Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Unter OECD- und EU-Durchschnitt TIMSS-Studie: Viertklässler in Mathe international nur Mittelmaß

Ein Viertel der älteren Grundschüler hierzulande sind leistungsschwach. Außerdem ist die Gruppe der leistungsstarken Schüler deutlich kleiner als in anderen Industriestaaten.  
08.12.2020 Update: 08.12.2020 - 15:12 Uhr Kommentieren
Positiv ist, dass die Leistungsunterschiede zwischen Mädchen und Jungen in Naturwissenschaften abgenommen haben. Das liegt aber daran, dass die Jungen schlechter geworden sind. Quelle: imago images/Panthermedia
Schüler bei den Hausaufgaben

Positiv ist, dass die Leistungsunterschiede zwischen Mädchen und Jungen in Naturwissenschaften abgenommen haben. Das liegt aber daran, dass die Jungen schlechter geworden sind.

(Foto: imago images/Panthermedia)

Berlin Die gute Nachricht: Die Viertklässler in Deutschland sind in Mathematik und Naturwissenschaften in den letzten Jahren nicht schlechter geworden. Die schlechte: Im internationalen Vergleich sind die älteren Grundschüler allenfalls Mittelmaß und liegen deutlich unter dem OECD- und dem EU-Durchschnitt. Und der Abstand zur Weltspitze ist größer geworden. Zudem gilt jeder vierte dieser Schüler als leistungsschwach, hat also nur rudimentäre Kenntnisse. 

Das ist das Ergebnis der heute vorgestellten internationalen TIMSS-Studie (kurz für: Trends in Internationale Mathematics and Science Study). Das Resultat trifft Deutschland besonders hart, denn hierzulande ist der Bedarf an Fachkräften in den MINT-Fächern – also Mathe, Informatik, Naturwissenschaften und Technik – besonders hoch. 

Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, die rheinland-pfälzische Schulministerin Stefanie Hubig (SPD), räumt auch offen ein, dass Deutschland hier „weiterhin Nachholbedarf hat“. Eine zentrale Herausforderung sei, dass der Bildungserfolg nach wie vor sehr stark von der Herkunft und dem Geldbeutel der Eltern abhängt.

Dieser Zusammenhang ist in Deutschland extrem stark, das zeigt sich regelmäßig auch in den Pisa-Studien zu den Kenntnissen der 15-jährigen Schüler. Und die Lage hat sich seit dem Jahr 2007, als TIMSS erstmals durchgeführt wurde, nicht verbessert, sagte Studienleiter Knut Schwippert von der Universität Hamburg. Der Leistungsvorsprung von Kindern aus sozial besser gestellten Elternhäusern beträgt in Mathematik fast ein ganzes Schuljahr.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Zudem zeigen viele Grundschüler nur schwache Leistungen. „Wir können nicht zufrieden sein, wenn ein Viertel unserer Grundschüler hier als leistungsschwach gilt“, sagte der Staatssekretär im Bundesbildungsministerium, Christian Luft. Um das zu ändern, müssten vor allem die Lehrkräfte besser fortgebildet werden.

    Bei den Fortbildungen liegt Deutschland nach der Timss-Studie „weiter deutlich unter dem Durchschnitt sowohl in der EU als auch OECD-weit“, so Schwippert. Das gelte vor allem für Kurse in IT-Technik für individuellen Unterricht. Es sei den Daten allerdings nicht zu entnehmen , ob das am mangelnden Angebot an Fortbildungen oder an fehlendem Interesse liege. 

    Der renommierte Bildungsforscher Olaf Köller wertete die große Zahl der leistungsschwachen Kinder als „beunruhigend“. „In absoluten Zahlen sind dies bundesweit rund 200.000 Viertklässlerinnen und Viertklässler, bei denen man davon ausgehen kann, dass sie nach dem Übertritt in die Sekundarstufe I nicht anschlussfähig lernen können“, sagte der Chef des Leibniz-Instituts für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik in Kiel. „Hier hat es das System mittlerweile über Jahrzehnte nicht geschafft, Strukturen und Programme bereitzustellen, um diesen Anteil deutlich abzusenken.“

    Grafik


    Um gegenzusteuern wollen Bund und Länder im kommenden Jahr eine gemeinsame Initiative namens „Schule macht stark“ starten, kündigte Kultusministerpräsidentin Hubig an. Daneben mache sie sich „große Sorgen“, dass sich das ohnehin schon sehr große Gefälle „durch Corona noch weiter vergrößert“. Daneben müsse das Ziel sein, wirklich alle Kinder schon im Kindergarten zu fördern und die Ganztagsschulen weiter kräftig auszubauen. Bildungsstaatssekretär Luft verwies auf Vorbilder in der unmittelbaren Nachbarschaft: Österreich habe es trotz ähnlicher Rahmenbedingungen geschafft, die Ergebnisse deutlich zu verbessern. 

    Ein weiteres Programm richtet sich an die leistungsstarken Schüler. Diese Gruppe ist im internationalen Vergleich deutlich kleiner. 

    Mint-Forum zeigt sich alarmiert

    Positiv ist, dass die Leistungsunterschiede zwischen Mädchen und Jungen zumindest in Naturwissenschaften abgenommen haben. Das liegt aber nicht daran, dass die Mädchen besser, sondern dass die Jungen schlechter geworden sind. In Mathe haben weiter die Jungs die Nase vorn. 

    Das nationale Mint-Forum, die Dachorganisation aller Initiativen für die Verbesserung in den Fächern Mathe, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, reagiert alarmiert auf die Timss-Ergebnnisse: „Wir dürfen es nicht länger akzeptieren, dass gut ein Viertel der deutschen Viertklässler in den Fächern Mathematik und Naturwissenschaften nicht über die untersten beiden Kompetenzstufen hinauskommt. Die Kinder verpassen hier Chancen für ihre Zukunft, und wir versäumen es als Gesellschaft, uns mit einer starken MINT-Bildung angemessen für die großen Herausforderungen wie Digitalisierung und Dekarbonisierung aufzustellen“, sagte die Sprecherin Edith Wolf. Auch der anhaltende MINT-Fachkräftemangel werden so nicht gemildert werden.

    Es sei inzwischen „Konsens, dass die Schulen die Anforderungen allein nicht bewältigen können“. Sie brauchten in den MINT-Fächern eine curricular verankerte Zusammenarbeit mit außer­schulischen Lernorten - am besten funktioniere dies, wenn es vor Ort gemeinsam mit Kommunen und Wirtschaft organisiert werde.

    Die internationale TIMSS-Studie wird alle vier Jahre durchgeführt. An der nun vorgestellten Studie, deren Daten im vergangenen Jahr erhoben wurden, nahmen weltweit 300.000 Schüler aus 58 Staaten teil. In Deutschland beträgt die Zahl der getesteten Schülerinnen und Schüler 4900.

    Mehr: MINT-Nachwuchsbarometer: Schüler lernen in Mathematik und technischen Fächern immer weniger.

    Startseite
    Mehr zu: Unter OECD- und EU-Durchschnitt - TIMSS-Studie: Viertklässler in Mathe international nur Mittelmaß
    0 Kommentare zu "Unter OECD- und EU-Durchschnitt : TIMSS-Studie: Viertklässler in Mathe international nur Mittelmaß"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%