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„Vernünftiges Risikomanagement“ Ruf nach Konsequenzen aus Primark-Skandal

In Kleidung eingenähte Zettel mit vermeintlichen Hilferufen von Arbeitern haben einen Sturm der Entrüstung gegen die Billig-Modekette Primark entfacht. Ein Menschenrechtler sieht weitere Firmen im Zwielicht.
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Die Tüten von Primark dominieren die Innenstädte. Doch hinter der billigen Mode stecken oft niedrige Löhne und widrige Arbeitsbedingungen, wie Etiketten in einigen Kleidungsstücken vermuten lassen. Quelle: dpa

Die Tüten von Primark dominieren die Innenstädte. Doch hinter der billigen Mode stecken oft niedrige Löhne und widrige Arbeitsbedingungen, wie Etiketten in einigen Kleidungsstücken vermuten lassen.

(Foto: dpa)

BerlinNachdem die britische Billigmodekette Primark erneut wegen der Arbeitsbedingungen bei der Herstellung ihrer Produkte in die Kritik geraten ist, fordert der frühere Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Markus Lönung, Konsequenzen. „Das Beispiel Primark zeigt, welche Abgründe sich in globalen Wertschöpfungsketten auftun können. Alle Unternehmen mit weltweiten Zulieferern sollten die Berichte über Menschenrechtsverletzungen bei Lieferanten sehr ernst nehmen“, sagte Löning Handelsblatt Online. Das betreffe nicht nur den Textilsektor. „Kinderarbeit bei der Kakaoernte in West-Afrika, Sklavenarbeit beim Garnelenfang in Thailand, erbärmliche Bedingungen in Bergwerken - viele Branchen sind betroffen.“

Löning sieht die Unternehmen in der Pflicht auf diese Entwicklung zu reagieren. „Ein vernünftiges Risikomanagement schaut sich die Lieferkette an bevor es zu solch einer Reputationskrise (wie bei Primark) kommt“, sagte der frühere FDP-Bundestagsabgeordnete. „Jeder Bericht über schlechte Arbeitsbedingungen oder andere Menschenrechtsverletzungen beschädigt mühevoll aufgebaute Markenwerte.“ Die Verbraucher erwarteten immer stärker verantwortungsvolles, nachhaltiges Handeln von den Firmen, bei denen sie einkaufen. „Gleichzeitig steigen auch die Transparenzanforderungen von institutionellen Anlegern und Firmenkunden“, fügte Löning hinzu. „Die gerade erweiterte EU-Bilanzrichtlinie schreibt ebenfalls neue Berichtspflichten in Bezug auf Arbeitsbedingungen in der Lieferkette fest.“ Auch von dieser Seite werde der Druck weiter zunehmen.

Löning beschäftigte sich seit seinem Ausscheiden aus der Bundesregierung im Herbst vergangenen Jahres schwerpunktmäßig mit dem Thema „Menschenrechte und Wirtschaft“. Dazu hat er ein Experten-Netzwerk aufgebaut – mit den Schwerpunkten Unternehmensberatung, Entwicklungsarbeit, Menschenrechtsorganisationen und Kommunikation.

Auch aus Sicht der Mitarbeiter sei es „außerordentlich wichtig, dass die eigene Firma sich verantwortlich verhält“, betonte Löning. „Wer möchte schon für eine Firma arbeiten, die Menschen in Gefängnissen ausbeutet oder zu Hungerlöhnen arbeiten lässt?“ Sowohl bei der Motivation der eigenen Angestellten als auch beim Recruiting hätten Unternehmen, die verantwortungsvoll und nachhaltig arbeiteten, „klare Vorteile“, ist der Menschenrechtler überzeugt. „Niemand möchte schlechte Arbeitsbedingungen, Ausbeutung oder Sklavenarbeit in seiner Lieferkette.“ Aber um das sicher zu stellen müssten Unternehmen genau hinschauen. „Die Hoffnung, dass alles schon in Ordnung sein wird, ist zu wenig“, sagte Löning. „Gerade bei den komplexen, globalisierten Wertschöpfungsketten von denen deutsche Unternehmen heute profitieren gilt: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.“

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