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USA Freier Handel, Frieden und Klimaschutz: Standing Ovations für Merkel in Harvard

Merkel spricht vor den Absolventen der prestigeträchtigen Universität Harvard. Auf ihrem Kurztrip in die USA wird sie Donald Trump nicht besuchen.
Update: 30.05.2019 - 22:24 Uhr Kommentieren
Während der Rede der Bundeskanzlerin standen viele Besucher auf und applaudierten. Quelle: dpa
Angela Merkel

Während der Rede der Bundeskanzlerin standen viele Besucher auf und applaudierten.

(Foto: dpa)

Cambridge Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die internationale Zusammenarbeit und den freien Welthandel beschworen. „Mehr denn je müssen wir multilateral statt unilateral denken und handeln“, sagte Merkel am Donnerstagabend unter dem Jubel von rund 20.000 Absolventen, Angehörigen und Professoren in einer Rede an der US-Eliteuniversität Harvard. Gehandelt werden müsse global statt national, weltoffen statt isolationistisch - „gemeinsam statt alleine“. Protektionismus und Handelskonflikte gefährdeten den freien Welthandel und damit die Grundlage des Wohlstands, warnte Merkel, ohne US-Präsident Donald Trump zu nennen.

Auch hat sie die internationale Gemeinschaft zu einem leidenschaftlichen Einsatz für Demokratie und Werte aufgerufen. Freiheit, Demokratie, Frieden und Wohlstand seien nicht selbstverständlich, rief Merkel am Donnerstagabend unter dem Beifall der Absolventen. „Nichts ist selbstverständlich“, warnte Merkel. „Aber wenn wir die Mauern, die uns einengen, einreißen, wenn wir ins Offene gehen und Neuanfänge wagen, dann ist alles möglich.“

„Mauern können einstürzen“, Diktaturen verschwinden, die Erderwärmung könne gestoppt, der Hunger besiegt und Krankheiten könnten ausgerottet werden, rief Merkel den Absolventen zu. Menschen und vor allem Mädchen müsse Zugang zu Bildung verschafft werden, man könne die Ursachen von Flucht und Vertreibung bekämpfen - „das alles können wir schaffen“. Die Kanzlerin betonte: „Fragen wir nicht zuerst, was nicht geht, sondern was möglich ist.“

Auch rief sie zu „Wahrhaftigkeit gegenüber anderen und uns selbst“ auf. „Dazu gehört, dass wir Lügen nicht Wahrheit nennen und nicht Wahrheit Lügen“, sagte sie. Für diese Aussage bekam sie starken Beifall, viele Zuhörer standen auf und applaudierten.

Mit Blick auf den von Menschen verursachten Klimawandel und die daraus folgenden Krisen sagte die Kanzlerin, man müsse „alles Menschenmögliche tun, um diese Menschheitsherausforderung wirklich in den Griff zu bekommen“. Noch sei dies möglich. „Doch dazu muss jeder seinen Beitrag leisten“, sagte Merkel. „Das sage ich auch selbstkritisch“ - man müsse hier besser werden. Sie werde sich deshalb „mit ganzer Kraft dafür einsetzen, dass Deutschland 2050 das Ziel der Klimaneutralität erreichen werde. „Veränderungen zum Guten sind möglich, wenn wir sie gemeinsam angehen. In Alleingängen wird das nicht gelingen.“

Im Vorfeld ihrer Rede hatte sie gesagt, dass ihre Ansprache vor den Absolventen werde „keine klassische politische Rede sein, sondern eine Rede, die auch mein Leben den Studenten nahebringt und die daraus entstandenen Lehren dann auch beinhaltet“, hatte Merkel kürzlich dem US-Sender CNN gesagt. Ein Treffen mit Trump ist nicht geplant.

Die Bundeskanzlerin erhielt einen Ehrendoktor der Elite-Universität. Quelle: AP
Angela Merkel

Die Bundeskanzlerin erhielt einen Ehrendoktor der Elite-Universität.

(Foto: AP)

Vor Beginn ihrer Rede zeichnete die Universität sie mit einem Jura-Ehrendoktor aus. Harvard-Präsident Larry Bacow nannte Merkel eine der „einflussreichsten Staatsleute unserer Zeit“. Auch die frühere Harvard-Präsidentin Drew Faust und der Gründungsdirektor des Smithsonian National Museum of African American History and Culture, Lonnie Bunch, erhielten Ehrenabschlüsse.

Nach Angaben eines deutschen Regierungssprechers hatte die US-Seite frühzeitig mitgeteilt, dass der Präsident an diesem Tag nicht in Washington sein werde. Trump spricht am Donnerstag vor Absolventen der US Air Force Academy im US-Bundesstaat Colorado – fast 3.000 Kilometer von Harvard entfernt.

Merkel hatte in dem am Dienstag ausgestrahlten CNN-Interview mit Blick auf die Beziehungen zu den USA gesagt: „Wir haben die Verpflichtung, miteinander zu reden, auch um Lösungen zu ringen. Das geht mal einfacher, mal ist es komplizierter.“ Auf die Frage, ob sie Trump als einen „Freund“ betrachte, antwortete die Kanzlerin: „Wir haben eine enge Zusammenarbeit. Die ergibt sich einfach aus den Problemen, die wir gemeinsam lösen müssen.“

Vor Merkel sprachen schon ihre Amtsvorgänger Konrad Adenauer (1955), Helmut Schmidt (1979) und Helmut Kohl (1990) sowie Bundespräsident Richard von Weizsäcker (1987) vor Harvard-Absolventen.

Bereits am Donnerstagabend wird die Kanzlerin zurück nach Berlin reisen, wo am Freitag ein Treffen mit US-Außenminister Mike Pompeo geplant ist.

Trump übt immer wieder Kritik an Deutschland und auch an der Kanzlerin selbst, besonders wegen Merkels Migrationspolitik. Der US-Präsident beklagt seit Langem eine unfaire Lastenteilung in der Nato und attackiert vor allem Deutschland wegen des vergleichsweise niedrigen Anteils seiner Verteidigungsausgaben am Staatshaushalt. Die USA kritisieren zudem den Bau der Ostsee-Gaspipeline Nord Stream 2 von Russland nach Deutschland.

Mehr: Kanzlerin Merkel empfängt Barack Obama in Berlin wie einen Freund. Und sendet ein Zeichen an Donald Trump in Washington: Es geht auch anders.

  • dpa
  • ap
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