Verdi greift DGB an Gewerkschafter bestreiken Gewerkschaft

Dass Verdi zu einem Warnstreik aufruft ist nicht ungewöhnlich. Dass der Deutsche Gewerkschaftsbund nun bestreikt wird schon. Der DGB, der gerne hohe Löhne fordert, drückt bei einer Tochterfirma auf die Kostenbremse.
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Verdi bestreikt den DGB mit dessen Vorsitzenden Michael Sommer. Quelle: dpa

Verdi bestreikt den DGB mit dessen Vorsitzenden Michael Sommer.

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DüsseldorfVoller Selbstbewusstsein sind die Gewerkschaften ins Tarifjahr 2013 gegangen. Die gute Konjunktur, so der Tenor, müsse auch die Portemonnaies der Arbeitnehmer füllen. Michael Sommer, Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), posaunte im Gefühl der Stärke: „Die Gewerkschaften werden die Tarifverhandlungen in diesem Jahr sehr selbstbewusst führen und, falls nötig, auch mit aller Konsequenz.“

Nur zehn Tage später merkt der DGB-Chef wie recht er hatte. Denn die Gewerkschaft Verdi – selbst Mitglied im Gewerkschaftsbund – hat die rund 750 Beschäftigten der DGB Rechtsschutz GmbH für Dienstag zu einem ganztägigen Warnstreik aufgerufen. Ab 14 Uhr ist eine Kundgebung vor der DGB-Zentrale am Hackeschen Markt in Berlin geplant. Die Forderung lautet: Wir wollen mehr Lohn.

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Die Forderungen der Gewerkschaften liegen zu Beginn der Tarifrunden zwischen 5 und 6,6 Prozent. Eine Übersicht nach Branchen.

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Öffentlicher Dienst:

Am Verhandlungstisch hat es Verdi-Chef Frank Bsirske nicht leicht: Mit Vertretern aus Sachsen-Anhalt und Bremen sitzen ihm ausgerechnet ein klammes Ost-Land und ein verarmter West-Stadtstaat gegenüber. Gewerkschaften und die Tarifgemeinschaft der Länder (TdL) verhandeln seit Januar für die 765.000 Tarifbeschäftigten von 15 der 16 Bundesländer – Hessen verhandelt getrennt. Für die Länder geht es um Milliarden. Verdi und vier weitere Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes streiten mit Handicap: Weil Bund und Kommunen für ihre Beschäftigten seit Jahren getrennt verhandeln, fehlen die bei den Kommunen beschäftigten Müllwerker und Busfahrer als Kampftruppen für Streiks.

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Im Mittelpunkt des Interesses stehen die Lehrer: Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) will eine bundesweit einheitliche Eingruppierung von Lehrkräften erreichen, Verdi und die anderen Gewerkschaften unterstützen dieses Ziel. 200.000 von 870.000 Lehrern bundesweit sind angestellt und dürfen streiken.

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Immerhin beschreiben Verhandlungsteilnehmer die Atmosphäre unter dem neuen Länder-Verhandlungsführer Jens Bullerjahn (SPD/Foto), Finanzminister von Sachsen-Anhalt, als sachlich und konstruktiv. Sein Vorgänger, der CDU-Politiker Hartmut Möllring, konnte auch mal poltern. In der Sache aber bleibt Bullerjahn hart. Ein Angebot der Arbeitgeber liegt noch nicht auf dem Tisch.

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Metall und Elektro:

Die wirtschaftlich bedeutendste Tarifrunde des Jahres startet im Mai in der Kernbranche der deutschen Wirtschaft: in der Metall- und Elektroindustrie mit ihren 3,7 Millionen Beschäftigten.

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IG-Metall-Chef Berthold Huber ließ zu Jahresanfang durchblicken, dass am Ende wohl weniger drin ist als im vergangenen Jahr, als die IG Metall mit 4,3 Prozent ein gutes Ergebnis herausholte. In dem Abschluss war aber ein Nachschlag für die gute Entwicklung im Jahr zuvor enthalten, erklärte Huber.

