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Verbraucherreport 2018 Beim Verbraucherschutz vertrauen die Bürger vor allem den Grünen

Eine aktuelle Umfrage zeigt: Nur jeder Vierte vertraut der Politik beim Verbraucherschutz. Beim Engagement für das Thema liegt eine Partei klar vorn.
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Beim Verbraucherschutz vertrauen die Bürger vor allem den Grünen Quelle: dpa
Robert Habeck und Annalena Baerbock

Die Grünen-Spitze freut sich im Moment über den großen Zuspruch aus der Bevölkerung.

(Foto: dpa)

Berlin Deutschlands Verbraucher fühlen sich von der Politik nicht gut vertreten. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage des Verbraucherzentrale Bundesverbands (VZBV) hervor. Besonders schlecht schneiden die Parteien der Großen Koalition ab. Nur die Grünen gewinnen an Vertrauen - wenn auch auf sehr niedrigem Niveau.

Auf die Frage „Welche politische Partei setzt sich Ihrer Meinung nach am stärksten für Verbraucherschutz ein?“ nennen 22 Prozent (2017: 20 Prozent) die Grünen. Danach folgen die SPD mit 10 Prozent (2017: 14 Prozent) sowie gleich auf CDU/CSU und Linke mit jeweils 5 Prozent (2017: 10 und 4 Prozent). Schlusslichter sind die FDP und die AfD mit 2 beziehungsweise 3 Prozent.

Insgesamt ist jedoch die deutliche Mehrheit der Befragten unentschieden und neigt keiner der abgefragten Parteien zu. Jeder Zweite kann oder will demnach keine Partei nennen, die sich besonders für den Verbraucherschutz einsetzt. In der von Kantar Emnid im Auftrag des VZBV durchgeführten Studie wurden 1.009 Bürger ab 14 Jahre befragt.

Der Befund ist Teil des sogenannten Verbraucherreports, den der VZBV jedes Jahr erstellt und der heute in Berlin vorgestellt wurde. Der Bericht ist eine Art Gradmesser dafür, wie es um den Verbraucherschutz in Deutschland bestellt ist. Die schlechten Werte für die Politik spiegeln sich auch bei anderen Aspekten der Umfrage wider.

Auf die Frage „Wie stark vertrauen Sie beim Thema Verbraucherschutz den folgenden Personen oder Institutionen?“ nannten gerade mal 22 Prozent der Befragten die Politik (2017: 26 Prozent). Nicht ganz so schlecht schnitten mit 25 Prozent Ratgeberportale ab (2017: 26 Prozent).

Das meiste Verbrauchervertrauen genießt hingegen mit Abstand das persönliche Umfeld, Familie und Freunde (86 Prozent; 2017: 88 Prozent), gefolgt von Verbraucherorganisationen mit 62 Prozent (2017: 61 Prozent), Rechtsanwälten (53 Prozent; 2017: 56 Prozent), anderen Verbrauchern (44 Prozent; 2017: 40 Prozent) sowie Herstellern und Handel (31 Prozent; 2017: 32 Prozent).

VZBV-Chef Klaus Müller spricht denn auch mit Blick auf die Politik von einem „erschreckenden“ Befund. „Hier haben Flugchaos und Dieselskandal sicher ihren Teil zur Verunsicherung beigetragen“, sagte er. Die Bundesregierung dürfe daher „nicht nur mit unzureichenden Resultaten vor sich hingipfeln“, fügte der Verbraucherschützer hinzu. Die Menschen erwarteten Lösungen für ihre Probleme.

Das sieht auch Verbraucherschutzministerin Katarina Barley (SPD) so. Der Verbraucherreport zeige „drastisch den Vertrauensverlust durch den Diesel-Skandal“, sagte die Ministerin. Die Automobilkonzerne dürften sich daher nicht länger ihrer Verantwortung entziehen. „Damit schaden sie dem Qualitätsversprechen „made in Germany“ langfristig.“ Wer den Schaden verursacht habe, der müsse auch dafür aufkommen. An aktuellen Gerichtsentscheidungen zu Fahrverboten sehe man ja, dass die Zeit dränge. „Ziel muss es sein, weitere gerichtliche Fahrverbote zu verhindern.“

Die Bundesregierung müsse „endlich die Interessen der Verbraucher in den Mittelpunkt rücken“, betont auch Chef-Verbrauchschützer Müller. Aus gutem Grund, denn Versäumnisse sehen Verbraucher auch in anderen Bereichen.

Nach Einschätzung der Befragten wächst der Handlungsbedarf vor allem bei den Themen Gesundheit, Telekommunikation sowie Verkehr und Reisen. Bei diesen Themen sank der Anteil der Verbraucher, die ihre Interessen ausreichend geschützt sehen, im Vergleich zum Vorjahr zum Teil um mehr als fünf Prozentpunkte.

Insofern haben die Verbraucher eine klare Vorstellung davon, was sich ändern muss, damit ihre Interessen besser durchgesetzt werden können. Vor allem die Politik sollte künftig verbraucherpolitischen Themen mehr Beachtung schenken. Das wünschen sich 86 Prozent der Befragten.

Über 60 Prozent der Befragten wünschen sich mehr unabhängige Informationsmöglichkeiten für Verbraucher, mehr gesetzliche Vorgaben zum Verbraucherschutz sowie einfachere und kostengünstigere Klagemöglichkeiten. „Die Einführung der Musterfeststellungsklage bedeutet hier einen Meilenstein für Verbraucherinnen und Verbraucher“, sagte VZBV-Chef Müller.

Das neue Klageinstrument tritt am 1. November in Kraft. Damit können sich Dieselskandal betroffene VW-Besitzer einer entsprechenden Verbraucherklage anschließen, die der VZBV und der ADAC bereits angekündigt haben. Rund drei Jahre nach dem Bekanntwerden des Skandals um manipulierte Dieselmotoren können sich dann betroffenen Autofahrer möglicherweise einen Anspruch auf Schadenersatz sichern.

Für Verbraucherministerin Barley ist das auch eine Frage der Gerechtigkeit. „Wer abgezockt wird, braucht effektive Mittel, sich dagegen zu wehren“. Und sie hebt einen weiteren Aspekt des Verbraucherreports hervor: „Verspätungen und Ausfälle bei der Bahn und im Flugverkehr bleiben ein Dauerthema, das jeden Tag für viel Frust sorgt“, sagte die SPD-Politikerin. Dabei könnten Bahn und Airlines viel einfacher und schneller entschädigen, ohne lange Formulare und Verzögerungen. „Hier werde ich weiter Druck machen“, so Barley.

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  • Schon wieder so ein Irrsinn im Handelsblatt!

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