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Verdienst-Studie In diesen Jobs sind bis 2025 die stärksten Einkommenszuwächse zu erwarten

Eine neue Studie zur Lohnentwicklung zeigt, welche Branchen abgehängt sind, wie sich die Geschlechterlücke entwickelt – und warum „Corona-Helden“ bei der Bezahlung schlecht abschneiden.
08.12.2020 - 11:51 Uhr Kommentieren
Am besten verdienen werden 2025 Beschäftigte im Finanzdienstleistungssektor mit durchschnittlich 54.000 Euro brutto, gefolgt vom Maschinenbau, der Fahrzeugindustrie und der Chemiebranche. Quelle: dpa
VW-Werk in Zwickau

Am besten verdienen werden 2025 Beschäftigte im Finanzdienstleistungssektor mit durchschnittlich 54.000 Euro brutto, gefolgt vom Maschinenbau, der Fahrzeugindustrie und der Chemiebranche.

(Foto: dpa)

Berlin Er ist männlich, arbeitet in der Auto- oder Chemieindustrie und lebt mit einer Partnerin ohne Kinder zusammen – diese Merkmale zeichnen den Gewinner im Rennen um die größten Einkommenszuwächse bis zum Jahr 2025 aus. Geringverdiener werden dagegen zur Mitte des Jahrzehnts noch weniger Geld zur Verfügung haben als heute. Sie gehören zusammen mit Alleinerziehenden zu den Verlierern.

Das sind die zentralen Ergebnisse einer Studie der Prognos AG, die für die Bertelsmann-Stiftung die Lohneinkommensentwicklung bis ins Jahr 2025 prognostiziert hat, ausgehend vom Jahr 2017. Die Forscher haben dafür nach Branchen die Produktivitätsentwicklung, die Verhandlungsmacht der Erwerbstätigen und andere makroökonomische Größen analysiert.

Zur Berechnung der Lohndynamik für verschiedene Einkommens- und Haushaltstypen griffen sie auf Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP), einer repräsentativen Längsschnittbefragung, zurück. Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Entwicklung der Einkommenszuwächse im Überblick.

Wo sind die größten Einkommenszuwächse zu erwarten?

Über alle Wirtschaftszweige hinweg wird der durchschnittliche jährliche Bruttoverdienst der Prognose zufolge von 30.500 Euro im Jahr 2017 auf 33.800 Euro im Jahr 2025 steigen. Das entspricht einer Steigerung von elf Prozent oder 1,3 Prozent pro Jahr.

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    Mit Wachstumsraten zwischen gut zwölf und knapp 14 Prozent schneiden international vernetzte Industriebranchen, die Informations- und Kommunikationsbranche oder unternehmensnahe Dienstleistungen überdurchschnittlich ab.

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    Am besten verdienen werden 2025 Beschäftigte im Finanzdienstleistungssektor mit durchschnittlich 54.000 Euro brutto, gefolgt vom Maschinenbau, der Fahrzeugindustrie und der Chemiebranche. Die höchsten Bruttolohnzuwächse sind im Untersuchungszeitraum mit 13,8 Prozent in der chemischen und pharmazeutischen Industrie zu erwarten.

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    Treiber für die gute Lohnentwicklung seien eine ausgeprägte Produktivitätsdynamik etwa in der Chemie- oder der Elektroindustrie und die internationale Wettbewerbsfähigkeit der betreffenden Branchen, heißt es in der Studie. Allerdings sehen Arbeitgeber diese angesichts steigender Lohnkosten zunehmend in Gefahr, etwa in der Metall- und Elektroindustrie, wo die IG Metall in der anstehenden Tarifrunde vier Prozent mehr Geld fordert.

    Diese Forderung sei in Anbetracht der aktuellen konjunkturellen Lage aus der Zeit gefallen und nicht begründbar, sagt der Hauptgeschäftsführer des Verbands der Bayerischen Metall- und Elektro-Industrie (vbm), Bertram Brossardt: „Vielmehr müssen wir die fatale Lohnkostenentwicklung der vergangenen Jahre stoppen, wenn nicht sogar umkehren. Wir haben eine Haltelinie erreicht, das muss allen klar sein.“

    Welche Branchen sind abgehängt?

    Branchen, die nicht im internationalen Wettbewerb stehen und durch geringe Produktivitätssteigerungen und oft geringe Tarifbindung gekennzeichnet sind, schneiden bei der Einkommensentwicklung schlecht ab. Im Gesundheits- und Sozialwesen werden die durchschnittlichen Bruttojahresverdienste im Jahr 2025 mit 29.400 Euro um 4400 Euro unter dem gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt liegen. Beim Einzelhandel beträgt die Differenz gar 10.200 Euro.

