Verdi-Umfrage Jeder zweite Azubi will mehr Geld – doch nur wenige fühlen sich ungerecht bezahlt

Führt eine höhere Ausbildungsvergütung zu mehr Lehrlingen? Viele Azubis wünschen sich zwar mehr Geld, doch andere Dinge sind ihnen noch wichtiger.
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Fachkräftemangel - so kreativ wird um Azubis gebuhlt

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Berlin Lehrjahre sind keine Herrenjahre, heißt es. Doch seit der deutschen Wirtschaft in manchen Branchen und Regionen die Azubis ausgehen, sind die Befindlichkeiten des Nachwuchses durchaus ein Thema. Dazu zählt einer Umfrage der Gewerkschaft Verdi zufolge auch das Geld. So wünscht sich die Hälfte aller Azubis mehr Ausbildungsvergütung – beziehungsweise eine Gewerkschaft, die dafür sorgt.

Das wirft ein Schlaglicht auf die Debatte, ob höhere Lehrlingsgehälter eventuell mehr junge Leute in eine duale Ausbildung locken würden – vor allem dort wo miserabel bezahlt wird. Im Koalitionsvertrag haben Union und SPD daher einen Mindestlohn für Auszubildende vereinbart. Den will die Regierung 2019 beschließen, ein Jahr später soll er in Kraft treten. Über die Höhe gibt es noch keine Angaben. Die Gewerkschaften fordern monatlich 635 Euro im ersten, 696 im zweiten und 768 im dritten Lehrjahr. Das wären 80 Prozent der durchschnittlichen tariflichen Vergütung.

Von den insgesamt rund 1,34 Millionen Azubis würden nach Angaben des DGB rund 160.000 Azubis profitieren, die heute weniger bekommen – deren Lehrherren müssten dann allerdings auch mehr zahlen.

Maler und Lackierer, Bäcker und Floristen hingegen verdienen im Schnitt weniger als 700 Euro, Schornsteinfeger nur 518. Nach den Zahlen des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) hatte sich der Anstieg der Azubi-Löhne zuletzt verlangsamt. Die Vergütung sei 2017 „auch in kaum einem Beruf mit besonders großem Nachfragedefizit stark angehoben“ worden. Das gelte vor allem für Gastronomie, Lebensmittelhandwerk und Reinigungsbetriebe. Im Schnitt gibt jeder vierte Lehrling vor der Prüfung auf – in Berufen wie Koch, Restaurantfachkraft oder Friseur, die zu denen mit niedrigen Löhnen zählen, sogar jeder Zweite.

Arbeitgeber und vor allem das Handwerk ärgert die Debatte – sie verweisen regelmäßig darauf dass die meisten Azubis sehr gut gestellt sind, ihre Eltern voll kindergeldberechtigt sind und Lehrherren in den ersten beiden Jahren oft draufzahlten. Zudem seien Betriebsklima und gute Ausbildung viel wichtiger als das Geld.

Letzteres bestätigt auch die Verdi-Umfrage: Mehr als die Hälfte der gut 500 befragten Azubis geben als entscheidenden Grund für die Wahl eines Ausbildungsplatzes an, der Beruf müsse Spaß machen und die Chance zur Selbstverwirklichung bieten – besonders wichtig ist dies den weiblichen Lehrlingen. Lediglich jeder Fünfte dagegen nennt Aufstiegs- und Karrierechancen als Kriterium und erst auf dem dritten Platz folgen mit 19 Prozent „gute Bezahlung und materielle Sicherheit“.

Ungerechtigkeit und mangelnde Fairness im Ausbildungsbetrieb beklagen ein Viertel der Lehrlinge. Daran sind aber nach der Verdi-Umfrage vor allem das Arbeitsklima und mangelnde Wertschätzung oder schlechte Betreuung durch die Vorgesetzten schuld. „Ungerechte Bezahlung“ monieren nur sieben Prozent – in Kleinbetreiben ist allerdings gut jeder zehnte Azubi.

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