Verspätungen und Ausfälle Flugchaos bei Lufthansa und Eurowings alarmiert die Politik

Viele Tausend Fluggäste kamen in den vergangenen Wochen nicht wie geplant an ihr Ziel. Jetzt schaltet sich das Verbraucherministerium ein.
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Flug verspätet? – Mit diesen Tipps bekommen Sie ihr Geld zurück

BerlinUrlaubsreisende müssen sich auf ungemütliche Ferienmonate einstellen. „Auch der Himmel stößt mal an seine Grenzen“, schrieb die Luftverkehrswirtschaft Anfang dieser Woche in ganzseitigen Zeitungsanzeigen.

Unterzeichner waren die Chefs der im Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) organisierten Airlines, darunter Lufthansa, Eurowings, Condor, Tuifly und EAT sowie deutsche Flughäfen und die Deutsche Flugsicherung. Die Aktion sollte genervte Passagiere beruhigen.

Doch neben der Entschuldigung und der Zusicherung, hart daran zu arbeiten, „Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit zu verbessern“, enthielt der Text ein brisantes Eingeständnis: „Im vor uns liegenden Sommer werden die Maßnahmen noch nicht ihre volle Wirkung entfalten können.“ Sprich: Es wird weiter zu Unregelmäßigkeiten kommen.

Angesichts dieser Umstände zeigen sich Politik und Verbraucherschützer alarmiert. Das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz etwa forderte von den Fluggesellschaften einen besseren Kundenservice.

Viele Passagiere ärgere, dass sie zuerst Unannehmlichkeiten wegen eines ausgefallenen oder verspäteten Fluges hätten und sich die Airlines dann „nicht einmal kundenorientiert“ verhielten. Die Fluggesellschaften sollten an einem „kundenorientierten Beschwerdemanagement“ arbeiten, sagt Staatssekretär Gerd Billen dem Handelsblatt. Airlines seien heute noch viel zu selten service- und kundenorientiert. „Einen guten ersten Eindruck kann man nur einmal machen.“ Das hat die Airlines zuletzt jedoch offenbar wenig geschert.

Zehn Monate nach der Insolvenzanmeldung von Air Berlin ist der deutsche Luftverkehr so unzuverlässig wie niemals zuvor. Laut Berechnungen des Fluggastrechte-Portals EU-Claim fielen von Januar bis zum 20. Juni deutschlandweit 15.571 Flüge aus, 3778 waren mindestens drei Stunden verspätet. Im vergleichbaren Vorjahreszeitraum hatte es 8826 Ausfälle und 2268 Verspätungen gegeben.

Auf die Airlines kommen millionenschwere Entschädigungen zu. Basierend auf ihren Daten haben die Experten von EU-Claim errechnet, dass alleine bis zum 20. Juni Entschädigungsansprüche von fast 480 Millionen Euro aufgelaufen sind. Je nach Flugentfernung steht Fluggästen ab einer Verspätung von drei Stunden eine Entschädigung von bis zu 600 Euro zu.

Ministerium wirbt für Schlichtungsstellen

Den Anspruch auf Entschädigung unterstreicht auch das Verbraucherministerium. „Es können außergewöhnliche Umstände vorliegen, aber diese dürfen nicht zur Pauschalbegründung bei Nicht-Zahlung werden“, sagt Staatssekretär Billen. „Außergewöhnliche Umstände sollten von den Airlines transparent dargelegt werden.“

Billen rät Verbrauchern zugleich, notfalls die heute schon zur Verfügung stehenden Möglichkeiten zu nutzen, um Ansprüche einzufordern. „Ich kann nur raten, sich in solchen Fällen nach erfolgloser Eingabe bei der Airline an die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr oder an die Schlichtungsstelle Luftverkehr beim Bundesamt für Justiz zu wenden“, sagt er. Das sei unkompliziert und kostenlos.

Verbraucherschützer sorgen insbesondere die ungewöhnlich vielen Flugausfälle bei der Lufthansa. Im ersten Halbjahr hat die Airline schon mehr Flüge streichen müssen als im gesamten letzten Jahr. In einem heute veröffentlichten Entschuldigungsschreiben an Kunden sprach der Konzern von rund 2800 Ausfällen und nannte als Grund für die Störungen Fluglotsenstreiks, Engpässe bei der Flugsicherung und bei der Infrastruktur sowie Wetterkapriolen durch die vielen Gewitter.

Auch die Lufthansa-Tochter Eurowings entschuldigte sich schriftlich bei sogenannten Statuskunden, nachdem sie seit Monaten für Flugausfälle und -verspätungen kritisiert wird. Eurowings-Chef Thorsten Dirks erklärte die Störungen auch mit dem großen Aufwand und der notwendigen Zeit für die Übernahme von über 70 der einst 140 Flugzeuge der Pleite-Gesellschaft Air Berlin. Deren Transfer zu Eurowings werde bis Ende Juli abgeschlossen sein, sodass der Flugbetrieb wieder zuverlässiger werde.