    Ausgerechnet die Beschäftigtengruppen, die in der Coronakrise als „Helden“ gefeiert wurden, haben also das Nachsehen. Schlusslicht bei den Bruttoverdiensten ist das Gastgewerbe mit prognostizierten 18.100 Euro im Jahr 2025. Die geringste Dynamik bei den Einkommen gibt es in der Landwirtschaft. Hier sollen die Bruttoverdienste im Untersuchungszeitraum nur um gut fünf Prozent zulegen.

    Welche Rolle spielt die Produktivitätsentwicklung?

    Das Wachstum der Arbeitsproduktivität in den arbeitsintensiven Branchen des Gesundheitswesens oder des Einzelhandels wird bis 2025 nur etwa halb so hoch ausfallen wie im verarbeitenden Gewerbe. Durch Produktivitätssteigerungen, etwa die stärkere Digitalisierung von Abläufen und Dokumentationen in der Pflege, ließe sich nach Einschätzung der Bertelsmann-Stiftung der Spielraum für Lohnerhöhungen erhöhen.

    Ganz so einfach ist es jedoch aus Sicht anderer Forscher nicht: „Alles, was die Pflegenden entlastet, ist sinnvoll“, sagt Malte Lübker, Referatsleiter für Tarif- und Einkommensanalysen am Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Aber darauf zu hoffen, dass die Löhne in der Pflege allein deshalb stiegen, weil die Produktivität zunehme, sei sicher der falsche Weg.

    „Es geht um eine gesellschaftliche Entscheidung, was uns menschenwürdige Pflege wert ist und wie viel wir dafür zu zahlen bereit sind“, sagt Lübker. Hier habe seit der letzten Bundestagswahl auf breiter Front ein politisches Umdenken eingesetzt.

    Es gehe hier um die schon länger geführte Debatte, dass Arbeit mit Menschen genauso viel wert sein müsse wie Arbeit mit Maschinen, sagt Hagen Lesch, Tarifexperte beim arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW): „Sie wird wieder auf die Agenda kommen, sobald nach der Coronakrise ein Verteilungsspielraum wieder da ist.“

    Wie ergeht es Geringverdienern?

    Ihnen drohen nach der Prognos-Analyse bis 2025 real – also nach Abzug der erwarteten Preissteigerung – sogar Einkommensverluste. „Die geringe Inflation frisst die noch geringeren Lohnzuwächse auf“, sagt Torben Stühmeier, Studienleiter bei der Bertelsmann-Stiftung.

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    So können die 40 Prozent der Beschäftigten mit den geringsten Bruttoverdiensten nur mit jährlichen Lohnsteigerungen von rund einem Prozent rechnen. Das verfügbare Einkommen, das beispielsweise auch die Haushaltsstruktur, progressive Einkommensteuertarife oder den Bezug von Transferleistungen berücksichtigt, geht bei den 40 Prozent der Beschäftigten mit den geringsten Bruttoverdiensten bis 2025 sogar um rund zwei Prozent zurück.

    Und was ist mit den Besserverdienern?

    Wer hat, dem wird gegeben – das gilt auch bei der prognostizierten Einkommensentwicklung. Das Fünftel der Beschäftigten mit den höchsten Bruttojahresverdiensten – 2017 durchschnittlich 58.900 Euro – kann mit die höchsten Zuwächse erwarten. Bis 2025 werden die Verdienste in dieser Gruppe demnach um 12,5 Prozent auf 66.200 Euro zulegen, während es im Durchschnitt über alle Beschäftigten nur elf Prozent sind.

    Leicht höher sind die Zuwächse nur in dem direkt darunterliegenden Fünftel, wo die Verdienste um 13 Prozent auf durchschnittlich 37.700 Euro steigen sollen. Allerdings arbeitet das Fünftel der Beschäftigten mit den geringsten Verdiensten durchschnittlich auch nur rund 20 Wochenstunden, während es beim Fünftel mit den höchsten Verdiensten rund 44 Wochenstunden sind.

    Und der Stundenlohn der Top-Verdiener lag 2017 zudem mit 29 Euro rund 21 Euro über dem Durchschnittslohn des Fünftels mit den geringsten Verdiensten.

    Wie entwickeln sich die Einkommen von Frauen und Männern?

