Urlaubsliste veröffentlicht Bundespräsident auf Abruf

Bundespräsident Christian Wulff setzt auf Transparenz - und veröffentlicht eine Liste mit allen Urlauben bei Privatpersonen. Die Kritik wegen des Haus-Kredits nimmt an Schärfe zu.
Update: 19.12.2011 - 03:22 Uhr 118 Kommentare
Die Kritik an Bundespräsident Christian Wulff wird schärfer. Quelle: dapd

Die Kritik an Bundespräsident Christian Wulff wird schärfer.

(Foto: dapd)

Berlin/DüsseldorfBundespräsident Christian Wulff will trotz wachsendem Drucks wegen seines Haus-Kredits im Amt bleiben. „Man muss selber wissen, was man macht, und das muss man verantworten. Und das kann ich“, sagte er am Wochenende dem MDR. Wesentlich sei in seinem Amt, „dass man die Dinge bewertet, beurteilt und dann dazu steht und auch unterscheidet, wo ist etwas real und wo ist etwas mit sehr viel Staub aufwirbeln verbunden.“

Unions-Fraktionsgeschäftsführer Peter Altmaier hat in der ARD-Sendung „Günther Jauch“ am Sonntag Bundespräsident Christian Wulff in der Kreditaffäre den Rücken gestärkt. „Wir in der CDU/CSU haben diesen Präsidenten vorgeschlagen und wir stehen auch hinter Christian Wulff. Der Rückhalt schwindet nicht“, sagte der CDU-Politiker. Gleichzeitig forderte er: „Das was im Raume steht, muss geklärt werden.“

Rückendeckung für Wulff kam auch aus der CSU. Generalsekretär Alexander Dobrindt nannte im Bayerischen Rundfunk die Sachlage aufgeklärt. Wer jetzt weiter darauf herumreite, setze sich dem Verdacht aus, eigentlich das Amt des Bundespräsidenten beschädigen zu wollen.

FDP-Parteichef Philipp Rösler stellte sich hinter Wulff. Ein Rücktritt sei „absolut nicht die Forderung der FDP“, sagte er am Sonntag im ARD-Bericht aus Berlin. Der kommissarische FDP-Generalsekretär Patrick Döring sagte der Tageszeitung „Die Welt“, er sei „zuversichtlich, dass der Bundespräsident alle Vorwürfe eindeutig und unzweifelhaft ausräumen wird.“

Nach den neuen Vorwürfen rund um das Darlehens-Geschäft kamen allerdings aus Opposition und selbst aus der Regierungskoalition Forderungen nach Wulffs Rücktritt. SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles verlangte offensive Aufklärung: „Wenn er das nicht kann, dann allerdings sollte er darüber nachdenken, ob er weiter Vorbild für Deutschland sein kann."

Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Renate Künast warf Wulff vor, sowohl die Bürger als auch den niedersächsischen Landtag weiter im Unklaren zu lassen: „Ich glaube, dass viele Menschen sich veräppelt vorkommen“, sagte sie. „Das ist gegenüber dem Amt des Bundespräsidenten unwürdig.“ Sie verlangte weitere Erklärungen von Wulff: Die Bürger hätten ein Recht zu wissen was war. „Das ist Wulffs Bringschuld“, sagte sie der „Leipziger Volkszeitung“.

In der FDP wächst die Kritik an dem wegen eines Privatkredits unter Druck geratenen Bundespräsidenten Christian Wulff. Der Bundestagsabgeordnete Patrick Kurth zweifelt an der Eignung Wulffs für das höchste Staatsamt und hält „persönliche Konsequenzen“ für denkbar. „Hier stellt sich die Frage, ob Wulff mit den jetzt aufgetauchten Erkenntnissen hätte Bundespräsident werden können“, sagte der Thüringer FDP-Generalsekretär der „Rheinischen Post“.

Scharfe Kritik an Wulff äußerte auch Hildegard Hamm-Brücher, die 1994 für die FDP für das Bundespräsidentenamt kandidiert hat: „So etwas habe ich noch nicht erlebt.“ Der Bundespräsident müsse kein besserer Mensch als andere sein. „Aber er muss ein Vorbild sein.“

Der FDP-Abgeordnete Lotter kritisierte Wulff im Sender n-tv: „Die Bürger wünschen sich einen Bundespräsidenten, der einen Glaubwürdigkeitskredit hat und nicht einen Hauskredit.“ Er verlangte den Abtritt des Bundespräsidenten.

Die Kritik an Bundespräsident Wulff wächst. Quelle: dapd

Die Kritik an Bundespräsident Wulff wächst.

(Foto: dapd)

Doch davon will Wulff nichts wissen. Stattdessen veröffentlichte er eine Liste mit Privaturlauben in den Anwesen befreundeter Unternehmer. Demnach verbrachten Wulff und seine Familie seit seiner Wahl zum niedersächsischen Ministerpräsidenten 2003 bis 2011 insgesamt sechs Mal den Urlaub in den Räumlichkeiten privater Bekannter, teilte die von Wulff beauftragte Bonner Kanzlei Redeker Sellner Dahs am Sonntag mit.