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Andererseits haut IG-Metall-Vize Detlef Wetzel jetzt den ersten Pflock ein: Die Gewerkschaft wolle ein Ergebnis oberhalb des Verteilungsspielraums von 3,0 bis 3,5 Prozent erreichen. Die Binnenkonjunktur müsse gestärkt werden, um die Wirtschaft zu stabilisieren, argumentiert Wetzel. Im Gegensatz zum vergangenen Jahr wird es diesmal in der Metall- und Elektroindustrie nur ums Geld gehen: Eine reine Entgeltrunde zeichnet sich ab. Ihre Forderung wird die Gewerkschaft Mitte März beschließen, sie dürfte um die sechs Prozent liegen. 2012 lag die Forderung bei 6,5 Prozent.

Verdi reagiert mit dem Streik auf das Angebot für die Mitarbeiter der DGB Rechtsschutz GmbH, einer Tochter des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Ihnen wurden in der zweiten Verhandlungsrunde im Januar 2013 lediglich eine Lohnsteigerung von 0,9 Prozent für zwölf Monate angeboten. Die GmbH unterhält bundesweit 111 Büros und 48 Service-Points. Sie ist zuständig für Gewerkschaftsmitglieder, die Rechtsschutz benötigen.

„Dieses Angebot ist völlig unzureichend – es für nicht weiter verhandelbar zu erklären, ist eine Provokation“, sagte Verdi-Verhandlungsführer Gerd Denzel. „Die Beschäftigten sind die Zeitspielerei leid und wollen endlich ein verhandlungsfähiges Angebot sehen.“ Verdi fordert 6,5 Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit des Tarifvertrages von zwölf Monaten.

Die Beschäftigten kritisieren besonders, dass Mitglieder des DGB sich in den Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst für 6,5 Prozent mehr Geld einsetzen, bei der DGB-Tochter aber nur 0,9 Prozent mehr zahlen wollten. Die Arbeitgeber bezeichneten die Forderung als unbegründet. Seit Anfang 2010 seien die Gehälter der Beschäftigten um 6,8 Prozent gestiegen.

Der FDP-Politiker Hans-Joachim Otto, Parlamentarischer Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, nutzte den Umgang des Gewerkschaftsbundes mit der eigenen Tochter zu einer Attacke via Twitter. „Wein trinken, Wasser predigen: #DGB will eigenen Mitarbeitern nur 0,9% Lohnerhöhung geben“, kommentierte Otto. Andere sehen es ähnlich:

  • dpa
  • ska
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14 Kommentare zu "Verdi greift DGB an : Gewerkschafter bestreiken Gewerkschaft"

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  • Streich im öff. Dienst. Betroffen sind ja auch Schulen, die durch die Politiker absichtlich "vernichtet" werden. PISA hat laufend schon festgestellt, das die deutschen Politiker die Bildung in Deutsxchland für Deutsche abschaffen! Es ist Schulpflicht in Deutschland. Bei Streeiks fällt also der Unterreicht aus. Warum werden die Politiker hier nicht wegen absichtlicher, vorsätzlicher Verletzung der Schulplicht angeklagt? Wo bleiben hier die Juristen? Für Straftäter sind sie da und für Kinder?

  • Die streikenden sind über Ver.di mittelbar im DGB. Soll er sie jetzt gegen sich selbst vertreten?

  • Die Leute machen den Fehler den DGB für ein Wohlfahrtsunternehmen zu halten. Das ist er aber nicht, sondern Vertritt NUR die zahlenden Mitglieder. Das ist vollkommen OK und natürlich ist bei Gewerkschaften auch Sand im Getriebe - genau wie bei anderen Betrieben auch. Daß sich Gewerkschaften als Sozialengel darstellen gehört zur Masche, genau wie Autoherstelle ihre Modelle blue oder grün- Irgendwas nennen und sich als Umweltschützer darstellen.

