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Vernichtung von Retouren „Wir erleben eine Perversion der Wegwerfgesellschaft“

Geht es nach den Grünen, dann sollen Versandhändler retournierte Waren nicht mehr vernichten dürfen. Fraktionschefin Göring-Eckardt stellt einen Drei-Punkte-Plan vor.
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Nach Erkenntnis der Forscher landen rund vier Prozent der zurückgeschickten Artikel im Müll. Quelle: dpa
Amazon-Logistikzentrum

Nach Erkenntnis der Forscher landen rund vier Prozent der zurückgeschickten Artikel im Müll.

(Foto: dpa)

BerlinDie Grünen wollen Online-Versandhändlern wie Amazon verbieten, neuwertige Waren zu vernichten, die von ihren Kunden zurückgeschickt werden. „Wir erleben eine Perversion der Wegwerfgesellschaft“, sagte Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt den Zeitungen der „Funke Mediengruppe“. „Da ist der Staat gefordert.“

Göring-Eckardt stellte einen Drei-Punkte-Plan vor: „Erstens: Dem Onlinehandel wird verboten, neuwertige Produkte, die zurückkommen, zu vernichten.“ Zweitens sollten zurückgeschickte Produkte, die nicht mehr in den Verkauf können, verschenkt werden – etwa über Sozialkaufhäuser. Drittens müssten die Rohstoffe zurück in den Wertstoffkreislauf.

Auch Unionsfraktionsvize Georg Nüßlein sieht Handlungsbedarf. „Wir müssen mit dem Handel reden, wie er mit Retouren umgeht, die nicht einmal das Umpacken wert sind“, sagte der CSU-Politiker dem Handelsblatt. Von Göring-Eckardts Vorschlag hält er aber wenig. Stattdessen regt er einen „Garantiewettbewerb“ an, bei dem die Verbraucher neben dem Preis einen weiteren Qualitätsindikator bekämen.

„Der Gesetzgeber verpflichtet alle, die gewerblich neue Produkte in den Markt bringen, einen Zeitrahmen zu nennen, in dem er für die Produktqualität garantiert“, sagte er. „Die Verbraucher können dann anhand der Garantiedauer sehen, ob das Produkt schnell auf dem Müll landen würde. Anstatt einer Verbotspolitik müssen wir dazu kommen, dass sich jeder über sein Konsumverhalten Gedanken macht.“

Der stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende Michael Theurer warnte ebenfalls davor, „gleich die Verbotskeule zu schwingen“. Das diene weniger dem Umweltschutz, sondern führe vor allem zu mehr Bürokratie, sagte er dem Handelsblatt. Onlinehändler müssten aber mehr Verantwortung übernehmen, etwa mit einer Selbstverpflichtung. Außerdem müssten die Kunden ihr Kaufverhalten hinterfragen, sagte Theurer.

Wirtschaftswissenschaftler der Universität Bamberg haben ermittelt, dass die Bundesbürger bei Bestellungen im Internet jedes sechste Paket wieder zurückschicken. Im vergangenen Jahr sind das demnach 280 Millionen Pakete und 487 Millionen Artikel gewesen. Bei Kleidung und Schuhen geht sogar fast die Hälfte der Pakete zurück an den Absender, wie die Forscher Ende April mitteilten.

Die Retouren belasten durch das zusätzliche Transportaufkommen das Klima. Die Kosten müssen einerseits die Kunden durch höhere Marktpreise tragen, andererseits erzielen die E-Commerce-Händler geringere Margen. Nach Erkenntnis der Forscher landen rund vier Prozent der zurückgeschickten Artikel im Müll.

Immerhin gut 79 Prozent werden direkt wieder als A-Ware verkauft, weitere 13 Prozent als B-Ware, so die Forscher. Und drei Prozent würden an industrielle Verwerter verkauft oder an gemeinnützige Organisationen gespendet.

Marktführer Amazon hatte dazu vor wenigen Wochen erklärt, jede Rücksendung werde qualitätsgeprüft, neu verpackt und – wann immer möglich – wieder als Neuware angeboten. Zudem hätten seit 2013 mehr als 1000 soziale Einrichtungen Spenden bekommen. Eine halbe Million Menschen erhielten so laut Amazon Spielzeug, Schuhe, Kleidung oder Drogerie-Artikel.

Mehr: Besonders zum Jahreswechsel nach den Weihnachtsfeiertagen haben Versandhändler mit den Folgen von massiven Rücksendungen zu kämpfen. Nun wehren sich die Händler.

  • kol
  • gw
  • rtr
  • dpa
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  • Frankreich bereitet derzeit ein Gesetz vor, das den Inhalt des deutschen Grünen Vorschlages hat.

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