Insgesamt drei Mal verbrachte Wulff demnach einen Privaturlaub in Häusern des Osnabrücker Ehepaars Edith und Egon Geerkens, von denen auch sein umstrittener Privatkredit für den Häuserkauf aus dem Jahr 2008 stammte. In den Jahren 2003 und 2004 sei Wulff Gast „in deren privaten Räumlichkeiten in Spanien“ gewesen, teilte die Kanzlei mit. Zum Jahreswechsel 2009/2010 seien die Wulffs Gast im Haus der Geerkens in den USA gewesen.

Im Jahr 2008 seien die Wulffs als Gäste des Hannoveraner Finanzunternehmers Wolf-Dieter Baumgartl und von dessen Frau Ingrid in Italien gewesen. In den Jahren 2008 und 2009 hätten die Wulffs auf der Insel Norderney Zeit in den privaten Räumlichkeiten des Ehepaars Angela Solaro und Volker Meyer verbracht.

In seiner Amtszeit als Bundespräsident habe Wulff „keine Urlaube in privaten Räumlichkeiten von Freunden verbracht“, teilte die Kanzlei weiter mit. Sie wies auf den bereits bekannten Umstand hin, dass Wulff im Jahr 2010 eine Wohnung in der Ferienanlage des Unternehmers Carsten Maschmeyer auf Mallorca gemietet habe.

Wulff hatte die Kanzlei nach deren Angaben beauftragt, „anhand seiner Aufzeichnungen, seiner Kalender und aller sonst zugänglichen Informationen“ die Urlaubseinladungen zu dokumentieren. Es habe mehrere „Anfragen von Medienvertretern“ zu Wulffs Urlauben gegeben.

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118 Kommentare zu "Urlaubsliste veröffentlicht: Bundespräsident auf Abruf"

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  • Es ist selbstverständlich legitim ein Kredit von Privatperson anzunehmen. Was hier betrieben wird ist feinster Rufmord und Gefährdung der inneren Stabilität. Dagegen sollte gegen SPD / Grüne / Kirche / Presse sofort Strafanzeige gestellt werden.

  • Seit wann ist denn der Islam ein Teil von Deutschland? Ist dann auch Deutschland ein Teil des Islam? Der "Bundespräsident", meiner ist er bestimmt nicht, ich distanziere mich deutlich, ist untragbar. Bitte sofort zurücktreten und auf den 200.000 Euro "Ehrensold" verzichten!

  • Danke, Tschüß!

  • Sage mir mit wem du ißt, dann sage ich dir wer du bist.

  • Soll erstmal Barroso abdanken, nachdem er mit griechischen Millionären auf dem Mittelmeer rumgeschippert ist. Erst danach interessiert mich Wulff.
    Wobei ich auch finde, dass wir schon bessere Präsidenten hatten.

  • Es ist doch alles eigentlich ganz einfach: Wulfs in neuer Konstellation wollten/brauchten ein Haus, Wohnung reicht eben nicht... Nach der Scheidung mit Aderlaß waren aber keine Sicherheiten für einen Bankkredit mehr vorhanden.

    Also sah man sich bei den reichen Freuden um, die einen umschwirren. Einer, der Schrotthändler, sprang auf und das Haus konnte gekauft werden. Und das war dann grundbuchmäßig auch noch unbelastet, aus lauter Freundschaft:-)).

    Nun geht unser schlauer Wulf her, - er hatte wohl schon ein mulmiges Gefühl und will das schnell legalisieren - geht zur Bank, holt sich einen Kredit, denn JETZT hat er als Sicherheit ja ein Haus und bekommt diesen Kredit selbstverständlich. Damit löst er den Kredit gegenüber seinem Freund ab. BRAVO!!

    Auf andere Weise wäre er selbstredend nicht zu dem Haus gekommen.So muß man das mal sehen, ganz unabhängig davon, ob Herr oder Frau diesen Kredit eingefädelt haben. Wulf und/oder seine Freunde scheinen gute Berater zu haben...

    Geschickt eingefädelt von unserem Cleverle, Trick siebzehn!


    Frage: brauchen wir solche Trickser als Vorbild im Staat? Wollen wir alle auch so tricksen? Nehmen wir ihre Sonntagsreden noch ernst und wollen wir von denen noch belehrt werden?

    Leider gehen viele Leute in der Beurteilung ihrer sie vertretenden Politiker immer noch nach ihrem Erscheinungsbild, dem sogenannten Sympathiefaktor. Insofern ist Demokratie ein Problem.

    Guttenberg hat sie korrumpiert, etliche davor,nun Wulf, immer über längere Zeit mit ausdrücklicher Deckung der Regierung.
    Alles im Spülgang wie die bad banks zur Seite legen?

    Die Politikverdrossenheit ist nicht von ungefähr und darf sich auch nicht mit solchen Figuren abfinden.Politisches pro domo Geschachere darf auch nicht die Richtschnur sein.

    Es ist wichtig, daß hier mal aufgeräumt wird, die breite Masse begreift das leider meist zu spät, weil sie sich von denen da oben noch immer Illusionen machen.

