US-Investmentbank Berlin rechnet mit Goldman Sachs ab

Der Betrugsskandal der US-Investmentbank Goldman Sachs zieht immer weitere Kreise. Nun kündigt erstmals ein hochrangiger Landespolitiker die Zusammenarbeit mit der US-Bank auf. Finanzsenator Nußbaum wirft der US-Investmentbank Erpressung vor und will so weit wie möglich die Geschäftsbeziehungen beenden.
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Berlins Finanzsenator Ulrich Nußbaum: So weit wie möglich keine Geschäfte mehr mit Goldman Sachs. Quelle: dpa

Berlins Finanzsenator Ulrich Nußbaum: So weit wie möglich keine Geschäfte mehr mit Goldman Sachs.

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BERLIN. "So wie sich die Investmentbanker von Goldman Sachs verhalten und wie sie auftreten, habe ich erhebliche Zweifel, ob es sich um seriöse Geschäftsleute handelt", sagte der Berliner Finanzsenator Ulrich Nußbaum, der zurzeit auch Vorsitzender der Finanzministerkonferenz ist, dem Handelsblatt. "Gerade nach den persönlichen Erfahrungen, die ich mit Goldman Sachs in den vergangenen Monaten gemacht habe, werde ich mit solchen Bankern, wenn es sich vermeiden lässt, keine Geschäfte mehr machen."

Der Berliner Finanzsenator hat mit Goldman Sachs, der die US-Börsenaufsicht SEC vor wenigen Tagen Betrug bei der Vermarktung eines verbrieften Hypothekenkredits vorgeworfen hat, schlechte Erfahrungen gemacht. Weil Alexander Dibelius, Deutschland-Chef von Goldman, die im Jahr 2004 von Berlin erworbene Immobiliengesellschaft GSW früher als vereinbart an die Börse bringen wollte, forderte Nußbaum für die nötige Zustimmung des Landes 30 Mio. Euro. Dibelius ließ daraufhin ein Gutachten anfertigen, in dem eine mögliche Zahlung an das Land Berlin als Bestechung qualifiziert wurde. Als sich der Finanzsenator unbeeindruckt von der juristischen Expertise zeigte, gab Goldman Sachs ein weiteres Gutachten in Auftrag, in dem die 30-Mio.-Zahlung als rechtlich einwandfrei bezeichnet wurde. Berlin kassierte mittlerweile das Geld - und stimmte Anfang der Woche dem Börsengang der Immobiliengesellschaft zu.

"Es ist abenteuerlich, dass Goldman mir in einem Gutachten Bestechung vorgeworfen hat, um diesen Vorwurf in einem zweiten Gutachten zu widerlegen. Solche Erpressungsversuche, mit denen ich als Krimineller abgestempelt werden sollte, kann ich schlicht nicht akzeptieren", schimpft Nußbaum. Zudem sei es gelogen, wenn Goldman Sachs jetzt behaupte, sich beim GSW-Börsengang um die Verlängerung des Mieterschutzes kümmern zu wollen. "Ein solches Angebot hat es nie gegeben." Der US-Investmentbank gehe es offensichtlich nicht um langfristige Geschäftsbeziehungen, sondern vornehmlich um Gewinnmaximierung. "Ich kann nicht erkennen, dass sich Goldman Sachs dem öffentlichen Gemeinwohl verpflichtet fühlt", sagte Nußbaum.

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6 Kommentare zu "US-Investmentbank: Berlin rechnet mit Goldman Sachs ab"

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  • Wenn ich an Dr.Dibelius denke, muss ich an das Adjkektiv "debil" denken...warum nur? :=)

  • 1) Die GSW gehoert den Vertragparteien Cerberus und dem Fonds Whitehall. Der Fonds Whitehall wird von Goldman gemanagt, d.h. Goldman wird dafuer bezahlt das Fondsvermoegen zu vermehren und wird nicht am Gemeinwohl gemessen.

    2) Dieser von Goldman gemanagte Fond hat ein Vermoegen von USD1.8mrd in immobilien investiert, die laut Presse derzeit noch mit ca. USD30m bewertet werden. D.h. der immobilienfonds hat 98% an Wert verloren. 33% der investitionen in den Fonds stammen von Goldman und seinen Mitarbeitern.

    3) Herr Nussbaum erweist damit auslaendischen investoren in Deutschland einen baerendienst. Da darf man als investor im Hochsteuerland Deutschland in Sachwerte investieren, soll Verluste hinnehmen und wird dafuer auch noch beschimpft. Herr Flowers laesst gruessen!

    4) Der Wertverlust geht insbesondere darauf zurueck, dass immobilien in boomzeiten zu teuer eingekauft wurden. Die Fonds haben aus heutiger sicht zu viel an die Verkaeufer gezahlt. Zu diesen Verkaeufern zaehlt u.a. die Stadt berlin. D.h. die Stadt berlin hat daran verdient, ueberteuerte immobilienpakete zu verschaerbeln.

    5) berlin leidet wie im Handelsblatt berichtet unter einer unheimlichen Schuldenlast und ist somit abhaengig von Wohlwollen und dem Vertrauen des Kapitalmarktes. Waere Herr Nussbaum klug, wuerde er in solch einer Situation Goldman als Teil der Loesung und nicht des Problems sehen. Ein erheblicher Teil der Schuldenlast stammt von ueppigen immobilienkrediten der Landesbank an fruehpensionierte Polizisten mit CDU-Mitgliedschaft fuer Parteispenden und zum Decken der Gewinne bei notleidenden immobilienfonds der Landesbank berlin, fuer die das Land entgegen EU-Recht garantiert hatte.

    6) Wie kommt es also, dass Her Nussbaum investoren beschimpft, die privates Geld in berlin zu Gunsten der Stadt verspekuliert haben, aber z.b. zu leidenden Fonds der Landesbank/ bankgesellschaft mit Gewinngaranie der Stadt schweigt?
    immerhin hat die Stadt berlin immobilienrisiken (d.h. Gewinngarantien an investoren) der Landesbank über den Landeshaushalt i.H.v. EUR21,6mrd abgeschirmt. Die Stadt berlin, die über einen Jahreshaushalt von etwa EUR21mrd verfügt, müsste ein volles Jahr lang auf sämtliche Leistungen aus ihrem Haushalt verzichten, um den durch die bankgesellschaft berlin aufgehäuften Schuldenberg abzutragen!

  • Wann werden die Akteure in der Politik endlich einmal diese bescheuerte Weichspüler-Sprache aufgeben!? Die Zeit dafür ist längst vorbei. Tacheles ist angesagt.

  • bravo Herr Nussbaum! Nachdem die Rolle von GS betreffend Griechenland/Eurobeitritt inkl. Shorting mit CDS bekannt ist, kann ich nicht verstehen, dass es in der EU überhaupt noch Politiker gibt, die mit dieser bank zusammenarbeiten. GS führt der Welt mehr Leid zu als alle Terrororganisationen zusammen.

  • "ich kann nicht erkennen, dass sich Goldman Sachs dem öffentlichen Gemeinwohl verpflichtet fühlt", sagte Nußbaum. Wo lebt der Mann?

  • "ich kann nicht erkennen, dass sich Goldman Sachs dem öffentlichen Gemeinwohl verpflichtet fühlt", sagte Nußbaum. Wo lebt der Mann?

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