Verkehrte Welt in Berlin Gabriel ruft Gewerkschaften zum Maßhalten auf

Ausgerechnet ein SPD-Bundeswirtschaftsminister fordert die Gewerkschaften in der aktuellen Tarifrunde auf, keine überzogenen Lohnforderungen zu stellen: Laut Gabriel müssten Produktivität und Lohnhöhe „korrespondieren“.
Update: 12.02.2014 - 06:52 Uhr 68 Kommentare

„Was die Gewerkschaften fordern ist maßlos überzogen“

BerlinDie Bundesregierung ruft die Gewerkschaften in der aktuellen Tarifrunde zum Maßhalten auf. Zwar müsse sich „gute Arbeit lohnen und existenzsichernd“ sein. Doch „andererseits müssen Produktivität und Lohnhöhe korrespondieren, damit sozialversicherungspflichtige Beschäftigung erhalten bleibt“, heißt es im Jahreswirtschaftsbericht 2014, den Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) heute offiziell vorstellt und der dem Handelsblatt (Mittwochausgabe) bereits vollständig vorliegt.

Nur einen Tag nachdem die Gewerkschaft Verdi für den öffentlichen Dienst eine „deutliche Reallohnsteigerung“ von mehr als 3,5 Prozent gefordert hat, spricht sich Gabriel in dem Bericht damit gegen überzogene Lohnforderungen aus. Eine Position, die die im Jahr 2014 anstehenden Tarifverhandlungen für mehr als elf Millionen Beschäftigte verschärfen könnte.

Schließlich fordert die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi für die Druckindustrie und die Deutsche Telekom 5,5 Prozent mehr Lohn. Ein Plus, das auch die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE) für ihre Angestellten durchsetzen will. Bei einer erwarteten Inflation von 1,5 Prozent würden Abschlüsse in dieser Höhe einen deutlichen Reallohnzuwachs bedeuten.

Im Jahreswirtschaftsbericht mit dem Titel „Soziale Marktwirtschaft heute – Impulse für Wachstum und Zusammenhalt“ setzt Gabriel dagegen andere Akzente: Ihm geht es statt um höhere Löhne vor allem um eine Belebung des Arbeitsmarkts.

„Die Bundesregierung wird die Ausgestaltung des Mindestlohns so vornehmen, dass möglichst keine Arbeitsplätze verlorengehen“, heißt es in dem Bericht. Zudem plant der SPD-Chef, das Instrument der Leiharbeit zu optimieren und den Missbrauch von Werkverträgen zu verhindern. Das bedeutet: Die Wirtschaft muss nicht fürchten, dass sie die von Gewerkschaften und Teilen der SPD gescholtenen Instrumente komplett verliert.

Gabriels neue Bescheidenheit findet sich auch in den Prognosen für das Lohnniveau wieder. Die Effektivlöhne in Deutschland insgesamt werden demnach 2014 um rund 2,7 Prozent steigen.

Mehr zum Thema gibt es zum Download im Kaufhaus der Weltwirtschaft.

  • sig
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68 Kommentare zu "Verkehrte Welt in Berlin: Gabriel ruft Gewerkschaften zum Maßhalten auf"

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  • Ich würde vorschlagen, die GroKo auf Diät zu setzen!

    Die Führungsspitze ist zu fettleibig!!!

  • Was mir nicht klar ist: Warum sollen die Arbeitnehmer Maßhalten, wenn sich die Abgeordneten des Bundestages (DIE LINKE ist übrigens dagegen) eine Diätenerhöhung von 10% genehmigen will? Das ist doch inkonsequent, aber was soll man schon von einer CDU/SPD-Regierung anderes erwarten.

  • @Silvercoin

    Richtig. Da kann die große Mehrheit nicht meckern! Wer diese Leute gewählt hat (und sie wieder wählen wird), muß mit dieser Regierung eben "leben."

    Wer sich als SPD-Minister derart "maßvoll" zu den Gewerkschaften äußert, müßte eine saftige Wahlquittung kassieren.

    Wie dumm oder wie klug ist der deutsche Arbeiter?

  • So, wo ist hier die Werbung?:

    Na klar. Der Herr Soziologe empfiehlt Lohnzurückhaltung.

    Wir sind Exportüberschussweltmeister. 2013 haben wir einen Überschuss von 200 Mrd. € eingefahren. Was bedeutet, dass wir pro Jahr derzeit mehr als 7% unseres Wohlstandes verschenken, bzw. gegen Kredit vergeben.

    Seit der €-Einführung haben wir so 1,6 Bio. € Exportüberschüsse angehäuft, und entsprechend 1,8 Bio. € Kapital exportiert. Und wer hat die 1,8 Bio. € Kapital exportiert? Etwa die, die durch ihre Arbeit zu Dumpinglöhnen die Überschüsse ermöglicht haben? Wohl kaum.

    „Doch andererseits müssen Produktivität und Lohnhöhe korrespondieren“ ????

    Wann haben die das denn in den letzten 10 Jahren getan? Die Produktivitätszuwächse wurden doch komplett einbehalten. Folge: Lohndumping -> Exportüberschüsse (Näheres hier: http://www.fspiecker.de/Home/literatur-1/Kein%20Licht-ohne%20Bild.pdf?attredirects=0)

    Das ging natürlich nur im €. Zu DM-Zeiten hätte die massiv aufgewertet. Wie z.B. von 1960 bis 1996 um ca. 312% ggü. dem $.

    Welcher Industrie-Lobbyist hat denn das Papier verfasst?

  • @curiosus
    Hallo, ich sehe es gerade: Der Beitrag zu den Exportüberschüssen ist weg!
    Das ist allerdings unerhört!!
    Das war ein sachlicher und fundierter Beitrag!!
    Gut, dann stelle ich einen Link ein, der den tatsächlichen Sachverhalt anschaulich und beeindruckend klar darstellt:

    http://www.querschuesse.de/deutschland-debatte/

    LG Traumschau

  • @Traumschau

    Zitat: „Ansonsten empfehle ich den Beitrag von "curiosus" weiter oben, dem ich vollends zustimme!
    LG Traumschau“

    Tja, Pech gehabt. Der Beitrag stand dort seit dem 11.2.14 21:25 Uhr. Heute um 13:00 Uhr stand er wohl auch noch dort. Jetzt steht da:

    „Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette“

    Hallo Netiquette:

    Wofür habe ich mit meinem Beitrag denn angeblich geworben???


    Die Begründung ist ja wohl an den Haaren herbeigezogen

  • Die Politiker predigen trinkt Wasser und trinken selbst Wein. Die Diäten sollten nur durch einen Volksentscheid erhöht werden können. Ich finde es unverschämt wenn sich die Politiker am Volksvermögen bereichern.

  • Ha Ha Ha... Das ich nicht lache! Zu uns sagen wir sollen langsam tun mit den Löhnen und selber sich die Diäten 2014 & 2015 um jeweils knapp über 400 € erhöhen!!! Ich hoffe das alle bald die Augen öffnen und wegen solchen Geschichten auf die Strasse gehen Ala Ukraine... Da wünsche ich mir manchmal wieder eine Frau Meinhof und einen Herr Bader her um die Herren aus Politik und Wirtschaft in Schach zu halten... Reden bringt ja nix, machen eh was sie wollen...

  • Wer sich selbst so dreist die Diäte erhöht, oll aber mal ganz schön seinen Mund halten.

  • Das hört sich ja so an als wären unsere sog. Volksvertreter in Berlin in irgendeiner Weise "produktiv".

    Ich kann nur Korruption erkennen. Ständig wird gegen den Willen der Bevölkerung Politik gemacht!

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