    Die Verdienstlücke zwischen Männern und Frauen wird 2025 nicht geschlossen sein. Viele Frauen sind in arbeitsintensiven Branchen mit unterdurchschnittlicher Produktivität beschäftigt, beispielsweise in der Pflege oder im Erziehungswesen. Der Frauenanteil an den Teilzeitbeschäftigten in Deutschland liegt bei 84 Prozent.

    Entsprechend erreichte der Bruttoverdienst von Frauen 2017 nur gut 60 Prozent des Bruttolohneinkommens von Männern – und daran wird sich bis 2025 laut Bertelsmann-Stiftung auch wenig ändern. Für weibliche Beschäftigte prognostiziert Prognos für 2025 einen durchschnittlichen Bruttoverdienst von 25.600 Euro, bei Männern sind es 41.700 Euro.

    Die Anerkennung in der Coronakrise schlägt sich bisher nicht dauerhaft im Portemonnaie nieder. Quelle: dpa
    Kassiererin im Supermarkt

    Die Anerkennung in der Coronakrise schlägt sich bisher nicht dauerhaft im Portemonnaie nieder.

    (Foto: dpa)

    Vor allem Alleinerziehende sind von einer geringen Lohndynamik betroffen; ihr verfügbares Einkommen wird nach der Studie bis 2025 real um 0,1 Prozent im Jahresdurchschnitt sinken.

    Damit Alleinerziehende nicht in Teilzeitjobs hängen bleiben, empfiehlt die Bertelsmann-Stiftung einen Ausbau von Ganztagsschulen und Kitas und flexible Weiterbildungsmöglichkeiten. Das helfe dann auch, dem Fachkräftemangel im Gesundheitswesen zu begegnen, wo allein ein Fünftel der Alleinerziehenden arbeite.

    Schaut man sich die Haushalte an, sind kinderlose Paare die größten Gewinner bei der Entwicklung des verfügbaren Einkommens bis 2025. Es wird von 29.500 Euro je Partner im Jahr 2017 auf 30.200 Euro steigen. Dagegen wird das verfügbare Einkommen von Alleinerziehenden sinken und mit 20.000 Euro rund 100 Euro geringer ausfallen als 2017.

    Welche Auswirkungen hat die Corona-Pandemie?

    Die Coronakrise hat die Debatte über die Bezahlung in den sogenannten systemrelevanten Berufen neu angeheizt. Einzelne Unternehmen und Tarifparteien haben reagiert und den Beschäftigten Corona-Prämien versprochen oder schon ausbezahlt.

    IW-Tarifexperte Lesch weist aber darauf hin, dass es hier in den allermeisten Fällen um Einmalzahlungen geht, die an der Entlohnung insgesamt wenig ändern. „Es lässt sich voraussagen, dass das Coronavirus bestehende Ungleichgewichte eher noch verschärfen dürfte“, sagt Bertelsmann-Studienleiter Stühmeier.

    Denn die Pandemie treffe vor allem das Gastgewerbe und viele private Dienstleistungen, in denen überdurchschnittlich viele Frauen und Alleinerziehende arbeiteten. „Die Branchen bezahlen im Vergleich niedrige Löhne, und angesichts der wirtschaftlichen Situation dürfte in den nächsten Jahren wenig Luft für deutliche Lohnsteigerungen vorhanden sein.“

    Hoffnung können sich nach Ansicht von Markus M. Grabka, der beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) zur Einkommens- und Vermögensverteilung forscht, allenfalls die „Corona-Helden“ im Gesundheitswesen machen: „In Pflegeberufen dürfte die Verhandlungsmacht der Arbeitnehmer durch den Fachkräftemangel eher zunehmen“, sagt Grabka. „Beim Einzelhandel sehe ich das eher nicht.“

    WSI-Forscher Lübker hat mit seiner Kollegin Aline Zucco die Entlohnung in den sogenannten systemrelevanten Berufen analysiert und dabei eine „strukturelle Unterbezahlung“ im Einzelhandel, in der Ernährungsindustrie, in der Logistik sowie in der Pflege und der sozialen Betreuung festgestellt. Selbst wenn man Faktoren wie das unterschiedliche Qualifikationsniveau herausrechne, sei die Bezahlung dort nicht angemessen.

    Als Königsweg, um dies zu ändern, sieht Lübker Tarifverträge: „Im Einzelhandel hatten wir bis zum Jahr 2000 allgemeinverbindliche Tarifverträge und damit gleiche Löhne und Wettbewerbsbedingungen für alle. Heute erleben wir einen sehr starken Preiswettbewerb, der teilweise auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen wird.“

    Mehr: Die Niedriglohnstrategie macht aus Deutschland eine Dienstleistungswüste. Ein Gastbeitrag.

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