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UnternehmensgründungenArbeitgeber wollen Innovationskraft mit Visa für Start-up-Gründer stärken

Viele Länder bieten spezielle Visa für Ausländer, damit sich Innovationen nicht mehr länger vor allem auf die USA konzentrieren. Deutschland vergibt diese Chance bislang.Frank Specht 08.05.2023 - 15:12 Uhr Artikel anhören

Bei der Gründerkultur, die zu innovativen Geschäftsideen und neuen Jobs führen kann, sieht der Arbeitgeberverband gerade in Deutschland Nachholbedarf.

Foto: dpa

Berlin. Die Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) macht sich für ein spezielles europäisches Start-up-Visum stark, um Gründern weltweit zu signalisieren, dass ihre unternehmerischen Ideen in Europa willkommen sind.

„Wenn Europa als Standort im internationalen Wettbewerb attraktiver werden soll, müssen wir unsere Innovationskraft ankurbeln“, sagte Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger dem Handelsblatt. „Dafür brauchen wir ein Europa mit Unternehmergeist für gute Ideen aus der ganzen Welt.“

Das Start-up-Visum ist nur einer von zahlreichen Vorschlägen, die die BDA an diesem Dienstag in einem Positionspapier zum Themenjahr European Year of Skills veröffentlichen wird. Ziel der Initiative ist, bei Beschäftigten die richtigen Kompetenzen für hochwertige Arbeitsplätze zu erhalten und gerade kleinen und mittleren Unternehmen bei der Bewältigung des Fachkräftemangels zu helfen.

Bei der Gründerkultur, die zu innovativen Geschäftsideen und neuen Jobs führen kann, sieht der Arbeitgeberverband gerade in Deutschland Nachholbedarf. Die Zahl der gewerblichen Neugründungen stagniert hierzulande laut Institut für Mittelstandsforschung (IfM) seit 2020 bei rund 240.000 pro Jahr.

Zwar tragen Migrantinnen und Migranten – gemessen an ihrem Bevölkerungsanteil – nach Angaben der Förderbank KfW bereits überdurchschnittlich zum Gründungsgeschehen in Deutschland bei. Doch gerade für Start-up-Gründer ist der Standort im Vergleich etwa zu den Spitzenreitern Kanada, USA und Frankreich nur mittelmäßig attraktiv, wie jüngst eine Studie der Industrieländerorganisation OECD und der Bertelsmann-Stiftung zeigte.

Ziel der Start-up-Visa

Als ein großes Manko gilt, dass Deutschland kein eigenes Start-up-Visum für Grünungsinteressierte aus Nicht-EU-Ländern bietet, während andere Länder dies zum Teil sehr intensiv vermarkten.

So werde derzeit in Estland ein Fünftel aller Start-ups auf Grundlage des Start-up-Visaprogramms gegründet, heißt es in einer aktuellen Analyse der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS). In den USA wurde laut Wirtschaftsmagazin „Forbes“ mehr als die Hälfte der Start-up-Unternehmen mit einem Mindestwert von einer Milliarde Dollar von Zugewanderten gegründet.

Ziel spezieller Start-up-Visa sei es, visionäre Gründerinnen und Gründer aus dem Ausland anzulocken, welche die geltenden Visa-Bedingungen für Unternehmerinnen und Unternehmer oft nicht erfüllten, schreibt KAS-Studienautorin Jana Lajsic. Viele OECD- und EU-Länder hätten sie eingeführt, um mit den USA mithalten zu können, die wegen der guten Finanzierungsbedingungen die meisten Tech-Gründer anlocken.

Laut Lajsic gibt es derzeit weltweit rund 30 Start-up-Visaprogramme, die eine meist zunächst befristete Aufenthaltserlaubnis vorsehen. Sie zielen auf Gründer mit Geschäftsideen, die schnell auf neue Märkte expandieren können, ohne hohe Kosten zu verursachen. Von den Antragstellern wird neben einem Businessplan auch die Fähigkeit verlangt, den eigenen Lebensunterhalt zu bestreiten.

In Deutschland dagegen müssen Start-up-Gründer aus Ländern außerhalb der EU ein Visum und eine Aufenthaltserlaubnis zum Zweck der selbstständigen Tätigkeit stellen.

Viele Visaprogramme kommen offenbar nicht infrage

Die meisten Visaprogramme für Unternehmer, die auf Geschäftsleute mit Kapital, Erfahrung oder Unternehmen mit hohen Umsatzraten zielen, kämen für Start-up-Gründer nicht in Frage, heißt es in der KAS-Analyse weiter. Zudem ist es für Gründer in Europa vergleichsweise schwer, eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen.

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Deutschland und andere Länder verschenkten so Chancen, schreibt Lajsic: „Gerade in einem Land, in dem es an Gründungsmut fehlt, könnten ausländische Gründerinnen und Gründer als treibende Kraft für die Förderung einer Gründungskultur fungieren.“

In der im vergangenen Jahr veröffentlichten Start-up-Strategie der Bundesregierung ist jedoch bisher kein spezielles Visaprogramm für innovative Gründer vorgesehen. Stattdessen plant die Ampelkoalition ein Forum für eine bessere Vernetzung von Gründerinnen und Gründern mit Migrationshintergrund.

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Dabei ist die Verbesserung der Bedingungen für ausländische Gründer aus Sicht der deutschen Arbeitgeber ein Schlüssel zur Modernisierung Europas. Dazu gehöre auch, den Zugang zu privatem oder öffentlichem Förderkapital nicht mehr an den Aufenthaltsstatus potenzieller Gründer zu koppeln, heißt es in dem BDA-Papier.

Ein spezielles europäisches Start-up-Visum sollte „einfach und schnell in der Umsetzung sein und attraktive Rahmenbedingungen schaffen“, fordert Arbeitgeberpräsident Dulger.

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