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Universitäre Weiterbildung Hochschulen sollen mehr digitales Wissen vermitteln – auch außerhalb des Hörsaals

Bis 2024 werden laut einer Studie Hunderttausende Tech-Spezialisten benötigt. Universitäten allein werden den Bedarf kaum decken können. Erforderlich sind mehr Weiterbildungsangebote.
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Die Studie rät, stärker digitale Bildungsformate öffentlicher und privater Anbieter in den Fokus zu nehmen. Quelle: imago/Michael Schick
Universität

Die Studie rät, stärker digitale Bildungsformate öffentlicher und privater Anbieter in den Fokus zu nehmen.

(Foto: imago/Michael Schick)

Berlin „Das Wichtigste in unserem Land sind die Menschen mit ihrem Können, ihrer Kreativität und ihrem Engagement“, heißt es einleitend in der „Nationalen Weiterbildungsstrategie“ der Bundesregierung. Und weiter: „Weiterbildung ist der Schlüssel zur Fachkräftesicherung, zur Sicherung der Beschäftigungsfähigkeit aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und damit für die Innovationsfähigkeit und Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes.“

Gerade bei Kompetenzen für die digitale Arbeitswelt gibt es hier großen Bedarf. Die Unternehmensberatung McKinsey und der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft gehen in ihrer „Future Skills“-Studie davon aus, dass in den kommenden fünf Jahren 700.000 zusätzliche Tech-Spezialisten benötigt werden. Außerdem müssen 2,4 Millionen Erwerbstätigen Schlüsselqualifikationen wie die Fähigkeit zu agilem Arbeiten oder digitalem Lernen vermittelt werden.

Die Hochschulen allein werden den Bedarf kaum decken können, zeigt der neue „Hochschul-Bildungs-Report“, den McKinsey und der Stifterverband jährlich erstellen und der dem Handelsblatt vorab vorliegt. So ist die Zahl der Studienabsolventen in einem Weiterbildungsstudium zuletzt nur noch leicht von 9.500 im Jahr 2016 auf 10.100 im Jahr 2017 gestiegen.

Der Anteil der Studenten in Weiterbildung an allen Studierenden verharrt mit zwei Prozent auf niedrigem Niveau. Um für die Herausforderungen des digitalen Wandels gewappnet zu sein, müsste der Anteil bis 2020 laut dem Bericht auf vier Prozent steigen.

Ansturm nicht gewachsen

Als erfreulich werten die Autoren, dass inzwischen 8,9 Prozent aller Masterstudiengänge berufsbegleitend absolviert werden können, 2013 lag die Quote nur bei 4,7 Prozent. Auch der Anteil der Fern- und der Teilzeitstudiengänge ist weiter leicht gestiegen. Der Weiterbildung dienen 10,2 Prozent aller Masterstudiengänge. Dieser Anteil ist seit 2015 sogar leicht gesunken und weit entfernt vom Wert der drei besten Bundesländer.

„Bei der Überlast an Studenten gab es in den zurückliegenden zehn Jahren kaum Fortschritte bei der Weiterbildung an den Hochschulen“, sagt Mathias Winde, der beim Stifterverband den Programmbereich Hochschulpolitik und -organisation leitet. So haben sich im Studienjahr 2018 knapp 509.000 Studienanfänger neu eingeschrieben – für Weiterbildungsangebote bleibt da kaum Kapazität.

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McKinsey und Stifterverband raten deshalb, stärker digitale Bildungsformate öffentlicher und privater Anbieter in den Fokus zu nehmen. So hat sich in den zurückliegenden Jahren eine ganze Reihe von Plattformen etabliert.

Pluralsight aus den USA etwa bietet mehr als 7.000 Onlinekurse in den Bereichen Software-Development, IT-Operations, Datenanalyse und Cybersicherheit und machte 2017 rund 167 Millionen Dollar Umsatz. Ähnlich groß ist der US-Anbieter Coursera, der mehr als 2.000 Weiterbildungskurse von zahlreichen Hochschulen bereitstellt, darunter die Stanford University und das MIT.