  • Hier tritt die Verlogenheit der Bosse deutlich zu Tage. Ich stelle mir gerade vor wie Herr Sommer medienwirksam herum gepoltert hätte wenn dieses Angebot aus der Industrie gekommen wäre.
    Die schlechtesten Arbeitgeber hierzulande sind Gewerkschaften (ihre Mitarbeiter dürfen wenigstens streiken)und Kirchen.

  • Gewerkschaftseigene Zeitarbeitsfirmen z.B. Weitblick bezahlen ihre Mitarbeiter unter Mindestlohn. Ich erlebe Gewerkschaft z.Z. nur als Lobbyisten in eigener Sache. Der IG-Metall-Boss Huber verdient(?) laut Spiegel 21.750 €/Monat Grundgehalt (!). Zum Vergleich unsere Bundeskaslerin bekommt ca. 15.000€. wo bleibt da die viegebrisene Lohngerechtigkei

  • Was Gewerkschafter mit dem Geld ihrer Mitglieder machen, kann man im schönsten Schloßhotel namens Les Tourelles in Ste. Maxime in Südfrankreich (bei St. Tropez) sehen; das gehört nämlich der deutschen Gewerkschaft GEW! Herr Sommer und Herr Bsirske werden wahrscheinlich öfter da residieren.

  • Dass wir starke Gewerkschaften brauchen, steht für mich mit Blick z.B. auf Goldman Sachs & Konsorten außer Frage.

    Dass Typen wie Bsirske autoritäre und weit überbezahlte Abzocker sind, leider auch! Diesen Pharisäern sei die folgende Geschichte (stammt nicht aus meiner Feder) vom Hund des Gewerkschafters gewidmet:


    Vier Männer unterhalten sich über die Klugheit ihrer Hunde:
    Der Erste Mann war Ingenieur und meinte, sein Hund könne gut zeichnen. Er sagte ihm, er solle Papier holen und ein Rechteck, einen Kreis und ein Dreieck zeichnen, was der Hund auch ohne Probleme schaffte.

    Der Buchhalter sagte, er glaube, sein Hund sei besser. Er befahl ihm, ein Dutzend Kekse zu holen und sie in Dreierhäufchen aufzuteilen. Das machte der Hund ohne Probleme.

    Der Chemiker fand das gut, meinte aber, sein Hund sei cleverer. Er sagte ihm, er solle einen Liter Milch holen und davon 275 ml in ein Halblitergefäß gießen. Der Hund schaffte das ohne Probleme und alle Männer stimmten darin überein, dass ihre Hunde gleich klug waren.

    Dann wandten sie sich an den Gewerkschafter und fragten, was sein Hund könne.

    Der Gewerkschafter rief seinen Hund und sagte ihm:
    "Zeig den Jungs mal was Du kannst!"
    Da fraß der Hund die Kekse, soff die Milch aus, schiss aufs Papier, bummste die anderen drei Hunde, behauptete, sich dabei eine Rückenverletzung zugezogen zu haben, reichte Beschwerde wegen gefährlicher Arbeitsbedingungen ein, ließ sich krank schreiben und lief nach Hause.

  • Das ist doch nichts neues, es wiederholt sich halt nur, wie seinerzeit bei,gewerkschaftseigenem, co-op!

  • Ich kann den Sommer ja gar nicht sehen, ....... der ist ja so pottenhäßlich!

  • Analog dazu: Steinbrück fordert die Einführung der Vermögenssteuer, denkt dabei aber sicher nicht an den Barwert seiner Pensionsansprüche. Ich gehe davon aus, dass der Barwert seiner Pensionen bei 6 Mio € liegt.

    Selbststänige müssen fürs Alter ansparen, unsere Politiker dürfen fürstliche Pensionen beziehen.

    Auch hier: Wasser predigen - Wein trinken.

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