Daran haben Tourismuspolitiker wie der CSU-Bundestagsabgeordnete Paul Lehrieder ihre Zweifel. „Ich sehe die Entwicklung mit extrem großer Sorge“, sagt der Vorsitzende der Arbeitsgruppe Tourismus der Unions-Bundestagsfraktion dem Handelsblatt. „Das Image der Branche hat ohnehin schon wegen der Air-Berlin-Pleite schwer gelitten.“ Deswegen halte er es schon für „ein starkes Stück“, dass die Luftverkehrswirtschaft in ganzseitigen Anzeigen „ganz ungeniert“ erkläre, dass die getroffenen Maßnahmen im Sommer noch nicht wirken würden. „Das ist echtes Problem.“

Der CSU-Politiker bedauerte, dass die die Politik leider „kein scharfes Schwert“ habe, um die Airlines unter Druck zu setzen. „Ich kann nur an die Fluggesellschaften appellieren, die Missstände schnell abzustellen“, sagt Lehrieder. Urlauber, aber auch Geschäftsreisende müssten sich darauf verlassen können, pünktlich und zuverlässig zu fliegen. „Alles andere wäre schädlich für den Luftverkehrsstandort Deutschland.“

Der Grünen-Tourismuspolitiker Markus Tressel sieht indes gesetzgeberischen Handlungsbedarf. „Es kann grundsätzlich nicht sein, dass Flugreisende immer häufiger die schlechte Planung von Fluggesellschaften ausbaden müssen“, sagt Tressel dem Handelsblatt. „Deshalb brauchen wir mehr Verbraucherschutz durch eine Reform des Ordnungsrechts und höhere Bußgelder, damit Fluggesellschaften ihre Verpflichtungen gegenüber den Kunden ernst nehmen.“

Außerdem sei es das Mindeste, dass die Lufthansa ihren Fluggästen bei zukünftigen Verspätungen und Flugausfällen die konkreten Gründe transparent mache. „In den Sommerferien muss die Lufthansa beweisen, dass sie es besser kann als in der ersten Jahreshälfte.“

„Urlaubspleite reloaded“

Als „höchst ärgerlich“ bezeichnet es der Grünen-Bundestagsabgeordnete in diesem Zusammenhang, dass sich die Lufthansa monatelang in Schweigen hülle und sich dann erst aufgrund des massiv gestiegenen öffentlichen Drucks erkläre. „Sie wäre es den Betroffenen zumindest schuldig gewesen, die Probleme im eigenen Haus klar zu benennen und die Gründe für die Ausfälle nicht in Form von Allgemeinplätzen außerhalb ihrer Verantwortung zu suchen“, sagt Tressel.

Auch Deutschlands oberster Verbraucherschützer Klaus Müller kritisiert die Entschuldigung der Kranich-Airline. „Hier drängt sich die Frage auf, ob sich Lufthansa mit der Air-Berlin-Übernahme nicht doch verhoben hat“, sagt der Chef des Verbraucherzentralen-Bundesverbands (VZBV) dem Handelsblatt. Der „von der Politik hochgelobte nationale Champion“ müsse nun daher „schnellstens seiner Entzauberung entgegenwirken.“

Dazu gehörten ein stabiler Flugplan, aber auch genügend flugbereite Maschinen und Mitarbeiter. „Die Schwierigkeiten bei der Lufthansa und ihrer Tochter Eurowings dürfen sich nicht auch in diesem Jahr wieder zu einem Drama für Verbraucher ausweiten“, warnt der VZBV-Chef.

Schon der Sommer im vergangenen Jahr sei für Urlauber wegen der Air-Berlin-Pleite eine „Katastrophe“ gewesen. „Lufthansa ist damals auch mit dem Ziel zur Air-Berlin-Übernahme angetreten, es besser zu machen“, so Müller. Nun aber erlebten Verbraucher ein Déjà-vu: Flugplanänderungen, Verspätungen und Flugausfälle führten nicht nur zu langen Wartezeiten und „erheblichen Unsicherheiten“ bei Flugreisenden.

Tausende Lufthansa- und Eurowings-Kunden seien gar nicht erst an ihr Urlaubsziel gelangt, in der Ferne gestrandet oder ohne Gepäck angekommen. „Urlaubspleite reloaded“, fasste der VZBV-Chef das Chaos zusammen.

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2 Kommentare zu "Verspätungen und Ausfälle: Flugchaos bei Lufthansa und Eurowings alarmiert die Politik"

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  • Ich sehe das auch entspannt.
    Die LH wird das in den Griff bekommen, Es fehlen Flugzeuge und Besatzungen. Die kann man nicht aus dem Hut zaubern.
    Ich plane bei den Flugverbindungen einfach eine Stunde Reserve ein und alles ist gut.
    Von Chaos im Luftverkehr sind wir weit entfernt. Das ist maßlos übertrieben.
    Chaos kann man in Frankreich, Griechenland und Italien bei Generalstreiks erleben.
    Wir jammern auf einem extrem hohen Niveau in paradiesischen Verhältnissen im Vergleich zu den meisten Teilen der Welt.

  • Nach Übernahmen und in unseren chaotischen Zeiten ist das eher normal.
    Andere Mitbewerber haben noch mehr Probleme.
    Der Service von Lufthansa am Bord der Maschinen und am Boden ist jedoch SUPER.
    Danke liebe Lufthansa Mitarbeiter!

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