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Verkaufsoffene Sonntage Kaufen statt Kirchgang?

Da Heiligabend dieses Jahr auf einen Sonntag fällt, ist die Debatte über Arbeiten am Wochenende neu entbrannt. Etwa jeder vierte Beschäftigte ist zumindest gelegentlich betroffen. Werden es bald noch mehr sein?
24.12.2017 - 08:06 Uhr Kommentieren
Nicht alle Bundesländer erlaubten in diesem Jahr die Ladenöffnung an Heiligabend. Quelle: dpa

Nicht alle Bundesländer erlaubten in diesem Jahr die Ladenöffnung an Heiligabend.

(Foto: dpa)

Berlin Eine bessere Steilvorlage hätte es kaum geben können: Dass Heiligabend dieses Jahr auf einen Sonntag fällt, nutzte die „Allianz für den freien Sonntag“, um für ihr Anliegen zu trommeln: „Heiligabend Geschäfte schließen!“, forderte das Bündnis, in dem sich die Gewerkschaft Verdi und kirchliche Arbeitnehmerorganisationen zusammengetan haben. Damit könne man ein Signal setzen, „dass der Kommerz an einem der wichtigsten Feiertage in unserem Land wenigstens für einige Stunden in den Hintergrund tritt zugunsten der Beschäftigten und ihrer Familien“, sagte das für den Handel zuständige Verdi-Vorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger.

Aus Sicht der Gewerkschaft ist der Einzelhandel derzeit die vorderste Front zur Verteidigung des arbeitsfreien Sonntags. So hat etwa die schwarz-gelbe Landesregierung in Nordrhein-Westfalen beschlossen, die Zahl der verkaufsoffenen Sonntage von vier auf acht pro Jahr zu verdoppeln. Auch die Koalition aus CDU, Grünen und FDP in Schleswig-Holstein hat sich darauf geeinigt, „die Frage der weiteren Flexibilisierung der Sonntagsöffnungszeiten“ zu erörtern. Ziel ist, den stationären Handel besser gegen die Online-Wettbewerber zu wappnen und zu einer Belebung der Innenstädte beizutragen. Doch Verdi gibt Contra: „Mit dem gleichen Argument kann man auch die Öffnung aller Flughäfen rund um die Uhr zur Belebung des Luftverkehrs, die Sonntagszustellung von Paketen zur Belebung des Onlinehandels oder die Sonntagsöffnung von Kfz-Werkstätten zur Belebung der Ersatzteilindustrie per Gesetz vorschreiben“, heißt es bei der Gewerkschaft.

Dennoch kann man die Frage stellen, ob der vom Grundgesetz geschützte arbeitsfreie Sonntag heute noch zeitgemäß ist. Zumal die Zahl der gläubigen Christen, die ihn zum Kirchgang nutzen könnten, ja seit Jahrzehnten rückläufig ist. Und warum sollte in einer Welt der Just-in-time-Produktion und der Rund-um-die-Uhr-Vernetzung das Gros der Beschäftigten kollektiv am gleichen Tag pausieren?     

Tatsächlich haben längst deutlich weniger Beschäftigte ein freies Wochenende als noch vor einigen Jahren. Arbeiteten 1996 elf Prozent der Erwerbstätigen regelmäßig an Sonn- und Feiertagen, waren es 2016 nach Daten des Statistischen Bundesamtes bereits 15 Prozent. Seit 2011 ist die Quote allerdings konstant. Außerdem sind hier auch Selbstständige erfasst. Von den Arbeitnehmern arbeiteten zuletzt 14 Prozent regelmäßig auch sonntags, das sind knapp fünf Millionen Beschäftigte. Zählt man auch die gelegentlichen Sonntagsarbeiter hinzu, wächst die Gesamtzahl der Betroffenen auf knapp 9,3 Millionen. Das ist etwa jeder vierte Arbeitnehmer.

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    Ganz vorn mit dabei ist das Hotel- und Gaststättengewerbe, wo jeder zweite Beschäftigte auch dann ran muss, wenn die meisten anderen frei haben. Ähnlich hohe Quoten gibt es bei Wach- und Sicherheitsdiensten, in Spielhallen und Wettbüros oder in Alten- und Pflegeheimen. Im Sozial- und Gesundheitswesen, bei der Bahn, im öffentlichen Nahverkehr oder im Straßentransport arbeiten immerhin noch rund drei von zehn Arbeitnehmern regelmäßig auch an Sonntagen.

    Wer das Privileg der Sonntagsruhe auch für andere Beschäftigtengruppen schleifen will, muss das Grundgesetz ändern. Denn in Artikel 140 heißt es: „Der Sonntag und die staatlich anerkannten Feiertage bleiben als Tage der Arbeitsruhe und der seelischen Erbauung gesetzlich geschützt.“ Es geht also nicht allein um den Kirchgang, sondern auch um Erholung von der Arbeit. Allerdings lässt das Arbeitszeitgesetz Ausnahmen zu. In naheliegenden Bereichen wie bei Polizei und Rettungsdienten, in Krankenhäusern und Pflegeheimen oder dem öffentlichen Nahverkehr, aber auch in der Gastronomie oder Bäckereien.  Arbeitnehmer müssen qua Gesetz aber mindestens 15 Sonntage im Jahr frei haben.

    Es ist vor allem der klassische Handel, der nun auf großzügigere Ausnahmen drängt. Flexiblere Ladenöffnungszeiten auch am Wochenende seien nötig, um gegenüber der Konkurrenz im Internet nicht noch weiter ins Hintertreffen zu geraten. Händler, die ihre Waren sowohl im Geschäft als auch online verkauften, hätten für das zu Ende gehende Jahr deutlich höhere Umsatzerwartungen als rein stationäre Betriebe, sagt der Präsident des Handelsverbands Deutschland (HDE), Josef Sanktjohanser. Es sei deshalb zu erwarten, dass sie dieses Vertriebskonzept noch ausbauten und die Kundenfrequenzen in der Innenstadt  weiter abnähmen. „Es liegt also im ureigensten Interesse der Kommunen, Shoppingsonntage weiter zu ermöglichen“, betont Sanktjohanser. „Durch Verbote droht sonst eine wichtige Lebensader der Innenstadt zu versiegen.“

    Das Grundgesetz will niemand ändern
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