Uni-Klinikum Leipzig Manipulationen bei Transplantationen entdeckt

Die jüngsten Skandale um das Thema Transplantation und Organspende haben der Spendenbereitschaft schweren Schaden zugefügt. Kaum ist etwas Ruhe eingekehrt, kommt nun ein neuer Fall von Manipulation ans Licht.
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Am Uni-Klinikum Leipzig gab es Unregelmäßigkeiten bei Organspenden. Quelle: dpa

Am Uni-Klinikum Leipzig gab es Unregelmäßigkeiten bei Organspenden.

(Foto: dpa)

LeipzigNach Unregelmäßigkeiten bei Organspenden an mehreren deutschen Krankenhäusern sind auch am Universitätsklinikum Leipzig Manipulationen aufgedeckt worden. Als Konsequenz aus Falschangaben bei Kandidaten für Lebertransplantationen seien der Direktor des Transplantationszentrums sowie zwei Oberärzte mit sofortiger Wirkung beurlaubt worden, teilte das Universitätsklinikum am Dienstag mit.

Bei Patienten, die auf eine Lebertransplantation warteten, seien falsche Angaben gemacht worden, um sie auf der Warteliste der Vergabestelle Eurotransplant nach oben zu schieben, sagte der medizinische Vorstand des Uni-Klinikums Leipzig, Wolfgang Fleig, der Nachrichtenagentur dpa am Dienstag.

Man habe die Patienten kranker gemacht, als sie wirklich seien. Dafür seien bei knapp 40 Patienten Dialyseverfahren an Eurotransplant gemeldet worden, die es nie gegeben habe. Werde ein Patient mit einer fortgeschrittenen Lebererkrankung wegen Beeinträchtigung der Nierenfunktion einer Dialyse unterzogen, gelte dies als zusätzlicher Hinweis auf die Dringlichkeit einer Lebertransplantation, erläuterte Fleig. Nach derzeitigem Kenntnisstand seien in den Jahren 2010/2011 für 54 Patienten Dialysen gemeldet worden. Bei 37 von ihnen habe es nie Dialysen gegeben. Für 2012 betraf das von 10 Patienten einen.

Herausgekommen sind die Unregelmäßigkeiten durch Untersuchungen der Prüfungs- und der Überwachungskommission der Bundesärztekammer, der Deutschen Krankenhausgesellschaft und des GKV-Spitzenverbandes. Die Unregelmäßigkeiten müssten nun bei ausführlichen Sonderprüfungen noch genauer untersucht werden, hieß es in einer gemeinsamen Presseerklärung der beiden Kommissionen. Sie untersuchen seit September 2012 die Transplantationszentren in Deutschland auf Regelverstöße und Auffälligkeiten.

Am Uniklinikum Leipzig beschäftigt sich auch die Innenrevision mit dem Transplantationszentrum. Nach dem Bekanntwerden der Mängel sei die Innenrevision durch vier Fachärzte verstärkt worden, um die Aufklärung zu beschleunigen.

Manipulationen bei der Organvergabe waren zunächst aus der Universitätsklinik Göttingen bekanntgeworden, später auch aus Regensburg und München.

 
  • dpa
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12 Kommentare zu "Uni-Klinikum Leipzig: Manipulationen bei Transplantationen entdeckt"

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  • @RumpelstilzchenA
    Ah, das wußte ich gar nicht.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Und wo es nicht freiwillig geht, da muss es eben in guter, deutscher Tradition mit staatlicher Zwangsgewalt funktionieren. Wenn wir den Rest dann noch der Nahrungsmittelindustrie zuführten, hätten wir auch noch ein Ressoursenproblem gelöst.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Wer das Manipulationssystem nicht unterstützen will, kann doch einfach bei der Frage, ob er für eine Organspende zur Verfügung steht, mit "Nein" antworten.

  • Es ist einfach naiv zu glauben, dass Organspende sich institutionell sicher organisieren lässt. Dafür ist der Überlebensinstinkt zu stark.
    Es gibt letztlich kein System, das letztlich wirklich sicher wäre, schon gar nicht, wenn Menschen Gründe vorschützen können, warum ein Vorteil gerecht wäre.
    Wir leben in einer Zeit in der die Suggestion, das Bildung und Stellung tatsächlich mehr Leistung bedeutet deutlich gewachsen sind. Wer Macht und Geld hat biegt sich die Realität schneller in die persönlich genehme Richtung, als gemein hin eingestanden wird.

    Wo also ein Motiv und ein Angebot ist, Gelegenheit zur Interpretation oder Regelumgehung (und letzteres gibt es immer) wird es immer Missbrauch geben.

    H.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Wieso funktoniert dieses System in Österreich? Weil jederim Ernstfall ein potentieller Spender ist und nicht extra dafür zustimmen muss!
    Ich glaube nicht mal mit ständiger Werbung im Fernsehen, Radio, Internet, etc. würde man diese Anzahl an Spendern erreichen.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Wie kann es im Kapitalismus, in dem es NUR UM PROFIT GEHT, noch Humanität geben?! Der beste Beweis für das verkommene System sind die Hartz 4 Gesetze, die menschunwürdig sind und für die sich die Mehrheit nicht interessiert. Egoismus, ja Narzissmus lässt grüßen! Und somit die Gesellschaften, die Zivilisation mit Werten zerfallen!

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