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Unions-Papier „Lehrerfortbildung ist die Achillesferse“: Milliarden aus Digitalpakt fließen zu langsam ab

Obwohl 6,5 Milliarden für die Digitalisierung der Schulen bereitstehen, fehlt es an Geräten und Know-how. Deshalb fordert die Union, dass das Geld schneller abfließt.
25.11.2020 - 08:41 Uhr Kommentieren
Digitale Lernmittel gibt es zwar in großer Zahl, sie können aber oft nicht genutzt werden, weil Erlaubnis und Lizenzierung der jeweiligen Kultusminister fehlen. Quelle: dpa
Grundschülerin an einem Laptop

Digitale Lernmittel gibt es zwar in großer Zahl, sie können aber oft nicht genutzt werden, weil Erlaubnis und Lizenzierung der jeweiligen Kultusminister fehlen.

(Foto: dpa)

Berlin Der Bund hat mittlerweile 6,5 Milliarden Euro für die Digitalisierung der Schulen bereitgestellt, doch die Mittel fließen nur sehr langsam ab, obwohl der Bedarf vor Ort riesig ist. Damit es schneller geht, macht die Unionsfraktion im Bundestag nun Druck: Sie fordert häufigere Berichte der Länder und mehr Kooperation von Bund und Ländern, heißt es im Konzept der CDU/CSU für eine „Digitale Bildungsoffensive Schulen“, das dem Handelsblatt vorliegt.

Ziel müsse sein, dass zumindest die 1,5 Milliarden Euro schweren Zusatzprogramme, die der Bund wegen Corona geschnürt hat, bis Mitte 2021 abfließen, heißt es in dem Papier, das unter der Federführung des Sprechers für Digitale Agenda, Tankred Schipanski, entstanden ist. Denn „nicht nur Eltern, Schüler und Lehrer“ erwarteten „schnelle und sichtbare Verbesserungen – sondern die gesamte Bevölkerung“

Wie schlecht die Lage ist, zeigt aktuell eine neue Umfrage unter Schulträgern: Demnach ist die mangelnde Verfügbarkeit digitaler Geräte bei den Schülern zu Hause eines der größten Probleme beim Fernunterricht in der Coronakrise, sagen 59 Prozent der Schulträger.

Erst rund die Hälfte der Schulträger haben bisher das zusätzliche Förderprogramm des Bundes für mobile Endgeräte für Schüler genutzt, für das der Bund im Juni 500 Millionen Euro bereitgestellt hatte. Bis heute könnten daher gerade einmal 14 Prozent der Schüler von ihrer Schule ein Endgerät erhalten, sollte der Unterricht wieder nach Hause verlegt werden.

Für die Umfrage, die dem Handelsblatt vorliegt, waren bundesweit 100 Schulträger im Auftrag des IT-Ausstatters Rednet und des Technologiekonzerns Fujitsu befragt worden.

Großteil der Lehrkräfte fehlt digitales Know-how

Noch größer ist offenbar das Problem der mangelhaften Qualifikation der Lehrkräfte: 63 Prozent der Schulträger geben an, dass diesen das Know-how für die Anwendung von Software für digitales Lernen und Videokonferenzen fehlt. 

„Es bedarf pädagogischer und technischer Fortbildungen für die Akteure vor Ort, damit der digitale Unterricht sowohl im Fernunterricht als auch im Klassenzimmer sinnvoll gestaltet werden kann“, sagt Sebastian Weitzel, Mitglied der Rednet-Geschäftsleitung. „Schulträger brauchen dabei Unterstützung, damit die Digitalisierung ihrer Schulen nachhaltig gelingt.“

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Der Bund hat in diesem Jahr den fünf Milliarden Euro schweren Digitalpakt für die IT-Ausstattung der Schulen, der bis 2024 läuft, um drei weitere Programme aufgestockt: Jeweils 500 Millionen Euro stehen nun zusätzlich bereit für Leihlaptops für Schüler, die zu Hause kein Gerät haben, für IT-Administratoren in den Schulen und für Laptops für die Lehrer.  

Bei diesen Zusatzprogrammen müsse der Bund die Fristen verkürzen, sodass das Geld bis Mitte 2021 abfließt, fordert die Unionsfraktion. Es reiche auch nicht aus, dass die Länder halbjährlich über den Abfluss berichten, das müsse vierteljährlich geschehen. Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) sei in der Pflicht, die vier Programme sinnvoll zusammenzubinden. 

Digitale Lernmittel können nicht genutzt werden

Um Schulen und Kommunen bei der Beantragung und Verwendung der Mittel zu helfen, fordert die Union in ihrer „Digitalen Bildungsoffensive“ die Länder auf, eine „länderübergreifende, agile Beratungseinheit“ aufzubauen – und zwar „kurzfristig innerhalb von vier bis sechs Wochen“.  

Um Beratung und Fortbildung dann mittelfristig substanziell zu verbessern, hatte der Bund im Koalitionsvertrag den Aufbau von „Kompetenzzentren“ vereinbart. Nun müsse der Bund schnell Gespräche mit den Ländern dazu beginnen, damit „der Aufbau der Zentren in der ersten Jahreshälfte 2021 begonnen werden kann“. 

„Die Bildungskompetenzzentren wollen wir als Innovation-Hubs für die digitale Bildung ausgestalten, durch die neben dem Wissenstransfer auch die Schulen und Schulträger beim Changemanagement unterstützt werden“, sagte Schipanski dem Handelsblatt.

Dort könne auch eine Plattform für Weiterbildung und Mentoring der Lehrkräfte angesiedelt werden. „Die Lehrerfortbildung ist zurzeit die Achillesferse der digitalen Schulbildung“, so Schipanski. Das Papier schlägt daher eine bundesweite Cloud-basierte Bildungsplattform vor, die nicht nur „innovative Bildungsinhalte vermittelt, sondern auch Rechtemanagement und die Lizenzen übernimmt“. 

Digitale Lernmittel gibt es zwar in großer Zahl, „sie können aber oft nicht genutzt werden, weil Erlaubnis und Lizenzierung der jeweiligen Kultusminister fehlen“, monieren die Unionsparlamentarier. Sie fordern eine zentrale, von der Kultusministerkonferenz gesteuerte Zulassung und eine schnellere Lizenzierung in den einzelnen Ländern.

Die vielfältigen zeitraubenden Probleme mit dem Datenschutz sollten dadurch gelöst werden, dass eine entsprechende Unbedenklichkeitsprüfung aus einem Land auf andere übertragen wird – so würde zugleich eine „Whitelist“ von zugelassenen Produkten entstehen. Auf dieser Basis fordern die Unionspolitiker mehr Freiheit für die Schulen bei der Nutzung der digitalen Tools. So entstünden Wettbewerb um die besten Konzepte und mehr Austausch, auch über Landesgrenzen hinweg.  

Schließlich plädiert die Union im Bundestag für einen Bundeswettbewerb für digitale Pilotschulen. Einen bundesweiten Wettstreit lobt bisher der Branchenverband Bitkom aus, der seit 2016 „Smart Schools“ auszeichnet. 

Mehr: Jörg Rocholl im Interview: Hauptsache, es fließt mehr Geld in die Digitalisierung von Schulen

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