Deutschland ist in dieser Hinsicht noch digitales Entwicklungsland. Zwar gehören mit Babbel und Spexx auch zwei hiesige Anbieter zu den zehn umsatzstärksten Bildungs-Start-ups. Beide fokussieren sich aber auf Sprachtraining – und nicht auf Future Skills für die digitale Arbeitswelt. „In den USA haben wir zahlreiche Onlineplattformen, die Weiterbildung in Datenanalyse, Cloud-Computing oder Digital Marketing anbieten. Da gibt es in Deutschland nicht annähernd ein vergleichbares Angebot“, sagt Winde.

Bildungsplattformen sind erfolgreich, weil sie Angebote konkret auf die Bedürfnisse der Kunden zuschneiden – Udacity etwa arbeitet mit BMW oder Google zusammen. Oder weil sie Lernen per App möglich machen, wenn es die Zeit erlaubt: in der U-Bahn oder in der Kaffeepause. Zumindest der Einstieg ist zudem oft kostenlos, die Finanzierung erfolgt über Werbung, oder Gebühren werden erst für Prüfungen oder bei Kurserfolg fällig.

Denn Geld ist eine Hemmschwelle für viele Weiterbildungsinteressenten: „Es ist schwierig, im reinen Online-Weiterbildungsmarkt ein tragfähiges Geschäftsmodell aufzubauen, was auch an der Zahlungsbereitschaft der Kunden liegt“, sagt Andreas Dörich, Geschäftsführer der Oncampus GmbH. Diese sei in Deutschland im internationalen Vergleich unterdurchschnittlich.

Oncampus ist eine hundertprozentige Tochter der Technischen Hochschule Lübeck und versucht seit mehr als 15 Jahren, die Hochschule für neue Zielgruppen zu öffnen. Neben Onlinestudiengängen in Maschinenbau oder BWL bietet das Unternehmen auch Weiterbildungskurse oder Schulungen für Unternehmen in Arbeitssicherheit oder E-Learning. Durch diese Mischkalkulation rechnet sich das Geschäftsmodell: Im vergangenen Jahr nutzten 50.000 Lernende die kostenfreien Angebote und 80.000 die kostenpflichtigen.

Solche Modelle empfehlen die Studienautoren zur Nachahmung. „Doch viele Hochschulen schaffen es bei der Angebotskonzeption nicht, über ihren rein akademischen Tellerrand hinauszublicken“, sagt Dörich.

Staatliche Koordinierung

Viel gewonnen wäre schon, wenn es eine zentrale Informationsplattform gäbe, die durch das Weiterbildungsdickicht führt. Frankreich etwa fördert seit 2013 die Onlinekurs-Plattform France Université Numérique (FUN), die auch von Google unterstützt wird. Ohne eine übergreifende Koordinierung bestehe die Gefahr zahlreicher „Insellösungen“ bei digitalen Weiterbildungsangeboten. Die Politik müsse dafür Sorge tragen, dass „die einzelnen fragmentierten Bildungsangebote leicht auffindbar und miteinander vernetzt sind“, heißt es im Hochschul-Bildungs-Report.

Die Bundesregierung sieht hier selbst Handlungsbedarf. Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) hat einen Innovationswettbewerb „Digitale Plattform Berufliche Weiterbildung“ angekündigt. Außerdem soll das Portal Kursnet der Bundesagentur für Arbeit (BA) weiterentwickelt werden, das rund 3,9 Millionen Angebote für berufliche Aus- und Weiterbildung erfasst.

Der BA schreibt die Bundesregierung ohnehin eine Lotsenfunktion zu. Die Behörde soll künftig verstärkt nicht nur Arbeitslose, sondern auch Beschäftigte in Weiterbildungsfragen beraten.

Wie notwendig das ist, zeigt eine ältere Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Demnach arbeitet jeder vierte Sozialversicherungspflichtige in einem Beruf, der dem technologischen Fortschritt zum Opfer fallen könnte. Dafür werden an anderer Stelle neue Jobs entstehen. „Die Frage ist nur“, sagt Stifterverbands-Experte Winde, „ob wir die neu entstehenden Arbeitsplätze nach Deutschland holen können oder ob sie woanders angesiedelt werden.“

Mehr: Svenja Hoferts Buch „Mindshift“ liest sich wie eine Gebrauchsanweisung für eine moderne, digitale Arbeitswelt. Es stimmt zuversichtlich auf die Zukunft ein.

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