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Verkehrsminister

Verkehrsminister Andreas Scheuer: „Bei der Nachrüstung von Diesel-Pkw müssen wir noch einmal nachverhandeln.“

(Foto: dpa)

Verkehrsminister beim Autoverband Eine Dieselnachrüstung rückt näher

Porsche-Chef Blume und Verkehrsminister Scheuer wollen über die „Mobilität der Zukunft“ sprechen. Doch die Dieselvergangenheit holt sie schnell ein.
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BerlinAndreas Scheuer lässt seine Gastgeber beim Verband der Automobilindustrie noch ein wenig warten. Der Verkehrsminister von der CSU will draußen auf dem Flur noch ein Interview geben. Auch im Gebäude des mächtigen Industrieverbandes gilt so etwas wie der Primat der Politik. Porsche-Chef Oliver Blume, mit dem der Minister an diesem Abend in Berlin eine Diskussionsrunde über die „Mobilität der Zukunft“ bestreitet, muss sich eben gedulden. Die Politik geht vor.

Erst recht in diesen schwierigen Zeiten, in denen das Thema der Dieselfahrverbote noch immer nicht vom Tisch ist. Ganz zu schweigen von den Hardware-Nachrüstungen für ältere Dieselfahrzeuge, die einflussreiche Teile des politischen Berlin weiterhin verlangen und gegen die sich die deutschen Automobilhersteller immer noch sträuben.

Entsprechend emotional beginnt der Minister seinen Vortrag. Die „Mobilität der Zukunft“ bleibt außen vor, Scheuer beschäftigt sich mit den zurückliegenden Dieseljahren. „Ich ärgere mich echt“, schimpft der CSU-Politiker, „ich kann nicht vergessen, was in der Vergangenheit war.“

Porsche-Chef Blume muss sich stellvertretend einen Schuldvorwurf für die ganze deutsche Automobilindustrie anhören. „Ihr habt einen riesigen Nachholbedarf, um Vertrauen und Image zurückzugewinnen“, meint der Minister. Deutschland sei einmal stolz auf seine Ingenieurskunst und seine Autoentwickler gewesen. Aber: Wenn die Branche zu ihren alten Tugenden zurückkomme, finde sie auch einen Weg in die „Mobilität der Zukunft“.

Dazu dürfte nach den Worten des Ministers auch eine gewisse Opferbereitschaft der Automobilindustrie gehören. „Bei der Nachrüstung von Diesel-Pkw müssen wir noch einmal nachverhandeln“, lautet die unmissverständliche Ankündigung des Ministers. Bislang sind die deutschen Automobilhersteller nur dazu bereit, den Austausch älterer Dieselfahrzeuge mit neuen Umweltprämien voranzubringen. Gegen die technisch umstrittene Hardware-Nachrüstung sträubt sich die Branche vehement.

Auch Andreas Scheuer gilt eigentlich als Verfechter der Umweltprämie. Doch beim VDA-Treffen mit Oliver Blume deutet der Verkehrsminister an, dass auf ihm inzwischen ein gewisser Druck laste. Von Teilen der Großen Koalition gebe es den Wunsch, dass sich die Automobilindustrie an einer Hardware-Umrüstung beteiligen müsse. Nach den für CDU und CSU wenig erfreulichen Landtagswahlen in Hessen und Bayern gibt Scheuer dem Druck zur Einführung der Hardware-Nachrüstung möglicherweise erst recht nach.

Am Donnerstag könnte eine wichtige Vorentscheidung in Sachen Nachrüstung fallen. Dann steht in Berlin nämlich ein weiteres Spitzentreffen des Verkehrsministers mit den drei Vorstandsvorsitzenden der deutschen Automobilhersteller Volkswagen, Daimler und BMW auf dem Programm. Mit dabei ist auch Bernhard Mattes, der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA). Wie genau eine Lösung aussehen könnte, ist weiterhin unklar. Um Zugeständnisse in Sachen Nachrüstung dürfte die deutsche Industrie allerdings nicht mehr herumkommen.