  • Herr BPex Koehler und Herr BP Wulff wuerden bei Ihnen Bezuegen die sich (wie laecherlich) EHRENSOLD nennen ! weit ueber 100 Millionen kosten, Buero, Fahrer, Wagen, Sekretaerin, beide sind relativ jung, und dann: die Witwen
    "im Leben danach" IRRSINN par exellance, wer sowas wohl konstruiert hat ? Paralellwelt der "Demokratie-Geniesser"

  • Das System "Demokratie" ist so, hier in unserem, diesem Lande.

    Es ist ein Mehrparteiensystem, fast nur über die Parteien ist politische Karriere möglich. Bei kleinen Parteien geht das schneller, daher auch die Boygroup. Bei den anderen braucht es Durchhaltevermögen gepaart mit Speichelleckerei - für den sicherern Listenplatz oder den sicheren Wahlkreis oder beides kombiniert.
    Der Aufbau eines Netzwerkes zum eigenen Vorteil (und zum Vorteil der Partei) ist während dieses Marathons lebensnotwendig. Aber Achtung, nicht in dem Netztwerk verheddern, das wäre blöd. Viele unsichtbare Fäden benutzen und alles juristisch absichern - jetzt schon an später denken.
    Dann auch den Karriereturbo einschalten: viel Reden - nichts sagen - so tun, als wisse man alles! Sich zeigen, egal wo, und wenns bei Lena oder Pocher ist.
    Sportlich immer die Ellebogen fit halten.
    Nur Geduld, es werden immer Pöstchen frei, und wenns beim Stühle rücken ist. Eine verlorene Wahl bietet auch beste Chancen.

    Tschja, diese Laufbahn muss man Wollen ...

    Nirgends steht, welche Vorausetzungen für ein politisches Amt gegeben sein sollten. Es gibt dafür keine Stellenbeschreibung, weder fachlich noch moralisch auch nichts von einem Abschluß oder Lebenserfahrung.

    Stellenangebot: Bundespräsident
    Schreiben sie uns, was sie dafür besonders auszeichnet, das deutsche Volk zu vertreten! Kurzfristiger Arbeitsbeginn möglich, Bestätigung nach Wahl durch Bunderat
    HINWEIS:
    Bitte nur ernst gemeinte Zuschriften.
    (Ihre Netzwerke, deren Ausnutzung für sie und deren Nutznießer sind in ihrer Bewerbung zu dokumentieren)

  • Der Versuch, anstatt der realen Eurokrise eine weitere irreale Sau durchs Dorf zu treiben, ist offensichtlich. Ich habe keinen Vorzugszinssatz bei meiner Sparkasse bekommen, aber 2008 auch schon mit 4% für 10 Jahre fest meine Anschlußfinanzierung gestaltet. Der einzige Vor-teil von so diesem Privatkredit war offenbar, daß es ab-wicklungsmäßig sehr schnell geht. Daß Übelmeinende da Abhängigkeiten sehen wollen, hat Wulff anschließend offenbar begriffen und umgeschuldet. Wo also ist bitte schön das Thema? Das Thema ist in Wahrheit, daß uns der irreversible (nur ein Austritt aus Europa bringt uns aus der Haftungsnummer wieder heraus!), unkontrollier-bare (der ESM entscheidet selbst, wieviel Geld er braucht!) und undemokratische (kein Parlament wird nach Einführung je wieder gefragt werden!) ewige Rettungs-schirm ESM und damit die Transferunion ins Haus steht, über den m.W. noch in diesem Jahr im Parlament abge-stimmt werden soll. Anschließend brauchen wir gar nicht mehr zur Wahl zu gehen, weil die Entscheidungen über unser aller Wohl und Wehe nicht mehr in Berlin getroffen werden. Das Handelsblatt sollte mal ganz objektiv diesen ESM darstellen (das hat m.W. bislang keine einzige Zeitung in diesem Land gemacht!)

  • Die Ursache hat Wulff ganz allein gesetzt, denn ...

    Die Privatkreditnahme verstieß und verstößt gegen das Ministergesetz von Niedersachsen!
    Und das wusste Wulff! Und die Anfrage zielte genau darauf ab und auch das wusste Wulff!

    Es soll doch keiner
    1. die Bürger für doof und
    2. Wulff für doof
    verkaufen.

    Wulff soll nicht wissen, was er tut? Wulff soll die Folgen seines Handeln nicht abschätzen können?
    Wulff weiß genau, was er tut oder lässt.

    Und jetzt wird ersteinmal getestet, wie "elastisch" die Situation "verarbeitet" werden kann - wie die hungrige Meute auf die einzelnen Brocken, die ihr hingeworfen werden, reagiert!

    Wulff kennt Realitätsverlust bei anderen und prangerte diesen an - bei einem seiner Vorgänger in Niedersachsen.

    Es ist eben blöd, wenn die Vergangenheit einen einholt ...

    P.S.
    Wulff ist nicht allein - Cem Özdemir 1999 Privatkredit bei Hunzinger


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