Rede betont, dass Deutschland 2017 200 Millionen Euro für Bildung ausgegeben hätte. So habe die Bundesregierung sichergestellt, dass eine Million Kinder zusätzlich Schulen besuchen konnten.

Aber auch Böhmer gibt zu, dass das nicht reicht: „Fehlende Qualifikationen sind noch immer ein Hindernis für viele Geflüchtete auf dem Weg in eine Erwerbstätigkeit“, sagt die Unesco-Kommissionspräsidentin, „hier müssen wir weiter in Bildung und Ausbildung investieren und Angebote so weiterentwickeln, dass sie für alle Jugendlichen und jungen Erwachsenen ein Gewinn sind.“

Deutschland sei auf Arbeitskräfte aus dem Ausland angewiesen, aber Flüchtlingen fehle die notwendige Qualifikation. Daher sei die berufliche Bildung der geflüchteten Menschen besonders wichtig, um die deutsche Wirtschaft zu unterstützen. „Das ist sicher kein einfacher Weg, aber aus meiner Sicht der richtige“, sagt Böhmer weiter.

Im Gegensatz zu Deutschland gewähren viele Länder Flüchtlingen keinen Zugang zu ihren Schulen. Zu Ländern, in denen Asylsuchende nur eingeschränkten Bildungszugang haben, gehören beispielsweise Australien oder Ungarn. Auch die sprachliche Förderung fällt oft aus, sodass Integration und Arbeitschancen für Flüchtlinge nahezu unmöglich werden.

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