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Verflüssigtes Erdgas Rückschlag für geplante LNG-Terminals – Investoren sollen Anschluss selbst zahlen

Die Bundesnetzagentur will die erforderlichen Anschlussleitungen nicht in den Netzentwicklungsplan aufnehmen. Der Bau von Terminals wird so erheblich belastet.
2 Kommentare
Ein Transportschiff für verflüssigtes Erdgas (LNG) dockt in Cameron Parish im US-Bundesstaat Louisiana an. Quelle: AP
Förderung von LNG

Ein Transportschiff für verflüssigtes Erdgas (LNG) dockt in Cameron Parish im US-Bundesstaat Louisiana an.

(Foto: AP)

Berlin Im Gegensatz zu Ländern wie Belgien, den Niederlanden oder Frankreich verfügt Deutschland über kein eigenes Terminal, um verflüssigtes Erdgas (liquefied natural gas, kurz LNG) zu importieren. Das soll sich ändern. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hat in den vergangenen Monaten mehrfach betont, dass er den Aufbau einer LNG-Infrastruktur befürwortet.

Die Frage hat politische Bedeutung. Insbesondere die USA drängen Deutschland dazu, sich für LNG zu öffnen. Die US-Gasindustrie will ihr LNG möglichst in ganz Europa verkaufen.

Investoren stehen parat, gleich mehrere Standorte kommen in Betracht: Wilhelmshaven, Rostock, Stade und Brunsbüttel. Insbesondere Brunsbüttel in Schleswig-Holstein hat aus heutiger Sicht gute Chancen.

Eine endgültige Investitionsentscheidung für das Projekt in Brunsbüttel ist für 2019 vorgesehen. Der Bau könnte dann 2020 beginnen und das Terminal 2022 in Betrieb gehen. Gesellschafter der German LNG Terminal GmbH sind die niederländischen Konzerne Gasunie und Vopak sowie das Hamburger Unternehmen Marquard und Bahls.

Doch nun will die Bundesnetzagentur nach eigenen Angaben am 20. Dezember entscheiden, die Anbindung des Standortes Brunsbüttel aus dem „Netzentwicklungsplan Gas 2018 bis 2028“ herauszunehmen. Die Errichtung der Leitung falle „nicht in den Pflichtenkreis der Fernleitungsnetzbetreiber, sondern in den der Terminal GmbH“, sagte ein Sprecher der Bundesnetzagentur.

Diese Festlegung hat für den potenziellen Terminal-Betreiber gravierende Folgen: Im Kern geht es um die Frage, ob der jeweilige Betreiber die Kosten für den Anschluss ans Fernleitungsnetz selbst bezahlen muss, oder ob die Kosten für Bau und Betrieb des Anschlusses über die Netzentgelte von den Nutzern des Gasnetzes beglichen werden.

Der Unterschied für die Wirtschaftlichkeit der Projekte ist erheblich. Würde die Anbindungsleitung in den Netzentwicklungsplan aufgenommen, würden die Kosten auf die Netznutzer umgelegt.

Bei der Netzagentur heißt es, die geplante Entscheidung gelte „generell für Anbindungsleitungen, Anschlussnehmer und künftige Netzentwicklungspläne“. Die Projekte Stade, Rostock und Wilhelmshaven seien im Netzentwicklungsplan 2018 bis 2028 nicht berücksichtigt, weil sie noch nicht den entsprechenden Status hätten. „Aber grundsätzlich gilt die Regelung für alle Anschlussleitungen, egal ob LNG-Terminal, Kraftwerk oder Speicher“, ergänzte ein Sprecher.

Die Landesregierung von Schleswig-Holstein, die das Projekt in Brunsbüttel unterstützt, sieht die bevorstehende Entscheidung der Bundesnetzagentur kritisch. Man halte die Argumentation der Behörde nicht für überzeugend, sagte Landeswirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP). Es handele sich nicht um eine Anbindungsleitung, sondern um eine Verbindungsleitung.

„Die Interpretation der Bundesnetzagentur würde eine Diskriminierung von LNG gegenüber Pipelinegas bedeuten, denn die Leitungen, die zu Anlandungsorten von Pipelinegas führen, sind unstreitig Teil des Fernleitungsnetzes“, sagte Buchholz. Eine derartige Ungleichbehandlung würde den Wettbewerb zwischen LNG und Pipelinegas erheblich verzerren, kritisierte der Minister.

Die German LNG Terminal GmbH hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Man sei davon überzeugt, dass es noch zu einer positiven Lösung komme, sagte eine Sprecherin.

Pipelinegas ist im Vergleich zu LNG günstiger

Ein deutsches LNG-Terminal stellte eine grundsätzliche Weichenstellung für die deutsche Gasversorgung dar. Bislang bezieht Deutschland auf direktem Weg ausschließlich Pipelinegas. Lediglich über den Umweg über LNG-Terminals in den Nachbarländern kann LNG derzeit nach Deutschland gelangen. Pipelinegas ist im Vergleich zu LNG, das mit großem Aufwand verflüssigt werden muss, günstiger.

Allerdings ist der Gasmarkt in Bewegung. Nach Prognose vieler Fachleute wird die weltweite Nachfrage in den kommenden Jahren steigen. In Deutschland dürfte insbesondere der geplante Ausstieg aus der Kohleverstromung den Gasbedarf anziehen lassen, weil vermehrt Gaskraftwerke zum Einsatz kommen.

Hinzu kommt, dass insbesondere die maritime Wirtschaft auf LNG angewiesen sein wird, weil sich neue Schadstoffobergrenzen für Schiffe am leichtesten erreichen lassen, indem man Schiffsdiesel durch LNG ersetzt. Allein dieser Anwendungsbereich könnte ein LNG-Terminal in Deutschland erforderlich machen.

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2 Kommentare zu "Verflüssigtes Erdgas: Rückschlag für geplante LNG-Terminals – Investoren sollen Anschluss selbst zahlen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • @Herr Hans Schönenberg:
    Es macht keinen Sinn extrem hohe Investitionen für einen LNG Anschluss auszugeben, wenn man amerikanisches, TEURES, FRACKING Gas importieren will. Das widerspricht einem klugen Finanzgebaren wie auch unserer ökologischen Grundhaltung.
    Prinzipiell befürworte ich Infrastruktur Maßnahmen - vielleicht wird ja eines Tages LNG aus günstigen, ökologisch sinnvollen Quellen bezogen. Und dann ist es gut, wenn wir so ein Terminal haben.

  • Ganz einfach: die (Bundesnetzagentur?) wollen das nicht. Jede Alternative zu Erdgas aus Russland ist zu unterstützen. Da sabotiert jemand

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