Stuttgarter Staatsanwaltschaft ermittelt auch gegen Porsche

Porsche-Chef Blume ist unter diesen Umständen nichts anderes übriggeblieben, als sich zur Schuld in der Dieselfrage zu bekennen. „Wir stehen in der Verantwortung, diese Sache in Ordnung zu bringen“, verspricht der Vorstandschef der Stuttgarter Volkswagen-Tochter. Der Sportwagenhersteller hat zwar selbst keine Dieselmotoren entwickelt.

Porsche war aber Kunde von Audi, wo die Dieselmanipulationen innerhalb des Volkswagen-Konzerns ihren Anfang genommen hatten. Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft ermittelt deshalb auch gegen Porsche.

Vor wenigen Wochen hatte die VW-Tochter angekündigt, von sofort an komplett auf den Dieselantrieb verzichten zu wollen. „Dies ist nicht aus Verdruss beschlossen worden“, sagt Oliver Blume an diesem Abend in Berlin. Es sei vielmehr eine strategische und unternehmerische Entscheidung gewesen. Bei Porsche habe der Diesel nie eine große Bedeutung besessen, die Zukunft sehe die Stuttgarter VW-Tochter vielmehr beim Elektroantrieb. Damit ist auf dem VDA-Treffen dann doch plötzlich von der „Mobilität der Zukunft“ die Rede. Zu sehr hat an diesem Abend zunächst die Dieselvergangenheit im Zentrum der Diskussion gestanden.

Trotz aller Kritik wegen der Affäre gibt sich Porsche-Chef Blume optimistisch. Die Automobilindustrie stehe zwar vor den größten Veränderungen der vergangenen 50 Jahre. „Doch man muss den nötigen Mut haben und anpacken“, erklärt der Vorstandschef. Bei Porsche gebe es diese nötige Zuversicht. Die Elektromobilität sei eindeutig der Antrieb der Zukunft und deshalb „alternativlos“. Bis zum Jahr 2025 seien 50 Prozent aller Porsche-Fahrzeuge mindestens als Plug-in-Hybrid erhältlich oder gleich komplett mit einem Batterieantrieb ausgestattet.

Blume lässt sogar durchblicken, dass die Elektrifizierung auch das absolute Firmenheiligtum erreichen könnte: den 911er. Den Sportwagen gibt es seit Jahrzehnten immer nur mit dem klassischen Benzinmotor. Niemand hätte es in Stuttgart beispielsweise gewagt, beim 911er an einen Dieselantrieb zu denken. Teilweise elektrisch würde jetzt aber möglich sein. „Den 911er werden wir solange wie möglich mit Verbrenner anbieten, vielleicht einmal als Hybrid“, kündigt der Porsche-Chef an.

„Unser Wohlstand hängt ab von dieser Leitindustrie“

In einem Punkt sind sich der Minister und der Autochef an diesem Abend einig. Auch Andreas Scheuer ist davon überzeugt, dass die deutsche Automobilindustrie den bevorstehenden Wandel mit Elektrifizierung und Digitalisierung bestehen kann. Wahrscheinlich auch deshalb, weil Deutschland auf seine Autohersteller nicht verzichten kann.

„Unser Wohlstand hängt ab von dieser Leitindustrie“, fasst der Minister zusammen. Zu sehr sei in den zurückliegenden Wochen „masochistisch“ darüber gesprochen worden, wie sich Mobilität noch stärker einschränken lasse.

Oliver Blume und Andreas Scheuer dürften gemeinsam hoffen, dass die Dieseldiskussionen wirklich bald vorüber sind, etwa durch eine schnelle Einigung bei der Hardware-Nachrüstung. Und dann wird bei einem der nächsten VDA-Treffen vielleicht wirklich nur noch über die „Mobilität der Zukunft“ gesprochen und nicht zu großen Teilen über die Dieselvergangenheit.

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