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Verdi-Bundeskongress Mit Zahnschmerzen in die Zukunft

Der Fahrplan steht: Die Gewerkschaft Verdi will in den nächsten Jahren gegen digitalen Manchesterkapitalismus kämpfen, gegen Altersarmut und für mehr Mitbestimmung. Und Chef Frank Bsirske? Kämpft mit seinem Backenzahn.
23.09.2015 - 13:06 Uhr
Ein Chor singt zum Auftakt des Bundeskongresses der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi in Leipzig. Mehr als 1000 Delegierte sind gekommen. Quelle: dpa
Stärke, Zukunft, Vielfalt

Ein Chor singt zum Auftakt des Bundeskongresses der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi in Leipzig. Mehr als 1000 Delegierte sind gekommen.

(Foto: dpa)

Leipzig Der Vorsitzende ist angeschlagen. Nicht der kleine Dämpfer vom Vorabend macht ihm zu schaffen, als die Delegierten den Verdi-Chef mit 88,5 Prozent wiederwählten. Nein, es ist der Backenzahn, der Frank Bsirske plagt, als er am Mittwochmorgen im blau-weiß-karierten Hemd und braunen Jackett vor die knapp 1.000 Delegierten des Bundeskongresses in Leipzig tritt. Eine Grundsatzrede mit Zahnschmerzen.

Eine Stunde und 20 Minuten lang redet der Verdi-Vorsitzende darüber, was er in seiner fünften und letzten Amtszeit anpacken will: Mitglieder gewinnen, die Mitbestimmung in den Betrieben stärken, Gewerkschafts-Bashing stoppen, die Digitalisierung der Arbeit gestalten, Altersarmut bekämpfen, für ein soziales und weltoffenes Europa eintreten.

In vielen Betrieben hätten Managementkonzepte Einzug gehalten, die darauf zielen, Beschäftigte autonomer und verantwortlicher arbeiten zu lassen, sie ihre Aufgaben ohne direkte Anweisungen und den Blick auf die Uhr selbstständig erledigen zu lassen. Eine schöne neue Arbeitswelt also, die Raum für Familie und Freizeit lässt? Mitnichten, warnt Bsirske. Denn die größere Autonomie führe oft zur Selbstausbeutung der Beschäftigten. „Mehr Druck durch mehr Freiheit“, das dürfe nicht zur Regel werden, mahnt der Verdi-Chef.

Zustände wie bei Amazon, wo minutengenau verfolgt werde, wer was leiste und wo Harmonie im Betrieb als Wettbewerbsnachteil gelte, solle es in Deutschland nicht geben. Was sich bei dem US-Onlinehändler abspiele, auch in Deutschland, „klingt nach Manchesterkapitalismus des 19. Jahrhunderts und ist doch zugleich ein auf die Zukunft gerichtetes Labor der Ausbeutung“, sagt Bsirske. Ein klein wenig Klassenkampf in einer sonst eher sachlichen Rede.

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    Seine Gewerkschaft werde die „digitale Umwälzung“, der bis zu 60 Prozent aller Jobs zum Opfer fallen könnten, nicht dem Selbstlauf überlassen, sondern aktiv mitgestalten: Mehr Forschung über die Auswirkungen der Digitalisierung, Produktivitätsgewinne in die Finanzierung anstehender gesellschaftlicher Aufgaben stecken, die Arbeitszeit verkürzen und gerecht auf alle Erwerbssuchenden verteilen – das sind seine Forderungen. Um die Beschäftigten fit zu machen für das digitale Zeitalter, spricht sich Bsirske für eine – auch vom Staat – geförderte Bildungsteilzeit aus, mit der schon die IG Metall in der zurückliegenden Tarifrunde gescheitert war.

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