Vater des Kommunismus Die SPD entdeckt Karl Marx neu

Für die Sozialdemokraten ist Karl Marx nach wie vor aktuell. Das sagt zumindest Parteichefin Nahles bei den Feierlichkeiten zu seinem 200. Geburtstag.
Update: 06.05.2018 - 13:21 Uhr Kommentieren
SPD-Parteichefin Andrea Nahles sieht die SPD nicht als marxistische Weltanschauungspartei. Aktuell ist Marx für die Sozialdemokraten auch 200 Jahre nach seiner Geburt. Quelle: dpa
Andrea Nahles

SPD-Parteichefin Andrea Nahles sieht die SPD nicht als marxistische Weltanschauungspartei. Aktuell ist Marx für die Sozialdemokraten auch 200 Jahre nach seiner Geburt.

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TrierDie SPD hat den Philosophen und Ökonomen Karl Marx 200 Jahre nach seiner Geburt für sich wiederentdeckt. „Marx ist wieder „in“. Und das ist auch gut so, denn es ist erkenntnisreich und gewinnbringend“, sagte die SPD-Vorsitzende Andrea Nahles am Samstag in Trier bei einer Parteiveranstaltung zum 200. Geburtstag des Denkers. Marx' Analysen seien auch für die anstehende Gestaltung des digitalen Wandels interessant. Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) sagte: „Wir haben heute das Privileg - der Kalte Krieg ist ja schon länger vorbei - noch mal neu auf Karl Marx zu blicken und uns mit ihm auseinanderzusetzen.“

Die SPD sei in ihrem Godesberger Programm 1959 auf Distanz zu Marx gegangen, sagte Nahles. Marx sei lange „nicht mehr diskursfähig und tabuisiert“ gewesen. „Ich bin sehr froh, dass wir heute wieder einen anderen Blick haben können.“ Marx habe wie die Sozialdemokraten „die Notwendigkeit einer demokratischen Politik der schrittweisen Verbesserung der Lebensverhältnisse“ gesehen. „Der Kommunismus hat dieses Bild verdunkelt.“

Für heute gilt laut Nahles: „Marx ist wieder interessant, wo Sozialstaat, sozialer Aufstieg, Mittelstandsgesellschaft und Wert der Arbeit nicht mehr selbstverständlich sind.“ Dreyer betonte, natürlich treibe es um, „dass es im 21. Jahrhundert immer noch extrem schlechte Arbeitsverhältnisse gibt, dass es immer noch Kinderarbeit gibt, dass es häufig zu geringe Löhne gibt“.

Zum 200. Geburtstag wurde am Samstag eine 5,50 Meter hohe, von China gespendete Bronzestatue von Marx in seiner Geburtsstadt enthüllt. Es ist das erste neue Marx-Denkmal in Deutschland seit Ende des Kalten Krieges. Kritiker protestierten gegen ihrer Ansicht nach zu viel Jubel um Marx und verwiesen auf die Opfer von Sozialismus und Kommunismus. Marx wurde am 5. Mai 1818 in Trier geboren, er verbrachte die ersten 17 Jahre seines Lebens dort. Er gilt als geistiger Vater des Kommunismus und ist bis heute umstritten.

„Ja, es lohnt sich heute, den digitalen Kapitalismus und Marx genau in den Blick zu nehmen“, sagte Nahles. Es gebe „eine Reihe von Ähnlichkeiten zwischen der ersten industriellen Revolution, mit der Marx sich befasste, und der vierten, die uns heute beschäftigt“. Die wichtigsten Produktionsmittel seien nicht mehr nur Maschinen und Fabriken, sondern Daten. „Es geht darum, ob diese Unternehmen in Zukunft Macht über uns ausüben und unser Verhalten bestimmen.“

Nahles schlug vor, zu überlegen, ob beispielsweise die großen Plattformen im Internet ab einer bestimmten Größe ihre Datenmengen mit den Wettbewerbern teilen müssten. „Die Daten würden somit zu einem Gemeinschaftsgut.“ Denkbar seien auch Internet-Plattformen mit genossenschaftlicher Eigentümerstruktur.

Nach Ansicht von Linke-Politikerin Sahra Wagenknecht sind die Thesen von Marx nicht verantwortlich für die Verbrechen, die im Namen des Kommunismus begangen wurden. „Wenn jeder für das verantwortlich wäre, was in seinem Namen geschieht, dürfte Jesus Christus heute in keiner Kirche mehr hängen“, sagte sie der „Rhein-Neckar-Zeitung“ (Samstag). „Auch im Namen des Christentums sind grauenvolle Verbrechen begangen worden. Aber die Hexenverbrennung und die Kreuzzüge waren nicht Inhalt der Bergpredigt“, sagte die Vorsitzende der Linksfraktion.

Auch der Linken-Politiker Gregor Gysi plädierte in Trier dafür, Marx vom „Missbrauch“ durch die Sowjetunion und die DDR zu befreien. „Er ist zweifellos ein großer Geist der Menschheitsgeschichte. Für seinen Missbrauch in der Sowjetunion, der DDR und in anderen Ländern ist er nicht verantwortlich.“

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) dagegen äußerte sich per Twitter kritisch: „Lieber #KarlMarx, egal wie brillant Deine Ideen waren: Die Umsetzung hat nie funktioniert, Millionen Menschen um Glück & Leben betrogen“, schrieb er.

„Marx ist nicht dafür verantwortlich, wenn der Kapitalismus als Waffe missbraucht wird“

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  • dpa
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